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Ur. 272.

Erscheint täglich außer Montags. Breis pränumerando: Biertele jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags: Nummer mit tlluftr. Sonntags Beilage Neue Selt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuzs band: Deutschland u. Defterreich: Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingers. in der Boft Beitungs- Breisliste für 1893 unter Nr. 6708.

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10. Jahrg

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Vetitzeile oder deren Raum 40 Vfg., für Vereins: und Beriammlungs Anzeigen 20 fg Inferate für die nächite Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in Der Grpedition abgegeben werden. Die Expedition it an Wochen­tagen bis 7 Ubr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Bor: mittags geöffnet. Fernsprecher: 3mt I. 4186. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin !

Berliner Bolksblatt.

1910

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Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

I.

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Sonnabend, den 18. November 1893. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Der Erfolg blieb so wenig aus wie später bei den Bier- land eingeführten Fabrikate noch die oben angeführte in allen Bevölkerungsschichten und Parteien, auch den Fabrikaten derselben Art."

Die neue Tabakfeuer. fönigen, deren Brodukt sich einer noch größeren Popularität Fabrikatſteuer nach denselben Säßen wie von inländischen Es sind lebensgefährliche Operationen, die unsere politisch maßgebendsten, erfreut. Sehr bald hatten Regie- Die letterwähnten Bestimmungen sind gar nicht so Steuerkünstler an ganzen Produktionszweigen vornehmen rung und Reichstag die Segel gestrichen vor dem Ent übel darauf berechnet, die Tabatpflanzer und es müssen, um den Heißhunger des Militärstaates nach immer giebt deren im Deutschen Reiche immer noch 160 000 bis neuen Millionen zu stillen. 180 000- loszulösen von der Agitation der Tabak­industriellen, ja sie womöglich zu Hilfstruppen der Re­giernng im Miquel'schen Steuerfeldzuge zu machen. Und die Tabakbauern haben wiederum in Zentrums- und Elsässer­freisen etwas zu bedeuten.

Die Tabakindustrie weiß davon ein Lied zu singen. Daß unter der staatlichen Zersplitterung Deutschlands die indirekten Steuern nicht so leicht entwicklungsfähig waren, wie in zentralisirteren Reihen, kam der deutschen Tabak industrie ursprünglich zu statten. Dafür ist sie nun seit fünfundzwanzig Jahren eigentlich nicht mehr zur Ruhe ge­

tommen.

rüstungssturm aus dem rauchenden und trinkenden Mittel­stande. Der Tabak triumphirte zuerst. Der Reichs­Anzeiger" erklärte am 20. November offiziell:

"

Eine höhere Besteuerung des Tabaks zur Deckung der Mehrkosten aus der Militärvorlage in irgend welcher Form ist nicht beabsichtigt."

Und am 23. November, bei der Einbringung der Militärvorlage, wiederholte der Reichskanzler im Reichstage diese Zusicherung:

Wenn die Miquel'sche Reform weiter nichts wäre wie eine Aufhebung der Inlandssteuer, dann wäre sie zweifellos für den Tabakbauer eine wahre Erlösung von der lästigen Sie haben im Staats- Anzeiger" voraussichtlich gelesen, Gebundenheit in seinem ganzen Betriebe und von der noch daß wir auf Bier, Branntwein und Börse zurückgreifen wollen lästigeren ewigen Topfguckerei seitens der Steuerbehörden. und daß wir den Tabak haben fallen lassen. Ich fann in Auch eine finanzielle Erleichterung ist sie für den kleinen bezug auf den Tabak bewerten, daß es damit folgendermaßen Pflanzer, der nie einen baaren Groschen übrig hat. Wie zugegangen ist: die militärischen Anforderungen waren An­fangs höher, find dann allmälig heruntergegangen und noch oft hatte er, trotz aller Stundungen, von seinem Tabak in der letzten Instanz des Reiches um eine legte Summe von Steuern zahlen sollen, ehe er verkauft hatte; wie oft hat er Millionen ermäßigt worden, was uns die Möglichkeit gab, sein Produkt zu einem wahren Nothpreis verschleudern auf den Tabak als Steuerobjekt zu verzichten. Man hat müssen, um den Fiskus, der auf seinem Shylockschein be­gefagt, wir hätten überhaupt lieber eine Steuer nehmen steht, zu befriedigen. Das alles soll nun nicht mehr sein. follen, sie würde weniger Opposition gefunden haben. Das ist und noch mehr. In dem armen Bäuerlein werden noch richtig, wir würden weniger Interessen geschädigt haben. Wir ganz andere Hoffnungen rege gemacht. Bisher stellte die waren aber von Hause aus der Meinung, daß es redlicher

