Nr. 239.
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Sonntag, den 14. September 1913.
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Wenn die Delegierten sich in Jena im schönen Saale des unterläuft. Wohl aber vergiftet es die Debatte, wenn man schon zutrauen, daß die Notwendigkeit des äußersten Kampfes Boltshauses zusammenfinden, werden sie und wird die ganze feinen Gegnern falsche Motive unterstellt, sie von vorn gegen den Militarismus vollstes Verständnis gefunden hätte. Partei in ihren Reihen einen Mann schmerzlich vermissen, herein für Strafeeler, Quertreiber und dergleichen erklärt, Aber selbst momentane Mandatsverluste, selbst ein augender mit einer einzigen Ausnahme auf allen Partei- furz die Absichten und den Untergrund ihrer Kritik blicklicher kleiner Rückschlag dürften die Partei niemals abtagen die Sache des Proletariats voll sprühenden Tempera- verdächtigt. Wo es noch zu einem Standal tam, war allemal halten, den proletarischen Kampf in völliger prinzipieller mentes, aber auch voll abwägender Klugheit geführt hatte: solche loyalität die Ursache; wogegen der schärfste, rück- Klarheit und Entschiedenheit zu führen. August Bebel . Einmal nur, vor Jahren, fehlte er, weil ihm sichtsloseste Meinungskampf und das Fassen der energischsten Möge die Aussprache auf dem Parteitag dazu dienen, ein Augenleiden absolute Ruhe aufzwang. Aber damals weilte Beschlüsse bergleiche Magdeburg noch niemals der die Wassen diese Gefahren, die der Parlamentarismus mun unser Bebel doch im Geiste mitten unter dem deutschen Ar- Partei die geringsten Unannehmlichkeiten bereitet hat. einmal mit sich bringen kann, Har erkennen zu lassen. Denn so beiterparlament. Damals fonnten wir uns dessen getrösten, Auch diesmal werden verschiedene Verhandlungsgegen- notwendig und außerordentlich wertvoll die parlamentarische daß er uns doch sonst allerwege mit Rat und Tat beistehen stände zu scharfen und eingehenden Auseinandersetzungen führen. Betätigung ist, so unerläßlich ist es doch auch, sie stets unter die werde. Heute ist uns Bebel auf ewig entrissen, seine Schon beim Fraktionsbericht wird die Debatte über die wachsame Kontrolle des sozialistischen Grundgedankens zu schlanke und doch so energische Gestalt fehlt für immerdar auf Haltung der Fraktion gegenüber der Wehrstellen. Einen so breiten Raum auf dem Parteitag gerade der verwaisten Rednertribüne und sein zündendes Wort wird nie vorlage und den zu ihrer Dedung dienenden diese Debatte einnehmen mag, für so ersprießlich halten wir mehr unser Herz höher schlagen lassen. Steinen wird es in Jena Steuern energisch einsetzen. Ist es doch bekannt, daß hier sie, wenn sie sich nicht in Kleinlichkeiten und persönlichen geben, auf dessen Empfinden der an dieser Stätte doppelt fühl- innerhalb der Fraktion erhebliche Meinungsverschiedenheiten Reibereien verliert, sondern die großen Gesichtspunkte entbare Verlust des Unvergeßlichen nicht seinen schwarzen Flor sentte. zutage getreten waren. Und da der Parteitag sich mit der schieden zur Geltung bringt. Dennoch werden all die in Jena ihre erste Enttäuschung Frage der Steuerbewilligung in dergleichen Zwangslagen Das gleiche möchten wir von der Aussprache über den erleben, die da schadenfroh die Hoffnung hegten, die sozial- leider nicht schon früher befaßt hat, wird es diesem Parteitag politischen Massenstreit sagen. Man hat bedemokratische Partei werde nunmehr, ihres ersten Führers be- vorbehalten bleiben, die taktischen Richtlinien festzulegen. hauptet, Akademiker und Literaten hätten diese Frage wieder raubt, steuerlos umherschwanken oder sich gar in wilder Unseres Dafürhaltens wird sich der Parteitag im großen hervorgezerrt, während die Masse von solcher Diskussion gar Bruderfehde selbst zerfleischen. Verrät doch solche Hoffnung und ganzen auf den Standpunkt stellen können, den Genosse nichts wissen wolle. Das ist zum mindesten