Nr. 12.
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Vorwärts
11. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Zur Reichs- Einkommensteuer.
Würde das Kapital auswandern?
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Dienstag, den 16. Januar 1894.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Kundschaft gebundene Geschäfte besigt, auch er wird nicht Rapitale. Aber das mobile Kapital tritt dem immobilen feine Fabriken und Geschäfte ins Ausland verlegen können, gegenüber gewaltig in den Hintergrund, vor allem wenn feinen Besitz an Land veräußern, weil er hier eine höhere man berücksichtigt, daß das immobile Kapital, wie Aktien, Einkommensteuer zu bezahlen hat. Würden die Kapitalisten Pfandbriefe 2c. eng mit dem mobilen Kapitale ver Die progressive Reichs Einkommensteuer wird nicht sich verschwören und auswandern wollen, so würde ja das fnüpft ist, daß seine Unterlagen, die Fabriken, die mehr von der Tagesordnung verschwinden, dies ist der Vaterland nicht schwer leiden, man kann auch ohne verschuldeten Grundstücke 2c. nicht auswandern können, nicht gering zu schäßende Erfolg der Sozialdemokratie. Unternehmer produziren, wir ja das tag- deren Erträgnisse somit zu Lasten der im Auslande Vertreter fast aller Parteien, selbst der nationalliberalen, täglich sehen, leben doch zahlreiche unserer großen weilenden Aktionäre und Pfandbriefbefizer beliebig hoch haben sich nun für dieselbe, wenn auch nicht mit der er Unternehmer im Auslande, während ihre Arbeiter besteuert werden könnten, dasselbe wird sich ohne unüberforderlichen Entschiedenheit erklärt. Je mehr Boden der im Lande alles produziren. Niemand könnte eine windliche Schwierigkeiten auch bei den im Auslande lebenden Gedanke der Reichs- Einkommensteuer gewinnt, desto kräftiger solche planmäßige Massenauswanderung der Kapitalisten Besizern von Antheilen an Anleihen des Reichs, der und rücksichtsloser wird aber auch der Kampf gegen dieses lieber sein als der Sozialdemokratie, niemanden würde sie Kreise und Städte gegenüber bewerkstelligen lassen. Steuerprojekt geführt werden. Freilich überzeugende Gründe schwerer schädigen, als den Kapitalismus. Dekonomisch Nicht möglich wird dies aber sein den Besitzern von fehlen den Gegnern der Reichs- Einkommensteuer. Dem würde eine solche Auswanderung den ungeheuren Vortheil ausländischen Staats, Industrie, Eisenbahn- und anderen Prinzip der Gerechtigkeit, das in den Lehrbüchern der haben, daß die Eutbehrlichkeit der Kapitalistenklasse selbst Papieren gegenüber. Der letztere Einwand ist richtig, aber der bürgerlichen Finanzwissenschaft bei der Beurtheilung dem Blödesten klar würde, politisch würde sie eine große Ver- großen Masse des mit dem Deutschen Reiche unlösbar verknüpften aller Steuerprojekte im Vordergrunde steht, trägt ringerung des Einflusses der Kapitalisten und eine sprung- Einkommensquellen gegenüber spielen diese lumpigen paar die Reichs Einkommensteuer vollkommen Rechnung, hafte Steigerung des proletarischen Einflusses auf die Geschicke Hundert Millionen gar teine Rolle. Auch sonst wäre während die jetzigen Reichssteuern und die vor: Deutschlands bedeuten, die Zusammensetzung. des Reichstages, es selbst vom ehrlichen kapitalistischen Standpunkte aus tein geschlagenen Steuerprojekte dem Prinzipe der Gerechtigkeit die Haltung der Reichsregierung würde sich von Grund aus nationales Unglück, wenn unseren kleinen Kapitalisten in in's Gesicht schlagen. Deshalb schweigt man sich über ändern. Mit einem Worte, die Auswanderung der Höchft- Zukunft keine weiteren argentinischen, mexikanischen, portus dieses Prinzip aufs gründlichste aus und wendet alle mög- besteuerten wäre der Beginn einer durchaus friedlichen giesischen und italienischen Anleihen aufgehalft würden, wenn lichen anderen Gründe gegen das Reichs- Einkommensteuer- demokratischen und, wie die Verhältnisse in Deutschland mit deutschem Gelde nicht mehr schwindelhafte amerikanische Projekt ein. So erklärte unlängst anläßlich der Debatte nun liegen, auch einer sozialistischen Revolution. Eisenbahnen unter der Aegide der Herren Barth und über die Tabalsteuervorlage ein Redner, daß die Einführung Wegen einiger Prozente Einkommensteuer würde aber Siemens gebaut würden, wenn das deutsche Kapital seine der Reichs- Einkommensteuer die Auswanderung des deutschen selbst die egoistische und kurzsichtige deutsche Bourgeoisie Verwendung blos im Julande finden würde. Kapitals zur Folge haben würde, was dazu führen würde, dieses Risiko nicht auf sich nehmen. daß die Bedürfnisse des Reiches durch die Reichs- Einkommensteuer nicht gedeckt werden könnten.
