Sammelwerk 
Wo stehen wir im Erweiterungsprozess? : Das Kapitel Landwirtschaft ; eine Veranstaltung der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 29. April 2002, Berlin
Entstehung
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4.5.2 Wie sieht es mit der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft aus? Die Landwirtschaft ist in den einzelnen Beitrittsländern sehr unterschiedlich strukturiert. Zusammenfassend kann gesagt werden: Vorteile bestehen in den niedrig technisierten Bereichen(etwa bei Beerenobst) aufgrund niedriger Löh­ne und beim Boden aufgrund niedriger Preise. Entscheidend in der Landwirt­schaft ist jedoch der Faktor Kapital, und Kapital ist teuer und knapp. Es beste­hen jedoch auch hier wichtige Ansatzpunkte, um auch dieses Problem zu be­heben. Sie liegen zum großen Teil auch außerhalb der Landwirtschaft etwa in der Privatisierung von Banken. 4.5.3 Wie kann die Wettbewerbsfähigkeit der Ernährungsindustrie einge­schätzt werden? Die Wettbewerbsfähigkeit der Nahrungsmittelindustrie ist für die Landwirt­schaft ein ganz entscheidender Wettbewerbspunkt. Die Wettbewerbsfähigkeit der aufnehmenden Hand bzw. der ersten und zweiten Bearbeitungsstufe gibt Aufschluss darüber, was den Landwirten für ihre Rohstoffe bezahlt werden kann. In Deutschland wurden bei der Wiedervereinigung Erfahrungen gemacht und Entwicklungen vorweg genommen, die jetzt wieder auf die EU zukommen und hier aufgegriffen werden können. Folgende Erkenntnis wurde dabei ge­wonnen: In der ehemaligen DDR gab es eine marode Verarbeitungsindustrie (die jüngste Zuckerrübenfabrik stammte aus dem Jahr 1898). Entsprechend sah es in den übrigen Bereichen aus. In den ersten zwei Jahren nach der Wiedervereinigung bestand die Situation, dass die Erzeugerpreise trotz Mit­gliedschaft in der EU ohne Übergangsfrist um etwa 30% niedriger waren als in den alten Bundesländern. Ursache war die desolate Situation in der Verar­beitungsindustrie. In einem Kraftakt mit großer Unterstützung der EU und nati­onalen Mitteln wurde durch"Werbetouren bis ins westliche Ausland auf der Suche nach Investoren die Verarbeitungsindustrie auf den modernsten Stand gebracht. So konnte ein wettbewerbsfähiges Preisniveau soweit es vom Sta­tus der Verarbeitungsindustrie abhängig ist erreicht werden. Diese Vorgehensweise kann auch den Beitrittsländern empfohlen werden, nämlich die intensive Suche nach Investoren v.a. im Ausland. Unverständlich ist gerade vor diesem Hintergrund, dass in einigen Beitrittsländern Investoren draußen gehalten werden, etwa aus Angst vor Überfremdung. In der Folge werden die Produkte teurer bei vergleichsweise schlechter Qualität. Der Landwirt bekommt also niedrigere Preise, die Entwicklung der Landwirtschaft wird gehemmt. 65