Nr. 30.
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Vorwärts
11. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Dienstag, den 6. Februar 1894.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
gesehene Persönlichkeit" soviel Unsinn zusammenschwätzen Dies benützte der Abgeordnete Bebel, um die bekannte"
Hinterkreppen- Politik.. So lange wie der Exhausmeier in Deutschland seine Beschwerden über die Verzögerung der Ausführungsbestim Seit Monaten rumort es in den konservativen Gesell- Gewalthe haft führte und Tag aus Tag ein einen be- mungen vorzubringen und zugleich die Frage zu stellen schaftsschichten. Alle Leute, denen eine gute Einnahme aus trächtlichen Theil seiner Zeit mit der Unterfertigung von wann denn endlich die Sonntagsruhe für die industriellen Grundbesitz und wirthschaftlichen Großbetrieben aller Art Strafanträgen wegen Beleidigung seiner werthen Persön- Betriebe eingeführt werden soll? Herr Bötticher wußte die Ueberzeugung verschafft hat, daß sie die unentbehrlichen lichkeit hinbrachte, so lange es noch Denunziationen wegen tausend Gründe dafür beizubringen, warum das bischen Stützen der Gesellschaft sind, fühlen sich in ihren heiligsten Majestätsbeleidigung regnete und die Denunzianten als Sonntagsruhe noch nicht durchgeführt sei; den einzigen Empfindungen gekränkt, seitdem die Wirthschaftspolitik des patriotische Ehrenmänner von den Hurrahphilistern gefeiert wirklichen Grund, der die Durchführung verzögert, nämlich neuen Kurses eine Ermäßigung der Bölle auf Lebensmittel wurden während dieser ganzen Zeit hat der briefschreibende den Widerwillen der Unternehmer-wollte der Minister in Aussicht stellt. Führt eine solche Politik doch eine Schmä- getreue Ekkard in Wohlfein geschwelgt. Da hat er teine nicht gelten lassen.
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Lerung des Tributs herbei, den besagte Gesellschaftsstügen trüben Ahnungen von bevorstehenden Ratastrophen gehabt. Die Herren Stumm, Möller und Rösicke versicherten durch geschickte Handhabung der Klinke der Gesetzgebung für Jetzt aber, da wenigstens der eine ungeheure Fortschritt das Haus wiederholt ihrer und ihrer Erwerbsgenossen sich aus den Taschen der Steuerzahler zu erpressen wußten. So gegen früher zu verzeichnen ist, daß die Vertreter der Sympathien für Arbeiterschutz, Gewerbe- Inspektion u. s. w. murmelt und grummelt es denn unaufhörlich in der kleinen, Reichsregierung ihre Gegner nicht mehr mit vergifteten Wenn in dieser Beziehung bei uns noch nicht mehr ges aber mächtigen Partei, die um Thron und Altar geschaart, Waffen bekämpfen und ihnen in bezug auf die Form des schehen, so liege das an der Abneigung der Arbeiter allen anderen Leuten ohne Ar und Halm mit zürnendem politischen Kampfes nur vorzuwerfen wäre, daß sie hin und gegen alle derartigen Maßnahmen. Von den anderen Parteien monirten nur die Redner Eifer das Evangelium von der denkscheuen Unterthanen- wieder durch Beleidigungsklagen in die üblen Gewohnheiten haftigkeit zu predigen pflegt. Doch wie sehr sie auch ihrer Vorgänger zurückverfallen, jetzt stoßen die Palastreptile des Zentrums die standalöse Verzögerung der Durchführung murmeln und grummeln, die Privilegirtesten des Landes, ihre Unkenrufe aus. Wir wissen nicht, ob dieser jüngste Unken- der Bestimmungen über die Sonntagsruhe. Der Versuch des Abgeordneten Wurm, die Fabrikin ihrer angeborenen und anerzogenen Lakaienhaftigkeit zuf die gewünschte Wirkung ausüben wird, und es ficht uns bemühen sie sich unablässig durch Hintertreppen- Intriguen bas jedenfalls herzlich wenig an. So oder so: für den Ver- inspektoren- Berichte bei dieser Position zur Sprache zu ihre Intereffen zur Geltung zu bringen. Mag der lauf unserer Bewegung ist es recht nebensächlich, was die bringen, scheiterte an der Geschäftsordnung. Aufgeschoben König absolut sein, so lange er ihnen nur den Palastintriguen zu stande bringen, das jedoch können wir ist indeß nicht aufgehoben, und was unser Genosse heute Willen thut. Von Beit zu Zeit fommt von diesen Hinter dem Urheber des Unkenrufs versichern: die Katastrophe, die nicht vorbringen fonnte, bleibt deswegen dem Reichstage treppenmanövern etwas an das Tageslicht. So veröffent er fürchtet, tommt unter allen Umständen einmal. Wäre doch nicht geschenkt. licht jetzt die N. Bayer. Landesztg." einen Brief, den eine aber die Bismarckerei weiter gegangen, so wäre die Friktionen sollen im preußischen Ministerium vor„ in Preußen angesehene Persönlichkeit" kürzlich an den Ratastrophe früher und in gewaltsameren Formen ein- gefallen sein, der Justizminister sollte durch den UnterrichtsPrinzen Albrecht gerichtet und den dieser zur Kenntniß des getreten, und eine solche Möglichkeit würde wieder herauf- minister, dieser durch den Grafen Udo von StolbergKaisers gebracht haben soll. Der Brief enthält u. a. beschworen werden, wenn es zu einer Bismarckerei in zweiter Wernigerode ersetzt werden. Jetzt wird alles wieder folgende Säge: Auflage täme. dementirt, kann aber deshalb doch wahr gewesen sein.
