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Nr. 198.

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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Morikplay, Nr. 1983.

Kontorleutnant.

Kontorleutnants

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Montag, den 4. August 1913.

fann zur Not im Instruktionsbuch herumbuchstabieren, ohne

je den Kurszettel richtig lesen zu lernen.

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Expedition: S. 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Morisplas, Mr. 1984.

Was ist ein Militärgeheimnis?

Einer der Angeklagten foll auch dadurch nicht nur das Dienst Was aber weit wesentlicher erscheint, ist, daß man hier geheimnis gebrochen, sondern obendrein wichtigste konstruk den Versucht macht, nicht mehr aftive Offiziere just von den tionsgeheimnisse preisgegeben haben, daß er Brandt Ein­das sind nicht etwa die Berliner Kreisen versorgen zu lassen, auf die der grünste Leutnant mit blid in das Bestellbuch nehmen ließ. Eine artilleristisch vorgebil­Zeugoffiziere, die für das Kontor der Firma Krupp in einer unverhohlenen Mißachtung herabblickt. Der Offizier ist, bete Persönlichkeit, so erklärten die Sachverständigen, ſei wohl im Eſſen die so schnell berühmt gewordenen Kornwalzer liefer- das hat auch der grünste Leutnant so oft gehört und gelesen, ſtande gewesen, sich aus den Eintragungen ein Bild der unternom menen wichtigen Versuche zu machen. ten, sondern es sind jene Herren a. D., denen das preußische der erste Stand" im Staate. Der Offizier dient nur seinem Diese und ähnliche wichtige Dinge, die die Militärverwaltung Kriegsministerium guten Unterschlupf und warme Pläßchen König und nicht um schnöden Gewinnes willen", sondern geheim halten wollte es handelte sich dabei auch um Versuche in der Welt des Handels und der Industrie sichern will. nur um die Ehre". Der Roofmich" aber ist ein bin mit Geschützen ber Konkurrenzfirma Ehrhardt sollen nun aber Das bekannte Schreiben des Ministeriums an die Handels- reichend anrüchiger Stand, denn er trachtet nur danach, Geld nach den Bekundungen des technischen Direktors Rausen­kammern mit seinen halb naiven, halb anmaßenden Forde zu verdienen" und" Mammon zusammenzufragen". Sit berger der Firma gar kein Geheimnis geblieben sein! Gerade rungen ist noch keine vierzehn Tage bekannt, und schon hat dieser Koofmich" vielleicht noch dazu ein Jude, dann gilt er die der Anflage so schwerwiegend erscheinenden Fälle des Verrats ängstlich au hütender Konstruktions­es die mannigfachsten Wirkungen gehabt. Auf der einen Seite von vornherein als Paria, dem sich nie ein Offizierkafino er­sollen sich zahlreiche Firmen hier gehört ein Fragezeichen schließen wird und dessen Söhne und Enkel bis ins dritte und geheimnisse sind nach Herrn Rausenberger für die Firma hin- bei der Auskunftsstelle für Offizierzivilversorgung", vierte Glied es nicht über den Gefreiten d. N. hinaus Strupp völlig belanglos gewesen, weil sie ja alles längst wußte. Wir erfahren ja alles, was wir erfahren Berlin W. 66, Wilhelmstraße 82/84, gemeldet haben, um recht bringen. tollen" meinte Herr Rausenberger leichthin. Und woher? Nun, bald einen ausrangierten Leutnant auf ihren Kontorschemeln burch Monteure, die bei gleichzeitigen Schießversuchen die reiten zu sehen, auf der andern Seite haben und das ist Augen aufsperren, durch eigene Wahrnehmungen aber auch eine Tatsache ohne Fragezeichen verschiedene Organisatio­durch Mitteilungen der Referenten, also der Militärbehörden nen von Handelsangestellten sich sehr entschieden dagegen ver­selbst. wahrt, mit einer Konkurrenz aus den Kreisen des Offizier­forps beglüdt zu werden.

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Kruppsche Monteure wohnen nun aber den besonders vor­genommenen Versuchen mit Geschüßen der Konkurrenzfirmen nicht bei. Mancherlei läßt sich vielleicht auch noch durch Spionage bei der Konkurrenzfirma in Erfahrung bringen. Aber Brandt hat auch sehr wichtige Mitteilungen über Entschließungen der Militärbehörden selbst gemeldet. Und diese für die Firma Strupp höchst interessanten Mitteilungen sind dem Herrn Direktor Mausenberger völlig gleichgültig erschienen, weil er ja schon alles wußte? Entweder war das eine ungeheure Ueber treibung oder es war wirklich die Wahrheit!

