Nr. 72.
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Ericheint täglich.
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si muudagó
Vorwärts
Berliner Volksblaff.
31. Jahrg.
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Schluß
mit dem Rummel!
Das Kriegs- und Rüstungsgeschrei, das im Anschluß an den Petersburger Artikel der Kölnischen Zeitung" entstanden ist, wird nun bald aufhören müssen.
Es war ja recht bezeichnend für die permanente Unsicherheit des imperialistischen Zeitalters, daß ohne alle konkrete Veranlassung plöglich ein solcher Alarm entstehen konnte. Hatte man jahrelang den deutsch - englischen Krieg für unausbleiblich erklärt und Jahr für Jahr die Verstärkung der Flotte gefordert, wird jetzt Rußland für den kriegsbereiten Feind erklärt. Die Rüstungstreiber brauchen eben beständig einen Popanz, um die nötige Angst zu erzeugen, in der auch ihre wahnwitzigsten Forderungen bewilligt werden. Und die russische Gefahr" kommt den Chauvinisten der verschiedensten Länder recht gelegen. Die französischen Reaktionäre benutzen die Kampagne der deutschen Presse die" Post" und ähnliche Organe brachten ja schon flammende Aufrufe Präventivkrieg gegen Frankreich und Rußland um bei den bevorstehenden Wahlen die nötige Stimmung zu erzeugen und für das Dreijahrgesetz die Billigung der Wähler zu erhalten.
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Sonnabend, den 14. März 1914.
machen."
Und die„ Nordd. Allg. Ztg." schreibt ihrerseits:
Expedition: SW. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Mr. 1984.
deutsche Presse, anstatt verwickelte Voraussetzungen über, die hat, wie man dem Duell am besten zu Leibe rücken könne. Beweggründe anzustellen, von denen die russische Regierung Der Bundesrat indessen hat die Beschlüsse des Reichstags sich leiten läßt, indem sie an der Vermehung und Ver- so behandelt, wie zu erwarten war: mit einem satanischen vollkommnung ihrer Kriegsmacht arbeitet, Tich bemühen Hohn hat er die Wünsche der Volksvertretung zurückgewiesen, würde, Reibungen und Mißverständnisse glücklich zu be- und als seinen Willen defretiert: alles bleibt beim alten. seitigen, welche immer zwischen Nachbarstaaten, ob sie auch durch Welcher Regierung soll denn auch diese Reichstagsmehrheit lange währende Freundschaftsbande vereinigt find, entstehen imponieren? Diese Mehrheit, die ja den Kampf gegen die tönnen? Die deutsche Preffe beklagt sich über die Heze der russi- Auswüchse des Militarismus niemals ernsthaft geführt hatte, schen Presse gegen Deutschland . In dieser Beziehung kann man die jetzt aber nach ihrem schmachvollen Umfall in der Zabernnur sagen, daß unter den deutschen Publizisten eine nicht geringe Affäre dem militärischen Uebermut direkt die Türen weit und Zahl von Elementen vorhanden ist, die Rußland misgünstig ge- die Tore hoch gemacht hat. So ist es denn kein Wunder, daß, finnt find. Es folgt jedoch daraus nicht, daß die Re- während der Reichstag schwäßt, das Offizierkorps knallt, und gierungen Rußlands und Deutschlands die Absicht haben, über die Schüsse, die Ende Februar in Metz zwischen zwei Offizieren die Legende von der russisch- deutschen Freundschaft ein Kreuz zu gewechselt wurden, sind geradezu ein Schulbeispiel für die Absurdität des Duells. Ein„ Kamerad" verführt dem anderen die Frau in der Ueberzeugung, daß unter„ Kameraden" alles „ Die„ Petersburger Börsenzeitung" bringt einen Artikel in janz ejal" sei. Der Betrogene jedoch nimmt die Sache ernstSperrdruck, der sich über den hohen Stand der russischen Heeres haft und fordert den Schänder seiner Ehre mit dem Erfolge, einrichtungen verbreitet und deren offensive Kriegsbereitschaft daß er tot auf dem Plage bleibt. Das Zentrum hatte wegen neben der Erwähnung der friedlichen Tendenzen der Politik des dieses Vorfalls eine Interpellation eingebracht, die gestern Baren unterstreicht. Wir fühlen kein Bedürfnis, an dem gewiß im Reichstage zur Verhandlung kam. Gröber frágte