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Politische teberlicht. barunter Anbetung des goldenen Kalbes und der Raketen
Berlin, den 5. Februar.
Ueber Mannesmuth vor Königsthronen leitartikelt jetzt das nationalliberale" Preßtosakenthum und versteht tifte und Bauchrutscherei vor dem deutschen Kaiser mit der in Demuth ersterbenden Bitte, er möge doch als„ Rönig absolut" die Raketenkiste zum Altar des goldenen Kalbes machen, und ein Knebelgesetz einführen, das den„ mannesmuthigen" Anbetern des goldenen Kalbes„ vor Königsthronen" Ruhe gewährt.
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Es scheinen in der Umgebung Seiner Majestät Männer nicht vorhanden zu sein, die Seine Majestät über die geradezu erbitterte Stimmung der weitesten tonservativen und nationalen Kreise aufklären mögen, oder es nicht zu thun wagen. Wenn es Euer Königlichen Hoheit nicht gelingt, Wandel zu schaffen, so tann eine Ratastrophe früher oder später nicht ausbleiben. Wo ist der Retter zu finden in unserer Aus dem Reichstag . Was seit Jahren nicht das Zeit, die leider nicht viel nach fittlichen Grundfäßen fragt, gewesen, geschah heute, das Gehalt des Staatssekretärs des umsomehr sich aber vom augenblicklichen Schein und Vortheil Innern, Minister von Bötticher, wurde ohne jede Disblenden läßt!? Vergnügt ist in Deutschland lediglich das fussion bewilligt. Trio der Juden, Freisinnigen und Sozialdemokraten. Die Um so lebhafter gestaltete sich die Debatte über den Landwirthschaft steht vor dem Ruin; in der Justiz ist das Antrag Stumm, den von der Kommission abgelehnten neuen in einem ausführlichen Artikel seine Schilderung eines Kamerun . Das Berl. Tageblatt" veröffentlicht heute Judenthum in erschreckender Weise eingedrungen, die evangelische Direktor für das Reichsamt des Junern zu bewilligen. In deutschen Kolonisten über die Unruhen in unserer Kolonie, Kirche ist geschwächt, wenn nicht machtlos. Die Majestätsbeleidigungsklagen mehren sich in bedenklicher Weise. Selbst der Kommission wurde der Posten durch Konservative und mord und Wahnsinn nehmen überhand. Und das alles wollen Bentrum zu Falle gebracht, heute fielen die Konservativen die vollkommen bestätigen, was wir schon früher auf grund gewisse Leute als künstliche Mache, als Demagogie bezeichnen. wieder um, und so wurde der Posten mit großer Majorität englischer Berichte veröffentlichten. Wir entnehmen dem interessanten Artikel die folgenden Stellen: Der Herzenserguß dieser in Preußen angesehenen angenommen. Persönlichkeit" kann auf uns nur einen erheiternden Ein- Beim Eintreten für die Position wies der Minister druck machen. Betrübend kann es höchstens auf unsere Bötticher auf die Häufung der Arbeiten im Reichsamte Musterpatrioten wirken, wenn sie sehen, daß eine an- durch die Vorarbeiten für Einführung der Sonntagsruhe hin.
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
Helene.
( Alle Rechte vorbehalten
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Und bald dachte sic an nichts anderes mehr, als sich immer verführerischer vor diesen Männern zu entfalten, obwohl sie ihre Verworfenheit kannte.
Wie sie das innerlich verwüstete und verdarb! Sie warf die Hände vor ihre Augen, streckte sie aber sofort mit einer Geberde des Abscheus weit von sich. Roman in zwei Bänden von Minna Kautsky . Pfui, ihre Hand, die der Alte mit den welken, zitternWeshalb brennen die Kerzen in jener Ecke? den Lippen berührt hatte, roch nach Verwesung... Sie Woher rührt dieser fade, widerliche Geruch, der ihr rieb mit dem Tuche darüber hinweg,- wird sich das entgegenströmte? jemals verwischen lassen? Da sind Blumen- Blumenduft ist's.
Aber weshalb sollte sie so empfindlich sein? War es Sie will sich beruhigen, aber ihre Beine beginnen zu zittern, während ihre Augen unverwandt nach dem nicht flüger, die Lüfternheit des Ministers zu benutzen, tleinen schwarzen Kasten blicken, der von Blüthen fast über- um
deckt ist.