In der göttlichen Weltordnung ist es nun einmal so ein­gerichtet, daß der Koofmich" der Lieferant ist für den Offi­zier und weiter nichts. Dabei ist es noch eine hohe Ehre für den Koofmich", wenn der Offizier die pflichtschuldigst gelieferten Waren möglichst lange schuldig bleibt, und wehe ihm, wenn er gegen den Stachel löckt! So wurde noch in den Der Grund für die Bitte des Kriegsministeriums an die Reichstagsverhandlungen über die Heeresvorlage von einem Handelskammern ist der, daß man mit jedem Jahre und erst Vertreter der bürgerlichen Parteien angenagelt, daß das recht mit jedem Wachstum der Armee mehr in Verlegenheit Offizierkorps einer Garnison einen Kaufmann deshalb durch gerät, was mit dem großen Schwarm der aus dem Heer aus- Boykottverhängung schädigte, weil er seine Forderungen scheidenden jungen und jüngeren Offiziere anzufangen ist. gegen einen der Erstklassigen" gerichtlich eingeklagt hatte! Bei der Garde freilich hat's keine Not. Einmal sind die Noch ganz wie im achtzehnten Jahrhundert! Jünglinge, die in diese feudalen Regimenter eintreten, dank Auch mit der Möglichkeit, daß Söhne von Roofmichs" der agrarischen Wucherzollpolitik, die ihren Bätern zugute- fich die Schärpe um den Leib gürten können, steht es nicht Jm leßteren Falle hätte aber die Firma Krupp noch viel er gekommen ist, so reichlich mit irdischen Glücksgütern gesegnet, gerade günstig. Wer jüdischer Abstammung ist oder weffen giebigere Informationsquellen befeffen, als die Subalternoffiziere, daß sie unbekümmert und sorgenlos drauflosleben können und Bater je einen offenen Laden gehabt hat, der kann von vorn die dem Brandt ins Garn gingen. Dann aber wäre doch wirklich als Beutnants a. D. oder Rittmeister a. D. einfach die er- herein einpaden! Aber auch bei den Kaufmannssöhnchen, die einmal eine gründliche Untersuchung darüber am Blake, was denn eigentlich ein Militärgeheimnis ist. Denn erbte Alitsche übernehmen. Zum zweiten aber find die Be aus der Großbourgeoisie stammen, ist man immer etwas nach den seltsamen, Bekundungen der Krupp- Direktoren könnte förderungsaussichten für die Junkersprößlinge der Garde weit wählerisch und läßt es sie, selbst wenn sie die Epaulettes er- man sonst die Frage: was ist ein Militärgeheimnis?" etwa so rosiger als bei irgend einem andern Truppenteil. Bei der rungen haben, nicht ungern fühlen, daß fie doch zu anderen beantworten:" Berrat eines militärischen Geheimnisses liegt vor, Garde bringen es 85 v. H. aller Leutnants bis zum Major Kreisen" gehören als die Abkömmlinge der Offiziersfami- wenn ein Subalterner Indiskretionen begeht." und darüber hinaus, bei der Linie mur 37 v. H.! Das will lien, des grundbesitzenden Junkertums und der Beamten­sagen: von je 100 jungen Menschen, die Offizier werden, autokratie. berlassen bei dem allergrößten Teil des Heeres nicht weniger Unter sotanen Verhältnissen zu verlangen, daß der als 65 spätestens als Hauptmann, oft auch schon als Leut- Koofmich" den Offizier a. D. mit offenen Armen aufnehme, haben will, sich an die Beugoffiziere heranzumachen natürlich oder so ähnlich ist leider verstorben.( So fehlen leider gerade nant und Oberleutnant, den Dienst. Wenn man sie nicht ge- ist ein starkes Stüd. Offiziersersatz aus Kaufmannskreisen! müsse dabei aber der Schild der Firma blant" gehalten werden rade mit Schimpf und Schande davongejagt hat, werden sie Da zögert man. Aber Kaufmannsersatz aus Offizierskreisen! die interessantesten Zeugen: Herr v. Schüß ist tot, Herr als Beamte in der Post- oder Eisenbahnverwaltung unter- Da soll fest ins Zeug gegangen werden. Ob nun wirklich met en tann wegen seiner angegriffenen Gesundheit Italien gebracht, fie finden bei den großen Waffenfabriken ein Unter- die Meldung stimmt, daß zahlreiche Firmen sich zur Auf- nicht verlassen, Herr Brandt ist infolge eines Unfalls gedächt­kommen oder, falls alle Stride reißen, schlagen sie sich als nahme verabschiedeter Leutnants bereit erklärt haben, läßt nisschwach geworden und seine Gattin hat ja inzwischen auch einen Weinreisende oder Versicherungsinspektoren durchs Leben. uns sehr falt, denn das ist eine Frage der mehr oder minder Nervenchot erlitten!) Der Anklagevertreter huldigt nun offenbar dem zwar nicht Aber wenn in Hartlebens Rosenmontag" der Haupt- großen Selbstachtung des Bürgertums. richtigen, aber immerhin gemütvollen Grundsatz: mann v. Grobitsch als Epilog für einen um die Ecke Gegange- Für die Erhaltung des Weltfriedens allerdings wäre es ganz nen fagt: Mein Gott, es brauchen doch nicht alle Menschen wünschenswert, wenn recht bald der lekte Offizier statt des de mortuis nil nisi bene( fage Verstorbenen nur Gutes nach). Offiziere zu sein es muß auch Versicherungsagenten Degens den Federhalter zur Hand nähme und von seinem So stellte er benn an Herrn Dreger, den letzten Vorgesetzten des Herrn Brandt, die Frage, ob er Herrn v. Schütz, diesen untade­geben", so ist dem entgegenzuhalten, daß eben nicht alle Schlachtroß auf den Kontorbock stiege. ligen Patrioten, denn für fähig gehalten habe, einem ihm unter­Menschen, die einmal mit den Epaulettes geglänzt haben, stellten Beamten auch nur den Schimmer einer Zumutung zu Versicherungsagenten oder Weinreisende werden können stellen, daß er etwas unr echtes tue. Herr Dreger, der schon so viel Leben werden in Deutschland nicht versichert und so vorher Herrn v. Schütz als das" Jdeal eines Ehrenmannes" ge­biel Wein nicht getrunken! priesen hatte, antwortete barauf mit dem Brustton der Ueber­zeugung: Das glaube ich nicht."

