Internetquellen: Statistisches Bundesamt, Politische und gesellschaftliche Partizipation, Link zur Datei: Datenreport 2021- 11 Politische und gesellschaftliche Partizipation(destatis.de);(Stand 25.11..21) Zuwanderungsgesetz, 2005 https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/gesetztestexte/Zuwanderungsgesetz.pdf? blob=publicationFile&v=1(Stand 25.11.2021) 9.2 Podiumsgespräch von Mitgliedsorganisationen des Dachverbandes der Migrant_innenorganisationen in Ostdeutschland DaMOst e.V.:„Wir können uns nur wehren, wenn wir uns zusammentun“(Zusammenfassung) Vu Thi Hoang Ha (Deutsch-Vietnamesischer Freundschaftsverein e.V. Magdeburg, Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen in Sachsen-Anhalt LAMSA) Adelino Massuvira João (Dolmetscher, Diplom-Sozialpädagoge, Diakon und Integrationsbeauftragter beim Evangelischen Kirchenkreis Henneberger Land in Suhl/Thüringen) Ayman Qasarwa (Gründer und Vorsitzender des Thüringer Landesnetzwerk MigraNetz, Ausländerbeirat Weimar, Co-Geschäftsführer des DaMOst) Gesprächsmoderation: Anja Treichel(ehemalige Mitgeschäftsführung des DaMOst e.V.) Zusamenfassung des Podiumsgespräch: Im Podiumsgespräch zwischen Mitgliedsorganisationen des Dachverbandes der Migrant_innenorganisationen in Ostdeutschland(DaMOst) sind die Redner_innen u.a. folgenden Fragen nachgegangen: Unter welchen Bedingungen findet Migrant_ innenselbstorganisierung statt und welche Formen der Organisation sind in urbanen versus ländlichen Räumen vorhanden? Bestehen im Osten andere Bedürfnisse für Selbstorganisierung? Welche(geteilten) Erfahrungen und Zusammenschlüsse existieren zwischen unterschiedlichen Communitys und Generationen? 172 9. Migrant_innenselbstorganisationen und informelle Selbstorganisierung Eter Hachmann hat das Podiumsgespräch mit einem Input-Vortrag zu den Bedingungen und der politischen Wirksamkeit von Migrant_innenselbstorganisationen in Sachsen eröffnet. Als Vorsitzende des Ausländerrates Dresden, dem ältesten aktiven Migrant_innenverein in Sachsen, hat Hachmann u.a. aufgezeigt, dass Migration schon lange Teil der ostdeutschen Geschichte ist, während Migrant_innen nicht den notwendigen Raum zur Artikulation ihrer Stimmen, Perspektiven und Themen erhalten haben und diesen stets am Erarbeiten und Erkämpfen sind. Im Anschluss an Hachmanns Input moderierte Anja Treichel das Podiumsgespräch an. Den Beginn machte Vu Thi Hoang Ha vom Deutsch-Vietnamesischen Freundschaftsverein Magdeburg. Sie erzählte von ihrer Biographie und ihrer Selbstorganisierung nach der Wende in Zeiten von Unsicherheit und Gewalt. Im Panel berichtete sie über die unterschiedlichen Vorzüge und Härten des Lebens in der DDR. Ha kam für ein Studium in die DDR und wurde später Dolmetscherin für vietnamesische Vertragsarbeiter_innen. Sie und die vietnamesischen Vertragsarbeiter_innen konnten durch ihre Arbeit in der DDR ihre Familien im damals wirtschaftlich schwachen Vietnam finanziell unterstützen. Jedoch war ihr Leben und ihre Arbeit streng reguliert. So mussten sie ihre Pässe bei der Botschaft abgeben und lebten unter diesem Autonomieverlust und dieser staatlichen Kontrolle isoliert von der restlichen Bevölkerung in einem Wohnheim. Als ledige Menschen sollten sie auf engstem Raum ohne Privatsphäre hausen. In einer Wohnung, die um die sieben bis acht Personen beherbergte, standen pro Person etwa fünf Quadratmeter zur Verfügung. Dabei hatten sie kaum Kontakt mit der deutschen Bevölkerung. Der versteckte Rassismus in der Bevölkerung sowie im Betrieb zeigte sich in Form von verbalen Auseinandersetzungen wie Beleidigungen und Beschimpfungen. Als Dolmetscherin erfuhr sie zudem von der Traumatisierung, die vietnamesische Frauen bei Schwangerschaften in der DDR erlitten, da die Frauen dazu gezwungen wurden, entweder das Kind abzutreiben oder zurück nach Vietnam zu gehen. Mit der Wende kam, wie Ha sagte, unerwartet der offene Rassismus der 1990er Jahre zu Tage. Den vietnamesischen Vertragsarbeiter_innen wurde entweder 3.000 Deutsche Mark Entschädigung angeboten, mit denen sie zurück nach Vietnam geschickt wurden, oder sie durften auf eigene Verantwortung und ohne jegliche staatliche Unterstützung in Deutschland bleiben. In der DDR hatten vietnamesische Vertragsarbeiter_innen nur unzureichende Sprachkurse belegt und waren oft auf die Hilfe von Dolmetscher_innen angewiesen. Somit standen mit der Wende rund 10.000 Vietnames_innen ohne Sprachkenntnisse und ohne Arbeit da und waren wirtschaftlicher Ungewissheit und rassistischer Gewalt ausgesetzt. In diesem gesellschaftlichen und politischen Kontext waren Ha und vietnamesische Vertragsarbeiter_innen darum bemüht, Strategien zum Selbstschutz zu entwickeln. 173
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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