und berechtigten Lobe des russischen Heeres Kritik zu üben, vermögen der Kriegsminister antwortete. aber auch feinen Grund zur Beunruhigung daraus Es ist merkwürdig mit diesen preußischen Kriegsherzuleiten. Vielmehr ist die Zuversicht begründet, daß dergleichen ministern! Je mehr man sich die neuen ansieht, desto besser auf den Ton friegerischer Ueberlegenheit gestimmte Erörterungen gefallen einem die alten. Das liegt weniger daran, daß die die guten Beziehungen der beiderseitigen Re- alten gut waren, als vielmehr daran, daß die neuen immer gierungen ebenso wenig stören fönnen, als schlechter werden. Herr v. Heeringen war sicher kein Heros es der unbegründete Alarmruf getan hat, der neulich in einer und den Beweis des Geistes und der Kraft ist er uns stets Petersburger Korrespondenz eines deutschen Blattes enthalten schuldig geblieben. Aber wie erfrischend wirkte es, wenn er war. Ueberhaupt wäre es verfehrt, eine entscheidende Bedeutung etwas schwerfällig sich zur Rednertribüne begab und offen für die Gegenwart darin zu erblicken, wenn sich von Zeit zu Zeit fagte, wie's ihm ums Herz war: ein Offizier, der ein Duell mit Hilfe von Tinte und Druderschwärze die alte grundsäglich ablehnt, tann nicht Offizier bleiben! Da war's Erfahrung bestätigt, daß durch nationalistische Erregungen heraus, rund und nett und man wußte, woran man war. Bei die feststehende Ehrlichkeit der offiziellen dem jezigen Kriegsminister dagegen wird man den Eindruck Friedenspoliti! au tompromittieren berjucht wird. nicht los, daß ihm das fehlt, was Bismard bei Miquel verWir stimmen mit der„ Rossija " gang darin überein, daß die Regierungen der beiden benachbarten Kaiserreiche nicht die Absicht haben können, über die Legende von der russisch- deutschen Freund schaft ein Kreuz zu machen."
Der forrupten zarischen Regierung wiederum, deren innere Politit immer größeren Widerstand findet, konnte die Anerkennung ihrer militärischen Stärke nur angenehm sein. Erleichtert sie doch ihre Stellung in der auswärtigen Politik und steigert die ihr so erwünschte Möglichkeit des Bluffens. beeilte sich auch die Anerkennung ihrer militärischen Bereitschaft zu unterstreichen. In der Petersburger Börsenzeitung" ließ fie ein Loblied auf ihre Leistungen anstimmen und vertünden, Rußland sei heute schon imstande von der defensiven zur offensiven Strategie überzugehen ein Selbstlob, das die liberale„ Retsch" freilich mit der fühlen Bemerkung ab. mißte: die pupillarische Sicherheit. Herr v. Falkenhayn machte tat, vor dem Striege mit Japan habe man dasselbe gelesen. in feiner nervösen Manierer fam aus dem Versprechen Und daß der Russenschreck dem Kruppzeug in Deutschland nicht heraus viele Worte, ohne doch das zu sagen, was dem und den schwedischen Konservativen recht gelegen kommt, ist erst recht selbstverständlich. Eine hübsche Fronie der Geschichte Ganzen vom militaristischen Standpunkte aus erit Rückgrat ist es dabei freilich, daß gerade unsere herrschenden Klassen, Damit erhalten die nationalistischen Kriegsheber eine und Leben gibt: nur wer sich duelliert, kann Offizier bleiben. die den Zarismus immer als Hort der Reaktion verehrten deutliche Absage, die, jo erfreulich sie ist, nur reichlich spät und so machten seine Ausführungen gerade durch das Blinund vor Väterchen nicht genug oft Rotau machen konnten, tommt. Wir allerdings verlassen uns weniger auf die zelnde, Halbe, Verkniffene den Eindruck des Unaufrichtigen. plötzlich denselben Zarismus als den Feind des europäischen Friedensbeteuerungen und Liebeserklärungen der Regierungen, ja, Herr v. Heeringen war ein braber Mann!- Friedens und als Stulturgefahr stigmatisieren. als auf den entschlossenen Friedenswillen des
die
eines Krieges
