chen an, die im Prozess des Kontextualisierens und Verstehens ihre Politisierung initiiert haben. Widersprüchliche Emotionen ergaben sich z.B. aus den eigenen Erfahrungen innerhalb der Community und verinnerlichten Perspektiven von außerhalb auf die eigene Community. Die Kontextualisierung dieser widersprüchlichen Emotionen auf einer gesellschaftlichen sowie strukturellen Ebene durch das Studium beschreibt Nguyễn als einen sehr befreienden Moment. Die Diskussion zeigte Bedarfe nach einer generationsübergreifenden Vernetzung sowie einer Vernetzung über Staats- und Community-Grenzen hinweg. Hierfür bedarf es mehr Räume, niedrigschwellige Begegnungsorte als Orte des Zusammenkommens, des Austauschs und der Politisierung. Digitale Formate würden dabei einen intergenerationalen Dialog und Austausch mit Menschen ermöglichen, die nicht mehr in Deutschland sind. Darüber hinaus können existierende Räume wie Kulturvereine als Räume wahrgenommen werden, in denen Zugänge zu Geschichte(n) und Communitys geschaffen, offene gesellschaftsrelevante Fragen gestellt und gesellschaftshistorische Gespräche geführt werden. Zentral für den Austausch und die Vernetzung sind dabei geschützte Räume, die einen selbstbestimmten und differenzierten Umgang mit Geschichte und Gegenwart ermöglichen. Für die Umverteilung gesellschaftlicher sowie politischer Ressourcen und Machtverhältnisse bedarf es der Schaffung von Zugängen. Nguyễn schloss dabei mit der Erkenntnis ab, dass Gedenken Gegenwartspolitik ist und appellierte dafür, die Wissenschaft zu migrantisieren: Die Wissenschaft migrantisieren, heißt nicht nur, das Wissen von migrantischen und BIPoC Communitys in die Wissenschaft zu tragen, sondern auch die Zugänge in der Wissenschaft zu migrantisieren und[die Wissenschaft] auf die Bedürfnisse und die Wissensformen von migrantischen Communitys und BIPoC anzupassen. Migrantische Gedenk- und Erinnerungsarbeit steht im Zusammenhang mit dem Anspruch und der Forderung, die Kontinuitäten und Diskontinuitäten migrantischer Kämpfe sichtbar, migrantische Lebensrealitäten durch das Aufarbeiten der Geschichte verständlicher und greifbarer zu machen und bewusst Position für die Unterstützung von unterdrückten und rassifizierten Menschen in der Gegenwart und Vergangenheit einzunehmen. 100 5. Workshops Zu den Workshops In den drei parallel laufenden Workshops ging es darum Austauschräume mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu schaffen: Im ersten Workshop ging es um den Umgang von Forschung – der Forschenden sowie Forschungsinhalten und -ansätzen – mit marginalisierten Communitys; der zweite Workshop stellte einen Netzwerkraum für unterschiedlich positionierte Migrant_innen und BIPoC dar; der dritte Workshop bot einen Raum für die Analyse von bestehenden Allianzen und stellte die Erwartungen an zukünftige Allianzen zur Diskussion. Im Folgenden werden die drei Workshops zusammengefasst. Tagungsteilnehmende in der Pause im Austausch miteinander 101
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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