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Nr. 68.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1983.

Der Ertrag der Landwirtschaft.

II.

Die Ausführungen Chlapowskis sind noch von einem anderen Standpunkte aus interessant. Er beleuchtet auf Grund seiner Erfahrungen, welche Betriebsweise in der Landwirtschaft, der Groß- oder der Kleinbetrieb, die

rationellste ist.

Es sind, meint er, vornehmlich zwei Momente, die zu­Es sind, meint er, vornehmlich zwei Momente, die zu­gunsten des kleinen Betriebes geltend gemacht werden,

nämlich:

1. die bessere Arbeitsleistung, d. h., daß bei sonst gleichen Berhältnissen und gleicher Intensität des Betriebes der Be­darf an menschlicher Arbeit ein geringerer ist und daß die Arbeit sorgfältiger ausgeführt wird;

2. die bessere Pflege und die sich daraus ergebende ge­ringere Abnutzung des lebenden und toten Inventars.

Was den ersten Punkt anbetrifft," meint der Verfasser, so beruht derselbe auf der Voraussetzung, daß derjenige, der für eigene Rechnung tätig ist, bessere Arbeit leistet als ein

Rohnarbeiter."

" 1

Freitag, den 21. März 1913.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1984.

Insbesondere fällt die Billigkeit des Transportes beim inten- die Freisinnigen aber können es in ihrer Mehrheit nicht, und fiven Hackfruchtbau ins Gewicht. Denn bei diesem ist das noch weniger kann es das Zentrum. Man mag über die Volumen des Produktes( Kartoffeln, Rüben) im Verhältnis Zentrumspolitik denken, wie man will; aber die führenden zur Flächeneinheit bei weitem größer als bei Getreide. Aus Personen der Zentrumsfraftion haben denn doch viel zu viel diesem Grunde, wie aus der Tatsache, daß beim intensiven Fühlung mit dem kleineren Bürgertum, um sich auf den Hackfruchtbau Kraftpflüge am vorteilhaftesten zu gebrauchen bundesrätlichen Vorschlag der gleichmäßigen Vermögensabgabe sind, um eine tiefere Bestellung zu ermöglichen, ist der Hack- von 0,6 Proz. einzulassen. Sie müßten ja auch Esel sein, fruchtbau zum Monopol des Großbetriebes geworden. wenn sie nicht die Gelegenheit benußten, ihrer Anhängerschaft Daraus folgert von Chlapowski, daß der Großbetrieb zu beweisen, wie sie für die sogenannten schwachen vorteilhafter arbeitet, und daß er zudem auch noch in der Schultern" eintreten und weit bejjer die Stimmung in der Rage age ist, besonders den Anbau jener Erzeugnisse zu forcieren, Bevölkerung zu beurteilen wissen als ein hoher Bundesrat. die eine hohe Rente von Grund und Boden bringen. Fügt Sogar die Köln . 3tg." hat es denn auch für angebracht man dem noch die Vorteile des Großbetriebes auf dem Ge- gefunden, ihrem Berliner Telegramm die Worte anzufügen: biete des Kreditwesens wie auch die auf dem Warenmarkte hinzu, ko kann an der Ueberlegenheit des Großbetriebes nicht gezweifelt werden. Da nun die hohen Zölle die Bodenrente stärkerem Maße der Kampf zwischen Groß- und Kleinbesitz weit in die Höhe getrieben haben, so wird jekt in noch weit um diese Beute beginnen, ein Kampf, in dem der Großgrund­besitz Sieger bleiben und alle künstlichen Maßnahmen zur Förderung der bäuerlichen Kolonisation illusorisch machen

wird....

Der Artikel von Chlapowski ist die Ankündigung und Er­klärung dieses Kampfes. Darin liegt seine Bedeutung.

Patrioten- Komödie.

" Der Gedanke einer progressiven Heranziehung der Vermögen zu der Milliardenabgabe hat also im Bundesrat leine Gegenliebe gefunden. Es wird deshalb Sache des Reichstages sein, diesem Gedanken, der im Volt lebhaft be fürwortet wird, Geltung verschaffen.

Bei einer progressiven Besteuerung der Vermögen könnte auch die untere Grenze, die, wie wir schon vor einiger Zeit mitgeteilt haben, bei den Vermögen von 10 000 m. vorgesehen ist, zur Entlastung des kleinen Besitzes heraufgesetzt werden."

