Nr. 295.
Abonnements- Bedingungen:
BRU
Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2,50 Mart, für das übrige Ausland 4 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien , Dänemar Holland, Italien , uremburg, Bortugal, Rumänien , Schweden und die Schweiz .
Ericheint täglich.
30. Jahrg.
Die Infertions- Gebühr
beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Big., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Pig. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pig.( zulásfig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 10 Big. Stellengesuche und Schlafftellenan zeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet.
Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Wahltag!
Der Tag der Entscheidung ist da!
In 17 Bezirken der 3. Abteilung soll heute entschieden werden über die Vertretung im Roten Hause. Da gilt es auf dem Posten zu sein!
Infolge eines elenden Dreiklassenwahlrechts herrscht im Rathause der Geldsack. Bant- und Börseninteressenten in Verbindung mit Hausagrariern bestimmen die Geschicke der Berliner Bürgerschaft.
Die große Masse der erwerbstätigen Bevölkerung hat nur einen geringen Einfluß auf die Zusammensetzung der Stadtverordnetenversammlung.
Sonntag, den 9. November 1913.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984.
Die Sühne des Krupp - Panamas .
Die Moabiter Straffammer verurteilte den Schmiergeldern nicht bewußt gewesen wäre, das vermag Angeklagten Brandt wegen Bestechung zu eben doch nur ein preußisches Gericht anzunehmen! vier Monaten Gefängnis, den Direktor Eccius wegen Beihilfe zur Bestechung zu 1200 M. Geldstrafe.
Monaten Gefängnis verurteilt worden; seinem Auftrag Brandt, das Werkzeug, ist wegen Bestechung zu vier geber Eccius, der ihm die Mittel zur Bestechung zur und Spionage betreibendes System ausübte, wurden dagegen Verfügung stellte und in dessen Auftrag er sein Bestechung wegen Beihilfe nur 1200 M. Geldstrafe zudiktiert.
Oder sollte vielleicht das heuchlerisch sentimentale Gewimmer des Schlußwortes des Herrn Eccius auf die Richter einen so tiefen Eindruck gemacht haben? Herr Eccius beDas Urteil ist so ausgefallen, wie wir es erwartet haben teuerte ja, daß er nur deshalb zur Firma Krupp gegangen und wie es nach der unglaublichen Haltung der bürgerlichen sei, weil er dadurch seine ausländischen diplomatischen ErParteien und der Heße einflußreicher staatserhaltender" fahrungen in den Dienst des Vaterlandes habe stellen und offiziöser Organe nicht anders ausfallen konnte. Es ist fönnen. Für 100 000 M. Reichswährung nota bene! Mit auch so ausgefallen, wie wir es uns gar nicht besser wünschen einem so schönen Einkommen läßt sich ja auch der Lurus einer fännen! ,, baterländischen Gesinnung" unschwer verbinden. Herr Freund einmal die Frage vorgelegt habe, wie er nur für Eccius erzählte weiter, daß ihm ein hochgestellter verehrter den Geldbeutel eines Privatmannes tätig sein möge. Dieser völlig verstummen lassen. Aber am anderen Lage sei er an Vorwurf habe ihn. den mimosenhaften Gemütsmenschen dem Standbild Alfred Krupps vorbeigegangen und habe dort Nur in der 3. Abteilung unserer tapitalistischen Justiz gewohnt sind. Staatsmohl sein." In diesem Sinne habe er seine TätigDas Strafmaß entspricht durchaus dem, was wir von das erhabene Wort gelesen:„ Der Zweck der Arbeit soll das Brandt, der Subalterne, kriegt Gefängnis. Er fann ja diese keit alle Zeit aufgefaßt. ehrenrührige Strafe ertragen, denn die Firma Krupp wird Nun, Alfred Krupp hat ja bekanntlich seinen berüch ihn ja für den Verlust seiner bürgerlichen Ehre finanziell ftigten Brief an den kleinen Napoleon geschadlos halten. Anders ist es bei dem Krupp - schrieben, in dem er zum Besten des Staatswohls" seine Direktor Eccius. Ihn wegen der Beihilfe zur Be- technischen Erfindungen dem Erbfeind" zur Verstechung gleichfalls zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen, fügung stellte. Und Herr Eccius hat nicht nur zum beweglichen Worten ist das von der Verteidigung dar- vergnügt eingestrichen, sondern auch seinen Spion Brandt hätte ja geheißen, feine soziale Stellung zu vernichten". Mit Wohle des Vaterlandes" sein sechsstelliges Direktorengehalt gelegt worden. Wer sich in einer angesehenen sozialen auf die Fährte der Staatsgeheimnisse und der GeStellung befindet, darf ia bekanntlich bei uns schon deshalb heimnisse der Fabrittonkurrenz gesezt, damit bei der strafe rechnen, weil die Freiheitsstrafe einen Angeklagten der Anteil abfalle. Man muß wirklich eine Binde von Sad. auf ein geringeres Strafmaß, auf Bermeidung der Gefängnis- Ausschüttung der Provisionen auch für ihn wieder ein höherer privilegierten Klasse in seiner sozialen Stellung schwerer Leinwand vor den Augen tragen, um nicht dieses tarier. treffen könnte, wie einen Subalternen oder gar einen Brole- Handinhandgehen von ideellen" und höchst materiellen Interessen wahrzunehmen! Vor dem Patriotismus aber, der So ist denn der ungleich Schuldigere der fich so glänzend rentiert, der sich in Hundert. nicht nur unserer Auffassung, sondern auch nach Ansicht tausend- Mark- Gehältern ausdrückt, sollte für seine Verhältnisse lächerlich geringfügigen des Staatsanwalts ungleich Schuldigere!- mit einer man doch wirklich keinen allzu hohen Respekt befunden! Noch eine andere Stelle des Urteils fordert zum Wider
kann sie diesen Einfluß geltend machen. Und das muß heute mit allem Nachdruck geschehen. Nur alle 6 Jahre kommen die Wähler der 3. Abteilung in die Lage, ihr Votum in die Wagschale zu werfen und Abrechnung zu halten mit jenen Leuten, die im Rathause die Herrschaft ausüben. Für einen Arbeiter, einen Handwerker, für den kleinen Geschäftsmann kann es heute gar keine Wahl geben: Er kann gar nicht anders, er muß einen Sozialdemokraten wählen, will er nicht gegen seine eigenen Interessen verstoßen.
