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Nr. 270.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

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Mittwoch, den 15. Oktober 1913.

Kornwalzer- Zwifchenſpiel.

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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplay, Nr. 1984.

laufend über alle Einzelheiten der Affäre Brandt unter­richtet.

Können Sie mir den wesentlichen Inhalt gerade dieses Briefes bekannt geben?

Der Anlaß war die von Brandt während meiner Ab­Wenige Tage vor dem Beginn des neuen und wirklichen sagt habe, auf die nur zu nahe liegende Vermutung gekommen, wesenheit in Italien betriebene Erhöhung seiner Ortszulage" Krupp- Prozesses denn die Verhandlung vor dem Kriegs- daß die Firma Krupp auch noch anderweitige Verbin- von 3500 auf 5000 M. Ich widerfekte mich der Er­gericht war ja nur ein kleines Vorspiel, bei dem die Opfer dungen gepflogen habe. höhung energisch und wies darauf hin, daß bei einer un­der wirklich Schuldigen zur Strede gebracht wurden ist vor Die Aburteilung des Zeugfeldwebels Linde ist also nur gemessenen Erhöhung der Zulage die Version nicht mehr dem Kriegsgericht sang- und Klanglos abermals ein Zeug- ein belangloses Zwischenspiel, und nicht minder belang- aufrecht zu erhalten" sei, wonach es eben eine Repräsen­feldwebel abgeurteilt worden. Auch der Zeugfeldwebel Linde los waren die Erklärungen des Herrn Kriegsgerichts- tationszulage sein sollte und daß dann der Zweck, näm­war ein Werkzeug des Brandt, dieses Werkzeuges der Firma rats Dr. Welt, soweit sie auf eine Generalentlastung lich als Deckmantel für die Bestechungsgelder Krupp . Auch er hat, als er noch bei der Artillerieprüfungs- militärischer Kreise hinausliefen. Kommission war, dem Kruppagenten Brandt militärische Ge Interessantere Aufschlüsse verspricht erst der Krupp - zu dienen, verfehlt sein würde. heimnisse verraten. Angeblich aus purer Freundschaft, Prozeß in Moabit . Vielleicht wird nach dessen Abschluß auch ohne einen Pfennig Entgelt. Er hatte eben den ehemaligen das Kriegsgericht noch einmal Veranlassung haben, auf die Kollegen, den auch er auf dem berühmten Regelabend der Sache zurückzukommen. Feuerwerker fennen gelernt hatte, so sehr ins Herz geschlossen,

Wie ist diese Nepräsentationszulage überhaupt zustande ge­tommen? Brandt war doch eigentlich kein Vertreter, sondern ein Bureaubeamter..

daß er ihm ohne irgend eine Gegengabe seine Mitteilungen Enthüllungen des Zeugen v. Metzen. fondere Auslagen von Fall zu Fall. Ich lehnte

machte. Der Zeuge Brandt bestätigte das und das Kriegs­gericht glaubte es. So kam der jeßige Zeugfeldwebel mit der

