Nr. 95.
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Telegramm- Abreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Moritplan, Mr. 1983.
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Montag, den 21. April 1913.
Und doch steht alles fest wie ein Fels. Und doch ist das Spiel für jene trop aller unlauteren und durchsichtigen
Expedition: S. 68, Lindenftraße 69.
Fernitrecher: Amt Morisvlak, Nr. 1984.
Manöver verloren. Das Selbſtverſtändliche und Pflicht Kriegsminifterium und Inferaten
gemäße wird geschehen müssen. Daß es geschieht, ohne Schonung, rücksichtslos und radikal, darüber gilt's zu wachen.
geschäft.
Die Wege des Kapitals sind nicht im mindesten wunderDas Erste aber und Wichtigste ist: Alle Voraussetzungen Die Presse ist in dem Entwickelungsstadium, auf bar. Mit der gleichen naturgesetzlichen Notwendigkeit, die für ein friedliches Einvernehmen zwischen Frankreich und welchem sie angelangt ist, der gefährlichste, der wahre Feind das Wasser den Berg hinuntertreibt, strömt das Kapital an den Ort des höchsten Profits. Ihm moralische Strupel wel- Deutschland sind bei gutem Willen gegeben. Die Wehrvor- des Volkes, ein um so gefährlicherer, als er verkappt auftritt." lagen in beiden Ländern bilden das einzige ernste Hindernis, So äußerte sich vor 50 Jahren Lassalle über die kapitacher Art immer ansinnen, hieße dem Wasser zumuten, bergan wenn man die künstlich aufgebauschten Episoden von Nancy , listische Presse. Seitdem sind die großen anständigen" zu laufen oder dem Felde zufliegen. Aber die Wege des Kapitals sind dennoch wunderbar. Besoncon, Lunéville u. s. f. beiseite läßt, die wiederum aus Blätter noch weit mehr als damals zu„ industriellen Aber die Wege des Kapitals find dennoch wunderbar. der durch die Heeresvorlagen überhitten Atmosphäre zu er- politischen Stampf in erster Linie das Geschäftsinteresse entKapitalanlagen" geworden, über deren Haltung im Nicht in ihrer Gesetzmäßigkeit, sondern in ihrer unerschöpf- flären sind. Auch diese Zwischenfälle sind in einer Weise ge- fcheidet. Den Beweis dafür hat diese Presse in letzter Woche lichen Mannigfaltigkeit. Wie wirkt sich die Kapitalmacht ie- löst, wie sie anständiger, vornehmer nicht gedacht werden kann. aufs neue erbracht, indem sie gewiffenlos ihrer Leserschaft weils aus, wie setzt sie sich in soziale oder politische Macht um, n beiden Ländern wächst die Abneigung gegen den Rüstungs- den vom Vorwärts" in der letzten Montagsausgabe gedie wiederum wirtschaflich dem Profit nugbar ist? Verborgene Maulwurfsgänge, geheime, geheimste Stanäle, ein weit wahnsinn trokalledem; trop all der Machinationen der lieferten Nachweis unterschlug, daß im Deutschen Reich ein ,, Marine- Verständigungskonzern" besteht, der sich die schöne berzweigtes unterirdisches Nöhrennez leiten in politische Bar- Rüstungsinteressenten und militärischen Karrieristen. Es gilt einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden. Die Aufgabe gestellt hat, die Preise für die zu den Flottenbauten teier, die zu einem guten Zeil geradezu die Ausgehaltenen Annäherung an den Gedanken einer maritimen Verständigung des Reichs benutten Schiffsbaumaterialen in die Höhe zu gewisser kapitalistischer Interessentengruppen sind, leiten in mit England hat sich vollzogen. Der psychologische Moment treiben und auf diese Weise den Staatssäckel, das heißt allerhand scheinbar unabhängige, oft sich höchst idealiſtiſch ge- für eine Rüstungsverständigung zwischen Frankreich und in letter Reihe die Steuerzahler, zu schröpfen. bärdende Vereinsorganisationen, leiten vor allem auch in die Presse. Oft auf Schleichwegen, die selbst den