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Nr. 94.

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Berliner Volksblatt.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Morikplak, Mr. 1983.

Sonntag, den 20. April 1913.

Krupp - Krach.

Die entlarvten Rüstungspatrioten.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984.

verfolgen, die für Bekanntwerden dieser Affäre sorgten. Mit Recht erklärte Liebknecht, daß er allein durch dieses illoyale Manöver gegen seine Gewährsmänner sich berechtigt fühle, jede Rücksicht gegen die Firma fallen zu lassen. Und mit aller Entschiedenheit forderte er, daß der Kriegsminister nicht nur gegen die unteren" Schuldigen, sondern auch gegen die allmächtige Firma Krupp selbst borgehe. Außerordentlich treffend trat unser Redner dann noch die Schlag auf Schlag erhält der deutsche Militarismus. Da Und wenn er meinen sollte, den Fall damit erledigen zu das Deutsche Reich so viel zu verdanken haben soll, mit der passen. öden Lobhudeleien des Kriegsministers auf die Firma Krupp , der waren zuerst die Militärdebatten, in denen die völlige können, daß irgendwelche untergeordnete Beamte der Firma den Gegenfrage ab, was denn die Firma Krupp dem deutschen Grundlosigkeit der ungeheuerlichen Regierungsforderungen als Sündenböcke in die Wüste geschickt werden, so dürfte das Volk zu verdanken habe? Die Hunderte von Millionen Mark Ver= dem deutschen Volke vor Augen geführt worden sind. Dann diesmal kaum gelingen. Denn Herr v. Dewiß, der frühere mögen dieser Firma stammen doch aus dem deutschen Volke und fonnten wir im Vorwärts" nachweisen, daß das Rüstungs- Offizier, der die Geheimberichte aufzubewahren hatte, ist aus dessen ärmsten, schwer arbeitenden Schichten! tapital sich zu einem Geheimbund fartelliert fein untergeordneter Beamter Beamter der Firma Es war ein schwerer Tag für den Kriegsminister. hat, um seine ungeheuren Monopolprofite aus den Steuer- trupp. und Herr v. Dewiß ist an der Sache offenbar doch man sah es ihm an und hörte es noch mehr aus seinen verlegenen zahlern des deutschen Volkes noch zu steigern. Und jetzt hat suchungshaft gewesen und nach Feststellung Man solle mit dem endgültigen Urteil über die Firma Krupp noch stark beteiligt, ist er doch eine Zeitlang in Unter- Redensarten, die in stereotyper Weise immer wieder betonten: Liebknecht an zwei aufeinander folgenden Tagen den des Tatbestandes nur gegen Kaution aus fo lange warten, bis die Untersuchung und das Verfahren abge­Rüstungstreibern und Prozentpatrioten, den eigentlichen Ur- der Haft entlassen worden. Es muß also ver­hebern der neuen Heeresvorlage, die Maske vom Gesicht ge- langt werden, daß endlich gründlich in das Treiben der schlossen sei. Das wiederholte der sonst so selbstbewußt auftretende rissen und gezeigt, wie die Milliardenforderungen zustande Rüstungslieferanten hineingeleuchtet werde. Und Seeresgewaltige in refigniertem Ton immer und immer wieder. nötig wäre es, daß der Reichstag eine parlamentarische bei den bürgerlichen Parteien. Mochten dieselben auch ihre Presse Da sind die Deutschen Munitions- und Waffenfabriken, die Untersuchungskommission einsetzte, die mit aller der Firma Krupp bereitwillig zur Verfügung stellen, hier im Hause falsche Nachrichten in die französische Presse Tanzieren, um so Energie den dunklen Schlichen nachginge und gründliche Auf- selbst mußten ihre Redner- bei aller Reserve im endgültigen die deutsche Regierung zur Beschleunigung des Rüstungs- flärung schüfe. Radikale Abhilfe kann freilich nur die Ver- Urteil über diese Veröffentlichungen zugestehen, daß bereits das die deutsche Regierung zur Beschleunigung des Rüstungs- wirklichung unserer Forderung bringen, die Rüstungs- Feststehende völlig genüge, den Kriegsminister zur energischsten tempos zu veranlassen. Der Beweis ist von uns schon lange und industrien zu verstaatlichen. unwiderleglich geführt worden, aber da der Herr Kriegsminister den Borfall gleichgültig abzutun beliebt, wollen wir der Deffent lichkeit das Beweisstück nochmals ins Gedächtnis zurückrufen. Der Brief der Firma hat folgenden Wortlaut:

tommen und wie die Milliarden verwandt werden.

