PERSPEKTIVE| FES BERLIN Was 2018 der Demokratie in der EU gebracht hat – und worauf es jetzt ankommt JULIANE SCHULTE November 2018 n 2018 setzte sich der demokratische Abwärtstrend in vielen europäischen Mitgliedstaaten fort. Bei alledem sollte jedoch nicht übersehen werden, dass die europäischen Institutionen 2018 dem undemokratischen Treiben in ihren Mitgliedstaaten anders als früher nicht mehr tatenlos zugeschaut haben. Auf verschiedenen Gebieten hat die EU Aktivitäten entfaltet, um ihre Grundwerte zu schützen. Daran lässt sich anknüpfen. n Bei den Verhandlungen über den nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen für 2021 bis 2027 muss die von der Kommission vorgeschlagene Verknüpfung von Rechtsstaatlichkeit und der Auszahlung von Mitteln umgesetzt werden. Solche Sanktionsmaßnahmen sollten jedoch durch positive Maßnahmen der Demokratieförderung aus einem Fonds für die Zivilgesellschaft begleitet werden. Die Kommission hat hierfür einen Vorschlag gemacht, der jedoch nicht weit genug geht. n Ein Teil der umstrittenen polnischen Justizreformen konnte durch ein Vertragsverletzungsverfahren und eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof(EuGH) gestoppt werden. Ebenso haben sich nationale Gerichte aufgrund von Zweifeln an der Unabhängigkeit der polnischen Justiz an den EuGH gewandt. Solche juristischen Mittel sollten künftig konsequenter angewandt werden. n Einst als»nukleare Option« verschrien, wurde mittlerweile gegen Polen und Ungarn ein Sanktionsverfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrags eingeleitet. Dieses sollte in beiden Fällen fortgeführt werden und bei entsprechenden Anlässen gegen weitere Länder eingeleitet werden, allerdings auf Grundlage eines klaren Kriterienkatalogs. n Von zentraler Bedeutung ist jedoch der politische Wille. Diese Forderung richtet sich an die europäischen Parteienfamilien, allen voran die beiden großen, die Europäische Volkspartei(EVP) und die Sozialdemokratische Partei Europas(SPE): Sie müssen Probleme in den eigenen Reihen klarer benennen und die Auseinandersetzung mit problematischen nationalen Mitgliedsparteien führen.
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