Nr. 7.
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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplah, Nr. 1983.
Donnerstag, den 9. Januar 1913.
Gefchloffen in den Wahlkampf! in den Wahlkampferite, is die
daß die Armee der sozialistischen Wahlrechtskämpfer die denk- liegt auch im Interesse der Türkei , indem die zu erwartende barste Stärkung nach außen wie innen erfährt! Willenserklärung Europas gegen die Fort Ist doch auch in der Tat die Erreichung dieses Zieles die fet ung des Krieges in möglichst nachdrücklicher Weise erste, ja die einzig verläßliche Garantie wirklicher Erfolge abgegeben wird. Ueber die Einleitung direkter Beim Kampf gegen die preußische Wahlentrechtung und Unsprechungen zwischen Bulgarien und und der Einstimmig hat der preußische Parteitag die ihm von der kultur. Und natürlich muß es uns auch auf die möglichste Pforte wegen Adrianopels liegen an amtLandestommission empfohlene Resolution über die Wahltaktik Verstärkung unserer eigenen Landtagsfraktion ankommen. lichen Stellen bestimmte Nachrichten noch nicht vor. angenommen. Einmütig wird das preußische Proletariat in Kann diese Fraktion auch nur im bescheidensten Maße direkte Es läßt sich auch noch nicht erkennen, welcher von den Wahlkampf eintreten. Die Phalany wird fest geschlossen gesetzgeberische Vorteile für die Arbeiterklasse erringen, so kann den verschiedenen Lösungsversuchen für die Frage von fein; die Wahlpropaganda sowohl wie die Wahltaktit wird fie doch außerordentlich viel zur Aufklärung und Aufrüttelung Adrianopel die besten Aussichten hat. In mehr oder weniger nach einheitlichen Grundsäßen geübt werden. Versöhnlich, der Volksmassen beitragen und dadurch positive Arbeit der akademischer Weise werden die verschiedenen Lösungsvorschläge wie bei aller Schärfe der Meinungsdifferenzen und bei aller wertvollsten Art leisten. Gerade der Verstärkung der sozial zur Erörterung gestellt, so beispielsweise die Neutrali Herausarbeitung der trennenden Gesichtspunkte die ganze demokratischen Fraktion wegen aber fann es uns nicht ein- fierung Abrianopels und die Entfestigung oder Debatte geführt wurde, klang sie auch aus. Und wir wollen es fallen, dem Freisinn die so ersehnte Unterstüßung ohne eine Teilung der Stadt zwischen Bulgarien gern anerkennen, daß die Genossen, die andere Resolutionen vor- ausreichende Gegenleistung zu gewähren. Die und der Türkei oder schließlich die Uebergabe der geschlagen hatten, durch Zurückziehung ihrer Resolutionen und ihre Forderung der Gegenleistung ist aber auch deshalb um so Stadt an Bulgarien unter Vorbehalt eines erterriZustimmung zu der Resolution der Landeskommission den notwendiger, als sie zugleich die beste Gesinnungs- und Bu- torialen Moscheebezirtes zur Verfügung des Sultans. Amtliche Eindruck der Einmütigkeit in erfreulicher Weise verstärken verlässigkeitsprobe darstellt. Zeigt der Freisinn nicht einmal Gestaltung hat bisher keine dieser Möglichkeiten angenommen. halfen, den die vierte Tagung der preußischen Sozialdemo- fobiel Courage und politischen Ernst, um mit der Sozialfratie hinterlassen hat. Wir wollen es diesen Genossen auch demokratie einen Gegenseitigkeitsvertrag abzuschließen, so ist Bulgarisch - türkische Besprechungen! nicht berübeln, daß sie dabei durch kühne Hineininterpretierungs- von solch pflaumenweichen Gesellen auch nicht der mindeste Köln , den 8. Januar. Die„ Kölnische Zeitung " meldet tünste von ihren Forderungen zu retten fuchten, was ihnen Gewinn für die Verfechtung der Volksinteressen im Abgeord- aus Konstantinopel : Auf Einladung des bulgazu retten irgend möglich schien. Jedoch werden sie sich wohl so netenhause zu erwarten! rischen Oberkommandierenden hatten der türkische wenig wie der Freisinn der Illusion hingeben, daß der Beschluß Diese Erwägungen und die Erkenntnis, daß der Kampf Sriegsminister und der Minister des Aeußern des Parteitages schließlich dennoch eine Auslegung erfahren um die Eroberung des preußischen Wahlrechts nicht durch gestern eine Besprechung mit ihm nahe bei Tschataldscha. könnte, von der ganz offenbar die ungeheure Mehrheit des parlamentarische Schachzüge, sondern einzig durch außerparla- Die Minister kehrten am Abend zurück und erstatteten sofort Parteitags absolut nichts wissen wollte. Die Grundzüge der mentarische Bressionen der eindringlichsten Art erfolgreich ge- dem Ministerrat Bericht. Resolution, wonach die unerläßlichen Voraussetzungen