Personalakten. Abschrift.

BI. 15.

Herrn.

G. 8236.

( G.

Geheimregistratur.)

haben soll:

Paris .

Liebknechts Enthüllungen wirken deshalb so aufreizend,

Eindruck machte der Kriegsminister damit nicht, nicht einmal

-

Weiterverfolgung der Sache zu verpflichten. Nur die Nationallibe= weil es sich um eine Industrie handelt, die ohnehin wie feine talen, dieſe. Vertreter des Großkapitals par Exzellenze, erklärten, vorläufig überhaupt noch nicht auf diese Angelegenheit eingehen zu andere mit Riefenprofiten arbeitet, um eine Firma, deren Be- vorläufig überhaupt noch nicht auf diese Angelegenheit eingehen zu wollen. Selbst die Konservativen hielten mit ihrer bedingten Ver­fizer das größte Einkommen Deutschlands bezieht. Und diese Reichsten der Reichen wenden solche Mittel an, um diesen urteilung solcher korrumpierenden Geschäftsmanipulationen nicht Profit noch zu steigern! Marr behält wieder einmal recht: zurück; für die Freisinnigen schloß sich ihnen Herr Dove an, Herr Braband fühlte sich offenbar mehr als Reserveoffizier, denn als Für hundert Prozent stampft das Kapital alle menschlichen Boltsvertreter und suchte dem Kriegsminister zu assistieren. Seine Geseze unter seinen Fuß. Dreihundert Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht ristiert, selbst auf Ge- Partei hat sich bemüßigt gesehen, diesen sonderbaren Helden in der Bossischen Zeitung" zu desavouieren. Der erste Zentrumsredner, fahr des Galgens. Wenn Tumult und Streik Profit bringen, Dr. feiffer, fand sogar äußerst scharfe Töne gegen den Kriegsa wird es sie beide entouragieren. Beweis: Schmuggel und Bir drahteten Ihnen foeben: Bitten unseren heutigen Brief Slavenhandel," und die Rüstungstreibereien jegen minister und nicht minder gegen die Firma Krupp . So ging denn auch heute diese Debatte mit einem, glänzenden in Paris abwarten". wir hinzu. Grund dieser Depesche war, daß wir die Aufnahme eines Ar­Liebknecht hat sein Material schon vor einiger Zeit dem Erfolg der Sozialdemokratie aus, die wieder einmal die Erste war, titels in einer der gelesensten französischen Zeitungen, möglichst im Kriegsminister übermittelt. Er hat in diskretester Weise die in wirklich vaterländischem Interesse in ein tapitalistisches Wespennest stach. Figaro", durchsetzen möchten, welcher folgenden Inhalt lands. Er hat erst gesprochen, nachdem das Untersuchungs- Kriegsminister das Gehalt endlich bewilligt worden war, ſentte sich gehandelt, mit aller Rücksicht auf die Interessen Deutsch - Nach diesen Debatten und nachdem dem schwer aufatmenden Die französische Seeresverwaltung hat ergebnis im wesentlichen feststand, die Oeffentlichkeit unter die Sonnabendsstimmung über das Haus, das hintereinander die sich entschlossen, die Neubewaffnung der richtet werden mußte. Diesen Mann hat Herr v. Kar- einzelnen Kapitel des Heeresetats bis zum Bekleidungsamt" er­Armee mit Maschinengewehren erheblich zu dorff, während er in den Reichstag fuhr, um dort dem ledigte. beschleunigen und die doppelte Anzahl als deutschen Volfe einen wertvollen und danfenswerten Dienst Eine eingehende Kritik ließ Genosse. Kunert dem Militär­zuerst beabsichtigt, zu bestellen." 