Das geht natürlich der ehrsamen Kreuz- 3tg." als Ver­treterin der Junkerinteressen gegen den Strich. Sie antwortet auf die obigen Worte der ,, Köln . 3tg.":

Beides halten wir nicht für nötig. Eine Progression scheint uns angesichts des Umstandes, daß/ vom Hundert doch schon ein recht ansehnlicher Saß sind, nicht erwünscht. Wichtiger als die Entlastung ber fleinen Vermögen an sich erſcheint, es uns, daß diejenigen Vermögen entlastet werden, die nicht mit einem leid­lichen Einkommen zusammenfallen. Wir kommen deshalb auf unseren früheren Vorschlag zurüd, diejenigen Vermögen steuerfrei zu lassen, deren Besizer nicht über ein Einkommen von 5-6000 20. verfügen. Daneben müßte freilich auch eine Heranziehung der großen Einkommen einhergehen, die nicht aus Vermögensbefiz fließen."

Chlapomsti bestreitet mun, daß dieses Moment von einer wesentlichen Bedeutung ist, und unseres Grachtens mit vollem Recht. Er verweist zunächst darauf, daß der Rohn bloß ein Drittel der Gesamtausgaben bildet. Zwar möge es richtig sein, daß in bäuerlichen Wirtschaften zeitweise bei allen dringenden Arbeiten mit größerer Intensität gearbeitet wird; Der in Berlin versammelte Bundesrat hat sich, wie es aber ebenso sicher steht es fest, daß die Arbeitskraft des Be- scheint, in seiner Bureaukraten und Diplomatenweisheit die sizers den größeren Teil des Jahres nicht voll absorbiert wird, hehre Aufgaben gestellt, den reichskanzlerischen Plan, die zur und es ist ganz selbstverständlich, daß Arbeitsleistung und Durchführung der neuen Heeresverstärkungen erforderlichen -intensität dann entsprechend geringer sind". Auf den Ausgaben durch eine einmalige Vermögensabgabe aufzubringen, Gütern werden dagegen nur soviel ständige Arbeiter gehalten, möglichst zu diskreditieren. Anders läßt sich das als dem Minimum an Arbeitsbedarf entspricht; im übrigen von uns in der gestrigen Nummer unter" Letzte Nachrichten" Wanderarbeiter und freie Tagelöhner herangezogen. Darum mitgeteilte Berliner Telegramm der Köln . 3tg." kaum ver­ist in allgemeinen die Arbeitsleistung im Großbetriebe stehen, der Bundesrat habe sich für eine ein gleichmäßiger. n der großen Gutswirtschaft malige feste, unbewegliche Abgabe in der Die Kreuzztg." hält also nicht nur die Progression für werden viele Arbeiten bekanntlich regel- Höhe von Proz. ausgesprochen. Wir zollen überflüssig. Sie will auch bereits die Vermögen von 10000. mäßigim Afford verrichtet. Es gilt dies nament- diesem sonderbaren iveisheitsvollen Beschluß unsere vollste An- mit der Vermögensabgabe belastet wiffen. Dagegen sollen die lich von allen Erntearbeiten. Hierbei spielt der erkennung, denn er wird den seltsamen Begeisterungsrausch für Herren Rittergutsbesiher, auch wenn ihre Güter Hundert­Einwand, daß der Arbeiter, weil für fremde die Heeresvermehrung in gewissen mittelständlerischen" tausende wert sind, von der einmaligen Vermögenssteuer be­Rechnung tätig, weniger leistet, keine Streisen stark dämpfen. Allzu großen Beifall hat der Re- freit sein, wenn sie mit der erforderlichen Zahlenjongleurfunſt Rolle." gierungsplan der Erhebung einer einmaligen Kriegs- herauszufalkulieren verstehen, daß ihr Einkommen in den Nun gibt es in der Landwirtschaft Arbeiten, bei denen vermögenssteuer ja von vornherein bei den großen Patrioten letzten Jahren nicht 5000 bis 6000 Mt. betragen hat. besondere Sorgfalt nötig ist, wie z. B. Säen. Man könnte des mobilen und immobilen Kapitals nicht gefunden wie Und diese edlen Seelen spielen die großen opferwilligen wohl annehmen, daß wenigstens in dieser Beziehung der die Haltung der Handels- und Börsenpresse beweist, beim Patrioten! Frechheit, dein Name ist Junker! bäuerliche Betrieb überlegen ist, weil der Bauer die