Sammelwerk 
Wo stehen wir im Erweiterungsprozess? : Das Kapitel Landwirtschaft ; eine Veranstaltung der Erich-Brost-Stiftung in der Friedrich-Ebert-Stiftung am 29. April 2002, Berlin
Entstehung
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4.7.1 Beispiel Polen Drei Beispiele aus Polen sollen die Schwierigkeiten bei der praktischen Um­setzung von Umweltaspekten in der Landwirtschaft unterstreichen: 1. gute landwirtschaftliche Praxis, 2. Agrar-Umweltprogramme, 3. ökologischer Landbau. zu 1.: Die gute landwirtschaftliche Praxis ist lediglich eine Referenzlinie zur Festlegung von Umweltstandards. Polen hat einen Kodex für gute landwirt­schaftliche Praxis entwickelt, der 1999 veröffentlicht wurde. Dieser Kodex kann zum einen aufgrund der Geschwindigkeit, mit der die nati­onale Gesetzgebung dem EU-Recht angepasst wird, nicht wirklich umgesetzt werden: Die letzte Version wird gegenwärtig revidiert, weil relevante Gesetze über Wasser und Naturschutz geändert worden sind und neue EU­Verordnungen wie die Wasser-Rahmenrichtlinie besonders berücksichtigt werden müssen. Zum anderen fehlt es an Umweltbewusstsein unter den Landwirten, zusätzlich negativ wirkt sich das Fehlen von qualifizierten Landwirtschaftsberatern aus. Selbst wo es bei letzteren personelle Kapazitäten gibt, kann die Arbeit kaum effektiv gestaltet werden, weil ein Benzinbudget von weniger als 20 EURO ei­ne Arbeit vor Ort nicht wirklich zulässt. Hinzu kommt, dass die Landwirte keine Möglichkeiten haben, Kredite für die notwendigen Investitionen zu bekommen. zu 2.: Obwohl es sich um obligatorische Maßnahmen unter der EU- Verord­nung zur ländlichen Entwicklung handelt, haben alle Kandidatenländer außer Slowenien die Agrar-Umweltprogramme nur als Pilotprojekte unter der SAPARD Vor-Beitrittshilfe vorgesehen. Zumindest in Polen scheint es jetzt so, dass selbst diese Pilotmaßnahmen, die weniger als 2% des SAPARD-Budgets ausmachen, nun frühestens 2006 in Kraft treten werden. In Polen sind die vor­bereiteten Pilotprogramme mit den ausgewählten Pilotregionen nur unzurei­chend koordiniert worden. Diese Regionen wissen zwei Jahre nachdem sie ausgewählt wurden- immer noch nicht, welche Maßnahmen für eine SAPARD-Förderung in Frage kommen. Bis jetzt hat es keine Schritte gege­ben, um Budgets und Verwaltungen darauf vorzubereiten, solche Maßnahmen ordnungsgemäß zu implementieren und zu überwachen(Berater, um Pläne mit den Bauern vorzubereiten, Beobachtung von Umwelteffekten der einge­setzten Maßnahmen, Entwicklung/Tests von regionalspezifischen Maßnahmen 71