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Auch darüber gibt die Korrespondenz Aufschluß. Bis zu meiner Versegung nach Berlin liquidierte Herr Brandt be­es ab, diese Gelder durch meine Hand gehen zu lassen, und Ein Berliner Journalist, der beruflich mit Herrn Wilhelm Herr Eccius fand sich mit meinem Standpunkt ab, indem er relativ geringen Strafe von vier Wochen gelindem v. Mezen in Fühlung gekommen war, wurde von ihm in mir am 24. August 1909 mitteilte, er wünsche eine Auf­Arrest davon. Trotzdem er dem Zeugen Brandt streng seiner Wohnung in Schlachtensee empfangen. Gleich zu Bestellung von Brandt über den Jahresdurchschnitt seiner Aus­geheim zu haltende Dienstgeheimnisse verraten hatte, deren ginn der Unterredung betonte Herr v. Mezen, es habe nicht lagen zu erhalten. Diese Aufstellung dürfte wohl zur Fest­Mißbrauch zu einer Gefährdung der deutschen Landesinteressen in seiner Absicht gelegen, aus der bisher beobachteten Zurück- segung der bekannt gewordenen Drtszulage geführt haben. haltung herauszutreten; darum habe er auch verschiedene Zur Regelung der Angelegenheit reiste Herr Brandt nach hätte führen können! Journalisten nicht empfangen. Der Selbsterhaltungstrieb Essen , von wo er mir schrieb, daß er mit Herrn Mar­Immerhin. Der Zeugfeldwebel Linde war ja nur das nötige ihn aber dazu, von seiner ursprünglichen Absicht abzu- quardt die Geschichte in Ordnung gebracht hätte, Werkzeug des Werkzeugs und hatte darum allen Anspruch tommen. Nach wie vor müsse er es ablehnen, auf nachdem dieser sich vorher an den damals aus Essen ab­auf ein mildes Urteil. Ueberhaupt hätte der ganze Prozeß alle Fragen Rede und Antwort zu stehen, um nicht dem wesenden Herrn Eccius gewandt hätte. mit drei Zeilen abgetan werden können, da er dem ersten Gericht vorzugreifen. Doch sei es ihm nicht unerwünscht, Wie glauben Sie mum, daß Brandt die Repräsentationszulage Prozeß auch nicht einen neuen Zug hinzufügte, wenn nicht wenn der Deffentlichkeit über einige Dinge flarer Wein ein- bon 3500 M. angewandt hat? der Anklagevertreter Kriegsgerichtsrat Dr. Welt einen neuen geschenkt werde, da von anderer Seite alles nur Jedenfalls in sehr geschickter Weise. Die vom Kriegs­geschähe, i m ihn 3 bergericht verurteilten Militärbeamten find in meinen Augen originellen Verfuch unternommen hätte, das militärische Erdentliche dächtigen. nichts anderes als Panama " des Strupp- Prozesses wiederum auf das gewünschte Die erste Frage an Herrn v. Mezen ging dahin: Opfer der Brandtschen Gerissenheit, Minimum zurückzuführen. Er deduzierte nämlich: Nachdem Sie habe noch Schriftstücke im Besitz, von denen das Gericht der unter dem Anschein der Kameradschaft sie eingewickelt hat. nun auch der Zeugfeldwebel Linde glücklich entdeckt noch keine Kenntnis hat. Welche Gründe haben Sie veranlaßt, ch glaube auch kaum, daß Brandt die 3500 M. voll zu Be­worden ist, bleiben von all den beschlagnahmten Be­sie noch nicht bekannt zu geben? stechungszwecken ausgegeben hat, obgleich er mir fast täglich richten des Brandt( die anderen hatte man vorsichtigerweiſe Sie vergessen, daß die Untersuchung sich auch auf mich vorjammerte, daß er mit dem Gelde nicht auskäme und daß bernichtet!) nur noch einige wenige übrig, deren Urheber nicht erstreckte, und daß ich, so unschuldig ich mich fühle und fühlen ihm das Geschmeiß" so beliebte er die Kameraden, die abgeurteilt worden sind. Aller Wahrscheinlichkeit nach und mußte, der Sache doch nicht von vornherein mit völliger Frei- jekt für ihn leiden müssen, zu nennen- nicht von der Belle" auch nach der Aussage des Zeugen Brandt selbst kommt also heit gegenüberstand. Ich glaube auch, daß der Inhalt der gehe. Brandt galt mir ebenso wie denen, an die ich über höchstens noch ein unentdeckter Verräter militärischer Ge- noch in meinen Händen befindlichen Korrespondenz für einige feine Machenschaften berichtete, als höchst gefährlich und zwei­heimnisse in Frage. Da nun aber der Zeuge Brandt in der Personen recht ungünstig ist, und ich hatte weder Lust, noch schneidig. Auf den Brief vom 22. Juli 1912 an Dr. Mühlen, who ist die tenfallen, zu Taijen. Dienstagsverhandlung auf ausdrückliches Befragen bestimmt Veranlassung, irgend jemanden ohne Not ans Messer zu liefern. worin ich von der leberhebung" des Brandt und von seiner und feierlich erklärt hat, daß er niemals von höheren Jetzt ist jedoch die Notwendigkeit für mich