unseres führt werden kann, führten zur Annahme der Resolution der Das Interesse Desterreichs. Vorgehens in der unbedingten Aufstellung sozialdemokratischer Landeskommission. Sache der Genossen im Lande ist es nun, Wahlmänner und wirklicher, vollwertiger Gegenseitigkeit der alle Vorbereitungen zu treffen, um mit dem Wahlkampf, der diation der Mächte in der Angelegenheit des Friedensschlusses Wien , 8. Januar. Unter Hinweis auf die bevorstehende Me Wahlunterstützung zu bestehen haben, sind ja auch durch den zugleich eine neue Phase des Wahlrechtskampfes sein muß, betont das offigiöse rembenblatt": Go sehr man auch in flaren Wortlaut der Resolution und zum Ueberfluß durch die rechtzeitig und kraftvoll einfeßen zu können. Es ist zugleich durchsichtiger agitatorischer Absicht Notizen über angebliche Unbündigen Deklarationen des Referenten und des Vorsigenden Pflicht der Genossen überall draußen, über die strikteste Inne stimmigkeiten zwischen den Großmächten lancieren will, zeigt derartig festgelegt, daß es einen Zweifel gar nicht geben tann. haltung der scharf umrissenen Richtlinien der vom Barteitag jeder Tag die Mächte einig in der Auffaffung, daß ein bal. Andererseits bietet die Resolution auch, und zwar mit voller angenommenen Resolution zu wachen! Absicht, den nötigen Spielraum, um Für die große Kampagne, die unser harrt, hat der Partei- Desterreich- Ungarn hat das lebhaftefte Interesse an einem allen berechtigten biger Friedensschluß eine Notwendigkeit fei. Insbesondere Wünschen und Bedürfnissen lokaler Art Rechnung zu bag wirksame Munition geliefert. Der Bericht der Landtags balbigen Erfolge der Friedensverhandlungen, denn es muß nicht nur tragen. Will also der Freisinn diesmal durch die Tat be- fraktion enthält eine Fülle von Agitationsstoff, der sich noch die Schäden des Kriegszustandes in der Nachbarschaft am meisten weisen, daß ihm die Forderung einer durchgreifenden Wahl- bereichern und vertiefen läßt durch ein Zurückgehen auf die fühlen, vielmehr werden auch nach dem Friedensschluß reform nicht eine leere Agitationsphrase, sondern Herzenssache stenographischen Barlamentsberichte selbst. Auch wird dem- iene Verhandlungen aufgenommen werden, wodurch ist, so bietet sich ihm die beste Gelegenheit, das bei den Neu- nächst, wie der Parteivorstand mitteilte, das umfangreiche bie wichtigen Fragen gelöst werden, welche sich für Defter wahlen zum Dreitlassenparlament durch die Tat zu beweisen. Handbuch für die Landtagswahlen in völliger Neubearbeitung reich- Ungarn aus der Neugestaltung der Verhältnisse auf dem Ballan Es ist nicht unseres Amtes, den Freisinn zu beſtürmener erscheinen. Besonders wertvoll aber wird uns auch die furcht- ergeben. ist Herr seines Willens und muß sich der Verantwortlichkeit bare Elendsschilderung und empörende Tatsachensammlung Das Schicksal Adrianopels. und der Tragweite seines Entschlusses selbst bewußt sein. Sollte sein, die Genosse Georg Schmidt dem Parteitag durch sein London , 8. Januar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, er indessen auch diesmal versagen, so dürfte er für alle Referat über die Landarbeiterfrage unterbreitet hat. Tut denkenden Wähler seine Rolle als fortschrittliches Element end- jeder im Lande seine Schuldigkeit, so wird in nicht zu ferner hat die bulgarische Mission teine offizielle Stenntnis gültig ausgespielt haben. Und die Sozialdemokratie würde Zukunft die Armee des Landproletariats geschlossen zu dem davon, daß die Türkei vorgeschlagen hatte, die Gräber es, das bedarf ja teiner Versicherung, an Anstrengungen Heerbann des Industrieproletariats gestoßen und der An- und die Moschee in Adrianopel exterritorial wahrhaftig nicht fehlen lassen, den Volksmassen gründlichst die sturm der geeinten Streitkräfte unwiderstehlich geworden 8u lassen. Es sei möglich, daß dies in Sofia angeregt Augen über einen Freifinn zu öffnen, der den angeblichen sein! Dann endlich wird die preußische Zwingburg gebrochen artige Anregung machen sollte, Bulgarien in dem Wunsche worden sei. Man versichert, daß, wenn die Pforte eine derRampf um Erringung des gleichen Wahlrechts durch- An- werden, und dann erst wird in Preußen die Macht des Proschluß nach rechts, durch Unterstützung der rabiatesten Wahl- letariats auch parlamentarisch wahrhaft fruchtbar gemacht eine noch versöhnlichere Haltung zu zeigen, bereit wäre, rechtsfeinde zu führen sucht! dazu seine Zustimmung zu geben.
