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VR China - Großmacht mit Handicaps : Pekings Außenpolitik zwischen Gestaltungsanspruch und Risikobegrenzung
Entstehung
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FES Analyse: China 3 Weltmacht China? Im Herbst 1999 veröffentlichte die amerikanische Fachzeitschrift für internationale Politik Foreign Affairs einen Aufsatz von Gerald Segal unter der provokanten ÜberschriftDoes China Matter?. Passend zum 50. Gründungsjubiläum der Volks­republik, setzte sich der inzwischen verstorbene China-Spezialist, damals Direktor am Internatio­nalen Institut für Strategische Studien(IISS) in London, in dem Beitrag mit den rund um diesen Anlass kursierenden Designerentwürfen von der kommenden Weltmacht auseinander. Seine Analyse kam zu dem Ergebnis, dass zwischen dem, was sich zu den wirtschaftlichen, außenpolitischen und militärischen Entwicklungs­voraussetzungen für Chinas globale Rolle zum damaligen Zeitpunkt real ermitteln ließ, und der Imaginationskraft der darauf aufsetzenden Pro­gnosen eine schwer zu vermittelnde Lücke klafft. Der von Segal seiner Zunft und der westlichen Politik empfohlenesense of proportion in der Einschätzung Chinas ließ sich schon deshalb gut begründen, weil sich nicht lange zuvor ein ande­rer angekündigter kometenhafter Aufstieg(Ja­pan as No.1) ebenso wie das von der Weltbank wenige Jahre vor Ausbruch der Asienkrise 1997 prognostizierteEast Asian Miracle jäh verflüch­tigt hatten. Fünf Jahre später zeigt ein Blick in die ein­schlägige Publizistik, dass wirtschaftliche Erfolgs­geschichten, wie China sie seit einem Viertel­jahrhundert schreibt, in der Wahrnehmung von außen ihre eigene Dynamik entwickeln. Insofern befindet sich der Spiegel mit seinem TitelChina Geburt einer Weltmacht(Nr. 42/11.10.04) in guter Gesellschaft und mitsamt den Erwartungen und Befürchtungen, die sich mit diesem Szenario verbinden, auf einer bestens eingefahrenen Spur. Nachzulesen etwa in einer Kolumne des Polito­logen und Newsweek-Herausgebers Fareed Zaka­ria für die Washington Post(Ausgabe vom 19.10.04). Darin verglich der Autor das, was sich in Fernost abspielt, mit den beiden anderen epo­chalen globalen Machtverschiebungen der Neu­zeit, dem Aufstieg Westeuropas und zwei Jahr­hunderte später dann der USA:Right now a trend of equal magnitude ist taking place: the rise of Asia, led by China, which will fundamen­tally reshape the international landscape in the next few decades. Die signifikanten Verschiebungen in den wirt­schaftlichen Gewichtsverhältnissen hat schon zu dem Zeitpunkt, als Segal seinen Aufsatz schrieb, niemand ernsthaft in Frage gestellt. Geschweige denn heute. Ebenso offenkundig ist, dass ohne die konstruktive, über die Behauptung eng be­griffener nationaler Interessen hinausgehende Mitwirkung Chinas keine der globalen Heraus­forderungen, vom vorbeugenden Seuchenschutz, der Umwelt- und Klimapolitik bis zur Bekämp­fung des internationalen Terrorismus, zu bewäl­tigen ist. Die aktuelle weltpolitische Entwicklung hat der Frage nach dem Gewicht und dem Rol­lenverständnis Chinas in den internationalen Beziehungen noch mehr Relevanz gegeben. Gemessen an seiner bisherigen Zurückhaltung in internationalen Konflikten, hat Peking in der nordkoreanischen Nuklearkrise bei der Suche nach einer Verständigungslösung im Rahmen der Sechser-Verhandlungen einen ungewohnt akti­ven Part übernommen. Spätestens seit dem Irak­Krieg, der die Bush-Regierung in der UNO iso­lierte und den bisher schwersten Konflikt im transatlantischen Bündnis auslöste, reichen die strategischen Gedankenspiele um die Gewichte verschiebende Potenz des Faktors China im Span­nungsfeld von Unilateralismus vs. Multilaterali­tät noch etwas weiter. Ob tatsächlich ein in diese Richtung zielender konzeptioneller Ansatz da­hinter steckt, wenn der französische Präsident Jacques Chirac wie bei seinem China-Besuch im Oktober den multipolaren Gleichklang sucht und sich gemeinsam mit dem deutschen Bundeskanz­ler für die Aufhebung des von der EU gegen China verhängten Waffenembargos stark macht, ist vorläufig schwer auszumachen. Nicht jedoch aus der Sicht Washingtons, dessen heftiger Wi­derspruch den Ausgang des Embargo-Streits zu einer Entscheidung von strategischer und für das transatlantische Verhältnis kritischer Bedeutung macht. Aus dem skizzierten Kontext ergeben sich die Fragen, mit denen sich die vorliegende Analyse beschäftigt: Welche Auswirkungen hat der wirt­schaftliche Aufstieg Chinas für die regionalen