eine Ueberallzu geringes Verständnis sozialistischen Geistes und gänz- Wurm in seinen Thesen niedergelegt hat. Um so mehr, als treibung. Das deutsche Proletariat müßte ja auch Fischblut liches Verkennen der historisch ökonomischen Grundlagen, ja auch schließlich einer der Wortführer der Fraktionsminder in den Adern haben, wenn ihm die unerträglichen Zustände auf denen die moderne proletarische Bewegung sich auf heit, Genosse Hoch, zu dem gleichen Ergebnis gekommen ist, die sozialpolitische Stagnation, die Angriffe gegen das baut. Wohl war Bebel der Bannerträger, der Wort- wenn er die Thefen auch anders formuliert wissen will. Roalitionsrecht, der militaristische Aberwik und die fortgesetzte führer, der Vorkämpfer in so mancher Schlacht, der eindrucks. Nun, über die Form wird man sich wirklich nicht allzu sehr Brüstierung der Massen durch die preußischen Machthaber- volle Friedensmahner bei manchem inneren Streit aufzuregen brauchen, wenn man in der Sache auf dem gleichen nicht eine Zornwelle nach der andern ins Gesicht jagen würden. aber er war nicht der Schöpfer der Bewegung, sondern nur Boden steht. Unter dem gleichen Boden aber verstehen wir Es müßte ein geradezu sträfliches Phlegma besitzen, wenn es Geist von ihrem Geiste; nicht der Generalissimus, der für die den Standpunkt, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion nicht begierig alle Kampfmittel ermöge, die es rascher ganze Armee denkt und sie eigenmächtig dirigiert, sondern nur berechtigt und verpflichtet ist, Besizsteuern zu bewilligen, wenn vorwärts bringen könnten. Und da sollten zwei Parteitage ihr tapferster, vorbildlichster Soldat. Im Sinne der ideolo- die Rüftungsausgaben an sich völlig unabwendbar sind und die den politischen Massenstreit debattiert und mit gewaltiger gischen Heroenlegende ist Bebel niemals Führer der Partei dringende Gefahr besteht, daß bei einer Ablehnung der den Mehrheit Resolutionen angenommen haben, die ihm den gewesen, und deshalb fann sein Tod, so nahe er den Millionen ge- Besitz treffenden Steuern solche Steuern angenommen werden Charakter eines wichtigen politischen Kampfmittels zusprechen, gangen, auch niemals zur Deroute der Partei führen. Der wahre, würden, die die nichtbesitzenden Klaffen belegten. mur damit man diese Resolutionen um so seelenruhiger in den unsterbliche Führer der kämpfenden Arbeiterklasse ist der proletaFreilich, auch wenn man sich im Prinzip über eine solche Aktenschrank legen fann? Nein, auch der deutschen Arbeiterrische Emanzipationsgedanke, ist die sozialistische Weltanschauung. Haltung einigt, wird es in manchem konkreten Falle flasse trauen wir Kampfeslust genug zu, um, wenn die Sie wird dem fämpfenden Proletariat ihre Marschroute vor noch immer sehr auf die Beurteilung der jeweiligen Stunde einst ruft, nicht nur über den Massenstreit schreiben, und selbst dann, wenn es einmal zu Abirrungen Situation ankommen. Es wird sich immer darum handeln, zu reden. Auf der anderen Seite ist der Deutsche tommen sollte, wird der proletarische Geist, wie er in den ob denn wirklich das Los einer Wehrvorlage unabwendbar schon an sich nicht so impulsiver Natur, daß er sich sozialistischen Theorien als historisches Produft seinen Nieder- entschieden ist, namentlich auch, ob denn die Zustimmung der blindlings in ein gewagtes Abenteuer stürzen könnte, und die schlag gefunden hat und durch die wirtschaftlichen Verhältnisse Sozialdemokratie zu den Besitzsteuern wirklich nur das einzige, wohldisziplinierte Arbeiterschaft wird erst recht keine Unimmer wieder von neuem erzeugt wird, aus den Zuständen oder auch nur das beste Mittel ist, um eine Belastung des besonnenheiten begehen. Man braucht sich also wirklich nicht und den Massen heraus immer wieder von neuem geboren Proletariats durch neue indirette Steuern zu verhüten. davor zu ängstigen, daß das deutsche Proletariat zu früh loswerden!
