Berliner Forum Wissenschaft und Innovation und Algorithmen gleichgesetzt, wenngleich auch dies im deutschen Mathematikunterricht traditionell im Mittelpunkt steht. Mathematische Grundbildung wurde im deutschen PISAKonzept als die Fähigkeit zur Modellierung aufgefasst. Es geht dabei um die Übersetzungsfähigkeit von umgangssprachlich gefassten Alltagssituationen in ein formales mathematisches Modell. Weiterhin um die Ausfüllung des Modells im Algorithmus und die Abgleichung des Ergebnisses mit der Interpretation der ursprünglichen Ausgangssituation: Wie gut ist mein Modell eigentlich? Wie gut repräsentiert mein Modell die Ausgangssituation? Wie gut gibt die mathematische Lösung Antwort auf das umgangssprachliche Problem? Wenn man mathematische Grundbildung in dieser Weise auffasst, dann benötigt man Mathematik in allen Bereichen: In der Musik ebenso wie in Wirtschaft und Politik. Das ganze moderne probabilistische Denken beruht auf Modellierungsfähigkeit. Besonders das probabilistische Denken ist ein gutes Beispiel, um deutlich zu machen, wie weit eigentlich unsere Schule hinter diesem Grundbildungsverständnis hinterherhinkt. Im Bereich Naturwissenschaften kann man sicherlich streiten, ob naturwissenschaftliches Wissen, Verständnis für naturwissenschaftliches Argumentieren und Arbeiten wirklich eine vergleichbare Basiskompetenz zu den beiden Sprachen, Umgangssprache und Mathematik, darstellt. Auch international ist man sich darüber nicht einig. Sicher ist aber, dass die Naturwissenschaften im breitesten Sinne von den Erdwissenschaften bis zu den Life-Sciences in allen modernen Industriestaaten fester Bestandteil eines modernen Kerncurriculums sind. Man findet kein Curriculum, in dem die Naturwissenschaften nicht einen Anteil haben. In Deutschland sind die Naturwissenschaften, wenn wir die Grundschule betrachten, deutlich unterrepräsentiert. In länderübergreifender Betrachtung könnten die Naturwissenschaften auch in den höheren Bereichen des Schulsystems stärkere Berücksichtigung im Curriculum finden. Beim PISA-Test wird versucht, diese Philosophie in Instrumente umzusetzen. Das Hauptkennzeichen ist: Im Bereich des Lesens werden authentische Texte ausgesucht, die eine breite Palette von Textsorten repräsentieren. Es findet sich dort der narrativ literarische Text, kleine Stückchen von Lyrik, nichtkontinuierliche Texte, Grafiken und z.B. ein Busfahrplan. Das 10 heißt, es wird ein breites Spektrum des Lesens erfasst, und es wird sich bewusst nicht auf das übliche Repertoire des Deutschunterrichts der Sekundarstufe I oder II beschränkt. PISA unterscheidet, theoretisch und empirisch gut begründet, im Wesentlichen drei Dimensionen des Leseverständnisses. Die Fähigkeit Informationen zu entnehmen, die Fähigkeit, eine textimmanente Interpretation zu entwickeln und schließlich das Reflektieren und Bewerten der Texte, also das Verbinden des Gelesenen mit der eigenen Wissensbasis unter Berücksichtigung möglicher Adressaten. Das ist die komplexeste Form und wahrscheinlich auch die höchste Anforderung des Lesens. Es geht in der Studie nicht um die Frage: Alphabetisierung oder Nichtalphabetisierung. Diese Frage thematisiert PISA überhaupt nicht. Es werden keine Analphabeten oder funktionalen Analphabeten identifiziert, sondern es geht um die Sinnentnahme aus unterschiedlichen Textsorten, nicht um die bloße Decodierfähigkeit. In PISA wird außerdem eine Gesamtskala berichtet. Diese Skalen lassen sich ausdifferenzieren, aber die Interkorrelationen dieser Fähigkeitsdimensionen sind groß genug, so dass man von einer Generalkompetenz sprechen kann, die dem Lesen unterliegt. Diese ist dafür verantwortlich, dass jemand, der narrative Texte versteht, auch relativ gut mit diskontinuierlichen Texten in grafischer Darstellung oder mit Tabellen umgehen kann. In der Mathematik ist die Herangehensweise ähnlich. Es sind im Wesentlichen Anwendungssituationen, praktische Beispiele, die vor allen Dingen begriffliches Modellieren, also Übersetzungsleistung in die Mathematik erfordern. Das unterscheidet gerade in der Mathematik den PISA-Test von Vorgängern, wie z.B. TIMMS. Im TIMMS stand stärker das rechnerische Modellieren weniger das begriffliche Modellieren im Vordergrund III. Die fünf wesentlichen Ergebnisse für Deutschland 1. Das erste Ergebnis hat wahrscheinlich die meiste Aufregung erzeugt, ist aber wahrscheinlich das am wenigsten interessante Ergebnis. Deutschland nimmt in allen drei untersuchten
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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