Stipendiaten nicht mehr weiter auf der bishrigen Bahn, die im Abgrund wie die aufgebrachten Summen verwandt werden und wieviel Sicherlich haben die letzteren, denen demnächst ein neues Deutschland ist gekommen. Deutschland ist gekommen. Die Völker können und wollen Steuerbukett zugedacht ist, alles Interesse daran, zu wissen, unbekannt sind. Brutal, robust, voll zynischen Hohns gegen alle Argu- endet, enden muß. Am wenigsten, nachdem den Chorführern von diesen Summen als Ertraprofit an den Händen der Heeres- und Marinelieferanten hängen bleibt. Doch unsere mente und Methoden einer sozusagen feineren Gesittung, wie des Patriotismus die Maske abgerissen ist. Die Berner Zusammenkunft steht nahe bevor. Werden anständige bürgerliche Presse, die sogenannte entschieden der Militarismus selbst, diese konzentrierte, systematisierte Roheit der Gewalttätigkeit, so ist die Rüstungsindustrie. Die bürgerlichen Parteien wenigstens zu einem Teil- in liberale wie die konservative, denkt darüber, wie ihre UnterUngeheuerlich in ihren Kräften, unersättlich in ihren An- ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse und jedenfalls im schlagung beweist, ganz anders. Wenn gewisse friegsbegerische mitzuarbeiten bereit sein an dem Blätter ihren Lesern vorzuenthalten suchen, wie die großen fprüchen, leidenschaftlich in ihrem Profitwillen. Gefüttert Interesse des Volkes- vaterländischen Prozentpatrioten sich auf Staatskosten hohe mit den ſauren Groschen der Armen, die sie in süße Millio- heiligen Werk des europäischen Friedens? Werden die Regie- Gewinne zu verschaffen wissen, finden wir das begreiflich, nen für Geldfürsten wandelt. Umflossen von dem Heiligen- rungen, wird die deutsche Regierung, gewarnt und gewißigt, denn manche dieser Blätter vermögen die Subsidien der beschein eines teils philisterhaften, teils marktschreierischen, teils die Kraft und den Mut finden, um sich loszureißen aus der treffenden Industriellen und Lieferanten nicht zu entbehren, in trüben Spekulationen entarteten„ Patriotismus", dessen Umstridung der alldeutschen Schreier, der Offizierskamarilla, wenn sie nicht alsbald ihr Erscheinen einstellen wollen. Sie heuchlerische Verächtlichkeit vielfach so weit geht, daß die der Krupp und Genossen? Wird sie endlich dem stürmischen erhalten nur so lange Unterstützungen, als sie die KriegsHeuchelei aufhört, bewußt zu sein. Und nicht gedeihend bei Drängen der großen Masse des deutschen Volkes nachgeben trommel schlagen und täglich aufs neue beweisen, daß Deutsch Glüd, Freiheit und Frieden der Völker, sondern bei 3wie- und einer Vermittelung zwischen den beiden größten Militär- lands Ehre erfordert, Heer und Flotte unablässig zu vertracht, Kriegsgefahr, Krieg, die ihre Nahrung bilden: je staaten des europäischen Sontinents zustimmen, deren Ergeb. mehren. Aber es sind nicht nur diese Blätter, die den ermehr Völkerhaß, um so mehr Profit! Durch ihr innerstes nis eine stärkere Sicherung des Weltfriedens, der Sicherheit brachten Nachweis ihren Lesern verschweigen, auch die linksliberalen Blätter von der Couleur des Berliner Tageblatt" Wesen international, weit über alle Landesgrenzen hinaus und Kultur beider Länder sein wird, als alle Kanonen von haben faft sämtlich von den Praktiken der ehrsamen Stahlsolidarisch im Interesse an der gegenseitigen Verhetzung der Schneider- Creuzot oder Krupp? fabrikanten keine Notiz genommen- denn auf die großen Völker, die innere und äußere Skrupellosigkeit des KapitalisInserate der betreffenden Werke und der mit ihnen liierten mus übergipfelnd. Und voll Interesse gerade an einem begroßen Finanzinstitute möchten auch sie nicht