Nr. 30.
Abonnements- Bedingungen:
bonnements Preis bränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 Mr., möchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien , Dänemark , Holland , Italien , Luremburg, Portugal , Rumänien , Schweden und die Schweiz .
Ericheint täglich außer Montags.
30. Jahrg.
Die Infertions Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Versammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Anzeigen", das fettgedrudte Wort 20 Bfg.( zulässig 2 fettgebrudte Morte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet.
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morigplatz, Nr. 1983.
Vor erniten Entscheidungen.
Mittwoch, den 5. Februar 1913.
habe, die Regierung„ aller" zu sein, erklärt nun der Minister der parlamentarischen Debatten von 1913 diesen Wahlrechtsein halbes Jahr später, sich nicht von einer Minorität Kampf der belgischen Arbeiterschaft schreiben wird, wird nicht ,, tyrannisieren" lassen zu wollen. behaupten können, daß ihre parlamentarischen VertrauensUnd wofür tyrannisieren? Daß die Regierung etwa das männer es an Bedachtsamkeit und Besonnenheit der Taktik Brüssel , 1. Februar.( Eig. Ber.) Die Entscheidung in allgemeine, gleiche Wahlrecht stracks proklamierte? Durchaus haben fehlen lassen, um das letzte zu verhindern. Wenn die der Revisionsdebatte und mit ihr die Entscheidung über nicht! Daß die Regierung den sozialistischen Antrag, über Regierung nicht im letzten Augenblick den Weg der VerFrieden oder Generalstreik in Belgien naht. Herr die Abänderung der Verfassung zu diskutieren, oder wie es in mittelung betritt und die Arbeiter, die seit Monaten in
-
-
b. Broqueville sprach vergebens viel, um zu versagen. An- der umständlichen parlamentarischen Sprache heißt: Die Ver- wunderbarster Disziplin ausgeharrt haben und Gewehr bei fänglich diplomatisch verhüllt, wie es die gezierte Staats- fassungsrevision zur Tagesordnung zuzulassen, akzeptiere? Fuß gestanden sind, mit ihrer brutalen Unversöhnlichkeit zum mannpose dieses aalglatten Ministers liebt, klang das Nein Noch immer nicht! Es handelt sich wahrhaftig um nichts Generalstreit zwingt, so wird alle Verantwortung auf diese in der Freitagsrede des Ministers schon ganz ungeziert und anderes, als eine, Kommission" zu ernennen, die das Regierung zurückfallen, die jeden Versuch einer parlamentarischfräftig durch. Noch steht die Abstimmung aus, noch klammert Wahlrechtsproblem zu ,, studieren" hätte! Aber Herr v. Broqueville friedlichen Lösung unerbittlich verbarrikadiert hat. sich die Hoffnung derer, die um den Frieden bangen, die der ist ein zu gerissener Staatsmann, um sich von Vandervelde Die Arbeiterschaft Belgiens steht indessen auf der Wacht Anwendung der furchtbaren Waffe des Generalstreits und Hymans Herumkriegen zu lassen. Es ist ihm nur zu und bereitet sich unablässig und ernsthaft auf das anscheinend nur unter dem Andrang der letzten, äußersten Notwendigkeit klar, daß wenn die Regierung A sagt und die Kommission Unvermeidliche vor. Donnerstag hat die Brüsseler Föderation zustimmen wollen, an den Strohhalm einer Einsicht, die die ernennt, sie dann auch dem B der Verfassungsrevision nicht über die Lage beraten und anfangs der Woche tritt das allRegierung oder die Männer, unter deren Einfluß sie handelt, entgeht! Daher darf nichts studiert" werden. gemeine Generalstreiftomitee zur Beratung zunoch im letzten Moment ergreifen und die Land und Volk Was nun die„ Tyrannei" der Minorität betrifft: es ist sammen.- Am Dienstag, um zu demonstrieren, daß die Arbeiter bor endlosen Opfern und schweren Sorgen bewahren könnte. richtig, daß die Verfassungsrevision von den Sozialisten und unbeeinflußt vom flotten Karnevalstreiben Brüssels dem Kampf Die parlamentarischen Vorkommnisse der letzten Tage Liberalen verlangt wird. Aber außer dem Kleritalen Melot um ihr politisches Recht alle freie Zeit und ihre stete Sorge Tassen freilich glauben, daß das Schicksal entschieden ist, daß und dem unabhängigen Klerikalen Théodor, der sich weihen, wird sich die sozialistische Arbeiterschaft vor der Kammer die Regierung, unbekümmert um ihre sentimentale Ver- gleichfalls am vergangenen Freitag für die ein Stelldichein geben. Die belgische Arbeiterschaft rüstet ficherung, den Frieden" des Landes zu wollen, hartnäckig insegung der Kommission nicht nur, sondern für die rüstet ernsthaft. bleiben und die Arbeiterschaft zum äußersten, zum General- Wahlreform überhaupt ausgesprochen, zählt die Rechte noch streit treiben wird. eine Reihe von Gegnern des Pluralsystems,
-
-
"
Straßendemonstrationen.
