Vorab Deutschland hat ein Bildungsproblem! Dieser Aussage widerspricht heute fast niemand mehr. Und welcher Art die Hauptfaktoren dieses Problems sind, ist ebenfalls unstrittig: zu wenig Chancengleichheit für Einwandererkinder oder für Kinder aus armen Familien, zu viele Schulabbrecher, zu wenig Studenten. Strittig hingegen sind die Lösungsansätze. Mit dem Zweiten Bildungskongress hat das Fritz-Erler-Forum den Schulbereich in den Fokus genommen. Wir fragten nach der Motivation für neu gegründete Schulen und für Modellprojekte innerhalb des bestehenden Schulsystems. Und wir haben deren Erfahrungen diskutiert. Ziel des Kongresses war es, anhand konkreter praktischer Beispiele mögliche Reformvorschläge zu diskutieren. Die Veranstaltung sollte zudem einen Rahmen bieten für persönliche Kontakte und Gespräche. Die rund 200 Schüler, Lehrer, Eltern, Kommunal- und Wirtschaftsvertreter und weitere Bildungsaktive aus ganz Baden-Württemberg riefen zu einer neuen Schulpolitik im Land auf. Gefordert wurde unter anderem, dass endlich Schluss gemacht wird mit der frühen Trennung von Kindern aufgrund von angeblich unterschiedlichen Begabungen und Voraussetzungen. Auch die Ausgliederung von Kindern mit Behinderungen in Sondereinrichtungen müsse überwunden werden. Prominente Unterstützung und Zuspruch erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von der ehemaligen Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth."Veränderungen in der Schule hin zu längerem gemeinsamem Lernen sind nötig und gewünscht- man muss sie nur endlich auch zulassen. Auch eine moderne Pädagogik stößt im bestehenden System an Grenzen", sagte Frau Süssmuth. Längeres gemeinsames Lernen und die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes führten zu besseren Bildungschancen. Schließlich diene das gemeinsame Lernen in einer Schule auch dem Ziel, die Gesellschaft gemeinsam demokratisch zu gestalten. "Für die Zukunft unserer Gesellschaft ist es unumgänglich, milieu- und kulturübergreifende Erfahrungen zu sammeln. Wo, wenn nicht in der Schule, ist das sonst möglich?" Süssmuth ermunterte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, in ihrem Engagement für bessere Bildungschancen für alle Kinder nicht nachzulassen."Die offizielle Bildungspolitik ist leider oft ein Hemmschuh für Innovation, anstatt ihr Promotor zu sein." Frank Mentrup MdL, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, fühlte sich bestätigt."Die Lust der Menschen an Visionen und ihre große Bereitschaft, sich einzubringen, bereichern die bildungspolitische Debatte im Land und machen Mut für die Zukunft. Die Landesregierung kann nicht länger die Augen vor dieser Bildungsbewegung von unten verschließen." Dr. Christine Arbogast Projektleiterin Fritz-Erler-Forum Baden-Württemberg
Konferenzband
Bildungspolitik von unten - Schule mal anders : Bildungskongress im Haus der Architekten am Samstag, den 14. März 2009 ; Veranstaltungsinformation des Fritz-Erler-Forums Baden-Württemberg, Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung
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