Es scheint uns nicht allzu wichtig zu sein, darüber zu schlüge. Da aber der politische Massenstreit einmal kommen Unsere lieben Gegner erhoffen schon vom Jenaer Partei- streiten, ob es richtig war, nicht nur für die Vermögens- wird, kann es nur von Vorteil sein, das den Massen immer tag eine Verschärfung der inneren Konflikte der Partei, wenn zuwachssteuer zu stimmen, sondern auch für den einmaligen wieder einzuprägen, sie vorzubereiten auf das Unvermeidliche. fie auch merkwürdig darin voneinander abweichen, wer den Wehrbeitrag, weil dessen Annahme vermutlich ja ohnehin ge- Daß die Stärkung der Organisationen und ihre Erfüllung mit Gewinn aus der neuen Situation ziehen werde der sichert gewesen sei. Denn wenn die vom Genossen Haase sozialistischem Geiste einstweilen die beste Vorbereitung für den Radikalismus oder der Revisionismus. Sie werden jedoch verlesene Deklaration, die die Partei energisch gegen die Massenstreit ist, hat ja bereits eine von einem Parteitag besehen, daß der Parteitag trotz aller Meinungsverschiedenheiten etwaige Unterstellung verwahrte, als bedeute die Bewilligung schlossene Resolution ausgesprochen.
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im einzelnen ein Bild imponierender Einigkeit bieten wird, der Mittel auch eine Billigung des Verwendungszweckes, Unter diesen tattischen und theoretischen Fragen wird der eine wichtigste Stundgebung des deutschen Proletariats dafür, für die Zustimmung zur Vermögenszuwachssteurr ausreichte, Jenaer Parteitag auch praktische Forderungen zu erörtern und daß die deutsche Arbeiterschaft wie in der Vergangenheit so so mochte sie wohl auch für die Bewilligung des Wehrbetrages an den Gegenwartsstaat zu stellen haben. Vor allem wird auch in der Zukunft geeint marschieren und geeint eine solche Mißdeutung ausschließen. Jedenfalls aber handelte er die Frage der Arbeitslosenversicherung von schlagen will! sichs hier nur um eine untergeordnete taktische Frage, nicht neuem aufrollen. Wie ungeheuer wichtig dies Problem für Taß es über verschiedene Fragen zu lebhafteftem aber um eine parlamentarische Kardinal- und Prinzipienfrage. Die Arbeiterklasse ist, wird ihr gerade jetzt durch den NiederMeinungsaustausch kommen wird, ändert an dem Willen und Viel verständlicher ist uns, wenn man seine Bedenten gang der wirtschaftlichen Konjunktur und die immer weiter der Tatsache der Einigkeit der Partei nicht das geringste. Dagegen richtet, daß man die ganze Frage viel zu sehr vom um sich greifende Arbeitslosigkeit eindringlichst zum Bewußtsein So eindeutig und klar sind die komplizierten Fragen einer rein parlamentarischen Standpunkt aus behandelt habe, statt gebracht. ernsthaften Politik natürlich nicht, daß sie sich in allen Köpfen das Hauptgewicht auf die Agitation, die Erregung und Auf- Schon einmal hat ein Parteitag, der 1902 in München völlig uniform spiegeln müßten. Es wäre im Gegenteil das peitschung der Massen, die Propaganda gegen den Militarismus tagte, die Inangriffnahme der Arbeitslosenversicherung geschlimmste Armutszeugnis für eine so große Partei, wenn und Imperialismus zu legen. Denn hier ist in der Tat fordert. Der in demselben Jahre tagende vierte Gewerkschaftsniemals Differenzen der Anschauungen