gern verzichten. ftimmenden Einfluß auf die Politik, vor allem auf die äußere, Doch nicht nur so manche an den Lieferungen für Heer und Marine beteiligten Firmen arbeiten mit Hochdrud an auf die Staatsgewalt und alle politischen Machtfaktoren, durch der Schürung des Rüstungsfiebers unter Aufwendung recht beträchtlicher Geldmittel; auch das KriegsministeBrüssel, 20. April. rium stellt zu diesem Zwede seine Dienste ( Privattelegramm des Kein Band irgend welcher moralischen Rücksicht könnte Vorwärts".) Der Generalstreit nimmt an 8ur Verfügung. Da ist dieser Tage eine besondere Deutsche Wehr- Nummer" der Leipziger lustrierten Beifest genug sein, um die von solcher Psychologie borangetrie- umfang zu. Die städtischen Gasarbeiter in fung" erschienen, reich mit vaterländischen Bildern ausge benen wilden, eigensüchtigen Profitinstinkte des Rüstungs- Brüssel erklärten, daß sie sich dem Wahlrechtsstreik an- stattet( zum Preise von 2,50 M.) nach der eigenen Antapitals zu hemmen. Jeder Damm wird überflutet, den schließen würden und haben für Dienstag ihre Kündigung gabe des Verlages( J. J. Weber in Leipzig ) dazu bestimmt, nicht Geschäftsflugheit aufrichtet. eingereicht. Der Bürgermeister will Vorkehrungen treffen, auf das deutsche Volk einen tiefen EinDie Erfahrung bestätigt diese theoretisch selbstverständ- um die Fortdauer des Dienstes zu ermöglichen. In der Vor- drud" zu machen, das heißt für die Heeresvorlagen Stimfiche Auffassung. Die Treibereien der englischen Kriegs- stadt St. Gilles ist ein partieller Gasstreit ausgebrochen. mung zu machen. Diese Nummer, für die außer Professor industrie sind bekannt. Die Pulverringskandale nicht minder. In Antwerpen haben 3000 lokalorganisierte Diamant- Hans Delbrück eine große Anzahl von Generälen und Vor wenigen Tagen erst ist in Italien Herrn Cresta, frühe- arbeiter sich der Streitbewegung angeschlossen. Auch sonst anderen hohen Militärpersonen längere Beiträge geliefert rem Präsidenten der italienischen Handelskammer in Paris , wird für morgen eine weitere Ausdehnung des Ant- baben, ist eine für die von der Kriegspartei hinter den Kulissen betriebene Agitation höchst charakteristische Tatgerichtlich bescheinigt worden, daß er während des lybischen werpener Streifs erwartet. sache! größtenteils im Kriegsministerium Krieges zwar bei patriotischen Rundgebungen allen voran Der Sekretär der Metallarbeiter des Bezirks Seraing , geschrieben und redigiert worden. Aber damit glänzte, fich aber zugleich„ redlichste" Mühe gab, durch a haut, ist verhaftet worden. In den Hauptstraßen hat sich unser auf strengste Korrektheit haltendes KriegsWaffenlieferungen an den türkischen Feind ein gutes Ge- üttichs fand heute eine grandiose Wahlrechts- ministerium nicht begnügt; es hat außerdem eine schäft zu machen. Und nun: Deutschland in der Welt voran! demonstration statt. Vandervelde und de Brou- Mahnung an die für die Armeelieferungen Freilich die Standale um den Panzerplattenkonzern, um dere sprachen zu den Massen. Morgen manifestiert das und die Landesverteidigung in Betracht Dillingen , d. h. Königs Stumm Nachfolger, um die Muni- Centre, am Dienstag werden in Charleroi die Strei- fommenden Industrien" gerichtet, in welcher tions- und Waffenfabriken, um den dreimal gebenedeiten kenden an dem Begräbnis des Demokraten Janson, eines diefen empfohlen wird, die Gelegenheit zu Reklameartikeln Krupp sind nur Symptome eines allgemeinen Krebsleidens Vorfämpfers des Wahlrechts, teilnehmen. Vandervelde und Annoncen in der betr. Wehr- Nummer zu benutzen. der, heutigen Gesellschaftsordnung, über alle Staatengrenzen wird bei der Leichenfeier sprechen.