sei, die Last auf mehrere Schultern zu vertheilen. Wenn wir norddeutsche Bigarrenindustrie eine 5- Pfennig- Bigarre aus aber auf eine Gesammtsumme tamen, die durch Bier, Brannt. überseeischen Tabaken her- und die 5- Pfennig­wein und Börse allein gedeckt werden konnte, hatten wir Bigarren machen nach zuverlässigen Schäzungen über die keinen Grund, an dem Plane einer Erhöhung der Tabaks. Hälfte des auf 5 500 000 Mille sich beziffernden deutschen steuer festzuhalten." Gesammtkonsums aus. Nach der Steuererhöhung würde

Das Jahr 1868 brachte durch das Zollparlament die Flächensteuer für das innerhalb des Zollgebiets dem Tabakbau gewidmete Areal. Jm Spätjahr 1872 bereits tauchte als­dann das Projekt einer Gewichtssteuer auf, und trieb die Tabakpreise und die Einfuhrmengen rapid empor, bis 1873 mit dem Scheitern des Projektes ein ebenso jäher Absturz, in den Preisen wie in den Einfuhrmengen, erfolgte. Ende 1877 stand die Industic vor einem zweiten Reformplan und schon damals protestirte sie gegen die fortgesetzten Be­unruhigungen." Der Camphausen'sche Vorschlag( Gewichts­fteuer von 48 M. für den Doppelzentner inländischen dach­reifen Tabaks, von 60 M. für den fermentirten und 84 M. Zoll für den inländischen Tabat) fiel Anfang 1878 im Reichstage, aber die gleichzeitig eingesetzte Tabaks­Enquetetommiffion kündete nichts gutes. Nach zweis jährigem Hangen und Bangen, nach einer abnormen Vermehrung des Imports und einer wesentlichen Ver- Die Freude war kurz. Man kam nach der Auflösung die 5 und auch die 6- Pfennig- Bigarre nur noch aus dem ringerung des Inlandsbaues, war das Gewichts- Steuer des Reichstags überhaupt zu keiner Verständigung in der billigsten einheimischen Tabak herzustellen sein. Dieser steht gesetz vom 16. Juli 1879 das Ergebniß. 1880 schon fing Steuerfrage; die gequälten Finanzmmister standen wieder also, wie das offiziöse Federvieh in alle Welt hinaus­daraus Fürst Bismarck an, durch die Straßburger Tabat vis- à- vis de rien, dem leeren Nichts gegenüber. Ende Juli schnattert, vor einer großen Zukunft, die dem armen Bäuer­manufaktur der Privatindustrie in zunächst recht unan, dieses Jahres kamen sie in Frankfurt a. M. zusammen, um lein das Herz im Leibe lachen läßt. genehmer Weise auf den Leib zu rücken. 1882 enthüllte er nach neuen Steuerquellen zu forschen und Herr Miquel So haben sich den in Speyer und Heidelberg wirklich durch die Monopolvorlage seine letzten Absichten. Sie fand das erlösende Wort: eine Tabak Fabrikat steuer, Pflanzerversammlungen für die Fabrikatsteuer erwärmt und scheiterten ziemlich kläglich, und nun herrschte ein paar abgestuft nach dem Werthe des in der Tabakindustrie her- erklärt; allerdings verlangten die Pfälzer gleich Beibe­Jahre kleinlautes Schweigen selbst bei Herrn von Wayr; gestellten Produktes, des Kau-, und Schnupf- und Pfeifen- haltung des vollen jezigen Eingangszolles bei Beseitigung nur Herr Menzer rüttelte zuweilen mit lallender Zunge an tabaks, der Bigarren und Zigaretten. Nach einigen Wand- der Inlandssteuer. Aehnlich ließ sich der badische Land­der bestehenden Zoll und Steuerordnung, um das süd- lungen des ursprünglichen Planes, sind folgende Steuer- wirthschaftsrath für die neue Steuer einnehmen. Indeß deutsche Kraut gegen das überseeische Blatt zu Ehren zuzuschläge zum Fatturenpreis, zu welchem ist selbst hier schon ein Rückschlag bemerkbar; und daß die bringen. diese Fabrikate( ausschließlich der Steuer) von den Fabri- kleinen Tabatpflanzer schließlich in allen ihren heutigen fanten verkauft werden": Hoffnungen betrogen werden müßten, werden wir sehen, für im Inland fabrizirte Bigarren und Bigawenn wir die ganze Umwälzung uns flar gemacht haben, retten 338 pt.,