Die Interessen der besitzenden Klasse scheiden sich von den Interessen der erwerbstätigen Bevölkerung wie Feuer und Wasser. Und wenn schon die 1. und 2. Abteilung von vornherein dem Besis reserviert ist, so muß doppelt und dreifach dafür gesorgt werden, daß die 3. Abteilung Geldstrafe davongekommen. Freilich, wäre die Geld- spruch heraus. Es wird da gesagt, daß durch die Verhandder Sozialdemokratie gehört. strafe zehn- oder hundertmal so hoch gewesen: die Firma lungen des Krupp- Prozesses kein Makel auf unser Beamtenbezahlt haben. Sind doch 100 000 oder 200 000 m. für sie nur im allgemeinen ist in Moabit auch nicht eine Minute Strupp würde mit verbindlichem Lächeln auch diese Kleinigkeit tum im allgemeinen" geworfen sei. Ueber das Beamtentum ein Trinkgeld, ein Bettel! lang verhandelt worden. Es war immer nur die Rede
Das Schuldkonto des Berliner Kommunalfreisinns ist so groß, daß es eine gröbliche Verlegung der Wahlpflicht wäre, wenn die Wähler der 3. Abteilung sich heute lässig zeigten. Es ist eine Ehrenpflicht, dem reaktionären, rückgratlofen Kommunalfreisinn das verdiente Mißtrauensvotum zu erteilen. Das kann, das muß geschehen durch Massenabgabe von sozialdemokratischen Stimmen.
Wiege sich niemand in Sicherheit! Noch in legter Stunde sind in verschiedenen Bezirken freisinnige Kandidaten aufgestellt worden.
Der Freifinn wiegt sich in der Hoffnung, nicht nur seinen Besitzstand zu erhalten, sondern uns gehörige Bezirke zu entreißen.
alte Schauspiel kapitalistischer Justiz: das Werkzeug, das offizieren, die mit der Kornwalzeraffäre im direkten Zu Wir erleben also auch in diesem Falle wieder das ewig von den Kornwalzern und den Zeugfeldwebeln und Zeugausführende Organ, wird zu schwererer Strafe ver- fammenhang standen. Nicht einmal wurde die leiseste urteilt; aber der Anstifter, der in viel höherem Maße Frage nach der Verwendung der Repräsentationsgelder der Geldstrafe davon. Er bleibt der Gentleman, der un- nur wurde der leiseste Versuch gemacht, zu ermitteln, ob denn schuldige Mitt äter, fommt mit dem blauen Auge einer höheren Krupp- Vertreter gestellt! Nicht einmal auch antastbare Ehrenmann, der honorige Beamte, dem nicht auch von höheren Stellen den Krupp- Vertretern Mitühne, die unsere preußische Justiz einem der Hauptwaren, wie die der Zeugfeldwebel und Zeugleutnants! Als feiner etwas nachsagen kann. Das ist die gloriose teilungen gemacht worden sein könnten, die ebenso sträflich schuldigen des Krupp - Panamas , des skandalösen Bestechungs - iedoch in allerlegter Stunde auch die Person eines höheren und Spionagesystems zum Vorteil der Firma Krupp Offiziers in die Verhandlung gezogen wurde, da ergab sich, und zum schweren Nachteil des Deutschen Reiches auf daß dieser höhere Offizier, ein Major, unter dem Dederlegt! mantel eines durchaus neutralen ,, militärischen Sach Brandt kann getröstet in seine Villa zurückkehren, die verständigen" Reklamedienste für die Firma Krupp geleistet er sich für den Sündenlohn seiner Spionagegelder erbaut hat, hätte, für die er mit 400 M. monatlich bezahlt worden und Herr v. Eccius gar kann, wenn es ihm nur seine Ge- war! Die Straffammer hätte sich also in ihrem Urteil die Das darf nicht sein! Hände weg von der 3. Ab- sundheit gestattet, bei einem fröhlichen Settgelage den so ganz und gar nicht zur Sache gehörigen und total unteilung! harmlosen Ausgang des Prozesses feiern! begründeten Auslassungen über das angeblich so günstige Das milde Urteil gegen Eccius begründet das Gericht allgemeine Ergebnis des Krupp- Prozesses doch lieber verEs gilt nicht nur sämtliche Site der 3. Abteilung zu damit, daß Eccius zwar durch Kenntnisnahme des Brief- tneifen sollen! erobern, sondern es gilt, mit dem Freisinn