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Nr. 266.

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Ericheint täglich.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

30. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedrudte Wort 20 Pfg.( zulässig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenant­zeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes meitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buch­staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet,

Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

SW Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

Chriftlichnationale Ohnmacht.

I.

Sonnabend, den 11. Oktober 1913.

Expedition: SW. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Mr. 1984.

mann wie für den freisinnigen Kandidaten Klöppel wurde durch Flugblätter und Versammlungen die lebhafteste Propaganda entfaltet. Und da der Wahlkreis vier Städte und 104 ländliche Ortschaften umfaßt, konnte schon etwas an gitation geleistet werden. Während sich für den kon­ſervativen Kandidaten namentlich auch die Amtspresse ins Zeug legte, schickte der Freifinn seine Koryphäen aus, um Dresden- Neustadt in seinen Besitz zu bringen. die Wiemer, Stopsch, Potthoff, Naumann und Gothein rednerisch bis zur legten Stunde tätig. Der Erfolg dieser Tätigkeit spiegelt sich im Wahlergebnis. erhielten bei der Wahl 1912 Stimmen: Sozialdemokratie. Reformpartei

unsere erste Sorge sein, denn aus diesen Uebelständen kommt nicht zuletzt das starte Wachstum der Sozialdemokratie. Das sind Worte, die in sinnfälligem Widerspruch stehen zu den Anschauungen, aus denen heraus der Kongreß ent­standen war: Bekämpfung der Sozialdemokratie, die dann Als Hofprediger Stöcker aus dem Evangelischsozialen weiter aber auch Herr Giesberts, als Politifer wie als Ge­Kongreß ausgeschieden war, scharte er kurz darauf, im April werkschaftsmann, sehr bald vergessen sollte! Der Kongreß 1897, zu Kassel seine Getreuen um sich und gründete die faßte zu den behandelten Punkten tönende Resolutionen, die Freie firchlichsoziale Konferenz. Das neue Unternehmen dem Reichskanzler durch eine Abordnung überreicht wurden, follte nach den Sagungen dienen dem freien Zusammen- fekte ein Komitee ein, das in der Folgezeit mehrmals zu schluß aller Männer und Frauen Deutschlands , die das ge- fammentrat und Eingaben sozialpolitischer Art an die Re famte öffentliche Volksleben mit den lebendigen Kräften des gierung und ebensolche Aufrufe an die Deffentlichkeit richtete, Evangeliums durchdrungen wissen wollen, die daher eine um auf diese Weise die Förderung der Sozialreform zu be- Gs lebendige Mitarbeit der evangelischen Kirche an allen sozialen treiben. Und der Erfolg? Jm Dftober 1906 erschien in der Fragen für erforderlich halten und selber zur praktischen und Kölnischen Volkszeitung" eine Zuschrift aus christ­wissenschaftlichen Mitarbeit bereit sind". lichen Arbeiterkreisen, in der es heißt:

zu machen. heißt es:

"

Freiſinn.

Zentrum.

31 640

13 893

12 363

.

319

Waren doch

Bei der gestrigen Ersagwahl erhielten Stimmen: Buck( Soz.)

·

Dr. Hartmann( fons.)

31 198

14 298

Von den Forderungen des Frankfurter Kon gresses, die durchweg das sozialpolitische Gebiet betreffen, ist bis jetzt noch feine einzige auch nur teilweise erfüllt, wie überhaupt die fozialpolitische Gesez­gebungsmaschine in den lezten Jahren äußerst wenig produktiv gearbeitet hat..... Troß der Audienz, die der Reichskanzler im Dezember 1908 einer Depu Unser Genosse Buck ist somit mit einer Majorität von tation des Frankfurter Kongresses gewährt hat, ist das praktische Ergebnis der Bemühungen der christlichnationalen Arbeiterschaft 6000 Stimmen gewählt worden, während der Vorsprung der um Befferstellung ihres Standes um Gleichberechtigung mit an- Sozialdemokratie im Jahre 1912 nur 5000 Stimmen betrug. deren Ständen geradezu kläglich mager.

Dr. Klöppel( Fortschr. Vp.). 10890

Den größten Verlust, und zwar 1473 Stimmen, haben die Fortschrittler zu verzeichnen. Die Konservativen haben zwar einen kleinen Zuwachs von 405 Stimmen, doch dürften ihnen die Stimmen des Zentrums, das diesmal keinen Kandidaten aufgestellt hatte, zugefallen sein. aufgestellt hatte, zugefallen sein.