Damit einem Satz ist sie an der Stelle und beugt sich darüber.
Da ruht ihr Kind Blumen?
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es schläft
warum unter
Sie sieht in das kleine Gesicht. Es ist so grau- ein nichts- lebloser als eine Puppe.
Langsam hebt sie die Hand und streicht darüber hin
weg falt, todt!
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daraus für den eigenen Mann Vortheil zu schlagen? Er erwartete es von ihr, die er als ein völlig unnüzes Geschöpf betrachtete, daß er bisher umsonst gefüttert pfui pfui, pfui!"
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Ein blendender, das ganze Firmament in Feuer tauchender Blitz fuhr im Zick- Bad hernieder, dem ein dröhnender Donner folgte, und sich duckend vor dem Bliz, erzitternd unter dem Donnerschlag streckt sie doch die Hände gegen den Himmel empor:
,, Tödte mich", ruft sie wie im Wahnsinn, sonst muß
Sie weiß es, aber sie kann es nicht faffen und immer ich es thun!" noch blickt sie darauf, bis Schauer sie überrieseln, bis die Todestälte ihr bis ans Herz dringt und sie bewußtlos zu
Boden stürzt...
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Langsam rollt ihr die Thräne über die blaffe Wange
fie wischt sie nicht ab.
Wie war sie damals so unglücklich, so innerlich gebrochen gewesen, die fürchterlichste Leere im Herzen. Aber dieses Herz war noch jung und es erwachte zu neuer Kraft und verlangte nach Freude und Glück. Glück? wo dachte sie's denn zu finden?
Sie ward in die Gesellschaft eingeführt... Theater, Bälle, Konzerte- welch' neue Lockungen und Reizungen! Sie sieht sich in Put und Schimmer, mit nackten Schultern und Armen sie war schön und freute sich dieser Schönheit.
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Sie kann nicht länger leben- fie will nicht sie fühlt sich zu tief entwürdigt- der Ekel ist da, der Etel vor anderen und vor sich selbst... Sie ist eine Schuldige, oder will sie's ableugnen, daß Morre's flammende Blicke
ihr Blut entzündet haben?
Das deutsche Gouvernement hatte auf gehört zu existiren, wenigstens auf der Joßplatte. Hier hausten jezt die Rebellen und plünderten und raubten nach Herzenslust.
wer wird überhaupt nach einem solchen Nichts fragen, wie sie es gewesen!?
Und warum will sie auch nur einen Augenblick länger dies erbärmliche Dasein ertragen?
Einige Schritte von hier, in ihrem Schranke, verwahrt fie ein Fläschchen mit Morphium, 10 Tropfen hat ihr der Arzt verordnet, sie wird es auf einmal leeren und alles ist vorüber.
Sie will sich erheben, aber ihre Glieder sind von dem inneren Kampfe wie gelähmt, und sie bringt es nur zu einer händeringenden Geberde der Verzweiflung.
Ihr Stuhl schaukelt leise, und in plöglicher Ermattung läßt sie sich wieder in denselben zurückfallen. Ja, so hatte sie sich bisher immer einlullen lassen von Trägheit und Feigheit wird es jetzt auch so sein? Blöglich zuckt fie zusammen, ihre Augen vergrößern sich, sie beugt sich vor und horcht.
Sie hat leise, vorsichtige Schritte vernommen und wie fie jetzt aus ihrem dunklen Winkel durch ein auf den Balkon gehendes Fenster in die erleuchtete Stube hinein blickt, sieht fie einen Schatten die Wände entlang gleiten. Es ist Morre.
Ihr stockt das Blut.
So weit ist's gekommen! Nächtlicherweise schleicht man sich zu ihr, wie zu einer Dirne das ist das Ende von Allem. Die Schritte nähern sich der Thür- im nächsten Augenblick wird er an ihrer Seite sein.
Sie denkt nicht mehr und folgert nicht, in Wellen fluthet Sie fühlt ihn wieder, wie er sich über sie hinbeugt, fie es ihr zum Herzen, ein Zittern überfällt fie, sie erivartet fühlt seinen Athem- und sie sträubte sich nicht denn verlangte nach ihm...
fie
er
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Und Er hat es gesehen Konrad!! Wie schlecht muß jetzt von ihr denken! Wie tief fie verachten-! Ihr Gesicht verzerrt sich in bitterster Seelenqual. Dann wirft sie wie im wildesten Troy, der nach nichts mehr fragt, den Kopf zurück.
Was liegt daran! Wenn sie todt ist, wird sich niemand darum bekümmern, ob sie gut oder schlecht war,
ihn wie ein Berurtheilter den Todesstreich.
Da zuckt ein rothflammender Blitz gerade vor ihr gera nieder, und Blitz und Schlag sind eins.
Das Haus erzittert in seinen Mauern, während sie in halber Bewußtlosigkeit in den Sessel zurückstnkt. mit ge= schlossenen Augen.
Aber gleich darauf reißt sie sie wieder auf, von dem Feuerschein geblendet.
Ter Blitz hat eingeschlagen und gezündet.