-
In der Tat, ein kurioser Friedensapostel, dieser Herr so die Deputierten Vérhaegen, Bethune u. a. und von Broqueville. Man muß ihn nur genauer besehen. nur die wirklich reaktionäre Gruppe um Woeste Man muß sich die Phasen und Wendungen der Debatte über stellt sich starr und unbeweglich gegen die Brüssel , 4. Februar. ( Privattelegramm des„ Vokdie Verfassungsrevision so recht vor Augen halten, um die Wahlreform. Sie scheint die Oberhand zu haben. wärts".) Die heutige von der Brüsseler Organisation veranFriedensgesinnung dieser Regierung in ihrer ganzen Fülle und So mag man die Situation anfassen, von welcher Seite staltete Demonstration für eine Revision der Verfassung und des Qualität fennen zu lernen. und wie man will, man kommt zu dem unabweislichen Wahlrechts dauerte während der ganzen Sihung des Parlaments Bekanntlich hat Herr von Broqueville mit einer sehr Schluß, daß die Regierung mit selten unverantwortlicher an. Die das Parlament umgebenden Straßen waren alle durch öligen Rede in der manche Leute den Friedenszweig haben Frivolität auf die Verschärfung des Zustandes zuarbeitet und starke Polizeifordons abgesperrt. Die Menge wurde von der schwimmen schen wollen begonnen, die das berühmte die Arbeiter zum Aeußersten treiben will. Polizei systematisch von der Absperrungslinie abgedrängt, um die Causons" laßt uns über die Sache plaudern des Wohl hat Herr von Broqueville unermüdlich die General Massen zu zerstreuen. Gegen 5 Uhr vereinigte sich die Menge Ministers Helleputte wieder in Schwung brachte, aber schon streit drohung" ins Treffen geführt, vor der die Regierung, unweit der Kammer in der Rue des Colonies, wo die ankommende die ministerielle zweite Rede schlug einen anderen, wesentlich ohne Schaden an ihrem Ansehen zu nehmen, nicht zurüdiozialistische Fraktion stürmisch begrüßt wurde. friegerischeren Zon an, der so ziemlich alle günstigen Aus- weichen dürfe. Mit der Aufnahme des Antrages Hymans hat Die Menge zog dann mit der Fraktion durch den dichten Karnevals fichten begrub. Da war es dann Anseele, der in einer die Opposition die Verwerfung des Antrages auf Diskussion trubel unter Liedersingen und Rufen, wie" Nieder mit Woeste!", prächtig bildhaften, in wahrhaftem Pathos strahlenden Rede der Verfassungsrevision als ein fait accompli hingenommen Hoch der Streit!" und" Revision der Verfassung!", durch die den Fehdehandschuh aufnahm und die Broquevillesche Kriegs- und der Regierung damit goldene Brücken für eine Ver- Stadt in das Voltshaus, wo vom Balkon die Abgeordneten Del= erklärung mit einem„ Es lebe der Generalstreif" männlich ständigung gebaut. Vandervelde hat erklärt, auf keinem porte und Huysmans sowie der Senator Elbers den quittierte. Andere sozialistische Sprecher folgten ihm im fnappen Datum bezüglich der Verfassungsrevision zu bestehen, Widerstand der Regierung brandmarkten. Die Arbeiter mögen gleichen Ton. In diesem Stadium der Sachlage nahm der die Frist von einem Jahre, von 15 Monaten zugestanden; er zum Streit bereit sein, aber das Signal abwarten, damit das ganze Führer der Liberalen, Hymans, das Wort, um mit eben hat quasi Bürgschaft übernommen, daß die Arbeiter wegen der Proletariat Belgiens den Kampf gleichzeitig