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Nr. 65.

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Ericheint täglich.

S

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

31. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 30 Big. ,, Kleine Hnzeigen", das fettgedruckte Wort 20 Pfg.( zuläffig 2 fettgedruckte Worte), jedes weitere Bort 10 Big. Stellengesuche und Schlafstellenan zeigen bas erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buch­staben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet.

Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

Genossinnen und Genossen!

Sonnabend, den 7. März 1914.

führt hatten, traten aufs neue sehr scharf in die Erscheinung, und es schien ganz unmöglich, daß man die Vertretung der fartellierten und daher hochschutzöllnerischen Schwerindustrie mit dem Verbande der auf den Warenerport angewiesenen Alle organisatorischen Vorbereitungen für den Frauen- Fertigindustrie gemeinsam vor den Wagen des deutschen Außenhandels spannen könnte. tag und die Rote Woche sind getroffen.

In der Parteipresse sind die wichtigen Aufgaben, die in der Woche vom 8. bis 15. März erfüllt werden sollen, mit Nachdruck erörtert worden:

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984.

Her mit dem Wahlrecht für die Frauen! geisterung für die Beteiligung Deutschlands an der Weltaus- Markt sind die kapitalistisch entwickelten Länder, wo sie nur

Mehr Leser für die Parteipresse! Mehr Mitglieder für die Organisationen! Ein letter Hinweis auf den Ernst der Zeit muß ge­nügen, alle Parteigenossen zu eifrigster Werbearbeit anzu­spornen. Keiner darf dieser wichtigen Parteiarbeit fern­bleiben!

Besondere Aufmerksamkeit ist der Hausagitation zu schenken, die während der ganzen Woche betrieben werden muß.

Genossinnen und Genossen! Seid pflichtbewußt!

Berlin , den 6. März 1914.

Mit Parteigruß

Auch ein Stück

Der Parteivorstand.

läßt sie, um sich die Vorhand zu sichern, neben der Güte ihrer Ware und häufig wohl auch statt ihrer andere Argumente auf die Abnehmer wirken, von der diplomatisch- militärischen Drohung angefangen bis zur Handsalbung für alle die, die auf die Vergebung der Lieferungen einen Einfluß haben. Die Organisierung des Welthandels im Sinne der schweren In­Das soll nun jetzt plötzlich wieder möglich geworden sein, dustrie bedeutet also auf der einen Seite die Verstärkung der und zwei Personen schreibt man das Verdienst zu, die ver- militärischen und der zollpolitischen Rüstungen und auf der schiedenen Köpfe unter einen Hut gebracht zu haben: Herrn anderen die Bereitstellung von Mitteln, deren Ueberzeugungs­Ballin von der Hamburg- Amerika- Linie und eben dem kraft ausreicht, um die Mitbewerber aus dem Felde zu Herrn Dr. Stresemann. Der Zentralverband habe sich schlagen. dem Deutsch- amerikanischen Verein, den Ballin in seiner Be- Die Veredelungsindustrie hat ganz andere Ziele. Ihr stellung von San Franzisko gründete, nicht anschließen wollen, durch die Güte und Billigkeit ihrer Ware zu wirken bermag. sei aber bereit gewesen, bei einer umfassenden Handelsorgani. Sie bedarf billiger Rohprodukte und eines möglichst wenig be. sation mitzutun, und der Direktor der Hamburg - Amerika - hinderten Zutritts zu den ausländischen Staaten. Sie hat Linie habe dann in Gemeinschaft mit Herrn Stresemann deshalb ein Interije am Schutzoll höchstens insofern, als er den Bund der Industriellen zu bewegen vermocht, die Streit- ihr Produkte der fremden Fertigindustrie vom Leibe hält. art zu begraben und sich an der großen nationalen" Sache zu Die Art, wie die Schwerindustrie den Welthandel organi­fieren will, hat mit ihren Erportinteressen also nichts zu tun, beteiligen. ja sie steht mit ihnen direkt im Widerspruch, und ein gemein­samer Verband würde nur darauf hinauslaufen, daß der Bund der Industriellen von dem fapitalstärkeren und einfluß­reicheren Bruder vollständig an die Wand gedrückt würde. Die wirtschaftspolitische und ökonomische Vorherrschaft der bodenständigen Industrie, die mit dem befestigten" Agrarier­tum Hand in Hand geht, wäre noch mehr gesichert, als es heute schon der Fall ist.