auftauchten, wenn die für den modernen Klassenkampf des Proletariats die Untiefe, auf tongreß hatte sich ebenfalls mit der Frage beschäftigt und sich Parteitage nicht häufig Gelegenheit erhielten, auftauchenden der einmal das parlamentarische Schiff auflaufen könnte. Wenn durch eine Resolution dahin ausgesprochen, daß die ArbeitslosenStreit nach gründlichster Erörterung des Für und Wider als man sich allmählich daran gewöhnte, immer nur parlamentarische versicherung nur auf der Grundlage der freien Selbstverwaloberste Instanz zu schlichten. Aktionsmöglichkeiten zu sehen, wo legten Endes doch nur die tung der Arbeiterorganisationen durchgeführt werden dürfe. Ueberhaupt sind Debatten über innere Fragen für eine Aufklärung und Aufrüttelung der Massen und deren Aktion In der Tat ist auch eine, wenn auch nur kleine Zahl von Bartei nur dann vom Uebel, wenn sie das Parteileben zu helfen kann, so läge zweifellos die Gefahr einer re- Städten bei uns dazu übergegangen, nach dem Genter System überwuchern und die Aktionskraft der Partei nach außen hin formistischen, opportunistischen Versandung der Partei nahe. den Gewerkschaften Zuschüsse zu bewilligen. Die Schaffung zu lähmen drohen. Davon ist innerhalb der deutschen Das Nächstliegende für die Partei war sicherlich der eines Obligatoriums- wie sie in England bereits für Sozialdemokratie bisher erfreulicherweise noch nie die Rede Verfuch die Wehrvorlage einstweilen zum Scheitern und damit mehrere Millionen Arbeiter eingeführt ist, und zugleich die gewesen. Sonst aber zwingen gerade die Parteidebatten alle den Reichstag zur Auflösung zu bringen. Diese Möglichkeit nachdrücklichste Berücksichtigung der Interessen der Organigeistig regen Parteimitglieder, sich eingehender mit allen ist ja bestritten worden; aber auch nach dem gedruckten fationen das ist es, was das sozialistische Proletariat strittigen prinzipiellen und tattischen Fragen zu befassen und da Fraktionsbericht ist das Mißtrauen nicht überall geschwunden, Deutschlands durchzusetzen bemüht sein muß. burch tiefer in das Wesen des Sozialismus einzudringen. Nur daß auch die Besorgnis vor einer eventuellen Auflösung des Möge der Parteitag fachliche Aussprache pflegen und gute eine Voraussetzung für die Ersprießlichkeit solcher Debatten Reichstags für die Stellungnahme der Fraktionsmehrheit eine Arbeit leisten. Möge er dazu beitragen, die innere Klarheit ist unerläßlich: die Sachlichkeit der Diskussion. Rolle gespielt habe. Jedenfalls sollten solche Bedenken und Einheit der Partei zu erhöhen, ihre Organisationen zu Nicht der Meinungskampf selbst schädigt Partei und Partei- innerhalb einer revolutionären Klassenpartei niemals ausschlag- stärken und ihre Stoßkraft dem tapitalistischen Staate gegenleben, sondern lediglich die unsachliche Führung des Kampfes. gebend sein. Muß doch der Appell an die Massen der über zu erhöhen! Möge er in seinen Debatten und BeSelbstverständlich soll man nicht über jedes träftige Bort oder Sozialdemokratie stets willkommen sein. So viel agitatorisches schlüssen so verlaufen, daß unser Bebel sich seiner ungetrübt jeden beißenden Sarfasmus greinen, der in der Debatte mit Geschick darf sie sich und so viel Einsicht den Wählermassen hätte freuen können!