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Erscheint täglich außer Montags. Brets pränumerando: Viertei jährlich 8,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Big. frei in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreic Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Pont Zeitungs Breisliste für 1894 unter Nr. 6919.

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Vorwärts

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11. Jahrg.

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Berliner Bolksblatt.

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Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Totterie.

Donnerstag, den 25. Januar 1894. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

45 000 und 60 000 M. angegeben sind. Wir haben also sollen. Und nun bedenke man, was das heißt, 29 Treffer schließlich im Ganzen 95 000 Gewinne, d. h. die Hälfte unter 190 000 Loosen. Füllte man eine Schüssel mit aller Loose gewinnt, oder im Durchschnitt fönnen zwei 190 000 Reisförnern, worunter man 29 gefärbte hat, Spieler immer darauf rechnen, daß einer von ihnen zu den welche Aussicht hätte man wohl, beim Ziehen mit ver glücklichen Gewinnern gehört. bundenen Augen gerade ein gefärbtes Korn zu treffen? Ein Esel würde man mit Recht genannt werden, wenn man für diese Aussicht gutes Geld weggäbe. Genau so dumm aber verfährt man, wenn man für preußische Lotterieloose sein gutes Geld hingiebt, und noch dümmer, wenn man sich zum Ankauf der Loose von Privatlotterien bereden läßt, denn bei diesen sind die Gewinnaussichten noch viel schlechter, als bei den Staatslotterien.

Demnach haben die Lotterien nicht die Tendenz, Glück und Reichthum im Volke zu verbreiten, sondern umgekehrt, Hunderttausenden ihre sauer verdienten Groschen aus den Taschen zu locken.

