Nr. 111.
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Ericheint täglich.
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
31. Jahrg.
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Genossen und Genossinnen!
Das arbeitende Volk muß gerade in diesem Jahre die Maifeier zu wuchtigen Kundgebungen gestalten, denn die Reaktion wütet schlimmer als seit langer Zeit. Mit Hohn sind in den letzten Jahren die Forderungen nach mehr Schuh und Hilfe für die Arbeiter, ihre Witwen und Waisen zurückgewiesen worden.
Freitag, den 24. April 1914.
Der mexikanische Krieg.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplah, Nr. 1984.
gen Merikanern zu unterscheiden und hoffe, daß die Konstitutio= nalisten seine Handlungen nicht mißdcuten würden.
Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Washington , 23. April. Der merikanische Geschäftsträger Algara hat seine Bässe erhalten. Er wird heute Nacht oder morgen früh abreisen.
Die Amerikaner haben drei Meilen von Veracruz landeinwärts befindliche Schanzwerke eingenommen. Die Stimmung in Merifo.
Die Rebellen gegen die amerikanische Invasion. Wenn Herr Wilson sich der Hoffnung hingegeben haben sollte, es nur mit Huerta zu tun zu bekommen, so hat diese Hoffnung getrogen. Ob aus eigenem Entschluß oder nur durch die den Amerikanern feindliche Stimmung in ihrem Lande gezwungen, müssen sich auch die Rebellenführer Jum fünfundzwanzigsten Male rüstet das klaffen- gegen die amerikanische Invasion wenden. Der Rebellen- Amerikaner in Veracruz und das Gerücht von der Langeneral Carranza hat an den Präsidenten Wilson eine dung in Tampico hat hier lebhafte Bewegung und einen bewußte Proletariat zur Feier des 1. Mai. Erklärung gesandt, in der er den Standpunkt der Insurgenten tiefen Eindruck hervorgerufen. Gestern nachmittag wurden alle Geschäfte geschlossen, weil ernste Ereignisse befolgendermaßen kennzeichnet: Während die Stellungnahme des Kongresses zu der Botschaft fürchtet werden, Manifestanten durchziehen mit o chWährend die Stellungnahme des Kongresses zu der Botschaft Wilsons erwartet wurde, jeien gewisse feindselige Alte in rufen auf Huerta die Straßen der Stadt und rufen: Veracruz vorgekommen, welche die Insurgentenregierung nicht Tod den Amerikanern! Bisher ist die Bevölkerung dem merikanischen Volte Frieden zu halten, Ausdrud gegeben habe. neter Macht bewacht. von einer Regierung erwartete, die wiederholt ihrem Wunsche, mit ruhig. Die amerikanische Gesandtschaft wird von bewassneter Macht bewacht. Die amerikanischen Konsuln habent ihre Landsleute aufgefordert, abzureisen; auch mehrere Carranza erklärt weiter: mit der Uebersendung dieser Note Deutsche haben die Stadt verlassen, indessen besteht kein erfülle er eine patriotische Pflicht, indem er kein ehrliches Mittel Grund zu Befürchtungen für die europäischen unversucht lasse, bebor beide Völker ihre friedlichen BeKolonien. ziehungen abbrächen. Das merikanische Volk erkenne den Die Verlustlijte. Usurpator Huerta nicht an. Dieser jei nicht befugt, Genugtuung zu fordern oder zu verbürgen. Seine ungeseßlichen Handlungen der Einnahme von Veracruz seien 12 amerikaner ge New York , 23. April.. Konteradmiral Badger berichtet: bei würden von den konstitutionalistischen Gerichten unbeugiam verfolgt werden. Der Einfall in unser Gebiet, fährt Carranza fort, tötet und 50 verwundet worden. und das Verbleiben Ihrer Truppen in Veracruz sind eine VerFlüchtlinge. Washington , 23. April. Wie aus Tampico gemeldet wird, Leung unserer Unabhängigkeits- und Souve ränitätsrechte. Sie wird uns in einen ungleichen Krieg sind im Laufe des heutigen Tages 1200 amerikanische verwickeln, den wir bis heute zu vermeiden wünschten. Am Schlusse Flüchtlinge an Bord der amerikanischen Schiffe gebracht wor fordert er den Präsidenten Wilson auf, die Feindseligkeiten ben. Die Ankunft weiterer Flüchtlinge wird für morgen erwartet. einzustellen, den amerikanischen Truppen die Räumung von Veracruz zu befehlen und seine Forderungen für die Vorgänge in Tampico der konstitutionalistischen Regierung von Veracruz zu formulieren, welche sie im Geiste der Gerechtigkeit und Versöhnung prüfen werde.