eingetreten, der- Tendenz, die Konjunktur auszumugen, je mehr er durch An­Offizieren Mitteilungen erhalten hat, daß also die noch nicht bestimmend waren nationale Gründe. wendung der von ihm beliebten Pressionsmittel" weiterfäme, Bedenken Sie geschrieben hatte, antwortete mir Dr. Mühlen unterm 23. Juli, erwischte Militärperson höchstens ein Zeugfeldwebel oder Zeug doch, daß zur Zeit meiner Verhaftung daß ihm diese Ausführungen ganz richtig erschienen und Ieutnant sein kann, so ist damit erwiesen, daß die Presse bestens bemerkt seien." völlig daneben griff, wenn sie als Informatoren der Firma Wenn ihn die Firma so einschägte wie tam es dann, daß Krupp auch höhere Offiziere vermutete. So Herr Dr. Welt. sie ihn gleichzeitig mit Gratifikationen geradezu überhäufte? Es will uns doch scheinen, als ob sich Herr Kriegsgerichts­Man fürchtete ihn. Bei jeder Gelegenheit( in einemt rat Dr. Welt die Sache ein wenig leicht gemacht habe. Können Sie mir nicht Einblick in die von Ihnen geheim Briefe habe ich den Ausdruck ,, terminmäßig" gebraucht) drohte Wir wollen uns gar nicht erst darüber mofieren, daß Herr gehaltene Korrespondenz gewähren? Sie können sich doch denken, Brandt, er wolle seine unappetitliche Aufgabe nicht mehr Dr. Welt seinen" Zeugen" Brandt für einen so einwandfreien daß nach den bisher gefallenen Andeutungen die Presse nach weiter machen, die ruiniere ihn körperlich und moralisch". Kronzeugen zu halten scheint, obwohl dieser Zeuge zugleich weiteren Einzelheiten begierig ist. Damit verquickte er allerdings vielfach neue Forderungen Angeklagter in dem unmittelbar bevorstehenden neuen Krupp­Das muß ich leider ablehnen. Die Korrespondenz finanzieller Natur. Um diesen zu begegnen, war Herr Eccius im Jahre 1911 auf den Gedanken verfallen, prozeß ist und sich schon deshalb hüten wird, sich in diesen werde ich dem Gericht anf Verlaugen ausliefern. Sie haben schon früheren Prozessen durch Zeugenaussagen selbst zu belasten. ia geſehen, wie mir jetzt schon von verschiedenen Seiten zum ihm eine besondere Gratifikation von jährlich 1000 Mart Der Zeuge Brandt ist natürlich weder in diesem noch in dem Vorwurf gemacht wurde, daß in der Presse etwas darüber zu versprechen, die aber erst nach 10 Jahren fällig und nur dann ausbezahlt werden würde, wenn das durchgefickert ist. früheren Prozeß bereidigt worden. Es ist also nach jeder Halten Sie Ihr Material wirklich für so wichtig und durch Dienstverhältnis dann noch bestehe. Mit anderen Worten: Richtung hin ein Zeuge, auf dessen Aussage sich auch nicht schlagend, daß dadurch der Gang der Verhandlung wesentlich wenn Herr Brandt, dessen Vertrag nur bis 1915 lief, zehn die geringste Wahrscheinlichkeitsfolgerung, geschweige denn eine Jahre lang seine weiteren dauernden guten beeinflußt werden könnte? irgend begründete Ueberzeugung bauen läßt. Schweigen wir Ich glaube Dieser Brief ist hand­ja! Insbesondere glaube ich, daß aus Dienste" fortseßen würde. also doch lieber vom Zeugen" Brandt! dem Inhalt der Korrespondenz mit Gewißheit hervorschriftlich von Direktor Eccins geschrieben, von Direktor Haur Zudem ließen sich diesem Zeugen" trok aller seiner Vor- geht, daß das Krupp- Direktorium über Brandts Tätigkeit und mitunterzeichnet und trägt, gleichfalls von der Hand des fichtigkeit und nur zu begründeten Zurückhaltung allerlei über die Mittel, die zur Erlangung der vertraulichen Aus- Herrn Eccius, den besonderen Vermerk Vertraulich!" Außer­dem war er an mich gerichtet mit dem Ersuchen, von seinem Widersprüche nachweisen. Am Dienstag behauptete er fünfte angewandt wurden, nicht im Zweifel sein konnte. zum Beispiel, seine Aeußerungen im ersten Prozeß, Wer von den Essener Direttorialmitgliedern muß nach Ihrer Inhalt Herrn Brandt in Kenntnis zu setzen und über das Ergebnis der Unterredung zu berichten". er wolle nicht noch mehr Leute unglücklich machen, Ansicht Kenntnis von Brandts Tätigkeit gehabt haben? Das ergibt sich aus einem Briefe des stellvertretenden der Briefe erhält natürlich seinen wirklichen Wert erst durch Beim Abschied sagte Herr v. Megen noch: Der Inhalt habe sich nur auf den Zeugen Linde bezogen. Auch Direttors Marquardt vom 13. September 1909, worin mir Herr Dr. Welt hätte sich erinnern können, daß diese mitgeteilt wurde, daß die Kornwalzer regelmäßig außer daß diese mitgeteilt wurde, daß die Kornwalzer regelmäßig außer die Kenntnis der Vorgänge, auf die sich der Schrift­