Unter den fleinen Steuervorlagen, mit welchen sich der Reichstag nächstens in zweiter Lesung zu beschäftigen haben wird und die einen Theil der Stempelsteuer- Borlage bilden, befindet sich auch eine, welche die Erhöhung des Lotterie- Betrachten wir nun aber die Gewinne etwas näher, stempels bezweckt, die eine Mehreinnahme von 5 432 000 M. so sehen wir, daß die große Mehrzahl, nämlich 89 657, den einbringen soll. Gin Lotteriestempel fann natürlich nur Betrag von 210 M. nicht überschreiten. Dieses sind gar erhoben werden, wenn das Lotteriespiel gestattet wird, und keine Gewinne; denn von ihnen, wie von jedem Gewinn da die Militärausgaben, welche durch den Ertrag des zieht die Verwaltung 15% pet. für sich ab. Beiläufig be­Lotteriestempels gedeckt werden sollen, dauernde sind, merkt ist auch das ein nicht zu billigender Geschäftskniff. wenigstens so lange, als das kapitalistische System besteht, Die Verwaltung sollte mindestens offen und ehrlich die Ge­so sollen auch die Lotterien unter der Herrschaft dieses winne als so hoch anzeigen, wie sie thatsächlich sind, anstatt Systems nicht angetastet, im Gegentheil weiter ausgebaut durch zu hohe Gewinnzahlen das Publikum anlocken, und werden. Eehen wir uns daher die Lotterien und ihre dann von den nominellen Gewinnzügen Abzüge machen, zu welchen sie sich das Recht in den§ 11 des Lotteries Sie erwecken in den Spielern die Hoffnung, mit einem planes vorbehalten hat; aber die wenigsten Käufer, Wenn nun die Schädlichkeit der Lotterien so klar zu Echlage mühelos, blos durch Bezahlung eines fleinen Ein- am allerwenigsten die Frauen, lesen den ganzen Tage liegt, warum werden sie dann nicht beseitigt? Nun, sages, ein reicher Mann zu werden. Ohne diese Hoffnung, Plan durch, sondern die meisten leben des Glaubens, die diese Frage erledigt fich sehr einfach. Sie bringen Geld ohne die fett gedruckten großen Gewinnzahlen in den fett gedruckten Gewinnzahlen sind auch die wirklichen. ein, und auf Geld kann der Fiskus nicht verzichten. Oft Reklame- Anzeigen und Spielplänen, Zahlen, welche in die Bringt man also den Abzug in Ansatz, so betragen die genug ist die Frage der Aufhebung der Lotterien angeregt Hunderttausende gehen, würden die Loose teine Abnehmer Gewinne statt 210 M. nur noch 176,80 M., so daß der worden, oft genug ist dieselbe von den Regierungen ver­finden und die Lotterien von selbst einschlafen; aber die thatsächliche Gewinn, da der Einsatz 168 M. war, nur noch sprochen worden; aber sie bringen eben einige Millionen großen Gewinne, die sollen die Spieler herbeilocken, und 8,80 Wt. beträgt. Nun ist die Lotterie aber bei der großen Mart, und daher hatte man immer nicht den erfüllen diese Aufgabe in der That. Nun ist von vornherein klar, Anzahl Loose auf die kleinen Leute angewiesen, welche ernstlichen Willen, sie zu beseitigen, bis man Faß die Anzahl der Gewinne im Verhältniß zur großen 168 M. auch nicht in 4 Raten für ein Loos bezahlen jetzt glücklich soweit ist, sie als dauernde und ewige Ins Looszahl nur sehr klein sein kann; denn die Gewinne fönnen. Daher hat die Verwaltung die Loose getheilt und ftitutionen anzusehen. werden ja nicht von dem Veranstalter der Lotterie bezahlt, verkauft Halbe-, Viertel- und Zehntel- Loose. Bei den letzteren Auch an diese Einrichtung zeigt sich so recht, wie die welcher im Gegentheil an derselben verdienen will, sondern ist der Gewinn, wie man sieht, bereits auf 88 Pf. zusammen- sittlichen Anschauungen der Herrschenden Klassen sich all­sie müssen durch die Beiträge der Spielenden, der Verlierer, geschrumpft. Aber auch der Preis für ein Behutel- Loos, mälig wandeln und dem Beobachter eine mit den Jahren aufgebracht werden. Freilich wird es dem Gewinnenden 16,80 m., kann von der Masse der Bevölkerung nicht aufgebracht fortschreitende moralische Versumpftheit aufdecken. Bei Ein­in der heutigen egoistischen Welt in der Regel ganz gleich werden, und deshalb ist eine weitere Theilung der Loose führung der Staatslotterie in Preußen, 1794, wollte man sein, auf wessen Kosten er gewinnt; durch die Betrachtung, bis Vierzigftel und selbst Achtzigstel nöthig. Hierbei ver- besonders dem noch schädlicheren Zahlenlotto Konkurrenz daß ein Gewinn nur möglich ist, wenn ein anderer ver- wandelt sich nun der kleine Gewinn von 0,88 M. in direkten machen, welches letztere in Preußen 1810 aufgehoben wurde. Die liert, wird sich kaum jemand vom Spielen abhalten lassen. Verlust. Denn der Lotterieverwaltung macht es zu viele Abschaffung behielt man aber stets im Auge, und noch im Jahre Wir wollen daher die Gewinnchancen selbst noch etwas Umstände, solche kleinen Loosantheile zu verkaufen; des 1841 wurde in einer Kabinetsordre darauf hingewiesen, näher betrachten. Handels mit diesen hat sich daher die private Spekulation daß man die Lotterie- Einnahmen zwar noch nicht entbehren Nehmen wir dazu zunächst einmal die preußische Staats- bemächtigt. Der Looshändler also kauft Loose von der tönne; aber man wolle wenigstens die ärmeren Klaffen der lotterie. Hier kostet ein Loos, einschließlich der Stempel- Verwaltung zu dem festgelegten Preis von 168 M. pro Bevölkerung davor schützen, ihr Geld hierbei zu verlieren, gebühr, gegenwärtig 168 M., ein Betrag, welcher in Stück. Diese theilt er dann in kleine Theile und giebt die und deshalb solle die Anzahl der Loose gering gehalten 4 Raten zu je 42 M. eingezahlt wird. Nach jeder Einzahlung findet eine Ziehung statt; doch werden bei den ersten drei Ziehungen nur eine geringe Anzahl Loose gezogen 8000, 10 000 und 12 000, beren Inhabern dann gegen Nachzahlung der noch nicht geleisteten Einfäße ein anderes Loos zur Verfügung gestellt Aber auch die weiteren Gewinne, 2939 bis zu 500 m. wird. Deswegen werden Anfangs von den gesammten und 2375 bis zu 15000, wovon die große Mehrzahl, nämlich 190 000 Loosen nur 160 000 verkauft, während 30 000 zu 2290, 5000. nicht übersteigt, stellen in ihrer Theilung diesem Ersage zurückbehalten werden. Erst die vierte nicht solche Summen dar, daß sie eine besondere dauernde Ziehung ist die Hauptziehung, in welcher 65 000 Gewinne Verbesserung der materiellen Lage erwarten lassen und zum gezogen werden und in welcher die Hauptgewinne von Spiele anreizen. Es bleiben somit nur noch 29 sogenannte 600 000 und 300 000 m. erscheinen, während in den ersten große Gewinne, worunter einer zu 600 000 und 2 zu je Ziehungen oder Klassen die größten Gewinne zu je 30 000, 300 000 M., welche die Volksmassen zum Spiel verlocken