Betrachten wir uns diesen Einwand näher.
Welches sind die Quellen der Einkommensteuer? Das Einkommen jeder Art, vor Allem die höheren, so die Gehalte der öffentlichen und privaten Beamten, die Erträgnisse des Grund und Bodens, der Fabriken, die Miethen für Wohnungen und Häuser, das Erträgniß von Handelsgeschäften, die Zinsscheine von Reichs, Staats- und städtischen Anleihen, die Dividenden von Aktiengesellschaften u. f. w.
Die hauptsächlichste Quelle dieser Einkommen ist die Arbeit und die Verwendung von Kapital innerhalb der Reichsgrenzen.
Ein Ausweg scheint aber doch den Kapitalisten zu Demnach hätte nicht das deutsche Volt, sondern einzig bleiben, die sich der fürchterlichen, sie endlich gerecht" und allein die Großbourgeoisie den Schaden von der Aus- treffenden Reichs- Einkommensteuer durch Flucht ins Auswanderung. land entziehen wollten. Sie könnten ihren Besitz in Betrachten wir aber nun, ob diese Leute wirklich aus- Deutschland , ihre Fabriken, Bergwerke, Landgüter, wandern würden. Angenominen die Reichs- Einkommen- Wälder, Staatspapiere, Aktien 2c. 2C. verkaufen, steuer würde blos von denjenigen erhoben, die innerhalb das Geld auf die englische Bank legen, oder des Deutschen Reiches wohnen und die Großkapitalisten wür wie der Papst und der König von Italien dem Schuße den in Masse auswandern, sich in Monaco , Paris , London , Rothschild's anvertrauen und von den Renten im Auslande Tourville, an der Riviera und sonst wo es schön ist und leben. Die Kapitalisten wissen aber sehr genau, daß dies üppig gelebt werden kann, niederlassen, sie würden aber nicht geht. Wenn eine solche Menge von Gütern auf den weiter ihre Fabriken, Bergwerke, Rittergüter, Handels- Markt gebracht würde, so wäre ein ungeheurer Preissturz betriebe besigen und den Mehrwerth sich einfach ins Aus- die Folge und jeder Käufer würde außerdem vom Kaufland senden lassen und dort verbrauchen. preise einen Abzug machen, der der Kapitalisirung der er
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Dies würde doch kaum lange gehen, die ge- höhten Einkommensteuer gleichtäme, so daß die auswandern Daß unsere Minister, vortragenden und geheimen änderten Machtverhältnisse im Reiche würden dann den Kapitalisten doch die Einkommensteuer zahlen müßten. Räthe, die Direktoren der Eisenbahnen und Aktiengesell- ihre Wirkung nicht verfehlen. Es bliebe der Also auch damit ist es nichts! schaften, die Leiter der Versicherungsgesellschaften und Pfand- Weg offen, das Einkommen der im Auslande Lieb' Vaterland kannst ruhig sein, Deine Kapitalisten briefsanstalten trotz der erhöhten Steuer auf ihr Einkommen lebenden Besizer von in Deutschland befindlichen Erwerbs- gehen Dir nicht verloren, wenn sie auch in ihrem genicht auswandern werden, versteht sich von selbst. Die ein- quellen viel stärker zu besteuern als die Einkommensquellen schwollenen Patriotismus“ drohen, bei Einführung der proträglichen Stellen, die sie sich, sei es durch Vetterschaften, der in Deutschland verbliebenen Personen, ja man fönnte gressiven Reichs Einkommensteuer und gleichzeitiger Abeinflußreiche Beziehungen, langjähriges Streberthum, sei es zu einem Mittel greifen, das wir aus der Geschichte der schaffung sämmtlicher anderer Steuern auszuwandern. durch Tüchtigkeit und genaue Kenntniß ihres Ressorts er französischen Revolution kennen, man könnte einfach die Die Drohung ließe uns falt, würde sie auch wahr worben haben, werden sie nur ganz ausnahmsweise im Landgüter, Wälder, Bergwerke, Fabriken 2c. der im Aus- gemacht werden. Wir und das gesammte deutsche Volk Auslande finden, sie werden ruhig im Lande bleiben, lande lebenden Großbourgeois einfach konfisziren. Also an werden uns Deutschland ohne Kapitalisten recht wohnlich weiter ihr Einkommen beziehen und die erhöhte Geld würde es der Reichstasse nicht fehlen, welchen der einzurichten verstehen. Einkommensteuer bezahlen. beiden Wege man auch einschlagen wollte. Sollten aber die wildgewordenen Kapitalisten wirklich auswandern, rufen wir ihnen deshalb zu: ,, Glückliche Reise!"
Und wer im Deutschen Reiche Landgüter, Forsten, Es giebt aber noch andere Einkommensquellen, außer Häuser, Fabriken oder an den Ort und eine bestimmte dem unbeweglichen Besitz, dem sogenannten immobilen
Feuilleton. Helene.
Nachbruck verboten.]