Wo immer die Forderung auf Verkürzung der Arbeitszeit gestellt worden ist, stets erfolgte schroffe Ablehnung.
Die wirtschaftliche Krise hat Zehntausende zur Arbeitslosigkeit verurteilt und dadurch zahllose Familien der ärgsten Not ausgeliefert. Die geforderte Arbeitslofenfürsorge wurde von der Reichsregierung und der bürgerlichen Reichstagsmehrheit unter nichtigen Vorwänden abgelehnt.
Die Gewerkschaften, die Helfer und Schützer der Arbeiter, werden in der gehäfigsten Weise verfolgt. Die Unterstellung der Gewerkschaften unter das Vereinsgeseh und die Verfolgung der Arbeiterjugend find ebenso deutliche Zeichen des Wirkens der Reaktion, wie die gewaltsame„ Erhebung" der Krankenkassenangestellten in den„ Beamtenstand" und die in den Parlamenten aufgestellte Forderung der Zertrümmerung des Koalitionsrechts.
die
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Die neue Vorschrift über den Waffengebrauch.
II.
Diese Erklärung hat in Washington begreiflicherweise eine sehr unangenehme Ueberraschung herborgerufen. Handeln die Rebellen nach ihrer Erklärung, so In einem gefitteten Staatswesen dürften für den WaffenAusdehnung eines großen Krieges annehmen müssen, zu den gebrauch des Militärs lediglich und ausschließlich die Bewürde die ursprünglich geplante Intervention sehr rasch die die Vereinigten Staaten zunächst auf keine Weise gerüftet ſtimmungen der Geseze gelten, mit der Maßgabe, daß diese sind. Und fast scheint es, als würden die Rebellen ihren in jedem Falle einschränkend auszulegen sind und daß schlechthin jede Ueberschreitung seiner gesetzlichen Befugnisse den Worten entsprechend bereits handeln. Das amerikanische Täter wie den Befehlenden strafbar macht. Es bedarf daher Kriegsamt teilt mit, daß sich die Rebellen bei Zam besonderer Ausführungsbestimmungen nicht, ja dieje find immer pico bereits mit den Anhängern Huertas gefährlich, weil sie leicht den Wortlaut, den Geist, die Ausgegen die Amerikaner vereinigt haben. Das legung der Geseze fälschen können und in diesem Falle dem muß nun allerdings die bisherigen Pläne der Vereinigten Richter gegenüber ungültig sind. Unter Umständen können fie Schwere Bestrafungen ehrlicher Arbeiter, Staaten über den Haufen werfen. Statt als die Herren auf- sogar denjenigen, der für sie verantwortlich zeichnet, als AnStreikbrecher beleidigt haben sollen, sind an der zutreten, die im merikanischen Bürgerkriege die Entscheidung stifter selbst strafbar machen. für die eine oder die andere Partei fällen könnten, sehen sich In Preußen wählt man aus leicht erklärlichen Gründen Tagesordnung. Die Freisprechung von Streikbrechern, die Herren Wilson und Bryan nun selbst vor die Entscheidung für das Heer diesen Weg nicht; denn man will eben, daß Offizier und Soldat sich letzten Endes nicht vom Geseze die organisierte Arbeiter erschossen oder erstochen gestellt, ob sie dem imperialistischen Treiben der Truſt- sondern vom Befehle abhängig und nicht dem Richter, magnaten nachgeben und ihr Land in einen langwierigen sondern dem Vorgesetzten verantwortlich fühlen. Wenn in haben, ruft immer von neuem Empörung hervor. und opfervollen Krieg für rein kapitalistische Raubinteressen dem vornehmen England der leitende Minister offen aus Die Militärdiktatur wird immer dreister. Das stürzen oder ob sie im letzten Moment sich aus dem leichtsinnig sprechen durfte frei von jeder Besorgnis, damit die ZuchtGeschrei nach weiteren Rüstungen immer unerträglicher. begonnenen Abenteuer zurüdziehen wollen. Ein Rück- losigkeit im Heere großzuziehen, daß der Soldat nur verzug, der ihnen und ihrer Partei die Herrschaft kosten fann, nünftigen Befehlen zu gehorchen habe, so kommt dem Bis an die Zähne bewaffnet stehen die europäischen aber der immer noch ehrenvoller und für das Land segens- preußischen Militarismus dieser Gedanke ganz ungeheuerlich Großmächte in zwei Dreibünden sich gegenüber, und reicher wäre, als der Krieg für die Trustmagnaten. Für vor. Der deutsche Soldat hat auch dem gefeßwidrigen und in der gewissenlofesten Weise wird die Verhegung der Herrn Wilson ist es freilich ein hartes Erwachen aus seinen dem ehrenrührigsten Befehle stumin zu gehorchen Friedensträumereien. Aber so ist nun einmal die kapitali- dem, einen Spudnapf auszusaufen. Völker durch die kapitalistischen Kriegsinteressenten stische Wirklichkeit. und ihre Söldlinge betrieben.