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Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

Helene.

( Alle Rechte vorbehalten

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Roman in zwei Bänden von Minna Kautsky . Ich bat um die Rechnung, haben Sie sie gebracht?" dr Aber das pressirt wirklich nicht, und wenn es erst in einem Jahr gezahlt würde, Euer Gnaden sind uns gut."

Gs bedurfte einer weiteren Aufforderung, ehe Helene ihre Rechnung erhielt; aber als sie einen Blick darauf ge­worfen hatte, erblaßte sie.

Sie dachte nicht mehr daran, eine neue Bestellung zu machen und half selbst dabei, die Stoffe in die Kartons zurückzulegen.

Antheile natürlich nur mit einem entsprechenden Aufschlage ab. Verdient er auch nur 0,50 M. an einem Vierzigstel­Loose, so steigt der Preis des Looses bereits um 20 M., wodurch sich also der Gewinn von 8,80 M. in einen Ver­luft von 11,20 m. verwandelt.

"

Er war zu ihr getreten und langte wie zufällig nach der Rechnung, die auf dem Tische lag. Was ist das?" Es ist die Rechnung sie hat sie mitgebracht." Er lachte. Dergleichen läßt man mich gerne finden sehen wir einmal wirklich, sehr bescheiden," spöttelte er. in n Sie beläuft sich höher, als ich dachte," stammelte Helene unter Herzklopfen.

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Langfam faltete er sie zusammen und steckte sie ein, ohne ein Wort zu sagen. Dieses stumme und vornehme Hinweggehen über etwas, das ihm offenbar ungehörig dünkte, hatte etwas ungemein Demüthigendes für Helene. " Ich will mich künftighin einschränken," sagte sie leise. Er sah sie starr an.

Weshalb? Habe ich mich beklagt? Bahle ich nicht immer? Zahle ich nicht alles, alles und jedes?" Sie nickte stummm.

Tie Thür öffnete sich und ihr Mann trat herein. Das Vergnügen, eine schöne Frau zu haben, ist und Tie Mamfell war hübsch und Hartmann sah sie ziem- bleibt einmal ein kostspieliges", scherzte er und fügte dann lich genau an. Sie knigte und bemerkte bedauernd, daß fie eben so launig hinzu: Ei, Du hast ja heute von einem alles einpacken müsse. Adoratör Blumen bekommen?"

immer."

