297 Renate Merkel-Melis Hermann Schlüter(1851 – 1919) „Das Archiv ist Deine Schöpfung, Du hast erst aus dem Plunder eine ansehnliche, für wissenschaftliche Zwecke werthvolle Bibliothek gemacht.“ So schrieb Karl Kautsky am 28. Januar 1889 an Hermann Schlüter. 1 Wer war der Mann, dem diese anerkennenden Worte galten? 2 Friedrich Hermann Schlüter wurde am 8. Oktober 1851 in Elmshorn in Schleswig-Holstein geboren. Er besuchte nur eine Dorfschule und war im übrigen reiner Autodidakt. Offenbar hat er das Tischlerhandwerk erlernt und war in diesem Beruf auch tätig. Anfang der 1870er Jahre lebte er in Chicago, beteiligte sich dort an der Bewegung der Arbeitslosen und schrieb für die Wochenzeitung„Vorbote“, das Organ der Arbeiterpartei von Illinois. Er war Sekretär der Chicagoer Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation. Wahrscheinlich kehrte Schlüter 1876 wegen der damaligen Wirtschaftskrise in den USA nach Deutschland zurück und arbeitete zunächst als Korrespondent des„Vorboten“. In der Folgezeit war er an verschiedenen Organen der Sozialistischen Arbeiterpartei in Dresden tätig. Schlüter selbst zählte die„Dresdener Sturmjahre“ zu den inhaltsreichsten seines Parteilebens. 3 In den Jahren 1881 bis 1883 wurde Schlüter mehrmals verhaftet und insgesamt zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1883 aus Dresden ausgewiesen, ging er nach Stuttgart, wo er jedoch als Inhaber eines kleinen Zigarrengeschäftes keine befriedigende Existenz fand. Anfang Oktober erreichte ihn ein Brief August Bebels mit der Frage, ob er„even1 IISG, Nachlass Karl Kautsky. Sign. C 603. 2 Die folgenden Ausführungen stützen sich auf Paul Mayer, Die Geschichte des sozialdemokratischen Parteiarchivs und das Schicksal des Marx-Engels-Nachlasses, in: Archiv für Sozialgeschichte, 6/7(1966/67), S. 5-198, insb. S. 10–29. 3 Vgl.: Ebd., S. 22.
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