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Nr. 298.

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Berliner Volksblaff.

29. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ",

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1983.

Der Balkanbund.

Aus Sofia wird uns geschrieben:

Sonnabend, den 21. Dezember 1912.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Mr. 1984.

zessionen gemacht hatte, um dieses dem Bunde zu entfremden. feindlich gegenüberstehen, wie der Eroberungspolitik Nuß­Im letzten Moment hat Griechenland aber dennoch seinen Bei- lands. Dieses brauchte den militärischen dynastischen Balkan­stand nicht verjagt. Es ist ziemlich gewiß, daß zwischen Bulgarien bund, um ihn den Bestrebungen Desterreichs gegenüber. und Griechenland kein besonderer Vertrag, sondern nur eine zustellen, und gleichzeitig von Desterreich Konzessionen für die Verständigung über die militärischen Wirkungssphären sowie russischen Ansprüche erzwingen zu fönnen. In dem Moment, Der Balkankrieg ist das Werk des militärischen Balkan - über die Grenzen ihres zukünftigen Besitzes existiert. wo dieser militärische Bund versuchen wird, sich in einen bundes. Was aber stellt dieser Balfanbund eigentlich vor? Der Balkanbund als dauernde und be- Bund der Balkanvölker umzuwandeln, wird Rußland da. Wie ist er entstanden und wie wird seine Zukunft sich ge- stimmte Institution existiert nicht. Der Balkan gegen sein. Die Bildung eines autonomen Albaniens unter ſtalten? bund ist heute ein militärischer Bund mit dem besonderen dem Schuße Desterreichs und Italiens und ihre Weigerung, Ser­Zur Beantwortung dieser Fragen vor allem ein wenig Zweck, die Türkei aus ihren europäischen Gebieten heraus- bien einen Ausgang an der Adria zu bewilligen, das alles beweist, Geschichte. zudrängen, und diese unter die Verbündeten aufzuteilen. daß jene Zustände, die die Veranlassung für die Intrigen auf Der Gedanke eines militärischen Bundes auf der Balkan - Wird sich nun dieser Bund in einen Balkanbund, in eine der Balkanhalbinsel geben, erhalten werden sollen und daß die Halbinsel erschien zum erstenmal nach der Annexion von Bos - politische Einheit auf dem Balkan umwandeln? Das auf der Balkanhalbinsel interessierten Staaten versuchen werden, nien nnd der Herzegowina, die, wie bekannt, in Serbien eine ist die wichtige Frage, von deren Lösung die Zukunft der den Baltanbund zu vereiteln. große Erregung erweckt hatte. Die Bedrohung Serbiens Balkanvölker abhängt. Troß alledem aber werden dieselben Faktoren, die die durch Desterreich hat allen Balkanvölkern gezeigt, was sie Die militärischen Erfolge der Balkanstaaten und die von Balkanstaaten jetzt einander genähert haben, die Balkanvölker gegebenenfalls zu erwarten hätten. Andererseits weiß man, dem Bunde dadurch erworbene internationale Bedeutung auch zwingen, ihre Rettung in ihrer Verbündung zu suchen, daß diese Annerion mit Zustimmung Rußlands geschehen ist. machen es wahrscheinlich, daß dieser Bund nach Beendigung und zwar in jener Politik, die unsere Partei und die anderen Rußland hat dann auch sa, ließlich, nachdem es erst das Kriegs- des Krieges sich in einen auf ökonomischer und politischer Bruderparteien des Balkan in der ersten Balkankonferenz in feuer gegen Desterreich bei den Serben geschürt hatte, Serbien Gemeinsamkeit beruhenden Staatenbund umwandeln wird. Belgrad im Jahre 1909 bestimmt haben, nämlich in der seinem Schicksal überlassen. Es gibt aber auch viele Anzeichen, die beweisen, daß der Politit einer föderativen Baltanrepublit.