Doch das ist schließlich Geschmackssache und wir wissen In Wirklichkeit sind die russisch - französischen Anstrengungen Proletariats. Die russische Regierung weiß aus Er- sehr wohl, daß man dem Militarismus vom ästhetischen die Antwort auf die letzte große deutsche Heeresvermehrung fahrung, daß auf den Krieg die Revolution folgt und sie Standpunkt aus nicht kommen kann. Im Grunde war der und sie beweisen höchstens, wie nuslos und wahnsinnig das weiß, daß nach einem großen europäischen Zusammenstoß Kriegsminister gestern die gleichgültigste Person. Man wußte imperialistische Wettrüsten ist, eine Tollheit freilich, die die Revolution noch viel gründlicher aufräumen würde schon vorher, was er sagen würde, und da war es schließlich tapitalistische Methode ist und aus der der Kapitalismus als nach dem japanischen Striege. Und daß kein Pro- gleichgültig, ob er das grad und grob oder verhalten und feinen Ausweg weiß. Gerade die russischen Rüstungen zeigen letariat entsetzlichen Opfer eines oder verschmitt sagen würde. Viel interessanter war das Gebaren ja den Zusammenhang zwischen Finanz- und militaristischen gar die verbrecherische Frivolität eines Präventivkrieges der bürgerlichen Parteien. Und da war deutlich zu spüren, Interessen aufs deutlichste. Die französische Bourgeoisie hat stumpf und ergeben auf sich nehmen würde, das wissen daß zwischen den letzten Duelldebatten und der gestrigen ja die russische Rüstungsvermehrung direkt zur Vorbedingung und fürchten die Herrschenden aller Länder. Und deshalb der Schatten von 3abern lag. Dieses Rabern sollte ihrer Zustimmung zu den neuen russischen Anleihen gemacht. haben wir fühl und gelassen auch den letzten Rummel mitBei den letzten Konferenzen in Paris wurde nach einer Melangesehen. Gewiß die Kriegstendenzen des Imperialismus 3u einer Stataſtrophe des militaristischen Dünfels werden und dung des Radikal" direkt ausgemacht, daß jede Anleihe, sind stark und gefährlich. Aber gegen den Willen des Voltes es ist zu einer Katastrophe der bürgerlichen Parteien gedie einer wirtschaftlichen Eisenbahnlinie zugute ist ein Strieg heute überall ein ungeheures Wagnis, das die worden. Im Zusammenprall zwischen dem Rechtsstaate des tommen soll, einer Staatsanleihe entsprechen muß, die für Herrschenden taum auf sich nehmen fönnen. Die Völker Bürgertums und dem Ausnahmerecht der Offiziere ist das den Bau einer strategischen Eisenbahnlinie, für aber, die wollen feinen Krieg, sie wollen die Schaffung von telegraphischen Verbindungen oder für die Frieden und Freiheit! Herstellung von Straßen dienen soll. Es handelte sich dabei darum, die Mobilisation und die Konzentrierung der russischen Streitkräfte nach dem Westen hin zu organisieren. Die französische Regierung, die aus eigener Kraft mit den
Gegen
deutschen Rüstungen nicht mehr Schritt halten kann, benust die südafrikanische die südafrikanische Gewalttat.
Gewalttat. safe fagen lassen, daß er in der Bekämpfung des Duells
"
Offiziersrecht als Sieger hervorgegangen. Die bürgerlichen Parteien haben in der Zabernkommission selber dem Militarismus die Bügel gehalten und darauf verzichtet, dem Recht und dem Gesetz wieder zum Ansehen zu verhelfen. So war es denn kein Wunder, daß auch bei der gestrigen Duelldebatte die bürgerlichen Parteien vollkommen versagten. Herr Gröber, der Interpellant, mußte sich von unserm Genossen aber die Finanzkraft ihres Landes dazu, um sich in Rußland mehrere Pflöcke zurückgesteckt habe, obwohl er für die schärfedie mächtige militärische Unterstüßung zu erkaufen; zugleich London , 12. März.( Privattelegramm des Borren Forderungen eine Mehrheit im Reichstag finden würde. berlängert die bürgerliche Republik so die Lebensdauer des fluchwürdigsten Despotismus. wärts".) Das gemeinschaftliche Komitee der drei Zentralförper- Da aber diese Mehrheit nur mit der Sozialdemokratie zu Die Beunruhigung aber, die die internationale Presse- fchaften der britischen Arbeiterbewegung beschloß gestern, auf den haben war, so verzichtete das Zentrum auf die schärferen fampagne erzeugt hat, in der die Chauvinisten gegenseitig ihre 7. April einen allgemeinen Arbeiterfongreß einzu Forderungen und gab seinen eigenen