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Noman in zwei Bänden von Minna Rautsfŋ. Nachdem Erich den Brief in den Umschlag gesteckt hatte, lehnte er sich in den Sessel zurück und blieb mit verschränkten Armen sitzen.
Er schien seinen Uebermuth mit diesen Zeilen erschöpft zu haben, mißmuthig blickte er vor sich hin.
Er liebte seine kleine Frau, gewiß liebte er sie, aber er hatte sich das Zusammenleben mit ihr doch anders gedacht. Er hatte Ueberschwengliches davon erwartet. Er wollte die bis zur Raserei gesteigerte Sinneslust einer ersten Leidenschaft genießen, die mit ihrem Jugendfeuer ihn selbst entflammte, und darin, gerade darin, fand er sich getäuscht.
Aber Helenen's Zärtlichkeit, ihre Hingebung, ihre vollständige Abhängigkeit von ihm, die sie wie eine Glorie trug, war doch auch etwas Süßes, ein Charme( Bauber), den er nimmer hätte entbehren wollen, und er sehnte sich nach ihr, weil jede ihrer Regungen ihm seine Macht über sie deutlicher zum Bewußtsein brachte.
Aber schon fürchtete er, daß diese Sehnsucht Macht über ihn bekommen und ihn unterjochen könnte, und dieser Gedanke hatte für seinen Mannesstolz etwas Verlegendes.
Das Stubenmädchen kam herein und übereichte dem Herrn ein stark duftendes Briefchen.
Eine Flamme stieg in sein Gesicht.
An dem starken Parfüm errieth er, woher dieser Brief fam, noch ehe er ihn geöffnet hatte.
" Sie ist wahnsinnig," murmelte er. Er riß das Kouvert auf und überlas die wenigen Zeilen. Sie enthielten die Einladung zu einem Rendezvous.
Frau von Lermina war von ihrem Landaufenthalte zurückgekehrt und wünschte auf eine an sie gestellte Frage ihm mündlich die Antwort zu geben.
" Nun, das ist doch wirklich nicht so pressant, um deshalb hierher zu schreiben," dachte er, während er den Brief in seine Tasche steckte, aber er sah dabei sehr heiter und unendlich geschmeichelt aus.
Die Langeweile und seine Mißstimmung waren ver
flogen. Er fuhr zusammen, als seine Frau, die unhörbar hereingekommen war, ihn von rückwärts um den Hals nahm und ihn auf die Wange füßte.
"
Du bists, na warte, Du Schelm," sagte er, " Habe ich Dich erschreckt?" " Natürlich; so einen Ueberfall auch, auf einen nichts ahnenden Menschen."
Da werde ich also fünftighin immer anklopfen, ehe ich mich herein wage," sagte sie in einer so drolligen Weise, daß er lachen mußte. Er zog sie an sich und küßte sie. Deine Hände sind talt, wo warst Du denn?"
"
" In meiner Stube, ich schrieb an Mama. Aber wollen nicht vor Tisch einen Spaziergang machen? Es ist bewölkt und fühl, aber doch angenehm." Du willst, daß ich mit Dir gehe?" " Ja, ich will."
Er mußte völlig frei bleiben, während er über jeden ihrer Gedanken, über jedes ihrer Gefühle Herr sein wollte, wir denn er erhielt sie, er gab ihr alles, und nur so schien ihm ihr gegenseitiges Verhältniß in richtiger Weise ausgeglichen zu sein..
"
Und wenn ich nun was Anderes vor hätte?" " Fährst Du wieder nach München ? D bann-" " Dann nimm mich mit, gelt? so lautet der Nachsah." Sie sah ihm bittend in die Augen, so tief mit einem reizenden Lächeln, als müsse sie ihn damit bezwingen. „ Ich wäre so glücklich, Erich, wenn Du es thätest." Er schüttelte den Kopf.
"
Nein, nein, ich will nicht, Du weißt es." Sie seufzte.
Uebrigens, tröste Dich, ich gehe nicht nach München , ich habe eine Einladung zur Jagd erhalten." Für heute?" fragte sie.
Erich zog sie auf seine Knie und legte den Arm
um sie. Für heute und morgen, da wird meine Kleine wieder einmal vierundzwanzig Stunden von ihrem Männchen getrennt sein."
Du kommst erst morgen wieder?" fuhr sie betroffen empor. „ Erscheint Dir das wirklich so fürchterlich?" fragte er mit einem überlegenen Lächeln, kannst Du es denn gar nicht mehr ohne mich aushalten?"
Thränen tamen in ihre Augen und sie lehnte den Kopf an seine Schulter.
„ Na, na, na," sagte er gutmüthig, unwillkürlich gerührt, während er sie noch fefter an sich preßte. Er schien in seinem Entschlusse wankend zu werden: Ich muß ja auch nicht gehen, wenn es Dir gar so leid thut, ich kann ja zu Hause bleiben."
,, D, dann bleibst Du auch," rief fie mit einer Freude, die sie plöglich energisch machte, und sie warf ihre Arme um seinen Hals. Und jetzt lass' ich Dich gar nicht mehr fort, jest halt' ich Dich fest."