Arbeiter,
heraus zum Protest!
Wuchtig und eindrucksvoll müssen am 1. Mai die Arbeiter demonstrieren für durchgreifenden Arbeiterschutz, für Erweiterung des Koalitionsrechts, für Demokratisierung des Heeres, für gleiches Wahlrecht, für den Völkerfrieden!
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sogar
Von diesem Gedanken ebenso wie von dem des unbedingten Vorranges des Uniformträgers gegenüber den einfachen Bürger und dem„ Volfe" ist der erste und zweite AbWashington, 23. April. Die Nachricht, daß Car - schnitt der neuen Vorschrift erfüllt. In dem ersten Teile wird zunächst das Gesek vom 20. März ranza die Besetzung von Veracruz als einen feindlichen 1837 fajt wörtlich wiedergegeben allein ein Beweis für die Akt gegen die merikanische Nation betrachtet, hat in hiesigen Ueberflüssigkeit dieser Verordnung. Man hat viel darüber amtlichen Areisen sehr überrascht, da Präsident
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Wilson zuvor erklärt hatte, daß die Feindseligkeiten nicht gestritten, ob dieses Gesez angesichts des Artikels 36 der gegen das merikanische Volf gerichtet jeien. Die ameri- preußischen Verfassung noch giltig sei ich bin der Ansicht, fanische Regierung hatte gehofft, daß die merikanischen In- daß man hierüber hinweggehen darf, weil es nichts liversurgenten sich nicht in die Verwickelungen einmengen würden. nünftiges sondern im wesentlichen Selbstverständliches bestimmt, Abgesehen von der Besetzung von Veracruz beabsichtigt die nämlich, daß das Militär- wohlverstanden, wenn es zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe Regierung kein Vorgehen, doch geben Persönlichkeiten, gegen einen tätlichen oder ernstdie das Vertrauen der Regierung besigen, zu, daß ein 3u- und Sicherheit austritt sammenwirken Suertas und Carranzas jeder- lich drohenden Angriff zu den Waffen greifen darf, und zeit die Pläne der amerikanischen Regierung daß auch die Schildwachen zum Schutze ihrer Bewachung anbollständig ändern kann. In amtlichen Streifen dienen dürfen. Hiernach ist zum Beispiel feineswegs jeder, In amtlichen Streifen vertrauten Personen" sich der Waffen nötigenfalls beMillionenstimmig muß es den Herrschenden am wird der Umstand, daß Huerta D'Saughnessy seine dienen dürfen. Hiernach ist zum Beispiel feineswegs jeder, Bässe zustellte, als einleitender Schritt zu einer Kriegs- bor einer Stajerne stehende, Posten berechtigt, gegen randalierende und selbst gegen schimpfende Ansammlungen einzuschreiten. erklärung ausgelegt. Somit stellt sich der erste Teil inhaltlich zunächst lediglich als Ein Beschwichtigungsversuch. eine Ergänzung des zweiten und des dritten Teils dar-- Washington, 23. April. Die Note General Carranzas hat eine man sieht, welche Konfusion in der Arbeit des unfähigen VerMitteilung des Staatsjetretärs Bryan hervorgerufen, in fassers dieser Verordnung herrscht. Sehr bedenklich ist die der es heißt: Präsident Wilson habe nicht gewünscht, daß eine im Gesetz von 1887 fehlende, aber recht scharfmacherische Be Resolution angenommen werde, die als eine Ermächtigung zum ſtimmung, daß der Soldat keine Entschuldigung für die NichtBeginn eines Arieges gedeutet werden könnte. Ferner betont erfüllung seiner Pflicht finde, wenn er den gesetzlich bestimmten Bryan darin von neuem Wilsons Freundschaft für die Gebrauch von seinen Waffen nicht rechtzeitig und Megitanefund sagt: Präsident Wilson fei sorgfältig darauf bollständig gemacht hat. Natürlich liegt für den bedacht gewesen, zwischen den Anhängern Huertas und den übri- Militarismus der Nachdruck auf diesen beiden Morten.( Es
1. Mai erneut in die Ohren gellen:
Her mit dem Achtstundentag! Es lebe der Völkerfrieden!
Der Parteivorstand.
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