größte Finanz- und Bankkapital vielleicht noch weniger als beim Sorgfalt anwendet. Allein bei diesen Arbeiten werden in Großgrundbesitz, aber da man vorher gewaltig mit seiner Großbetrieben Maschinen angewendet, die mit großer Präzis- vaterländischen Opferwilligkeit geprunkt und in endlosen Die Balkankrife. heit arbeiten. Die heutige Landwirtschaft ist eben kapitali- Variationen das Lied vom Sterben für das teure Vaterland fiert, mechanisiert und deshalb schon allein gehört dem Groß- wiederholt hatte, konnte man nicht gut man nicht gut ohne weiteres Wiederum wird die Gefahr drohender, daß aus den Vor­betriebe der Vorzug... zurückhüpfen und verlegte sich daher auf das Nörgeln an gängen auf dem Balkan ernste internationale Sconflitte ent­Immerhin läßt es Chlapowski gelten, daß im Klein- Nebendingen, besonders auf die Ausmalung der angeblich stehen. Und wiederum sind es die schwarz- gelben Kriegs­betriebe um 25 Proz. an Arbeit gespart werden könnte, daß gar schrecklichen Schäden, die die Zurückziehung einer ein treiber, die in die Alarmtrompete stoßen, obwohl ihnen die das Inventar zum Teil um 15 Proz. weniger abgenutzt wird. maligen Summe von 800 bis 1000 Millionen Mark aus dem jämmerliche Blamage mit dem Fall des Konsuls Prochaska Auch in der Viehwirtschaft ist nach Chlapowski der Vor- Geschäftsverkehr zur Folge haben soll. Sapitalisten, die gut Burückhaltung aufzwingen sollte. Montenegro soll sich Ver­teil auf der Seite der Großbetriebe. Die Nuzviehhaltung zu falfulieren verstehen, gelangten auch bald zu der geschäfts- legungen des Völkerrechts haben zu schulden kommen lassen. beruht vor allem auf sachkundiger Behandlung und rationeller flugen Einsicht, daß es immerhin in petuniärer Hinsicht vor Anstatt im Einverständnis mit den anderen Mächten sich auf Fütterung, und diese sind in der großen Gutswirtschaft nach teilhafter sei, auf einmal 1000 Millionen Mark, die doch nur eine friedlichem Wege Genugtuung zu verschaffen, läßt Desterreich seiner Ansicht im allgemeinen vollkommener. Die Aufzucht jährliche Zinssumme von 40 bis 50 Millionen repräsentieren, zu ein Geschwader in die montenegrinischen Gewässer dampfen gedeiht besser in kleinen, die Mast in großen Wirtschaften, so bezahlen, als alljährlich immer wieder in der Form einer daß die großen Güter von eigener Aufzucht immer mehr ab- Besitzsteuer 120 bis 150 Millionen Mark, und daß sie billiger und droht mit schweren Schiffsgeschützen. Denn obwohl die kommen und durch Zukauf von Jungvieh ihren Viehbestand davon kommen würden, darauf rechneten die Herren vom Wiener offiziösen Streise nur von einer Uebungsfahrt" reden, ergänzen. Chlapowski verschweigt dabei die Ursachen, welche großen Besiz kaum selbst. So fanden sie sich, wenn auch handelt es sich um eine regelrechte Flottendemonstration, die die Bauern veranlassen, das Jungvieh zu verkaufen. Es ist widerwillig und verstimmt, mit dem Vorschlag einer einmaligen sehr leicht zu folgenschweren Verwickelungen führen kann. die hohe Steuerlast und die Zeuerung im allgemeinen, was Striegssteuer ab, indem sie darauf hofften, daß ihre Vertreter Jedenfalls erfährt dadurch das Verhältnis Desterreichs zu die Bauern hindert, das Jungvieh zu behalten, da es ihnen bei den Verhandlungen im Reichstage schon dafür sorgen Rußland eine neue Spannung. Auch die Aussichten auf einen an Rapital mangelt. Wie dem aber auch sei, der Großbetrieb würden, daß die Summe noch etwas ermäßigt und die baldigen Friedensschluß werden durch Desterreichs Vorgehen ist auf jeden Fall, auch auf dem Gebiet der Viehzucht, dem Zahlungsbedingungen möglichst leicht gestaltet werden würden. War aber die Eingenommenheit der Patrioten mit stark beeinträchtigt.

Kleinbetriebe überlegen.