Die Möte des Radikalismus.

Aus Paris wird uns geschrieben:

-

der

Der

Ein Jahr vorher war Stöcker mit seinem christlichsozialen Anhang von den Konservativen abgerückt und hatte im Fe bruar 1896 in Frankfurt am Main die Christlichsozialen als selbständige Partei neu organisiert. Die Freie kirchlichsoziale Konferenz und die Christlichsozialen gehören seitdem zu­fammen; Stöcker und sein Adoptivsohn Mumm waren hier wie da die führenden Leute. Beide hatten auch großen Ein­fluß in dem Ausschuß für Arbeitervertreterwahlen und foziale Angelegenheiten in Berlin , in dem Führer der evan­gelischen und der katholischen Arbeiterbewegung staats­retterische Pläne gegen die Sozialdemokratie schmiedeten. Dieser Ausschuß trat im Winter 1902 mit dem Vorschlag auf, Sonderbare Schwärmer aber auch, die da wähnten, daß einen Stongreß aller nicht auf sozialistischem Boden stehenden man durch ein halbes Dugend Resolutionen und eine Audienz Arbeiterorganisationen zu veranstalten. Es fand eine Be- beim Reichskanzler eine von Junkern und Scharfmachern be­ratung von Vertretern der christlichen Gewerkschaften, der herrschte Regierung für eine wirksame Sozialreform befehren katholischen und evangelischen Arbeitervereine statt, die eine tönne! Im November 1906 fan die Vorlage über die Rechts­vorbereitende Kommission ernannte mit dem Auftrag, den fähigkeit der Berufsvereine an den Reichstag . Auch die christ einzelnen Verbänden und Vereinigungen geeignete Vorschläge lichen Arbeiter mußten zugeben, daß durch, sie den Berufs­In dem Rundschreiben dieser Kommission vereinen, statt sic auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, der Boden vollends unter den Füßen weggezogen worden Als Zweck des Kongresses wird hauptsächlich ins Auge ge- wäre. Die Vorlage verschwand, von niemandem bedauert, Die letzten allgemeinen Deputiertenwahlen haben faßt die Ermöglichung einer gemeinsamen Aftion in solchen und kehrte bis heute nicht wieder. Ein halbes Jahr später, Fragen der gefeßlichen Sozialreform, die den betreffenden und es mußte unter dem Drängen der Scharfmacher der Mann bürgerlichen Linten die Mehrheit bewahrt, im Senat hat die Arbeiterorganisationen gemeinsam sind. Ein solches gemeinsames aus der Reichsregierung scheiden, der gerade den christlich- demokratische Linke", die dort den Radikalismus repräsentiert, Vorgehen erscheint um so notwendiger, als durch die rege und nationalen Arbeitern besonders gewogen war und auf den eine starke Majorität, aber gleichwohl zeigt die politische Ge­laute Agitation der Sozialdemokratie, die überall diese ihre ganz besondere Hoffnung gefekt hatten: Graf schichte der letzten Jahre eine Niederlage der radikalen Partei geschlossen auftritt, die in vielen Organisationen zeriplitterte Posadomsfy. Er hatte als Staatssekretär des Innern im nach der anderen. Steines ihrer Ministerien zeigte sich lebens­christlich und national bentende Arbeiter Reichstage wiederholt auf die Notwendigkeit hingewiesen, zur fähig und Briand und Barthou konnten ungescheut mit schaft in der Deffentlichkeit zurüdgedrängt Bekämpfung der Sozialdemokratie die christliche Arbeiterbewegung Hilfe der gemäßigten Parteien eine Politik verfolgen, die der werden fonnte. Es soll deshalb gelten, der breiten zu unterstützen. Aber Regierung und Reichstag haben sich radikalen Tradition schnurstracks zuwiderlief. Bei jenem hieß Deffentlichkeit zu zeigen, daß Hunderttausende christlich und weder um feine Mahnungen, noch um die Forderungen des fie apaisement" Beruhigung, von diesem hat sie vor national denkende Arbeiter in den Grundfragen der sozialen deutschen Arbeiterkongresses gekümmert. Die Hoffnung, daß ein paar Tagen das Schild der concorde nationale" Reform einig und geschlossen dastehen und unerschrocken ihre nur eine von guter Gesinnung geleitete Arbeiterbewegung zu nationalen Eintracht erhalten, in beiden Fällen aber läuft