und gemeinsam solchem rhetorischen wie juristisch politischem Geschick das Altersgrenze in keinen Generalstreit treten würden und er hat endlich antrete. Die Redner schloffen mit den Worten:„ Es lebe der Pluralsystem abzuschlachten und das Heraufkommen des gleichen der Anschauung Ausdruck gegeben, daß die Einsetzung einer Streit!", die von der Menge brausend wiederholt wurden. Man politischen Rechtes als unabweisliche Notwendigkeit zu demon- Studienkommission ein Schritt auf dem Wege friedlichen Ver- hatte die Gendarmerie sowie ein toloffales Polizeiaufgebot in Be strieren. An diese Rede schloß Hymans, die Verwerfung des Handelns werden könnte. Der Geschichtsschreiber, der auf Grund reitschaft gestellt. sozialistischen Antrags auf Zulassung der Verfassungsrevision zur Tagesordnung vorwegnehmend, den Vermittelungsantrag auf Erneuerung einer parlamentarischen Studienkommission, die die Lösung des gesamten belgischen Wahlrechtsproblems vorbereiten und in die Wege leiten sollte. Dieser Antrag erschien, so wenig er dem Wunsch einer offenen und klaren Lösung der Sachlage entsprechen
Der Wiederbeginn des Kampfes.
Dem Ablauf des Waffenstillstandes ist die Aufnahme der haben, so schließen diese doch erneute Friedens.
mochte, doch als ein Ausweg- oder wenigstens als ein Ver- Feindseligkeiten auf dem Fuße gefolgt. Vor Adrianopel verhandlungen nicht aus. Das Volk ist der Hoffnung, ſprechen und eine Hoffnung auf einen solchen. Diese Hoffnung haben die Bulgaren mit dem Bombardement begonnen und daß der Krieg nur kurze Zeit dauern würde; im gewann noch eine präzisere Form, als ein Mitglied der Rechten, der klerikale Deputierte Melot, den Vorschlag Hy- auch auf der Halbinsel Gallipoli, vielleicht auch vor Tscha- übrigen verhält sich das Volt apathisch und erwartet in mans aufnahm und ihn als eine für beide Zeile zu bewillkomm- taldscha haben Vorpostengefechte stattgefunden. Größere Aus- nächster Zeit bestimmte Resultate. nende und befriedigende Lösung sympathisch begrüßte. dehnung scheinen die Feindseligkeiten vorerst nicht gehabt zu Von dem Redner persönlich apostrophiert, erklärte hierauf haben und es bleibt wahrscheinlich, daß Verhandlungen über Vandervelde, nachdem er schon seinerzeit ausgesprochen die Abtretung Adrianopels fortgeführt werden. hatte, daß die Arbeiterschaft während der Beratung der Konstituante wegen einer der Modalitäten des gleichen Rechtes - ob etwa das Wahlrecht nach den Sozialisten vom 21. oder
zum Studium überantworte würden.
-
Fortsetzung des Bombardements.
Bulgarische Unterhändler in Konstantinopel ? Konstantinopel , 4. Februar. ( Meldung des Wiener
R. R. Tel.- Korr.- Bur.) Einem bisher anderweitig nicht bestätigten Gerücht zufolge sollen demnächst halbamtliche bulgarische Delegierte in Konstantinopel eintreffen, um über die Lösung der Adrianopeler Frage zu verhandeln.
Für die Fremden Adrianopels. Konstantinopel , 3. Februar. Die Botschafter teilten der Pforte ein Gesuch der KonsuIn in Adrianopel um Festlegung einer neutralen Zone mit, in welche die Fremden sich flüchten fönnten. Der Großwefir erklärte sich bereit, diesem Ersuchen stattzugeben; vor allem ist jedoch die Zustimmung der Bulgaren erforderlich.
Bulgarische Greueltaten.
