Internationale Politikanalyse 1 GASP und ESVP: Die Förderung menschlicher Sicherheit Vorschlag für eine Deklaration oder ein Protokoll Die Europäische Union(EU) hat in ihrer Entwicklung zum globalen Sicherheitsakteur den Rubikon überschritten. Ihre Bereitschaft, weit über ihren eigenen Hinterhof hinaus in schwierigen und gefährlichen Regionen wie dem Nahen Osten, Afrika und Afghanistan zu intervenieren, um regionale und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Afrikanische Union und die ASEAN(Association of Southeast Asian Nations) unter Beibehaltung ihres spezifischen Ansatzes zur Krisenlösung zu unterstützen sowie ihre Bereitschaft, gegebenenfalls Zwangsmaßnahmen zu ergreifen, bringen den Wandel in ihrer außenpolitischen Entwicklung zum Ausdruck. Seit 2003 hat die EU eine Vielzahl von zivilen und militärischen Sicherheitskapazitäten entwickelt und hat sich an 16 Missionen in Krisengebieten beteiligt. Sie ist dem wachsenden Bedarf an externen Interventionen zur Herstellung von Stabilität und Rechtsstaatlichkeit bei der Lösung gewaltsamer Konflikte nachgekommen. Die Europäische Sicherheitsstrategie, die im Dezember 2003 verabschiedet wurde, bildet den Rahmen für diese Aufgaben und für die europäische Sicherheitsidentität. Sie benennt die Herausforderungen, denen sich die Europäische Union stellen muss und wie sie diesen begegnen kann. Sie ist jedoch bisher weder ein Operationshandbuch noch eine Aufstellung von Planungsanweisungen. Im Laufe der letzten 15 Jahre haben sich die Europäer auf eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik festgelegt, und in Anbetracht der derzeitigen Bedarfslage bietet sich ihnen die Gelegenheit, ihren Verpflichtungen in stärkerem Maße nachzukommen. Um in zunehmendem Maße als globaler Akteur auf der Weltbühne anerkannt zu werden, muss die Europäische Union eine klare politische Richtung für ihre Ambitionen und Verpflichtungen festlegen. Der ›Krieg gegen den Terror‹ und die Entwicklungen seit den Ereignissen des 11. September haben die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Tatsache gelenkt, dass Sicherheit einen globalen Charakter hat, dass Instabilität in fernen Regionen verheerende Auswirkungen auf den Straßen europäischer Großstädte haben kann: Selbstmordattentäter in Zügen oder Unruhen von Immigranten in Großstadtvororten. Gleichzeitig ist aber die Erkenntnis gewachsen, dass man gegen radikalisierte Jugendliche, unzufriedene Bürger oder Terrornetzwerke keinen ›Krieg‹ führen kann. Die Europäer können sich weder einfach zurücklehnen und diese Probleme ignorieren noch können sie deren Lösung anderen überlassen. Sie haben die Möglichkeit – und die Verantwortung – Ressourcen bereitzustellen und durch kreatives Denken alternative Lösungen zu finden. Mit ihren 490 Millionen Einwohnern, ihrer starken Wirtschafts- und Handelspräsenz und ihren eigenen Erfahrungen, Einheit und Frieden zu schaffen – trotz ihrer von Gewalt geprägten Geschichte – ist die EU in der Lage, einen wichtigen Beitrag in Form von Ideen und Denkansätzen zur globalen Sicherheit zu leisten, der über die Bereitstellung von Kapazitäten hinausgeht. Im Barcelona-Report von 2003 über europäische Sicherheitsfähigkeiten wurde dargelegt, dass für die EU das Konzept ›Menschliche Sicherheit‹ die angemessenste Sicherheitsstrategie darstellt. Menschliche Sicherheit bezieht sich auf die Grundbedürfnisse einzelner Menschen und Gemeinwesen in Krisenzeiten. Es geht sowohl um die Sicherheit im Alltag als auch um materielles Überleben und das Recht auf Willensfreiheit. Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass ›Freiheit von Furcht‹ und ›Freiheit von Mangel‹ grundlegende Voraussetzungen für menschliches Wohlergehen und die Bereitschaft, in Frieden zu leben, sind. ›Menschliche Sicherheit‹ besitzt das Potential, einen dynamischen Organisationsrahmen für die in der Europäischen Sicherheitsstrategie aufgeführten Herausforderungen zu bilden und den damit verbundenen europäischen Anstrengungen eine neue Richtung und größere Kohärenz zu geben. Das Konzept ergänzt die nationale Sicherheit, ersetzt sie aber nicht, denn nationale Sicherheit verbleibt in den Händen der einzelnen Mitgliedstaaten. ›Menschliche Sicherheit‹ greift auf schon realisierte EU-Ansätze zum Krisenmanagement, zur zivil-militärischen Kooperation, zur Konfliktprävention und zum Wiederaufbau zurück, geht aber über sie hinaus. Sie könnte den 27 Mitgliedstaaten auf der Weltbühne mehr Gehör verschaffen, weil sie den EU-Ansatz klarer und zielgerichteter macht und die diversen Aspekte der EU-Außenpolitik zu einem einheitlichen Gewebe zusammenfügt. Sie könnte dazu beitragen, die öffentliche Meinung in Europa zu mobilisieren und die Rolle der EU als legitimem Akteur auf der Weltbühne aufzuwerten. Sie könnte auch die Beziehungen zwischen der EU und ihren Bündnispartnern in verschiedenen Regionen der Welt stärken, indem sie gemeinsame Richtlinien und Operationsmethoden etabliert, die als Basis für einen effektiven Multilateralismus dienen könnten. Der Entwurf zum EU-Reformvertrag legt die allgemeinen Werte und Normen fest, die als Richtschnur für externe Aktionen der EU gelten(Artikel 10a), er verpflichtet die Mitgliedstaaten, einen größeren militärischen Beitrag zur Realisierung der Außen- und Sicherheitspolitik zu leisten(Artikel 17), und er schlägt signifikante institutionelle Veränderungen vor, die die
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Ein europäisches Sicherheitskonzept : der Madrid-Report der Human Security Study Group umfasst einem Vorschlag und einen Hintergrundbericht ; er wurde Javier Solana am 8. November 2007 in Madrid präsentiert
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