höchsten Güter: Glaube und Vaterlandstreue zu Kaiser und Reich, kommen brauche, um die Sozialreform in Schwung zu bringen, sie darauf hinaus, den Gegensatz, der zwischen dem opportu zu verteidigen gewillt sind." Es wird sodann die Tagesordnung des Kongresses mit hatte sich als trügerisch erwiesen und sollte sich auch für die nistischen Republitanismus der liberalen Bourgeoisie und dent Folge als trügerisch erweisen. Kleinbürgerlichen Jakobinismus bestand und der hauptsächlich in geteilt und hingewiesen auf die Unfähigkeit" der Sozial­Auf der Hauptversammlung der Freien kirchlichsozialen der Politik gegenüber den Ansprüchen der Stirche zum Aus­demokratie zu praktischer Sozialreform und demgegenüber auf Konferenz in Karlsruhe 1907 sagte der der Vorsitzende druck fommt, zu überbrücken. Diese sozialfonservative Sammlungs­die Bereitwilligkeit der christlichen und nationalen Arbeiterschaft, Dr. von Dertzen, der beste Beweis, daß die kirchlichsoziale politik hat sich der von den fortgesetzten internationalen auf diesem Gebiete mitzuarbeiten; schließlich wird der leber- Sonferenz praktisch arbeite und mit beiden Füßen auf dem Krisen begünstigten Stimmungsmache, der der zum Teil selbst zeugung Ausdrud gegeben, daß nur durch das einmütige realen Boden der Gegenwart stehe, sei die Entstehung und dem ödesten Chauvinismus verfallene Radikalismus keine Zusammenwirken der christlich und national denkenden Arbeiter- das Wachstum der großen christlichnationalen Arbeiter Energie und kein volkstümliches Programm entgegenzusetzen welt nicht nur die Fortführung der sozialen bewegung, die nicht das wäre, was sie sei, ohne die kirchlich hatte, sehr geschickt gedient. Ihren sichtbarsten Triumph feierte Reform erreicht wird, sondern auch der Einfluß der soziale Konferenz und ihren unermüdlichen Sekretär Lizentiat sie im Stongreßjaal von Versailles bei der Wahl des starken". Sozialdemokratie auf die deutsche Arbeiter Mumm! Das mag stimmen. Die christlichsoziale Partei, nationalen" Präsidenten Poincaré , die im offenen Kampf schaft zurückgedrängt werden kann". die nicht leben und nicht sterben kann, gedachte gegen die radikale Demokratie und mit unverhohlener fleri­Für die Teilnahme an dem Kongreß famen in erster Linie durch die Annäherung an die christlichen Gewerkschaften kaler und monarchistischer Hilfe durchgesetzt wurde. in Betracht die christlichen Gewerkschaften, die katholischen und durch die Mobilmachung der evangelischen Arbeitervereine Schwäche der radikalen Partei war nun vor dem ganzen Arbeiter-, Gefellen- und Snappenvereine sowie die evangelischen ihre spärlichen Reihen zu füllen, und dieselben Erwägungen Land kundgetan, und die folgenden parlamentarischen Stämpfe Arbeitervereine; weiter hatte man den deutsch - nationalen trafen zu bei den christlichen Gewerkschaften, die sich zu stärken um die dreijährige Dienstzeit zeigten, daß ihr in den ent­Handlungsgehilfenverband zugezogen, während die Hirschhofften an den Mitgliedern der katholischen und evangelischen scheidenden nationalen Fragen die Klarheit der Ideen und die Dunckerschen Gewerfvereine abgelehnt hatten. Im übrigen Arbeitervereine. Im Oftober 1906 wurde zu diesem Zwed Entschlossenheit der Gesinnung abgeht. hatte man von den vorhandenen nichtsozialistischen Organi - eine große Attion veranstaltet: ein Aufruf ging an alle Troß alledem gibt es noch immer etliche radikale fationen alles auf die Beine gebracht, wessen man nur hab- christlich und national denkenden Arbeiter" mit der Aufforde- Größen, die von einer Krise ihrer Partei nichts wissen haft werden konnte- alles in allem eine recht gemischte rung, daß alle Mitglieder der christlichen Gewerkschaften den wollen und die Ursachen des fortgesetzten Mißgeschics Gesellschaft, die ihre Zusammengehörigkeit durch weiter nichts Arbeitervereinen und deren Mitglieder umgekehrt alle den in organisatorischen Mängeln sehen. Andere glauben, daß als durch die Gegnerschaft zur Sozialdemokratie zu begründen christlichen Gewerkschaften beitreten sollten und zwar, wie zur Reform der inneren Organisation nur vermochte. Der deutsche Arbeiterkongreß wie sich es in dem Aufruf hieß: unter Hinweis auf das ge- Revision der parlamentarischen Taktik treten müsse. Endlich fehlt das merkwürdige Gebilde stolz nannte hielt seine erste waltige Anwachsen der sozialdemokrati es auch an solchen nicht, die ehrlich zugeben, daß die radikale Tagung vom 26.