Nach dem russisch - japanischen Kriege war das Prestige Balkanbund vielen Hindernissen begegnen wird, die sein Zustande- Leider befindet sich heute die Sozialdemokratie auf dem Rußlands auf der Balkanhalbinsel sehr gesunken. Nach der kommen vereiteln fönnen. Vor allem gibt es noch heute zwischen Balkan in einer Lage, die es nicht erlaubt, im Sinne dieser Annerion und den Enthüllungen Aerenthals über Rußlands den verbündeten Staaten Gegensätze, die beinahe zu einem Rettungspolitik für die Balkanvölker zu arbeiten. Eine un­Doppelspiel stand der Zarismus vor der Gefahr, sein Prestige militärischen Zusammenstoß geführt hätten. Den Anglaublich strenge Zensur erstickt unser Wort. Unser auf der Balkanhalbinsel definitiv einzubüßen. Um dieser laß gab das Benehmen Griechenlands . Den Ver- Parteiorgan, die Arbeiter- Zeitung ", wurde ohne gesetzliche Gefahr zu entgehen und der österreichischen Politik gegenüber abredungen zwischen Bulgarien und Griechenland zufolge Gründe verboten und zwar nur deswegen, weil es ein eine Schranke aufzurichten, riet Rußland den Balkanstaaten mußten die bulgarischen und griechischen Truppen, mit den sozialdemokratisches Arbeiterorgan ist. Die Versammlungen den Abschluß eines militärischen Bundes an. drei Kronprinzen an der Spize- dem bulgarischen, serbischen werden auch verboten, trotzdem sich fast die ganze Partei und

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Dieser Vorschlag Rußlands fand bei den Balkanstaaten und griechischen in Saloniti einziehen. Die Griechen aber, fast alle Gewerkschafts- Drganisatoren unter den Fahnen auf erst Widerhall bei Beginn des italienisch- türkischen Krieges. den Weg des geringsten Widerstandes nehmend, trafen früher dem Kriegsschauplage befinden. Wir warten mit Ungeduld Die Kriegserklärung, die Eroberung Tripolis durch Italien mit als die Bulgaren in Saloniki ein; während die bulgarischen auf das Ende des Krieges und die Aufhebung des Kriegs­der Zustimmung Europas , das heuchlerische Eintreten Italiens Truppen vor Saloniki kämpften, verhandelten die griechischen zustandes, unt niit berdoppelter Energie die sozialdemokratische für die Erhaltung des Statusquo", andererseits der end- Befehlshaber mit dem Kommandanten von Saloniti über Propaganda wieder aufzunehmen, und speziell die Propaganda gültige Zusammenbruch des jungtürkischen Regimes und die die Kapitulation dieser Stadt. Als die bulgarischen Truppen für die föderative Baltanrepublik. In dieser Beziehung Enttäuschung über die Reformmöglichkeit der Türkei , alles dies noch 15 Stilometer von Saloniki entfernt waren, und noch ist die Aufgabe der Sozialdemokratie auf dem Balkan jetzt hat die Balkanstaaten und ihre Dynastien zum militärischen mit den Türken kämpften, hatte sich die die Garnison wesentlich erleichtert und wir hoffen nach dem Kriege einen Bund gedrängt. Die genannten Ereignisse haben diesen sehr von Saloniti bereits den Griechen ergeben, und größeren Einfluß auf die Politit der Balkanbourgeoisie aus­flar gezeigt, daß der berühmte Statusquo nur für die großen als die Bulgaren in Saloniki einzogen, waren waren die üben zu können als vorher. europäischen Staaten obligat sei und daß er nur eine Ver- Griechen schon Herren der Stadt. Dies erweckte. bei den schleierung ihrer Eroberungsbestrebungen auf der Balkan - Bulgaren große Unzufriedenheit, und gab sogar Anlaß zu halbinsel sowie für die Aufteilung der europäisch- türkischen militärischen Zusammenstößen. Man sagt, daß König Ferdinand Gebiete ist. Der Statusquo erschien nur als Mittel einige Stongessionen in Saloniki von den Griechen zugunsten der Einschnürung der Balkanvölker in ihre engen Grenzen. Bulgariens erhalten und sich die endgültige Verständigung Loudon, 20. Dezember. Die Botschaftertonferenz Die Erhaltung des Statusquo hätte überdies das völlige Auf- vorbehalten habe. Es ist aber wahrscheinlicher, daß der Kontagte heute nachmittag unter dem Vorsitz Sir Edward Greys geben der sogenannten nationalen Ideale" bedeutet, mit flift mit der gewaltsamen Einnahme verschiedener Verwaltungs- zum letztenmal vor dem Weihnachtsfeste. denen die Beherrscher der Balkanstaaten ihre Existenz recht- anstalten in Saloniki durch das bulgarische Heer erledigt ist. Wie das Reutersche Bureau erfährt, herrscht in diplo­fertigen. Dieser Zustand war vor allem die größte Gefahr für Jedenfalls zeigt der Zwischenfall in Saloniti, wie unsicher matischen Kreisen eine optimistische Auffassung der die Balkandynastien. der Balkanbund noch ist. europäischen Lage. Wenn auch über die Besprechung der Botschafter Stillschweigen bewahrt wird, so gibt man doch zu, daß sie bereits girte Ergebnisse gehabt hat. Die Botschafterkonferenz über die Autonomie Albaniens . London , 20. Dezember. Eine offizielle Meldung des

Die Botfchafterkonferenz.