Abrechnung wechsels zwischen Schüß und Röttger auf die Gefährlichkeit Die Sozialdemokratie fann, wie gesagt, mit dem Urteil über sein volksfeindliches Tun zu halten und Veto ein- daß es ihm aber vielleicht nicht zum Bewußtsein gekommen gleicher Genugtuung wird sie auch die Freudenartikel der der Brandtschen Spionage habe aufmerksam werden müssen, im zweiten Krupp- Prozeß vollauf zufrieden sein. Und mit zulegen gegen die Volksentrechtung. sei, daß Brandt wirklich mit Bestechungen arbeitete. Und Krupp- Hehler- Presse registrieren können. Alle Beschönigungen trotzdem Herr Eccius sich doch als so weltkundiger des Kruppschen Spionage- und Bestechungssystems beMann bewies die von Liebknecht angebotenen Bestätigen ja nur die sozialdemokratische Kritik, Jede Stimme mehr stärkt die Wirksamkeit der sozial- weise für die außerordentliche Vorurteils daß unser Kapitalismus immer mehr alle Begriffe demokratischen Vertreter im Rathause. losigkeit dieses Weltmannes sind ja leider abgelehnt der Moral unter die Füße tritt. Wenn die Ausworden, aber schon seine Aussagen über den Kruppschen spionierung von militärischen Geheimnissen des Staates und Jede Stimme mehr erhöht die Wucht des Proteftes Preß- Stipendiaten Major Wangemann hätten dem der Konkurrenz, von Konkurrenspreisen und von bevorstehengegen das infame Dreiklassenwahlrecht! Gericht beweisen müssen, welcher Skrupellosigkeit in den Lieferungen alles Dinge, die Staat und Konkurrenz geschäftlichen Dingen dieser weltkundige Mann fähig war! der spionierenden Firma im eigenen wie öffentlichen Interesse Zeigt die Entrechtung der breiten Massen in ihrer nahm das Gericht an, daß Herr Eccius die von Brandt ver- borzuenthalten genötigt sind etwas ganz Antägliches, ganzen Größe! übten Bestechungen vielleicht gar nicht gewollt habe. Selbstverständliches und nicht nur Einwandfreies, sondern
Auf jede Stimme kommt es da an!
Ein Verräter an seiner Klasse, wer heute einem andern seine Stimme gibt, als einem Sozialdemokraten! Die 3. Abteilung mus der Sozialdemokratie gehören!
Auf zur Wahl!
Auf zum Sieg!
-
Dazu gehört ein Glaube, der Berge zu bersegen vermag! sogar etwas Verdienstliches sein soll, wie einer der Eccius wußte, wie auch das Urteil zugibt, daß Brandt Krupp- Verteidiger zu behaupten wagte, so hat man in Deutschseine Nachrichten nur durch Indiskretionen von Militär- land wirklich keinen Anlaß mehr, sich über irgendein au 3- personen erlangte. Er wußte, daß 3500 m. dem Brandt I ändisches Panama, über Tammany- Hall- Moral und als Schmiergelder zur Verfügung gestellt wurden. Er wies ähnliche Dinge sittlich zu entrüften!
sie selbst an und er soll nicht auch das Bewußtsein Für unser Bürgertum mag es ja eine Entschuldigung gehabt haben, daß bei diesen Aushorchungsmanövern des sein, daß es in anderen Staaten auch nicht besser ist und day Brandt unbedingt Handlungen in Frage kommen mußten, der Großkapitalist eben gezwungen ist, auch zu den Mitteľn die als Beste chung aufzufassen waren? Es mag ja sein, ich o felster Bestechungen zu greifen. Für uns Sozialdaß Herr Eccius durch seine ausländischen Erfahrungen nicht demokraten, die wir das kapitalistische System und die aus nur, sondern auch durch seine inländische Praris bei der Firma der Natur des Kapitalismus notwendig entspringende kapitaKrupp in dieser Beziehung an starten Zabat ge- listische Unmoral bekämpfen, bieten natürlich die ausländischen wöhnt war; aber daß er, der ehemalige hohe Justizbeamte, Bestechungen und Korruptionserscheinungen keinerlei Grund sich der Konsequenzen der Brandtschen Spionage und der un- zur Beschönigung der einheimischen Korruption. ausbleiblichen Wirkung der Bewilligung von 3500 M. Natürlich fällt es uns gar nicht ein zu behaupten, daß