Wie alles begann – Von der Verlagsgründung bis zum Ende der Weimarer Republik angela graf Im zweiten Drittel des 1 9. Jahrhunderts griff die soziale Bewegung, die mit dem»Bund der Gerechten« in Paris und dem»Bund der Kommunisten« in London erste organisatorische Formen angenommen hatte, auch auf die deutschen Ländern über.»Neu an der Industrialisierung war nicht die Ausbeutung und Massenarmut, neu war, daß Ausbeutung und Armut nicht mehr schicksalhaft-passiv hingenommen wurden, sondern die Betroffenen begannen, Fragen nach den Ursachen ihrer mißlichen Lage zu stellen.« 1 Viele von denen, die der Industrialisierungsprozess ins Elend gestoßen hatte, wandten sich ab von der Bibel und den Kalenderbüchern und bevorzugten andere Lektüre. 1 863 wurde der»Allgemeine Deutsche Arbeiterverein« gegründet(dessen Präsident zunächst Ferdinand Lassalle war), gefolgt von der»Sozialdemokratischen Arbeiterpartei«(SDAP, 1 869). Beide schlossen sich 1 875 zur»Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands« zusammen, die seit 1 890»Sozialdemokratische Partei Deutschlands« heißt. Die Arbeiterbewegung hungerte nach Bildung, nach gesellschaftlicher und politischer Teilhabe, und die Alphabetisierung breiter Schichten sowie die steigende Kaufkraft taten ein Übriges, um das Selbstbewusstsein der Arbeiterschaft wachsen zu lassen. Der Verlag J. H. W. Dietz, der heute auf eine reiche Tradition von 1 25 Jahren zurückblicken kann, hat seine Wurzeln in dieser politischen Entwicklung und diesem sozialen Milieu.»Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben einer modernen Arbeiterpartei und ist in mancher Hinsicht sogar ihre schwierigste Aufgabe, sich eine wissenschaftliche Literatur zu schaffen. Sie kann ihrer nicht entbehren, wenn Sie siegen will.« 2 Johann Heinrich Wilhelm Dietz 3 hat dieser Aufgabe mehr als sein halbes Leben gewidmet. Der Verlag, der auch heute noch seinen Namen trägt, wäre ohne ihn nicht lebensfähig gewesen, geschweige denn so 1 Loreck 1 977, S. 95. Genaue Angaben aller zitierten Quellen in der Literaturliste. Die Schreibweise der Zitate erfolgt nach der Vorlage und ist nur leicht nach alter Rechtschreibung angepasst. 2 Kautsky 1 904 S. 465. 3 Meistens wurde er Heinrich Dietz(im Folgenden H.D.) genannt, aber auch»J. H. W.« war gebräuchlich. 13
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