Der Beginn der Feindseligkeiten. Wien , 3. Februar. Die„ Neue Freie Presse" meldet nach den Liberalen vom 25. Jahre zu gewähren sei nicht aus Sofia : Ihr Korrespondent erfährt authentisch, daß foeben, in den Generalstreit treten würde, daß er für seine um 8 Uhr 7 Min., die Kanonade von Adrianopel Person nicht zögern würde, zu einer fried- begonnen hat. Von seiten der Regierung wird diese Mitlichen Lösung auf der Basis des Hymansschen teilung bestätigt. Vorschlages die Hand zu bieten. Und er fügte hinzu, daß wohl die Delegierten der Arbeiterschaft über einen Sofia , 4. Februar. Nach nichtamtlichen Meldungen hat formellen Vorschlag zurzeit zu entscheiden hätten, daß er aber die Beschießung Adrianopels gestern abend 8 Uhr überzeugt sei, daß sie angesichts eines solchen Ausweges- wenn das Parlament die Wahlrechtsfrage einer Stommission begonnen und ist mit Unterbrechungen bis heute früh fortvom Generalstreit absehen gesetzt worden, wo die Beschießung wieder lebhafter einSo standen die Dinge, als die verknöchertste feste. Ginige Stadtteile von Adrianopel sollen Die Humanité", unser Pariser Bruderblatt, veröffent Intoleranz und Intransigenz in der Person des altklerikalen in Flammen stehen.(?) licht die Kopie eines offiziellen Berichts, der einem Konsulat in Führers Wo este den schwebenden Vermittelungsfaden mit Saloniti erstattet worden ist. Er behandelt die Schreckenstaten, einer kategorischen, jeden Kompromiß scharf abweisenden Rede Konstantinopel , 4. Februar, 4 Uhr nachmittags. Ein vom die von den Befreiern" des Balfans an der mohammedanischen zerschnitt. Es war eine Ueber- Broquevilliade von dem Zurück- Ministerium des Innern ausgegebenes Communiqué bestätigt, Bevölkerung der okkupierten Gebiete verübt worden ist. weichen vor der„ Drohung", eine pathetische Warnung an die daß die Bulgaren gestern um 7%, Uhr abends auf der sind es nicht reguläre Truppen, sondern„ Banden", die diese Greuel Rechte, sich nicht von Konzession zu Konzession" treiben zu Ost- und Südseite der Festung Adrianopel das Artillerie- angerichtet haben, aber diese Irregulären waren für Serben und Lassen. Nachgeben in der Wahlrechtsfrage ist Herrn Woeste Bulgaren willkommene Helfer, und sie sind von den militärischen eine Abdankung", wie ja auch schon der Kabinettschef die und Infanteriefeuer und das Bombardement auf die Stadt und zibilen Autoritäten geschützt worden. Schließlich scheint diesen Verwerfung des Antrages auf Diskussion der Verfassungs- eröffnet haben. Die türkischen Truppen erwiderten das Feuer. das Treiben doch über den Kopf gewachsen zu sein, und so ist es revision im Namen der parlamentarischen und gouverne- In der Stadt herrscht Ruhe. mentalen Autorität forderte. Nach dem altklerikalen Raben- Die Feindseligkeiten haben auch auf der Halbgeträchz kam dann noch die geschniegelte Salonintransigenz insel Gallipoli begonnen. Bulgarische Kavallerie griff die des Ministers zu Worte, der gleichfalls den Weg der türkischen Vorposten an. Es geht das Gerücht, daß heute Ronzessionsmacherei" ablehnte, zu der ihn Vanderveldes nachmittag die Feindseligkeiten an der Tschataldscha ruchlose Geschicklichkeit verlocken wolle.... Und während linie begonnen hätten. Herr von Broqueville nach den Wahlen vom 2. Juni
"
"
Die türkische Meldung.
Wohl
zu erklären, daß sich die bulgarische Regierung jetzt entschlossen hat, gegen einen der schlimmsten Wüteriche, Dumbalatow. dem sogar das Präfektenamt von Langasa anvertraut worden war, vorzugehen. Man hat jetzt ein paar hundert der patriotischen Banditen verhaftet. Man wird etliche von ihnen vielleicht für einige Zeit in den Kerker stecken, am Ende gar einige, die der Regierung besonders unbequem sind, aus edlem Gerechtigkeitsfinn füfilieren. Daß sich aber das Blut und das Elend, das die fest. London , 4. Februar. Die Times" melden aus Kon- genommenen Uebeltäter auf dem Gewissen haben, zu dem Blut fett, ja als die Regierung vorgestellt hatte, die den Ehrgeiz stantinopel: Wenn auch die Feindseligkeiten wieder begonnen und Glend des regulären, völkerrechtsgemäßen, ritterlichen"
gierung der Mäßigung", frei von Parteigeist und Engherzig
Fortdauer der Verhandlungen.