Ter eine Stoff habe es der gnädigen Frau angethan, Donner hat sie geschickt", sagte sie ruhig, woher weißt er fleide sie reizend, aber sie sei gar so bescheiden, und so Du das?" geht alles wieder mit, wenn nicht vielleicht der gnädige Herr Er machte ein schlaues Gesicht. Man erfährt so etwas anderer Meinung sei. Lassen Sie die Sachen nur hier," sagte er und Er konnte ihr nicht sagen, daß er in der Blumen­lächelte ihr zu; ich sehe, Sie verstehen es vortrefflich, handlung mit Donner zusammengetroffen war, denn man Ihre Waare verlockend zu machen." Sein Blick wurde gesteht doch nicht seiner Frau ein, daß man für eine Andere noch dreister, dann wendete er sich mit vornehmer Non- Blumen kauft. chalance von ihr ab und setzte sich in das Fauteuil am Fenster.

Was weiß diese Person von Deiner Bescheidenheit?" fragte er seine Frau, nachdem die Mamsell das Zimmer verlassen hatte. Ich hoffe, Du giebst da keine Erklärungen ab für Dein Aunehmen oder Zurückweisen?"

Als sie ihn aber fest und prüfend ansah, zog er die Stirne fraus und sagte gereizt:

Daß Du Dir von diesem Scheusal den Hof machen läßt, ist mir unbegreiflich." do

" Ich finde ihn unterhaltend und wenigstens wird niemand glauben, daß er mir gefallen könne."

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werden, halb so groß, wie heute, und die Einsätze so hoch, daß sie dem Armen unerschwinglich seien. Freilich war das Selbsttäuschung, wenn nicht gar Heuchelei; denn auch 90 000 Loose konnten nur untergebracht werden, wenn sich die breiten Volksmassen an der Lotterie betheiligten, was eben durch weitgehende Theilung und gleichzeitige Bertheuerung der Loose erreicht wurde. Als dann die Abgeordneten energischer die Abschaffung aller Lotterien und die Erfüllung der dahin gerichteten Versprechungen verlangten und darauf hinwiesen, daß die Einnahmen aus denselben dem ganzen Etat gegen­über doch nur geringe seien, da erfand man das legitime Spielbedürfniß", zu dessen Befriedigung die Staatslotterie nothwendig" sei. Man wies darauf hin, daß die

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Auch er nicht?" bi dil to s

Der Mann hat doch einen Spiegel."

Erich schüttelte den Kopf.

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Bleibt die immer so naiv," dachte er ,,, oder heuchelt sie?* Dann sah er sich um. Wo ist das Bouquet?"

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ich habe es nicht mehr." Er merkte, daß sie roth wurde. Was hast Du damit gemacht?" Stammelnd bekannte sie die Wahrheit, worauf ihr Mann in ein lautes Lachen ausbrach.

" Du bist unbezahlbar, nein, so etwas kannst nur Du thun, das fällt nur Dir ein, aber ich finde es praktisch, mit den Blumen, die der eine Verehrer gespendet hat, dem anderen ein Präsent zu machen," und er lachte noch stärker.

Konrad ist nicht mein Verehrer," sagte sie laut in aufglühendem Zorn.

Erscheint es Dir nöthig, dies zum Fenster hinaus zu rufen?" fragte er höhnisch, absichtlich seine Stimme herabs dämpfend. Dieser Konrad, wie Du ihn zu nennen beliebst, scheint Dich überhaupt sehr zu interessiren, aber ich finde diese Aufmerksamkeiten für einen Häftling nicht am Blaze." Er war aufgestanden und ging mit starken Schritten in der Stube auf und nieder. Er fühlte sich sehr unglücklich in diesem Augenblick. Er war in so guter Stimmung gewesen, er hatte sich vor­genommen, liebenswürdig zu sein, um sie für einen Wunsch 34 gewinnen, den er bisher in übertriebenem Zartgefühl nicht laut werden ließ.

Mit einigen freundlichen Worten hatte er zu erreichen gehofft, was er erreichen wollte und nun hatte sie ihn doch wieder gereizt und ihm die Stimmung verdorben.

Ach, Alles, was sie that, war so unglaublich einfältig, daß sein Merger nur zu berechtigt war.

Aber er wollte ihn auch diesmal hinunter schlucken,