die das heilloſe Feuer des Böllerhaffes geschürt, der„ Gefahr Der Wahlrechtsitreik in Belgien .
friedlicher Entwickelung entgegengewirft werden kann, die aber gleichzeitig die höchst opulenten Auftraggeber sind.
hinaus.
Der Segerstreik.
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N
Freilich war das Kriegsministerium so vorsichtig, diese Mahnungen nicht selbst zu vertreiben, sondern ihre Versendung der Leipziger Verlagsbuchhandlung zu überlassen. Schwer ist es und fast stets nur durch einen Glückszufall Indes die Lieferungsinteressenten haben auch ohnehin den möglich, in das Geheimkabinett des Kapitalismus so hinein- Brüssel , 20. April. ( Privattelegramm des ihnen auf diesem Umwege erteilten Wink recht deutlich verzuleuchten, wie es uns in den letzten Tagen und Wochen Vorwärts".) Die Beitungsseger haben den standen; denn nicht weniger als 130 Großfolioseiten der Streifbeschluß ihres Verbandes nicht innegehalten. Alle schönen Wehr- Nummer sind mit Steflameartikeln und Anbergönnt war. Wütend ballt die Sippe der vaterlands- bürgerlichen Zeitungen sind heute erschienen, dagegen der noncen bedeckt. Manche Firmen haben sich die Befolgung feindlichen Patrioten die Fäuste, vor allem über die Auf- Peuple" nicht. Die desorganisatorische Haltung der der kriegsministeriellen Aufforderung eine recht ansehnliche deckung des Kruppschen Reptilienfonds. Zeitungsseter fam heute in einer Sizung des Buchdrucker- Summe fosten lassen, denn ihre Beiträge" umfassen Krupps Ehre- Deutschlands Ehre! Krupps Schande verbandes mit dem Streiffomitee zur Verhandlung. Es wurde mehrere Seiten und enthalten eine Anzahl prächtiger Deutschlands Schande! Im Augenblick, wo der schlüssige die Weiterführung des Beitungsseter llustrationen. Was tut nicht ein guter Patriot- alles Beweis erbracht wird, welche furchtbaren Gefahren das ge- ftreifes beschlossen; die Streifbrecher sollen aus der Orga- zum Nutzen des teuren Vaterlandes zumal wenn er meinschädliche Treiben der in Glanz und Glück sizenden nisation ausgeschlossen werden. Sollte das Nichterscheinen der vermeint, sich dadurch das Wohlwollen eines hohen KriegsRüstungsindustriellen über die Völker heraufbeschworen hat bürgerlichen Blätter nicht erreicht werden können, so soll auch ministeriums erwerben zu können! Zum Beweis für unsere Mitteilungen drucken wir nachund heraufbeschwört, wird das hohe Lied ihrer patriotischen der Peuple" hergestellt werden. Man erhofft jedoch eine Leistungen gesungen. Und die Macht jener großen Unter- typeure das Nichterscheinen der Blätter möglich machen Wendung, da die ausnahmslos organisierten Stereo- stehend ab: 1. Die für die Armeelieferanten benehmungen müßte einige duzendmal kleiner sein als sie ist, können. Die Schuld an der verworrenen Situation wird stimmte Aufforderung des Kriegsministe wenn nicht bereits an allen Ecken und Enden die Beschwichti- dem Bureaukratismus und dem Zünstlertum des Verbands- riums, gungshofräte, die Verwirrungshandlanger und die Ver- komitees der Buchdrucker zugeschoben, das den Druck der 2. das von der Leipziger Verlagsbuchtuschungskünstler am Werke wären. Streitbulletins und dringender Proklamationen verweigerte. handlung unter Beifügung dieser friegs
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