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Der bedeutendste Vorteil des Großbetriebes liegt aber großem mobilen oder immobilen Besitz für die Kriegssteuer Die Ermordung des Königs von Griechen. in der Anwendung der Maschinen. Von der modernen Land- von vornherein recht mäßig, so fand sie dagegen in den land ist, wie sich jetzt ganz klar herausstellt, das Werk eines wirtschaft kann man behaupten, daß sie im Zeichen des Kreisen des kleineren und kleinen Besizes, vornehmlich der geisteskranken Menschen. Das hindert nicht, daß die offiziellen Maschinenwesens steht, dessen Vervollkommnung mit jedem sogenannten liberalen und gelehrten Berufe, um so lebhaftere Telegraphenbureaus und die internationale Scharfmacherpresse Jahre riesige Fortschritte macht." Gewiß fann auch der Zustimmung, teils weil diese Kreise überhaupt nicht von nach altem, abgebrauchtem Muster den verhaßten Sozialismus Bauer unter Umständen die Maschinen anwenden; ihre Vor- solcher Steuer erreicht würden, teils weil man annahm, daß mit der Tat in Zusammenhang zu bringen suchen; da dieser teile kommen aber dem Großbetriebe in weit höherem Maße jedenfalls die Vermögen progresiv zur Steuer herangezogen Versuch aber in solch alberner und täppischer Weise gemacht zustatten. Denn große Maschinen sind verhältnismäßig werden würden und daher auf das eigene bescheidene Ver- wird, verfällt er von selbst dem Fluche der Lächerlichkeit. billiger und ihre Leistung stellt sich ebenfalls billiger. Und mögen fein großer Anteil fallen würde.

Aufregung" in Desterreich. Aus Wien wird uns telegraphiert:

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zweitens kann es sich eine kleine Wirtschaft selten leisten, die Durch diese Rechnung hat der Beschluß des Bundesrates mannigfachen Maschinen anzuschaffen; auch fönnen Straft- jetzt einen dicken Strich gemacht. Daß die großen pflüge nur auf großen, zusammenhängenden Ackerstücken mit Vermögen im Verhältnis nicht mehr als die kleineren zahlen In Wien herrscht wieder einmal furchtbare Kriegs­Vorteil angewendet werden. sollen( alle nicht mehr und weniger als 0,6 Prozent), wird ſtimmung, aber die Furchtbarkeit ist wesentlich dadurch ge­Der Anwendung von Genossenschaftsmaschinen aber alsbald auch in diesen Kreisen die patriotische Begeisterung mildert, daß der Gegner, mit dem die Militärmonarchie schon stehen große Schwierigkeiten im Wege. Vor allem deshalb, recht merklich abkühlen. Jetzt fehlt nur noch, daß auch die anbinden möchte, das gewaltige Montenegro ist. Daß es sich weil die meisten landwirtschaftlichen Arbeiten gleichzeitig einen Vermögen von 10000 bis 20.000 Mart mit zur nur um einen Staat" von wohlgezählten einer Viertel vorgenommen werden müssen. Selbst die Drescharbeit findet, Kriegssteuer herangezogen werden, dagegen aber die großen Million Einwohner handelt, hindert die Marktplatz- Offiziösen wenn nicht aus natürlichen so aus wirtschaftlichen Gründen, fürstlichen Vermögen und die Güter der sogenannten" Toten nicht, seit gestern die düsterste Miene aufzusehen und mit den meist gleichzeitig statt. Hier spielt der Geldbedarf die ent- Hand"( das Kirchenvermögen) möglichst geschont werden, fabelhaftesten Schritten zu drohen. Es werden auch schon die scheidende Rolle, der die Bauern zwingt, möglichst bald das ferner, daß die Einschätzung bezw. Feststellung der Vermögen gewaltigsten Vorkehrungen getroffen, obwohl es sich nur Getreide zu verkaufen. Es unterliegt also feinem Zweifel, nach) Grundsätzen erfolgt, die den großen Befizern gestatten, darum handelt, daß die Montenegriner ein ungarisches Schiff daß die Ausbildung des Maschinenwesens die Position des einen wesentlichen Teil ihres Vermögens der Besteuer.ing zu in Giovanni di Medua vergewaltigt" haben. So ist ein Großbetriebes gegenüber dem Kleinbetrieb bedeutend ge- entziehen und der Umschwung ist fertig. Und ganzes Kriegsgeschwader nach dem kleinen Hafen auf dem festigt hat. das hat mit seiner Weisheit der Bundesrat getan! Wege, um dort die österreichische Macht großartig zu demon­ In

gleicher Richtung wirkt die Entwickelung des Verkehrs- Gesezestraft wird ja freilich diese bundesrätliche Fest strieren. Drei Schlachtschiffe, ein großer und ein kleiner wesens. Die Frachtkosten sind für den Großbetrieb um 40 fegung taum erlangen. Die Stonservativen mögen dafür Kreuzer, mehrere Hochseetorpedoboote und Torpedobootszer­bis 75 Pf. pro Morgen( 4 bis 5 Bentner Getreide) billiger. stimmen, vielleicht auch der größere Teil der Nationalliberalen; störer: das wird doch den Montenegrinern imponieren und