SWOT-Analyse der Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg Stärken Schwächen Tab. 6 → Systemischer Zulieferer für nahezu alle Kernbranchen → Deutschlands größter Pharmastandort mit global agierenden Unternehmen → Hohe Exportquote → Hohe Energieintensität der Grundstoffchemie → Noch unterproportional in Cleantech-Leitmärkten vertreten → Abhängigkeit von importierten petrochemischen Rohstoffen → Starke Forschungs- und Entwicklungsbasis → Regulatorischer Compliance-Aufwand Chancen → Grüne Chemie und biobasierte Grundstoffe als Wachstumsmarkt → Batteriematerialien und Spezialchemikalien für Elektromobilität und Halbleiter → Breite Einbindung in Cleantech-Leitmärkte → KI-gestützte Materialforschung → Pharma-Stärke als Brücke zu Biotechnologie und Gesundheitswirtschaft → Neue Prozesstechnologien(CCU, Power-to-X, katalytische/elektrochemische Prozesse) → Bedarfe an endkundennaher Produktion → Lokale Wirkstoffproduktion bzw. steigende Anforderungen an Versorgungssicherheit können eine Chance für einzelne Produktionslinien(„Last of its kind“-Anlagen) darstellen Risiken → Strukturell hohe Energiekosten in Deutschland → Carbon Leakage: Abwanderung energieintensiver Produktion → Wachsender internationaler Wettbewerb durch staatlich subventionierte Chemieproduktion (China, USA) → Fachkräftemangel, insb. Verfahrenstechnik und Prozessinformatik → Geopolitische Abhängigkeiten bei Rohstoffen und Vorprodukten → Ausfall von Skaleneffekten durch mangelnde Investitionen in Anlagen → Verlust von Wertschöpfungsketten, während nur Nischenprodukte verbleiben Chemie- und Pharmaindustrie Die chemische und pharmazeutische Industrie BadenWürttembergs nimmt eine Sonderrolle im regionalen Industriegefüge ein. Obwohl sie gemessen am Beschäftigtenanteil nicht zu den fünf größten Kernbranchen zählt, ist sie als systemischer Zulieferer von Grundstoffen und Vorprodukten für die gesamte industrielle Wertschöpfungskette unverzichtbar. Im Bereich der Produkttechnologien liegen die Zukunftspotenziale insbesondere in der grünen Chemie, in der Herstellung von Materialien für die Elektromobilität sowie in Hochleistungspolymeren und Spezialchemikalien für die Halbleiter- und Photonikfertigung. Der Pharmabereich profitiert von einer starken Stellung bei Biopharmazeutika und innovativen Wirkstoffen. Bei den Prozesstechnologien steht die Dekarbonisierung der energieintensiven Grundstoffchemie im Zentrum(Steinbach et al. 2024; Schwäbe 2025). Die Chemieindustrie leistet mit einem An teil von 2,8 Prozent am Cleantech-Umsatz des Landes be reits einen nennenswerten Beitrag zur grünen Transformation, wobei ihr Anteil am gesamten Industrieumsatz bei 4,6 Prozent liegt(Buchmann et al. 2025). Die Forschungs infrastruktur des Landes stützt die Innovationsfähigkeit der Branche maßgeblich – insbesondere das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal-Berghausen und die chemie- und materialwissenschaftlichen Institute des KIT(Buchmann et al. 2025). 11
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Wege zur Zukunftsfähigkeit : strategische Industriepolitik für Baden-Württemberg
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