- 28. Oftober 1903 in Frankfurt a. M. ab. fchen Bewegung und der die Arbeiterbewegung, die Parlaments politik der letzten Jahre die Erwartungen der Volts­Die dort veriammelten Delegierten sollten, wie pomphaft soziale Reformarbeit, wie das Volfswohl schädigenden Ten- massen, an die die Partei appelliert habe, betrogen habe und übertrieben verkündet wurde, 600 000 Arbeiter vertreten. Ver- denzen der heutigen Sozialdemokratie". Wir werden sehen, einer grundsäglichen Erneuerung bedürfe, solle die Partei nicht handelt wurde über das Koalitionsrecht der Arbeiter und die daß sich auch diese Hoffnung als trügerisch erwies. rasch zugrunde gehen. Anläßlich des bevorstehenden radikalen Vereinsgesetzgebung, über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine Kongresses in Baudem mit Hinblick auf die Kammer­und über die Arbeitskammern. Den leztgenannten Punkt be wahlen des nächsten Frühjahrs eine entscheidende Bedeutung handelte Arbeitersekretär Giesberts, der damals noch zukommt hat man diese verschiedenen Auffassungen in den jen von proletarischer Solidarität aufwies. Giesberts mannigfaltigsten Variationen in den von der radikalen Presse warnte, den Kongreß in eine fruchtlose Sozialistentöterei aus­veröffentlichten Interviews Revue passieren gesehen und schon Taufen zu lassen: ihr unübersehbares Durcheinander darf als bündigste Wider­Es mag draußen vielleicht Leute geben, die uns gerne als Bei der Reichstagserfakwahl im 4. sächsischen Wahlfreise legung der Strifenleugner gelten. Um die politische Straft einer Sturmbod gegen die Sozialdemokratie fähen, haben sich die Gegner ernstlich der Hoffnung hingegeben, das Partei zu messen, muß man um einen Ausdruck aus der benen aber die praktische Sozialreform ein Greuel ist. Ich muß seit fünfzehn Jahren von der Sozialdemokratie eroberte Mathematit anzuwenden das größte gemeinschaft­dem gegenüber betonen, mit der Sozialdemokratie Mandat wieder in ihren Besig bringen zu können. Sie spe- liche Maß der in ihren tatkräftigen Elementen ver­Aber diese Suche führt in der mögen sich diejenigen herumschlagen, die sie tulierten darauf, daß Genosse Kaden, der den Wahlkreis einigten Ideen fuchen. gefchaffen haben, diejenigen, die durch ihre Migwirtschaft auf feit 1898 vertrat, wohl vielfach durch seine Persönlichkeit Sphäre des Radikalismus dem Reich der unendlich kleinen Sozialem Gebiet den deutschen Arbeiter gewissermaßen der Sozial­demokratie in die Arme getrieben haben. Ihr Beifall beweist mir, Anhängerschaft erworben habe und daß deshalb die Chancen Größen bedenklich nahe. daß wir uns alle eins fühlen; wir sind Arbeiter und der Gegner einem neuen, im Wahlkreise weniger bekannten alle Arbeiter sind unfere laffengenossen, sozialdemokratischen Kandidaten gegenüber günstigere seien. mit denen wir gemeinfam unter den fozialen An Agitation haben es die Gegner jedenfalls nicht fehlen Hebelständen leiden. Wie wir diese beseitigen, muß lassen. Sowohl für den konservativen Kandidaten Dr. Hart

-

Um Kadens Wahlkreis.

Genoffe Buck gewählt.

-www

Die

noch eine

Sicherlich, die Rolle der organisatorischen Mängel unter den verschiedenen Ursachen der Partei- Dhnmacht soll nicht unterschäßt werden. Daß die radikalen Mitglieder der Deputiertenkammer in drei Fraktionen zersplittert sind, ist noch das wenigste. Aber von allen radikalen Deputierten ge­