zunehmende Politisierung des Widerstands gegen die Präsidentin sorgen. Insbesondere die Mittelklasse und die Kirche muss sich entscheiden, ob sie sich der Opposition anschließen will. Voraussetzung dafür ist, dass ein politisches Projekt konzipiert wird, das über die Präsentation von verbrauchten, traditionellen Politikern hinausgeht. Hier wird sich entscheiden, ob die politischen Turbulenzen ein weiteres Kapitel im Spiel der Eliten darstellen, das ohne Bezug auf die Probleme weiter Teile der Bevölkerung stattfindet, Entwicklungsprozesse verzögert und soziale Indikatoren verschlechtert. Darin liegen die wahren Herausforderungen des Landes, die gegenwärtig nicht adressiert werden. Ausblick Den Philippinen stehen unruhige Zeiten bevor. Die Legitimitätsfrage der Präsidentin ist weiterhin ungelöst, und die Regierung lässt keine Anzeichen erkennen, dass sie sich dieser Frage ernsthaft annehmen will. Vor der ausgesprochenen Drohung, bei Bedarf wieder den Notstand auszurufen, wird die Regierung versuchen, ihre Konsolidierung voran zu treiben. Einen Indikator für die Geschlossenheit der eigenen Reihen wird u.a. das Projekt der Verfassungsreform liefern. Gelingt es ihr, den Senat und das Parteilistensystem, welches kleineren politischen Parteien und Gruppierungen eine Repräsentationschance bietet, abzuschaffen, wären wesentliche oppositionelle Kräfte ausgeschaltet. Ein von solchen institutionellen Blockaden befreites Parlament könnte durchaus ein straffes Regieren ermöglichen. Die Chancen auf ein inklusiveres, weniger elitenzentrisches politisches System wären damit allerdings verspielt. Nach den Verfassungsreformvorschlägen im Bereich der persönlichen Rechte und politischen Freiheiten zu urteilen, bliebe auch von der Reputation der Philippinen, eines der freiesten Länder in Asien zu sein, wenig übrig. Aus Sicht der„Rebellen“ im Militär sind die Probleme weiterhin ungelöst. Zwar hat die Regierung einen Dialog mit den reformorientierten Kräften angekündigt. Ob dieser jedoch erfolgreich sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Arroyos Regierungsstil ist zu wenig auf Ausgleich bedacht und zu viele der loyal zu ihr stehenden Kräfte sind in verdeckte Operationen eingebunden. Es steht daher zu befürchten, dass weitere Umsturzpläne geschmiedet werden, die den Einsatz von Gewalt nicht länger ausschließen. Eine stärkere politische Rolle des Militärs wäre spätestens dann zu erwarten, mit bedrohlichen Konsequenzen für die Zukunft der Demokratie. Von Seiten der Opposition wird einerseits nach Neuwahlen gerufen. Ein solches Szenario ist unwahrscheinlich, denn die Präsidentin hat einen Rücktritt nicht im Sinn. Ihrer Immunität beraubt, müsste sie mit einer Vielzahl von Anklagen rechnen. Andererseits wird ein neues Amtsenthebungsverfahren wegen Wahlfälschung und Korruption vorbereitet. Ob die Präsidentin nochmals genügend Abgeordnete auf ihre Seite ziehen und ein„Impeachment“ verhindern kann, ist derzeit eine offene Frage. Wie sie beantwortet wird, hängt nicht zuletzt von ihrer Fähigkeit ab, den Abgeordneten akzeptable finanzielle Ressourcen ebenso wie positive Wiederwahlaussichten anzubieten. Die gegenwärtigen Popularitätswerte der Präsidentin und ihrer Regierung (nach Umfragen sprechen sich 65% der Bevölkerung für ihren Rücktritt aus) könnten manche Abgeordnete zu einem zweiten Nachdenken bewegen. Es ist möglich, dass der erneute Versuch einer konstitutionellen Lösung der politischen Krise durch ein Amtsenthebungsverfahren die letzte Chance für einen friedlichen Machtwechsel im Inselreich darstellt. Wird sie nicht ergriffen, könnte das Land den Pfad der liberalen Demokratie verlassen und auf den Irrweg eines autoritären Regimes unter Führung Frau Arroyos, die ihre Mission neuerdings auf den Plan Gottes zurückführt oder einer Militärjunta geraten. Ansprechpartnerinnen: Dr. Beate Bartoldus, Tel.: 0228-883-516, E-Mail: Beate.Bartoldus@fes.de(verantwortlich) Ulrike Ehnes, Tel.: 0228-883-508, E-Mail: Ulrike.Ehnes@fes.de Friedrich-Ebert-Stiftung Internationale Entwicklungszusammenarbeit, Referat Asien und Pazifik Godesberger Allee 149, 53175 Bonn, Fax: 0228-883-575 Die Kurzberichte sowie Informationen zur Arbeit der FES in Asien finden Sie unter: www.fes.de/asien. - 6-
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20 Jahre nach "EDSA People Power" : die Philippinen zwischen Putsch und Kriegsrecht
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