Mit­

die Wehrvorlage auf dem Spiele stand und daß es für deren Schicksal immerhin ungünstig gewirkt hätte, wenn damals in vollem Umfange die Wahrheit bekannt geworden wäre.

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,, besonderes Interesse"

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Eine furchtbare Grubenkatastrophe. 400 Berglente tot!

Aeußerung in einem ganz anderen Zusammenhang ge- dem Herrn Landrat Rötger.") den Direktoren der St. m. wechsel bezicht, die aber durch ihn zugleich wieder ihre Be­fallen war. Brandt hatte sich vielmehr gerühmt, auch die Abteilung( S. M.= Striegs- Material; damals Dreger, tätigung erhalten. Ich habe keinen Grund, irgendwelche Geschäftsgeheimnisse der Firma Ehrhardt, die sich genau der Gillhausen, Eccius), Mouth's und von Dewis Geheimniskrämerei zu treiben, da ich in einigen Tagen vor gleichen Methode bediene wie die Firma Krupp , zu kennen, diejenigen Herren, insbesondere Herr Ehrensberger und Gericht als Zeuge doch alles offenbaren muß. Er wolle nur darüber nicht reden, weil ja ohnehin schon Leute Stone", befämen, die genug ins Unglück gebracht worden seien und er ,, den Skandal nicht noch größer machen" wolle. für sie hätten. Außerdem habe ich mich über das Treiben Jedenfalls hätte auch der Vertreter der Anklage, Kriegs- Brandts mündlich und schriftlich Herrn Eccius und Herrn Eine furchtbare Grubentatastrophe, deren Tragweite sich noch gerichtsrat Dr. Welt, wissen sollen, daß die Presse mit ihren Dr. Mühlen gegenüber derartig unzweideutig ausgedrückt, Andeutungen von weit höher hinaufreichenden Indiskretionen namentlich in meinem Briefe vom 22. Juli 1912 an nicht in allen Zeilen übersehen läßt, wird aus Südwales gemeldet. natürlich nicht hatte sagen wollen, daß Herr Marimilian Dr. Mühlen, daß eine Kenntnis der geübter unlauteren Praxis 3m llniversal- Bergwerk in der Nähe von Cardiff erfolgte Brandt der Beichtvater solcher militärischen Stellen gewesen schlechterdings nicht geleugnet werden kann. Selbstverständlich gestern vormittag eine Explosion, durch die der Hauptschacht voll­sei. Im Gegenteil. Die Presse war ja gerade durch die war auch der Berliner Bertreter der Firma, Mar Dreger, fommen zerstört wurde. Aeußerungen des Herrn Brandt und der Struppdirektoren, daß 700 Berglente wurden eingeschlossen,

es für die Firma Strupp überhaupt keine militärischen Geheim- bes Bentralverbandes beuticher Industrieller, ein rüdsichtsloser und es besteht keine Hoffnung, fie alle zu retten. Eine Rettungs­*) Landrat a. D. Rotger ist der bekannte Vorsigende niffe gegeben habe, und daß der Inhalt der Brandtschen Korn- Vorkämpfer der Scharfmacherei und des Arbeitswilligenschutzes". walzer den Kruppdirektoren absolut nichts Neues ge­

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folonne, die um 9 1hr durch einen Seitenfchacht heruntergegangen Anm. d. Red. war, war bis 10 Uhr noch nicht zurückgekehrt.