Die Türkei unnachgiebig?

Die jungtürkische Revolution im Jahre 1908 war für die Dieses bestätigt auch ein Zwischenfall, zwischen Bulgarien europäischen Großmächte der Vorwand, ihren Reformeifer in und Serbien . Das Vilajet Uestüb ist in der Mehrheit von den europäisch- türkischen Gebieten aufzugeben. Wenn die Bulgaren bevölkert. In der Stadt Uesküb stellt die bulgarische europäischen Regierungen vor dieser Revolution in ihrem gegen- Bevölkerung die Mehrheit der christlichen Einwohner, während seitigen Wetteifer, auf die Balkanvölker Einfluß zu gewinnen, es in der Stadt und den umliegenden Dörfern teine Serben und zum Schutz der Balkandynastien gezwungen waren, von gibt. Als nun das serbische Heer in Uestüb einzog, hatten die Reuterschen Bureaus besagt: Die Botschafter haben an­der Türkei Reformen zu fordern, so waren sie nach der jung- Bulgaren die bulgarische Nationalfahne gehißt. Diese empfohlen, daß Albanien autonom werden solle, mit türkischen Revolution von dieser Sorge befreit. Die euro - wurde von den Serben mit Gewalt heruntergeholt. Die der Stipulation, daß Serbien einen Handelszu­päischen Regierungen eröffneten dem jungtürkischen Regime bulgarische Bevölkerung in Utesküb ist sehr wenig damit zufrieden, gang zum Adriatischen Meere garantiert erhalte. einen großen Kredit. Sie behaupteten, dieses Regime werde daß dieses Wilajet unter serbischer Herrschaft bleiben sollte. Die sechs Regierungen haben diesen doppelten Vorschlag im eine Neugestaltung der Türkei herbeiführen; die Balkanstaaten Eine Deputation ist sogar deshalb nach Sofia gekommen. Prinzip unterzeichnet. hätten daher kein Recht mehr, sich in die Angelegenheiten des Dasselbe wiederholte sich auch im südlichen Mazedonien , osmanischen Reiches zu mischen und müßten den Statusquo wo die griechischen Truppen eine Reihe echt bulgarischer respektieren. Dörfer und Städte mit dominierender bulgarischer Bevölke­Paris, 20. Dez.( Privattelegramm des Vor­Der Zusammenbruch der jungtürkischen Verwaltung hat rung einnahmen und dort ihre Verwaltungen einrichteten. wärts".) Der Temps" meldet aus Konstantinopel aus offi­auch diese Verschleierung der Eroberungspolitik der europäischen Diese Zwischenfälle weisen darauf hin, daß wir eine Reihe zieller Quelle: Die Regierung behauptet einen bedeutenden Regierungen zerrissen, und den Balkandynastien die Hände wieder einzelner Staaten, mit den alten Zwiftigkeiten untereinander, Flottenerfolg errungen zu haben. Janina leistet un­frei gemacht. Die Balfanstaaten fühlten sich jetzt berufen, die eine beständige Gefahr für den Frieden bedeuten würden, geschwächten Widerstand; Neschid Pascha soll deshalb in­allein für sich, für ihre Eristenz und Zukunft Sorge zu tragen. haben werden, falls es nicht gelingt, den militärisch en struiert worden sein, Griechenland den Waffen­Der Verbündungsgedanke trat immer stärker hervor. Bund zwischen den Balkandynastien in einen Bund der stillstand zu verweigern, wenn dieses ihn verlange. Wie man in Bulgarien versichert, wurde der Grund zu Balkanvölker umzuwandeln. Die türkischen Delegierten in London sollen die Frage dem Bunde am Ende des vorigen Jahres, während der Der von der Bourgeoisie beider Länder und durch die Adrianopels so schnell als möglich anschneiden und die Feierlichkeiten der Volljährigkeit des bulgarischen Kronprinzen Intriguen der Großmächte verstärkte Haß zwischen Bulgaren Verhandlungen abbrechen, wenn die Bulgaren auf gelegt. Bei diesen Feierlichkeiten waren die Stronprinzen der und Serben wegen der Eroberungen in Mazedonien und der Uebergabe dieser Festung bestehen. Balfanstaaten, sowie ein russischer Großfürst anwesend. Aller speziell in Uestüb wird nach dem Kriege mit neuer Straft er­Die montenegrinische Dynastie. Wahrscheinlichkeit nach hat bei dieser Gelegenheit in den wachen. Die bürgerlichen