Der Beschluß des Parteitages ist ein rühmliches Zeugnis für die unbeirrbare Klarheit der politischen Auffassung der Partei. Eingedenk der Mahnung, daß man auch den Parteien nicht aufs Maul, sondern auf die Fäuste zu sehen hat, hat der Parteitag jeden Gedanken, etwa durch Unterstügung der Nationalliberalen eine Verstärkung
werden können!
Die Balkankrise.
friedliche Ausfichten.
London , 8. Januar. In den diplomatischen der" liberalen" Linken zu versuchen, weit von sich gewiesen. reisen Londons herrscht auch weiterhin eine hervor. Nicht deshalb, weil wir in politischer Farbenblindheit so gar ragend friedliche Stimmung, da die Großmächte feinen Unterschied zwischen den verschiedenen bürgerlichen über die Notwendigkeit einig zu sein scheinen, die SchwierigParteien zu entdecken vermöchten. Daß sich in einzelnen Fragen auch die Nationalliberalen von den Parteien des teiten zu ebnen, die noch die Lage auf dem Balkan umgeben. schwarzblauen Blocks unterscheiden und daß in gewissen- Dieser Stand der Dinge scheint auf sämtliche Friedensallerdings seltenen und ganz besonders gearteten Fällen delegierte und auf die anderen Streise, die dem Verlauf der auch eine Stärkung der Nationalliberalen auf Kosten Verhandlungen folgen, Eindruck gemacht zu haben. der übrigen Reaktionäre im Interesse des Proletariats liegen tann, ist eine platte Selbstverständlichkeit. Daß aber zurzeit die preußischen Nationalliberalen einen
"
Desterreich isoliert Montenegro?
Cettinje, 8. Januar. Die österreichisch ungarische Regierung hat die Grenze von Bosnien und der Herzegowina abgeschlossen, angeblich wegen der in Montenegro herrschenden Bodenepidemie. Auf diese Weise wird Montenegro allen Verkehrs mit den genannten Provinzen beraubt. Von seiten Monteeignet hätten, indeffen sei die österreichische Maßnahme umso weniger negros wird zugegeben, daß tatsächlich sich einige Bodenfälle ergerechtfertigt, als Montenegro alles getan hätte, die Kranken zu isolieren und eine weitere Ausdehnung der Seuche zu verhindern. Eine türkische Anleihe.
