von Rom_nja und Sinti_ze geprägt von einem Anwachsen rassistischer Gewalt, Prekarisierung, Entrechtung, dem Überleben in autokratischen bis hin rechtsextremistisch orientierten Regimen und den andauernden Bleiberechtskämpfen. Sie sind jedoch auch geprägt von einem neuen Selbstbewusstsein und einer neuen Sichtbarkeit im politischen Kampf um Menschen- und Minderheitenrechte. Rom_ nja und Sinti_ze sind hierbei oftmals, wie es Ceija Stojka schon 1995 formulierte, die„treibende Kraft“. Daran erinnert und dafür steht das RomaniPhen Archiv. Literatur: Europäische Kommission. Ethnic Minority and Roma Women in Europe: A case for gender equality? Luxemburg: Publications Office of the European Union, 2008. Europäisches Parlament. Aspekte der ökonomischen Situation von Romafrauen. Brüssel: Europäisches Parlament, 2005. Europäisches Parlament. Empowerment of Roma Women within the European Framework of National Roma Inclusion Strategies. Brüssel: Europäisches Parlament, 2013. Fings, Karola und Jonuz, Elisabeth.„’Ich atme es ein und aus’. Ein Interview mit Ceija Stojka.“. In Jekh Chib: Mit einer Zunge reden. Materialien zur Situation der Roma in der BRD, 4. Köln: Rom e.V., 1997. Jonuz, Elizabeta und Weiß, Jane.(Un-)Sichtbare Erfolge. Bildungswege von Romnja und Sintize in Deutschland. Wiesbaden: Springer VS, 2020. Randjelovic, Isidora.„’Show me your archive and I will tell you who is in power.’ Das Feministische Archiv RomaniPhen.“ In Viele Kämpfe und vielleicht einige Siege. Texte über Antiromaismus und historische Lokalrecherchen zu und von Roma, Romnja, Sinti und Sintezze in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Tschechien, herausgeben von Kathrin Krahl und Antje Meichsner, 15–17. Dresden: Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, 2016. Roma Antidiskrimination Network(RAN). „ Die Geschichte und gegenwärtige Situation im Kosovo.” https:// www.roma-center.de/kosovo/(abgerufen am 31.12. 2020). Roma Antidiskrimination Network(RAN). „ Rostock-Lichtenhagen. Gedenken an ein Pogrom" https://www. roma-center.de/rostock-lichtenhagen-gedenken-an-ein-pogrom/(abgerufen am 31.12. 2020). 128 6. Erinnerungsräume von Bewegungsgeschichten... 6.4 Zusammenfassung der anschließenden Diskussion In der Diskussion wurden community-interne sowie community-übergreifende Prozesse und Erfahrungen der Selbstorganisierung thematisiert. Dazu gehören Empowerment-Prozesse, kreative Widerstandsformen, immaterielle Archivarbeit sowie das Schaffen von fragilen Räumen, Aushandlungsprozessen und Formen des konstruktiven Streitens. Community-interne Arbeit wurde u.a. am Beispiel der Schwarzen Frauenbewegung in Deutschland diskutiert. In der Transformationsphase nach 1990 z.B. seien in der Schwarzen feministischen Community Debatten um transnationale Vernetzung und Verankerung entstanden. Diese teils schmerzhaften Debatten konnten auf einem feministischen Fundament geführt werden und resultierten in einer Veränderung der Selbstbezeichnung über das deutsche Narrativ hinaus, von„Afro-Deutschen“ hin zu„Schwarzen Frauen* in Deutschland“, so Peggy Piesche. Dabei sei die community-interne Arbeit und der Blick nach innen wichtig, um den Fokus nicht beim Mainstream und der Dominanzgesellschaft zu haben und nur in Abgrenzung zu dieser verortet zu sein, sondern die Kraft und Energie in community-interne Aushandlungsprozesse und konstruktive Streitgespräche zu kanalisieren. Piesche sagte, dass sie sich in der Arbeit bei ADEFRA immer wieder gegenseitig daran erinnern, aus welcher Perspektive sie sprechen und worauf ihre Arbeit gerichtet ist. Fragen nach den Prozessen, Fortschritten und Erfolgen dürften dabei nicht mit Gradmessern von außen beantwortet werden, sondern müssten von den Menschen beantwortet werden, die diese Prozesse gestalten und aus diesen Erfahrungen lernen. Nicola Lauré al-Samarais Beitrag über immaterielle Archive hat in großen Teilen die Arbeit im RomaniPhen Archiv beschrieben, so Jane Weiß. Lauré al-Samarai führte an, dass es nicht nur wichtig sei, woran erinnert wird, sondern auch, wie erinnert wird, sowie dass es nicht darum gehe, Leerstellen zu füllen oder zu überschreiben, sondern darum anzuerkennen, dass es immaterielle Archive gibt und mit dem Immateriellen zu leben, zu arbeiten und Unsicherheit auszuhalten. Auch das RomaniPhen Archiv ist kein klassisches Archiv. Sie nutzen einen sehr weiten Begriff von Archiv und Archivierung. Mit dem RomaniPhen Archiv schaffen sie einen schützenden Raum, in dem neue Formen von Materialitäten gefunden, Unsicherheiten ausgehalten und damit Anregungen für weitere Bewegung, weitere Arbeit und Wandel geschaffen werden, so Weiß. Unsicherheiten – sowie fragile Räume – auszuhalten, schaffe Raum und Anregungen für Reflexion, Austausch und Wachstum. Die Arbeit zwischen ADEFRA und der IniRomnja wurde beispielhaft für die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Communitys diskutiert. Diese Zusammen129
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Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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