früheren Standpunkt Geschäfte förderten, beginnt die langsame Erholung des Wirt- berufen. Der in London tagende Kongreß wird sich mit der südpreis. Herr van Galter nun gar, der Nationalliberale! schaftslebens zu stören. Sie stört zugleich die Reihe der Ver- afritanischen Frage befassen und weitere Schritte zur der Zaberninterpellation prägte: es ist zum Heulen! Er, der Auf ihn selber treffen die geflügelten Worte zu, die er bei handlungen, die zwischen den Mächten gegenwärtig über die unterstützung der südafrikanischen Arbeiter beschließen. Man hat Rehrer des Rechts an der Universität Straßburg ist, bekam Abgrenzung der fleinasiatischen Interessensphären geführt hier einen 24 stündigen Streit sowie den Boytott aller es fertig, für die Beibehaltung des Duells einzutreten! Nicht werden. Deshalb sehen sich endlich sowohl die. russische als die deutsche Regierung veranlaßt, der recht wild gewordenen füdafrikanischen Waren vorgeschlagen. Das gemeinschaft etwa bloß der studentischen Mensur, sondern des richtigHetze entgegenzutreten. Nachdem bereits der russische Minister liche Komitee ist der Ansicht, daß zwei Vertreter nach Südafrika gehenden Duells! Und das nennt sich liberal, und das nennt des Aeußeren sehr bestimmte Friedenserklärungen abgegeben gefandt werden sollen, die die Ansichten der organisierten Arbeiter sich Rechtslehrer! Genosse Wendel ließ sich die Gelegenheit hat, schreibt jetzt die Rossija " halbamtlich: Großbritanniens der südafrikanischen Regierung zu unterbreiten zur Kennzeichnung dieser politischen Knochenerweichung bei „ Worin bestehen denn die aggressiven Absichten hätten. den bürgerlichen Parteien nicht entgehen. Rußlands Deutschland gegenüber? Wir sind beim besten Genosse Macdonald, Vorsitzender der parlamentarischen Freilich! Indem die bürgerlichen Parteien die beborWillen außerstande, darauf zu antworten. Uns dient dabei als Fraktion und Seddon, Vorfizender des Gewerkschaftskongresses, Troft, daß auch in deutschen Zeitungsartikeln in dieser Hinsicht sind zu diesem Zwede in Aussicht genommen. Im ganzen Lande leine bestimmten Hinweisungen zu finden find. Wenn Rußland find bisher 70 Protestversammlungen abgehalten oder veranstaltet um die Entwidelung seiner Kriegsmacht bemüht ist, so tut auch worden, weitere 50 find in Aussicht genommen. Deutschland dasselbe, ohne dadurch seitens der russischen Presse Beschuldigungen hervorzurufen. Können denn die deutschen Zeitungen auch nur eine Großmacht nennen, welche erklärt hätte, daß sie ihre Kriegsmacht bis zur äußersten Grenze gebracht habe und feine weiteren Anstrengungen in dieser Richtung machen wolle? Die deutsche Presse selbst, wenigstens Nachgerade tommt es einem zum Salse heraus! Seit ihr größter Teil, weist aufs energischste die Zulässigkeit einer Jahren redet der Reichstag über die Beseitigung oder wenig Berringerung deg deutschen Flottenbauftens Einschränkung des Duells. Eine befondere Duell programms zurüd, wenn ein solcher Antrag von liberaler fommiffion hat er eingefeßt, die einen ganzen Berg von englischer Seite ausgehen sollte. Wäre es nicht beffer, wenn die Matulatur pardon: schäzbaren Materials!- produziert
Ehre erster Güte.
rechtigte Stellung des Offizierforps verteidigen, verteidigen fie im Grunde nur ihre eigene beborrechtigte Stellung. Das Kommiß sagt für den Gemeinen. Denn selbstverständlich Gesetz gilt nur für die Kanaille oder wie man beim denkt kein Kriegsminister und kein Universitätsprofessor daran, nun etwa auch dem einfachen Soldaten das Recht einzuräumen, mit der Waffe in der Hand von dem Schänder seiner Ehre Genugtuung zu verlangen. Dann wehe den Soldatenschindern! Das Duell ist ein Vorrecht und als folches der beste Beweis dafür, daß es keine elendere Phraie gibt, als die Gleichheit aller vor dem Gesetz. Bei den normalen Fällen begnügt man sich, das Gesez zugunsten der herrschenden Klassen zu biegen- Klassenjustiz, hier aber muß man es ganz offen und schamlos brechen.