für Rauch tabak 662/3 pCt.,

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Mit den uferlosen militärischen Plänen erwachten auch die versunkenen Tabaksteuer- Projekte wieder. Man verstieg fich sogar bis zur Forderung des Verbots des inländischen Tabakbaues, um in englischer Weise dem Tabak bei der Einfuhr recht einfach und gründlich die gewünschten für Kau und Schnupf tabak 50 pCt. Millionen abzupressen; auch Herr Miquel wurde mit Dafür soll die Steuer auf den Rohtabak bei dem diesem Plane in Verbindung gebracht; wie wir glauben, Inlands pflanzer( 45 Mark pro 100 Kilo) in Weg mit Unrecht. Im Oktober 1892 wurden die Sach- fall kommen und der Eingangszoll für fremde Tabake verständigen", natürlich nur Unternehmer erster Güte, zu und Tabaffabrikate in folgender Weise geregelt werden: Konferenzen in das Berliner Reichs Schatzamt gerufen; auf 100 Kilogramm unbearbeitete Tabakblätter, Stengel man sprach von einer gleichmäßigen Erhöhung von Steuer und Tabaksaucen 40 Mart, für Bigarren 400 Mart, und Zoll um 30 M. pro Doppelzentner. Zigaretten 500 und andere Tabatfabrikate 250 Mart. Das Der ganze wohlorganisirte Agitationsapparat der ist der Schutzoll für den deutschen Tabakbau und die Tabakindustriellen begann sofort mit Hochdruck zu arbeiten. deutsche Tabakverarbeitung. Daneben zahlen die vom Aus­

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Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

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welche die Tabak- Fabrikatsteuer auf dem Gebiete des Handels und der Industrie und in ihrem Rückschlag dann auch in den Zuständen im Tabaksbau hervorrufen muß.

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zur Lage in Oesterreich . Unter der Ueberschrift Der Berliner Vorwärts" über Desterreich" veröffentlicht unser Bruderorgan, die Arbeiter­Zeitung" in Wien einen Aufsaß, worin sich dieselbe mit unserem Artikel in Nr. 262 überschrieben" Die neue Aera Windischgrät in Desterreich" beschäftigt.

das man sich wohl im Geiste vorstellen konnte, das aber nehmen schien ihnen nicht mehr so leicht ausführbar, und absolut keine Verbindung mit den bestehenden Ver- so einfach, ale früher, und der Feind, dem sie ein hältnissen hatte. Die nächsten Ziele und was zunächst ruhiges Sigen unter dem Feigenbaum zugedacht hatten, er­zu thun war, davon sprachen die Sozialisten nicht.*) klärte ihnen seinerseits den Krieg. quie

aus der sozialistischen Bewegung weniger entfernten Zukunft". Der Bauer interessiert sich flüsterten ihnen ihre Rathschläge zu.

in Rußland .

