FES Analyse: China 7 ten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch ökonomisch in der Region spielte, in dem Maße verliert, wie sich die wirtschaftlichen Aktivitäten in Asien auf China hin orientieren und die innerregionalen Verflechtungen intensiver werden. Das gilt für Südostasien, das mit seinen Lieferungen von Rohstoffen und industriellen Vorprodukten Handelsüberschüsse mit China erzielt, aber auch für die Schwergewichte Japan und Südkorea. Für Japan, das seine jüngste konjunkturelle Erholung in erster Linie den Impulsen aus dem ChinaGeschäft verdankt, ist der große Nachbar auf dem besten Wege, die USA als wichtigster Handelspartner abzulösen. Seit 2002 ist China mit einem Anteil von 20,2%(USA 14,4%) Japans größter Warenlieferant. Bei den japanischen Exporten steht China mit knapp 13% (1995: 5%) inzwischen an zweiter Stelle(USA 22,5%). Noch sprunghafter haben sich die Verflechtungen mit Südkorea entwickelt, das 2003 erstmals mehr Güter nach China ausführte(20% des südkoreanischen Gesamtexports nach 7% im Jahr 1995) als die USA und im gleichen Jahr knapp die Hälfte seiner Auslandsinvestitionen in der Volksrepublik anlegte. Eine ähnliche Tendenz spiegelt sich im Handel zwischen China und Südostasien, der 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 42% auf mehr als 80 Mrd.$ zulegte und 2004 erstmals über 100 Mrd.$ hinauswachsen dürfte. Insofern hat es nicht überrascht, als beim Gipfeltreffen der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) Gruppe im Oktober 2003 in Thailand das Werben des chinesischen Staatschefs Hu Jintao für den regionalen Freihandel weit mehr Aufmerksamkeit fand als der Aufruf von George W. Bush zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. Globalisierungsfrust contra Patriotismusappelle In seiner Abschiedsrede beim 16. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas(KPCh) im November 2002 hat der damalige Staats- und Parteichef Jiang Zemin die ehrgeizigen Zielgrößen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung bis zum Jahr 2020 ausgegeben. Im Blick auf dieses Datum sprach er gleichzeitig von einer kritischen, für die Konsolidierung und den Erfolg des Modernisierungs- und Reformprozesses entscheidenden Etappe. Von der Umsicht und der Entschlossenheit, mit der China seine„strategischen Chancen“ in dieser Phase nutze, so Jiang, werde es abhängen, ob das Land weiterhin„stetig auf Fortschrittskurs bleibt oder zurück fällt“. Auch ohne apokalyptische Neigungen.(„The Coming Collapse of China“) sind die strukturellen Schwächen und die krisenhaften Begleiterscheinungen, die die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und die Steuerungsfähigkeit des politischen Systems in Frage stellen, nicht zu übersehen. Soweit sie für den außenpolitischen Gestaltungsspielraum und für die Verlässlichkeit von Langzeitprognosen relevant sind, sollen sie hier kurz skizziert werden: Wie bereits erwähnt, wurden die hohen Exportzuwächse in den vergangenen zehn Jahren zum überwiegenden Teil von Joint Ventures bzw. von rein ausländischen Unternehmen erwirtschaftet. Die hohe Abhängigkeit Chinas von Direktinvestitionen und fortgeschrittener Technologie aus dem Ausland, belegt die Ausfuhrentwicklung in einigen industriellen Schlüsselbereichen mit hohem Wertschöpfungsanteil. Bei einem Wachstum des chinesischen Maschinenexports innerhalb des vergangenen Jahrzehnts um etwa das Zwanzigfache stieg der Anteil, den Unternehmen mit ausländischer Beteiligung dazu beitragen, im gleichen Zeitraum von 35% auf 79%. Die gleiche Tendenz zeigt sich beim Export von Computern und IT-Ausrüstung. Dort haben sich die entsprechenden Anteile von 74%(1993) auf 92% bzw. 45% auf 74% erhöht. Obwohl die von der Regierung forcierte Aufholjagd in einigen Zukunftstechnologien(Biound Gentechnik, Nanotechnologie) Früchte trägt, sind die Investitionen in innovatives Know-how in der nach wie vor von Staatsunternehmen beherrschten heimischen Industrie unterdurchschnittlich entwickelt. Damit unterscheidet sich China deutlich von anderen industriellen Aufsteigern in Asien wie Südkorea und Taiwan, die im gleichen Entwicklungsstadium wesentlich hö-
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VR China - Großmacht mit Handicaps : Pekings Außenpolitik zwischen Gestaltungsanspruch und Risikobegrenzung
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