London , 8. Januar( P.-C.). Ueber die Anleihe, die die türkische Regierung in Londoner Finanzfreifen effettuiert hat, werden noch folgende Einzelheiten bekannt:
gewiesen, daß der Teil des Eisnerschen Vorschlags, der von Meeres zurückzuziehen. Truppen von der Küste des Adriatischen wegen event. Nichtzahlung des Soldes zu vermeiden. Die Banken,
Serbien erklärt offiziell seine Nachgiebigkeit. Die forte wird sofort die Summe von 500 000 fund Sterling erhalten und zwar bedingungslos. Jm Anleihevertrag hat London , 8. Januar. Wie das Reutersche Bureau erfährt, die türkische Regierung jedoch ausbrüdlich anerkannt, daß sie diese ebenso tompakten Block auf dem Wege zum sozialen Serbien zum Beweise seines guten Willens bereit sei, im 8weden zu verwenden beabsichtigt. Der Betrag ist vielmehr zur werden die Mächte heute offiziell benachrichtigt werden, daß 500 000 Pfund nicht zu irgendwelchen militärischen und politischen Fortschritt darstellen wie Konservative und Zentrum, das das haben haben die Referenten wie Dis- Juteresse des allgemeinen Friedens Opfer zu bringen und fich Bezahlung des rückständigen Soldes und der Beamtengehälter bekussionsredner gerade dieses Parteitages so schlagend nach entschlossen habe, unmittelbar nach dem Friedensschluß seine stimmt, um jeb webe Unruhen im Innern Kleinajiens Der Unterstützung auch der Nationalliberalen handelte, bald hoffe, indem sie so handele, daß Europa von ihrer Mäßigung haben, versprachen weiter, am Tage der Unterzeichnung Die serbische Regierung die sich zur Zahlung dieses Vorschusses an die Pforte bereit erklärt als völlig undiskutabel aus den Erwägungen ausschied. Uebrig blieb nur die Frage, ob die Sozialdemokratie Kenntnis nehmen und keine weiteren Opfer verlangen werde, bes Friedens zwischen der Türkei und dem Ballanbund einen wenigstens ein Interesse daran habe, den Freifinn so stark die außerhalb der Grenzen ihrer Macht sein könnten. als möglich in das Dreiklassenhaus einziehen zu sehen. Aber auch hier ergab sich, daß die Stärke des Freisinns auf die
Die Vermittelung der Mächte.
zweiten Vorschuß ebenfalls in Höhe von 500 000 Pfund, eventuell noch darüber an die Pforte zu zahlen und an einem noch späteren Termin, wahrscheinlich innerhalb Jahresfrist nach dem Friedens vertrag noch eine dritte Zahlung folgen zu lassen.
Ein ,, modernes" Volksschulgefetz.
London , 8. Januar. Das Reutersche Bureau erfährt, daß Gestaltung der zu erwartenden Wahlreform ohne irgend sich die Lage zwischen Desterreich Ungarn und Nußwelchen Einfluß ist, da ja im Zeichen der Dreiklassenschmach land in legter Zeit gebessert habe, nachdem zwischen jede Wahlreform von der Reaktion gemacht wird, sei es den beiden Mächten bezüglich der von beiden Seiten gevon Konservativen und Bentrum, sei es von Konservativen troffenen militärischen Maßnahmen eine offene Darlegung und Nationalliberalen, oder sei es endlich von einem gemein- ihrer Ansichten stattgefunden hat. Das braunschweigische Ministerium hat seine lieben Braun famen Kompromißmischmasch aller drei Parteien. Unter jolschweiger mit einem hübschen Neujahrsgeschenk beglückt, dem Enta chen Umständen konnte also von einer Unterstügung des Freiwurfe eines Volksschulgesetes, der dem im Januar zusammena finns unter Opferung eigenster Interessen Köln , 8. Januar. Die„ Kölnische Zeitung " veröffentlicht tretenden Landtage vorgelegt werden soll. Wenn die braungar keine Rede sein. Da vielmehr gerade das Intereffe des folgende Berliner Drahtmeldung: Das Vorgehen der schweigischen Minister Humor befäßen, könnte man das Schulgesetz Wahlrechtstampfes, wie jedes preußischen Fortschritts über- Mächte ist die Frage, auf die sich heute das Augenmerk für einen schlechten Silvesterscherz halten, so mittelalterlich ist es. haupt, die Stärkung der sozialdemokratischen Klassenkampf- aller richtet. Aller Voraussicht nach wird die gleiche Mit- Bisher unterstand die braunschweigische Volksschule dem Kon armee selbst gebietet, fand die Forderung allgemeinſte 3u- teilung, die von den Großmächten an die Pforte gerichtet fistorium. Sie wurde offiziell als lutherisch- evangelische Schule ftimmung, den Wahlkampf durch möglichst lückenlose Auf- werden soll, entgegen anderweitigen Meldungen die Form bezeichnet. Der erste Ortsgeistliche war zugleich Schulinspektor. Stellung eigener Wahlmännerkandidaten und die Entfaltung eines gemeinschaftlichen Schrittes annehmen. Der neue Schulgeseßentwurf ist nichts weniger als eine Res der intensivsten und prinzipiellsten Agitation so zu führen, Dies entspricht nicht nur dem Wunsche der Mächte, sondern form. Er vereinigt eigentlich nur die zerstreuten Bestimmungen