311 leisten, im Abgeordnetenhause einen Agenten des justizwesen zuteil werden, und Genosse Stadthagen unter­Wir bitten Sie, alles aufzubieten, um die Aufnahme eines der Auslandes genannt. Herr v. Kardorff. der Sohn eines füßte ihn darin mit der Anführung eines besonders trassen Falles artigen Artikels zu erreichen. blutigen Gründers, das Mitglied einer Partei, die nichts militärischer Willkürmaßnahmen gegen einen entlassenen Soldaten. anderes ist, als die politische Agentur der Prozentpatrioten, Bor allen Dingen begründete Abg. Kunert aber eine Resolution Hochachtungsvoll Deutsche Munitions- und Waffenfabrik. Rüstungstreiber und Scharfmacher! Daß diefe Schamlofig- unserer Fraktion, durch welche die Heeres- und Marineverwaltung feit möglich war, daß sie im preußischen Landtag möglich zur Veröffentlichung statistischen Tatsachenmaterials über die ge­von Gontard. Bofegarten. So wird ein Teil des Profits dazu ver- war, das fann dem deutschen Volke auch zeigen, welche famte Militärjustiztätigkeit aufgefordert wird. Die Resolution Schmach das Dreiklassenwahlrecht bedeutet, welche wurde angenommen. wandt, um hüben und drüben gegen bares Aufgabe es erfüllen muß, wenn es im Reiche Ordnung Geld nationale Stimmung zu fabrizieren, schaffen will. Es hängt eben alles zusammen, der Prozent- Verwaltungsamt" den Interessen des Lithographengewerbes an, Genosse Pintau nahm. sich beim Kapitel Generalstab und die notwendig ist, neue vermehrte Aufträge patriotismus und die Herrschaft einer kleinen Clique von während Genosse 3ubeil wieder eine reiche Fülle leider allzu zu erhalten! Aufträge aus dem In- und aus dem Auslande, ganz Deutschland . Und die Enthüllungen Liebknechts entlarven der Militär musiker vortragen mußte. Dabei rüdte unser Junkern und Großkapitalisten über Preußen und über berechtigter Klagen der Zivilmusiker über die unlautere Konkurrenz gleich. Denn das Rüstungsfapital ist international. Und nicht nur die Geschäftspraktiken, sondern auch die politischen Redner die Beschwerde in den Vordergrund seiner Ausführungen, bei dieser Internationalität kommt das Ausland noch Praktiken, mit denen das deutsche Volk betrogen wird! meit besser weg. Denn die auswärtige Regierung steht nicht so unmittelbar unter dem politischen Einfluß dieser Brozentpatrioten. Deshalb liefern Krupp , deshalb liefert Dillingen an das Ausland bedeutend billiger als an Deutschland . Soffentlich nicht auch besser, obwohl die Wie eine Bombe schlugen die Enthüllungen, die Genosse Lieb­Qualitätsprüfung im Ausland sicher sehr streng ist. necht gestern im Reichstag über die Geschäftspraktiken, welche Das sind aber die offenen Wege, die uns ja bekannt von Beauftragten der Firma Krupp getrieben werden konnten, ein. find. Viel schlimmer aber ist das, was Liebknecht jetzt auf- errichte schon gestern im Reichstag, als in später Stunde Lieb­gedeckt hat. Im Berliner Bureau der Firma Krupp hat knecht seine Ausführungen beendet hatte, allgemeine Verblüffung man sich durch Bestechung Geheim berichte zu ver- ben diese Enthüllungen für die Firma Strupp selbst bedeutete, außer es in der Beratung des Militäretats weiter. und Verduztheit bei den bürgerlichen Parteien, so fuhr der Schlag, schaffen gewußt, die sich zum Teil auf die Konkurrenz, zum halb des Reichstags nicht minder kräftig nieder. Sofort spielte der Zeil aber auch auf neue konstruktionen beziehen, die Telegraph von Berlin nach Effen und von dort nach Berlin . Und die Militärverwaltung einführen will. Die Firma Krupp , schon in den Berliner Morgenblättern tonnte man eine auffällig zu deren Jubiläumsfeier der Kaiser selbst die Festrede hielt, diplomatisch gehaltene Beschwichtigungsnote der Firma Krupp die uns als eine nationale Institution, der Verehrung aller finden. Auffallen muß dabei insbesondere, daß diese Erklärung" Patrioten würdig, unausgesezt gepriesen wird, diese Firma, fich vielfach mit den Erwiderungen des Kriegsministers im Reichs­deren Macht und Größe auf den Lieferungen beruht, die mit tag deckt.