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Kuriofa aus dem Krupp- Prozeß.

lich erhöht werden.

Das Ideal eines Ehrenmannes.

Herr v. Schüß, von dem Brandt den Auftrag empfangen

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nach

Die Auslagen für den geselligen Verkehr. Da muß denn ein übriges geschehen und deshalb das Herr Maximilian Brandt, der 1898 als 8eugfeldwebel zur Schön! Aber Herr v. Dreger, auch ein sehr hoher Beamter der Rundschreiben des Kriegsministeriums an die Handels. Firma Krupp übergetreten war, bezog feit 1911 10 000 m. Gehalt. fammern. Nun wäre es sicher falsch, einem Träger des bor - Dazu 3500 M. Funktionszulage". Diese Funktionszulage sollte firma, der wohl 600 000 M. Gehalt und Bezüge haben mag, hält nehmsten Rockes" ohne weiteres kaufmännischen Geist abzu- ogar, wiz in der Verhandlung erwähnt wurde, auf 5000 M. jähr- sich doch sicherlich für einen ebensolchen Ehrenmann, wie Herrn b. Schüß. Wir wollen ihm diese schöne Ueberzeugung auch feines sprechen. Es gibt Offiziere, und gerade in den feudalen' Nach der Auffassung des Krupp- Direktoriums sollte Herr wegs rauben, sondern nur einfach feststellen, daß Herr v. Dreger Kavallerieregimentern, die trotz einem Pferdejuden mit Brandt aus der Funktionszulage seine Auslagen für den doch die Kornwalzer- Tätigkeit und den kameradschaftlichen Ver­Gäulen zu schachern verstehen und manchen Kameraden, dem geselligen Verkehr" decken. Natürlch den Verkehr, den tehr" des Brandt sogar dann noch geduldet hat, als fie einen Wallach oder eine Stute aufgeschwatt, ganz erheb- Brandt im Geschäftsinteresse seiner Firma Krupp unterhielt. der ihm bekannt gewordenen Denunziationsdrohung des Herrn sogar das Direktorium ernstlich erwogen hatte, ob lich übers Ohr gehauen haben. Auch wird man, um auf den Welcher Vrkehr aber konnte da nur in Frage kommen? Der v. Meben teuren Bundesgenossen hinüberzugreifen, einem Manne wie mit seinen ehemaligen Nameraden, den Feuerwerkern und Zeug- es nicht die durch Brandt geschaffene unterirdische" Verbindung dem Obersten Red I einen ausgesprochenen Erwerbssinn mit offizieren. Von ihnen konnte Brandt aber selbstverständlich nur lieber abbrechen lassen solle! Herr v. Dreger konnte sich das höchst Bedenkliche der Brandt­einem gewissen Bug ins Große nicht versagen können, Gleich. Dadurch etwas erfahren, wenn er sie zu Indiskretionen, zum Ver­wohl haben die Leiter von Handelshäusern Recht, wenn sie rat von Dienstgeheimnissen verleitete. Das wußten die Herren schen Tätigkeit nicht verhehlen. Aber trotzdem machte er keinen mit einem starken Mißtrauen dem Anmarsch der Kontorleut. Direttoren. Sie wußten auch, mindestens zum Teil, daß sich unter Versuch, dem Brandt das Handwerk zu legen. mit einem starken Mißtrauen dem Anmarsch der Kontorleut- den von Brandt herausgelockten Dienstgeheimnissen auch Dinge Nicht viel