Gewisse Stimmen, die neuerdings aus dem Lager des Bundes lautgeworden sind, lassen es zweifelhaft erscheinen, ob die Tätigkeit der geschäftigen Mittelspersonen tatsächlich im vollen Umfange erfolgreich gewesen ist, und die vorläufige Verschiebung des Gründungstermins, und der Umstand, daß Stresemann lezthin auf der Ausschußsizung des Handels­bertragsvereins erschien, um für die bisher bewiesene wohl. wollende Neutralität zu danken, geben allerlei Vermutungen Raum. Es wäre ja auch in hohem Maße sonderbar, wenn die Unter diesen Umständen erscheint allerdings der national­ungleichen Brüder sich so leicht vereinigen ließen. Sie haben liberale Syndikus, der vor ein paar Jahren den Zentral­zwar beide Welthandelsintereffen, aber diese sind doch von verband Deutscher Industrieller befehdete und jetzt, nachdem sehr verschiedener Art. Die schwere Industrie drängt nach er in dem von dem Landrat Rötger und seinen Freunden dem industriellen Kapitalerport. Sie will Ge- verlassenen Hansabunde eine führende Rolle gespielt hat, zur biete erobern, in denen die kapitalistische Wirtschaft erst mit lebernahme eines angenehm dotierten Postens in der Gesell­Hilfe der von ihr gelieferten Produkte erwedt werden soll. fchaft für Welthandel bereit ist, in einem sonderbaren Lichte. Sie ist die eigentliche Trägerin des Imperialismus, der seine Aber schließlich sind uns die Personalien Nebensache ,, und Hand auf Territorien legt, in denen mit deutschem Geld und bei allem Respekt, den wir vor der geschäftlichen Gewandtheit deutschem Material rentable und unrentable Bergwerke, nüß- des Herrn Stresemann haben, können wir, wenn die neue liche und überflüssige Eisenbahnlinien und so weiter angelegt Organisation wirklich zustandekommt, in ihm doch nur den merden. Daneben sucht sie natürlich auch Absaß in den Staaten wenn auch sehr geschickten Handlanger jener Bestrebungen alter tapitalistischer Kultur. Aber um hier konkurrieren zu erblicken, die darauf hinausgehen, die Bourgeoisie möglichst tönnen, muß sie billig liefern, und um das profitabler zu alle ihre wirtschaftlichen Gegensäße vergessen zu machen und den neuen Ländern so gut den vereinigen.

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Sammlungspolitik. geſtalten, beutet fie den deutschen Abfasmarkt durch hohe Zölle ſie im, Zeichen des Kampfes gegen die Arbeiterbewegung zu

An Organisationen, die sich die Förderung des deutschen Außenhandels zum Zwed gesezt haben, fehlt es nicht. Wir haben da, um von anderen zu schweigen, die Zentralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen, von der man allerdings nicht genau weiß, ob sie noch eriſtiert, ferner den Handels­vertragsverein und den Hansabund, und wir haben außerdem eine ganze Reihe von doppelstaatlichen Verbänden, wie den deutsch - russischen, den deutsch - österreichischen, den deutsch - fran­zösischen, den deutsch - argentinischen Verein und andere mehr, die gerade in diesen Tagen eine Art Kartell untereinander abgeschlossen haben. Welchen Einfluß diese Verbände auf die internationalen Wirtschaftsbeziehungen ausüben, läßt sich im einzelnen schwer feststellen. Glaubt man ihren Jahres­berichten usw., so ist er selbstverständlich enorm. Aber der Umstand, daß der mit so viel Hoffnungen gegründete Handels­vertragsverein doch eigentlich nur noch ein recht kümmerliches Dasein fristet, und daß der Hansabund den Versuch machen muß, sich durch Scharfmachereien gegen die koalierten Arbeiter die Gunst der Industriellen zu erhalten, läßt starke Zweifel wenigstens soweit die zentralen Verbände in Betracht kommen,

Frauentag.