bulgarischen Patrioten haben stets Wien , 20. Dezember. Die Neue Freie Presse" meldet: In intimen Zusammenkünften zwischen dem König Ferdinand und zu dem bulgarischen Mazedonien " das Bilajet Uestüb ge- hiesigen diplomatischen Kreisen sind aus Gettinje nicht unbedenk­seinen Gästen ein Gedankenaustausch über die Möglichkeit rechnet, und auch heute verbergen sie nicht ihre Unzufrieden- liche Nachrichten eingetroffen. Die Lage der Dynastie foll eines Balfanbundes gegen die Türkei stattgefunden. Ge- heit über die Tatsache, daß die Gerben, die Herren von Uesküb diesen Informationen zufolge erschüttert fein. Die Bewegung schlossen wurde dann dieser Bund nach dem Systemwechsel in sein sollen. Entstand doch der seit Befreiung Bulgariens gegen die Dynastie wurde durch die bisher negativen Ergebnisse des der Türkei am Anfang dieses Jahres. während Generationen und besonders nach dem serbisch- bul- Serieges, der dem Lande ungeheure Opfer an Menschenleben Welches sind nun die Bedingungen, auf denen der mili- garischen Krieg geschürte nationale Haß gegen Serbien gerade und Geld auferlegte, hervorgerufen. Eine ähnliche Meldung geht tärische Balfanbund beruht? aus den Aspirationen Serbiens auf das Wilajet Uestüb. Und der Slawischen Korr." aus Belgrad zu. Ueber diese Frage weiß man nicht viel Positives. Man ver- wenn Bulgarien und Serbien bereits vor dem Kriege über sichert nur, und dies wird von den Tatsachen bestätigt, daß den Pelz des noch nicht erlegten Bären stritten, so werden Die Seeschlacht bei den Dardanellen. kein Bündnisvertrag zwischen den Balkanstaaten existiert. sie nach dem Kriege erst recht über die Haut der Bevölkerungen Athen , 19. Dezember. Die Agence d'Athènes" veröffentlicht. Bulgarien hat aber einzelne Verträge mit jedem der drei in Uestüb und Monastir streiten. über die Seeschlacht vom 16. Dezember auf Grund des Staaten Serbien , Montenegro und Griechenland - abge- Es wird daraus ersichtlich, daß die Hindernisse für die Berichtes eines Kapitäns, der mit seinem Schiff von den Darda­schlossen. Mit Montenegro 3. B. hat Bulgarien vereinbart, Berwirklichung der Idee eines Bundes der Balkanvölker bor nellen hier eingelaufen ist, folgende Einzelheiten: Der türkische daß es sich verpflichtet, Montenegro täglich mit 30 000 Frant allem bei den Balkanstaaten und Dynastien selbst zu suchen Panzer, haireddin Barbarossa" ist fast völlig zer­zu unterstützen, bis der Krieg mit der Türkei beendet ist. Mit sind. Andererseits wieder werden die Intrigen der stört worden; er ist an Backbord und Steuerbord getroffen und Serbien hat Bulgarien einen besonderen und detaillierten europäisch- kapitalistischen Regierungen zweifellos dahin ge- jetzt mit Wachstuch verkleidet worden. Während des Kampfes brach Vertrag, nach welchem die Truppen im Notfalle gegenseitig richtet sein, das Zustandekommen des Bundes der Balkan an Bord des Panzers Feuer aus, jedoch gelang es, dieses zu zur Verfügung gestellt und die eventuell besetzten türkischen völker zu vereiteln. Denn der Balkanbund wäre eine Gefahr löschen. Kontreadmiral al oi und vier Offiziere sind ge­Länder genau verteilt werden. Der mit Griechenland ge- für die Intereffen der großen europäischen Staaten, besonders tötet worden. Bei den Mannschaften ist die Zahl der Verwundeten schlossene Vertrag ist, wie es scheint, weder genau bestimmt, für die Desterreichs und Italiens , wie auch für die russische und Toten sehr groß. Ein Hospitalschiff ist abgesandt worden, um noch wirffam. Wie bekannt, zögerte Griechenland bis zum Eroberungspolitik. Der Baltanbund würde der expansiven fie aufzunehmen. Drei andere türkische Schiffe erlitten schweren letzten Moment, weil die Türkei Griechenland verschiedene Kon- Politit Desterreichs und Italiens auf dem Balkan ebenso Schaden.

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