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Was ist Demokratie?
Entstehung
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2.6 Demokratischer Pluralismus In Demokratien wird der Pluralismus als Ordnungsform betrachtet und praktiziert. Im Bereich der Politik bedeutet Pluralismus, dass es innerhalb einer Gesellschaft eine Vielzahl frei gebildeter Interessengruppen und Interessenverbände gibt, die sich in gegenseitiger Konkurrenz um gesellschaftlichen und politischen Einfluss befinden. Diese Gruppierungen können politischer, wirtschaftlicher, religiöser, ethnischer oder anderer Natur sein. Die Gesamtheit solcher Gruppierungen bildet die Zivilgesellschaft. Eine pluralistische Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass alle Positionen, so verschieden sie auch sein mögen, respektiert, akzeptiert und anerkannt werden und ihre Verbreitung und Durchsetzung nicht unterdrückt wird. Der Pluralismus basiert auf konfliktiven Diskussionen, deren Ergebnisse oft auf Kompromissen beruhen und dadurch für alle beteiligten Gruppierungen zufrieden stellend oder zumindest akzeptabel sind. Im Pluralismus erhalten Dialoge, Meinungsaustausche und Diskussionen sowie die in diesen geäußerten und debattierten Ideen und Meinungen, so gegensätzlich, regierungskonträr oder oppositionsnah sie auch sein mögen, einen konstruktiven Charakter im Sinne des Meinungs­und Willenbildungsprozesses innerhalb der Gesellschaft. Du hast vielleicht schon öfter festgestellt, dass auch in einer pluralistischen Gesellschaft einige Interessengruppen stärker sind als andere und das Konkurrenzprinzip in der Realität nicht so reibungslos verläuft wie gerade beschrieben. Genau aus diesem Grund hat der Staat die Aufgabe, eventuelle Mängel im Konkurrenzsystem ausfindig zu machen und zu beheben. Es ist zum Beispiel möglich, schwächeren Interessenverbänden zusätzliche Hilfen einzuräumen, um sie wettbewerbsfähig zu machen. Diese regulierenden Maßnahmen des Staates sind in Maßen notwendig, um den Pluralismus zu erhalten. In pluralistischen Gesellschaften existieren neben der Zivilgesellschaft, welche gesellschaftspolitischen oder wirtschaftlichen Einfluss hat, jene Gruppierungen, welche politische Ämter direkt anstreben: die politischen Parteien. Du hast Dich, wie viele andere Bürger, sicherlich schon oft über politische Parteien ausgelassen, weil sie zum Beispiel eine Maßnahme angekündigt und hinterher nicht durchgesetzt haben. Trotz aller Kritik, die an der Arbeit von Parteien geübt werden kann, sind Parteien ein notwendiges und unabdingbares Element jeder Demokratie. Durch sie kann das Volk seine Souveränität ausüben, durch sie wird es überhaupt erst handlungsfähig. Die Alternative bestünde darin, als Volk einen Repräsentanten zu wählen und alle anfallenden Aufgaben der politischen Führung selbst zu übernehmen. Dies ist in heutigen Gesellschaften schlicht und ergreifend aufgrund ihrer Größe und der Komplexität der Themen nicht möglich. Stattdessen bedarf es politischen Gruppierungen, Parteien, die Kandidaten für Regierungsämter stellen, Lösungen für bestehende Probleme diskutieren und die Interessen ihrer Wählerschaft vertreten. Auf der einen Seite bilden sie also das Sprachrohr für die politischen Anschauungen und Zielvorstellungen der Bevölkerung. Auf der anderen Seite wirken die politischen Parteien entscheidend an der Willensbildung des Volkes mit, da sie dessen Einstellungen aufgreift, artikuliert und im Diskussionsprozess formt. Es reicht also nicht aus, Parteien alsLaufboten zu sehen, welche die Informationen von der Bevölkerung an die Regierung tragen. Darüber hinaus müssen sie als aktive Gruppierungen zur Willensbildung gesehen werden. Sie übernehmen zum Beispiel die Rolle des Vermittlers, wenn es einen Konflikt zwischen der Meinung des Volkes und der Meinung des Parlaments, der Regierung oder des Präsidenten gibt. 13