Sonntag, den 8. März 1914, nachmittags 2 Uhr:

Oeffentliche politische Frauen- Versammlungen

in folgenden Lokalen:

als berechtigt erscheinen, und man kann sich des Eindruds nicht Arminhallen, Kommandantenstr. 58-59 erwehren, als ob die Organisationsfreudigkeit das deutsche Unternehmertum gegenüber den Blänen ehrgeiziger Stom- Happoldts Brauerei, Hasenheide 32-38

merzienräte und strebsamer Syndici recht kritiklos mache.

Dabei ist schon wieder eine Gründung im Berden, und Graumann, Naunynstr. 27

wenn das Schiff nicht noch bei der Einfahrt in den Hafen Süd- Ost, Waldemarstr. 75

fcheitert, wird es binnen furzem eine, Deutsche Gesell­

fchaft für Welthandel" geben. Allerdings soll sie Konzert- und Festsäle, Koppenstr. 29

Schweizergarten, Am Königstor Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10 Berliner Bockbrauerei, Chausseestr. 64 Frankes Festsäle, Badstr . 19 Pharus- Säle, Müllerstr. 142

Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24

Tagesordnung:

Heraus mit dem Frauenwahlrecht!

Alle Frauen sind eingeladen!

nicht wie die erwähnten Bereinigungen aus dem Nichts heraus geschaffen werden, sondern sich auf dem Zentralverband deutscher Industrieller und dem Bund der In­dustriellen aufbauen, die eine Art von Zweckverband ein­gehen und je eins ihrer Vorstandsmitglieder und einen ihrer Geschäftsführer zur Leitung des Unternehmens delegieren. Auch dieser Versuch, Bund und Zentralverband zu gemein­famer Förderung des Handels zusammenzuführen, ist nicht ganz neu. Schon im Jahre 1906 schlossen die beiden eine Interessengemeinschaft der zentralen industriellen Verbände" Für die Einberufer: Eugen Ernst , Lindenstr. 2. ab, der zwei Jahre später auch der Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie beitrat. Aus dem Schoße Da nicht der Der Anschlag des hier abgedruckten Plakats ist vom feßlich nicht verbotene Versammlungen". dieser Interessengemeinschaft wurde zunächst die Ständige geringste Zweifel darüber obwalten kann, daß es sich Ausstellungskommission für die deutsche Industrie" geboren, Berliner Polizeipräsidenten verboten worden! und man war auch drauf und dran, im Jahre 1908 eine Herr v. Jagow hat offenbar wieder einmal beweisen in dem obigen Plakat um nichts handelt, als um die An­Außenhandelsstelle zur Förderung des deutschen Exports" zu wollen, daß er doctor juris ift. Denn zweifellos gehört ein fündigung einer gefeßlich nicht verbotenen Versammlung, gründen. Aber gerade darüber kam es zu einem großen Krach, besonderer juristischer Scharfsinn dazu, um das Verbot der wird sich ob des Verbots der Platatierung sowohl des Fach­der zur Folge hatte, daß die Interessengemeinschaft aus dem Plakatierung zu begreifen. manns wie des Laien höchstes Erstaunen bemächtigen! Beim ging und daß der Bund der Industriellen den Bentral- Der§ 30 des Preßgesetzes bestimmt, daß in bezug auf Ja selbst wenn man sich einmal auf den Standpunkt verband sehr scharf attadierte, wobei der vom Geschäftsführer das Anheften von Plakaten das Recht der Bandesgesetzgebung stellen wollte, daß auch zum öffentlichen Anschlage derjenigen des Verbandes sächsischer Industrieller zum leitenden Geist des bis auf weiteres in Straft bleibt. Danach kommt der§9 des Platate, deren Anschlag nach§ 9 gestattet ist, doch noch Bundes der Industriellen avancierte nationalliberale Abge­früheren preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 in Frage, die polizeiliche Erlaubnis notwendig sei, so bliebe das ordnete Dr. Sttesemann der Rufer im Streite war. Die Gegensätze, die seinerzeit zur Loslösung eines großen der ausdrücklich Anschlagzettel und Plakate" zuläßt, die Verbot des Dr. jur. v. Jagow nicht minder rätselhaft! Denn woran könnte um alles in der Welt selbst der Teils der verarbeitenden Industrie vom Zentralverband ge- teinen auderen Inhalt haben, als Ankündigungen über ge- l

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