Der Krupp- Skandal vor dem Reichstag . Aus dem Reichstag wird uns geschrieben:

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daß die Klagen de Zivilberufsmusiker jetzt noch weniger Beachtung bei der Militärbehörde finden, als früher. Bei dem Kapitel Bekleidungsämter" brachte Genosse Böhle die Bohndrückerei, die durch das Straßburger Bekleidungsamt gefördert wird, zur Sprache, während Genosse Ja e del die Militärverwaltung aufforderte, bei den Vergebungen von Tuchbestellungen vor allen Dingen die Firmen zu berücksichtigen, die den bei ihnen beschäftigten Arbeitern an­ständige Arbeitsbedingungen gewähren und die mit den Textil­arbeitern Tarifverträge abgeschlossen haben. Danach wurde die Verhandlung abgebrochen. Am Montag geht

Der Generalitreik.

Der Zweideutige und der Brutale.

den deutschen Steuergeldern bezahlt werden, verschafft sich Die gestrigen völlig unzulänglichen Erklärungen des Kriegs­O. P. Brüssel, 18. April. ( Von unserem Spezial­durch Bestechung Geheimberichte von größter Wichtigkeit! Der ministers boten Genossen Liebknecht nicht allein Veranlassung, son- forrespondenten.) Der Generalstreik wächst zu tragischer Größe Kriegsminister hat vergeblich versucht, diese ungeheuerliche dern machten es ihm zur Pflicht, seine Veröffentlichungen über diese hinan. Aber Regierung und pfäffische Mehrheit bleiben un­Tatsache zu verdunkeln. Er hat entschuldigend gemeint, es Standalaffäre kapitalistischen Geschäftsunverfrorenheit fortzusehen. fähig, fie zu verstehen und verharren in einer Stupidität, die handele sich nicht um den Berrat militärischer Geheimnisse. Wieder gehörte dem sozialdemokratischen Redner das Ohr des einmal schlau, das anderemal kraftmeierisch sein will. Und Liebknecht hat aber auch nicht behauptet, daß die Firma oder Hauses und mit schneidender Schärfe und zweifelsfreier Deutlichkeit ihre Unfähigkeit verdammt das Parlament in schicksalsschweren deren Angestellte militärische Geheimnisse ans Ausland hob Liebknecht hervor, daß es sich bei dem Spionieren des Krupp- Lagen zu einem byzantinischen Gezänt. Da ist schon vor allem ausliefern wolle. Aber ist es denn nicht ungeheuerlich genug, fchen Agenten nicht allein um Erlangung rein geschäftlich bedeut- das Formale: fein Mensch in Belgien , ob reich oder daß gerade von solcher Seite militärische Geheimnisse, die samer Mitteilungen handelt, sondern daß militärische Ge- arm, Mann oder Frau, Frau, jung oder alt, denkt an nur für die Kriegsverwaltung bestimmt sind, dieser entrissen heimnisse preisgegeben wurden. Wurden doch bei dem etwas anderes als an den Streit. Aber die Kammer kommt und dem privaten Profitbedürfnis dienstbar gemacht wird? Herrn v. Dewitz in Essen, dem die Verwahrung dieser Geheim- nur auf einem Umweg dazu, über ihn zu sprechen. Und an dieser Tatsache kann nicht gerüttelt werden. Mit berichte als außerordentlich wertvolle Dokumente unter allen Ga- Die Krise, die das ganze Wirtschaftsleben der Nation erfaßt, den Ableugnungsversuchen aus Eisen braucht rantien dichtester Geheimhaltung von der Firma Krupp übertragen packt ihre Opfer direkt das Parlament nimmt nur mittels man sich ja gar nicht erst zu beschäftigen, die kann die an- wurde, Berichte über Neukonstruktionen von Waffen und Kriegs- einer Geschäftsordnungs- Debatte von ihr Notiz, weil die ständige Bresse faum als bezahltes Inserat aufnehmen. Aber material gefunden. flerikale Mehrheit aus Pringip dabei bleibt, auf der Tages­der Kriegsminister täte allerdings gut daran, den Ver- Besonders tennzeichnend für das Verhalten der Untersuchungs- ordnung die Militärreform zu lassen, um die sich im Augen­fuch aufzugeben, die Verteidigung der Firma zu übernehmen. behörden in dieser Angelegenheit aber ist auch das Bemühen, neben blick keine Stage fümmert. In dieser Debatte wird nun aller­Das ist nicht seines Amtes, dazu ist er nicht da! den wirklichen Schuldigen auch die Personen zu ermitteln und zu dings von nichts als vom Generalstreit gesprochen, aber wie?

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