anders wird die Sache bei Herrn v. Schütz gelegen nants entgegensehen. Wenn diesen nämlich auch der kauf­männische Instinkt nicht fehlen mag, so doch die kaufmänni- befanden, deren Verrat an Krupp das Staatsinteresse gefährdeten. haben. Trotzdem war er das Jdeal eines Ehrenmannes". Man schen Kenntnisse. Trotzdem fanden die Herren, darunter ehemalige höhere Mili- sollte doch wirklich einen neuen Klub der Harmlosen täre und Ministerialbeamte, in diesem Spionagesystem Brandts gründen! Es spricht für die göttliche Leichtherzigkeit, mit der man solange nichts besonders Anstößiges, als Brandt nicht direkte Bes Zeuge v. Mehen und Zeugin Wiczorek. in Offizierskreisen in die Welt schaut, wenn es in dem ste chung übte. Natürlich läßt sich ja gar nicht abgrenzen, wo Was denn diese beiden mit einander zu tun haben, wird Schreiben des Kriegsministeriums heißt: Sehr dankenswert kameradschaftliches" Traftieren aufhört und das Schmieren, die man verwundert fragen. Mun, jedenfalls haben sie das Gemein­wären deshalb auch Fingerzeige darüber, für welche Stellen Bestechung, anfängt. same, daß sie nicht in den Klub der Harmlosen gepaßt hätten! besondere Kenntnisse verlangt werden und wo der Offizier Aber davon ganz abgesehen: seit wann ist denn die Verleitung Sie waren wunderbarerweise die einzigen, die sich über die Trag­Gelegenheit hat, sich diese anzueignen." Schon der junge zu einer Schurterei erlaubt, wenn sie auch wenig kostet? Selbst weite der Brandtschen Tätigkeit wirklich klar waren. Manche der Mann, der hinter dem Ladentisch Heringe in die Kreuz wären, bent Brandt aus eingebildeter Freundschaft" die Dienst fallend gefunden. Aber der eine beruhigte sein Gewissen damit, wenn die verführten Zeugoffiziere so gutmütige Schafe gewesen Krupp- Direktoren hatten den Inhalt der Kornwalzer zwar auf­zeitung" einwickelt, bedarf besonderer Kenntnisse, die man geheimnisse zu verraten- die Verleitung zu solchen Verräte- daß ihn die Geschichte ja nichts angehe, der andere damit, daß auf dem Kasernenhof nicht erwirbt, ganz zu schweigen von reien verlöre darum nicht ein Atom ihrer Strafwürdigkeit, weder sie ja schon eine durch längeres Bestehen geheiligte Institution sei, den gutbezahlten und einflußreichen Bosten, auf die doch sicher im kriminellen, noch im moralischen Sinne.

von den verabschiedeten Offizieren Anspruch erhoben wird. Die Verleitung ging von Brandt aus. Wer aber gab ihm den Auf dem Schlachtfeld des Handels zu disponieren ist nicht so Auftrag? Wer gab ihm die Gelder zu seinem geselligen Ver­leicht, wie auf dem Manöverfeld zu egerzieren, und man tehr"? Wer gehört auf die Anklagebank?

und ein dritter wunderte sich zwar auch, aber er dachte nicht weiter darüber nach". Das war das Ideal eines Beamten, denn ein tüchtiger Beamter soll wie ein Soldat nur dann denken, wenn er von seinem Vorgesezten dazu den Auftrag erhält.