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Der Bauer ist aber vor allen Dingen ein Praktiker, der ein Unthätig, aus den Dörfern vertrieben, saßen die bestimmtes, flares Ziel sehen muß, das er selbst erreichen Sozialisten da, und dachten darüber nach, was zu thun sei. kann und zwar sofort, aber nicht in einer mehr oder Zwei ewige Antagonisten - die Theorie und die Praxis, nur für eine praktische, jetzt bereits sichtbar werdende und Auf dem Wege Eurer Thätigkeit sind Hindernisse flar formulirte Aufgabe, aber die Verbreiter des unbegrenzten entstanden; es ist klar, daß Ihr diese beseitigen müßt," sozialistischen Ideals der Gleichheit und Brüderlichkeit staunt er sagte die Praxis. ( Aus dem Russischen überseht.), ebenso an, ohne sie zu begreifen, wie eine Pilgerin, welche ihm Hört nicht auf die Praxis," entgegnete die Theorie, Die erste praktische Thätigkeit der sozialistischen Volks- von den Herrlichkeiten jener Welt erzählt. Er hört sogar fie will Euch von dem geraden Wege abwenden, Euch zum apostel fühlte ihre idealistische Anschauung über das mit vielem Wohlgefallen den Reden der Pilgerin zu, weil politischen Kampfe anfeuern. Die Praxis will Euch russische Volk bedeutend ab. Ihre Erfolge wurden durch es bis zum Tode, nach welchem auch der Bauer in das Sozialisten zu Politifern umwandeln. Um nichts in der die Mißerfolge, welche aus verschiedenen Gründen ein- Paradies kommen kann, viel näher ist, als zum irdischen Welt! Das wäre ein Verrath an Eurem Prinzip!... traten, geschädigt. Auf jeden einzelnen Fall des eifrigen Paradiese, welches ihm der Sozialiſt verspricht, und außer- unbeschränkte Monarchie ist für die Sozialisten besser als Eingehens auf die Ideen der Propagandisten kam nicht dem ristirt er es nicht, für das Zuhören der Reden der ein Verfassungsstaat." nur allein ein Fall der stumpfen Gleichgiltigkeit, sondern Pilgerin in das Gefängniß geschleppt zu werden. Dabei Aber diese unbeschränkte Monarchie hat Euch lahm ge­auch ab und zu ein Fall des Verrathes. Die Sklaverei, giebt ihm die Bilgerin die Mittel an, die klar bestimmt legt," sagte die Praxis. Wen wollt Ihr durch die welche dem Bauer in Fleisch und Blut übergegangen war, zeigte und erfüllbar sind: opfere eine Kerze, faste und gieb den Propaganda gewinnen? Einzig die Intelligenz unter der sich als eine Kraft, mit welcher die Sozialisten, welche das Volk Armen was." Aber der Sozialiſt vermag nichts Leicht- Jugend? Aber alle Eure Bemühungen müssen sich auf die zu revolutioniren wünschten, rechnen mußten. Ein verdummter erfüllbares zu zeigen: Ihr müßt Euch zusammen- Bewohner des flachen Landes konzentriren. Konstantinopel Berstand wendet sich instinktiv von allem Neuen ab. thun vereint gegen den Feind marschiren..." Das fonnte nicht eingenommen werden, ohne vorher Plewna ge­ Und überdies, so dachte der Bauer, werden die Alles sind aber für den Bauern unverständliche Phrasen. stürmt zu haben. Euer Konstantinopel ist das Volk revolutionären Reden von jungen adligen Herren gehalten; Auf diese Weise griff das Leben von zwei Seiten die und Ihr könnt so lange nicht zu ihm gelangen, bis obgleich sie es scheinbar mit uns gut meinen, sind sie doch Nerven der sozialistischen Boltsgänger"**) an. Ihr Unter- nicht mit dem russischen Monarchismus aufgeräumt ist." nicht unfresgleichen; wer kann da wissen, was sie eigentlich Nein!" entgegnete halsstarrig die Theorie, teine beabsichtigen. Verändert Eine Ausnahme bildet das Vorgehen des Stefanowitsch Konzessionen!... Bleibt reine Sozialisten. Außerdem war die erste sozialistische Propaganda im in Tschiriginst. Euch nicht. Thut, was möglich ist, aber mischt Euch nicht Volte eine ungeregelte. Sie wiesen auf ein Endziel hin, l** Wir müssen unter das Volf gehen!" in die Politit"

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