POLITISCHE EINSTELLUNGEN ZU FINANZPOLITIK, STEUERN UND GERECHTIGKEIT 7 Die durchschnittliche Befragungsdauer lag bei 20 Minuten. Die Daten wurden gemäß der amtlichen Statistik gewichtet, um Repräsentativität der Ergebnisse zu gewährleisten. Bei n=2.140 Befragten beträgt die maximale Fehlertoleranz bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall+/–2,1 Prozentpunkte. Versprechen und Realität Ein konstanter Glaube an das Leistungsversprechen Dass die vergangenen Jahre durch mehrere Krisenerfahrungen geprägt sind, spiegelt sich in der politischen Stimmung der Bevölkerung in Deutschland insgesamt wider. Doch trotz aller Krisen erweist sich der Glaube an das Leistungsversprechen als erstaunlich konstant. Wer hart genug arbeitet, kann in Deutschland auch etwas erreichen – dem stimmen mit 58 Prozent Anfang 2023 noch immer ähnlich viele Bürger_innen zu wie vor Pandemie, Energiekrise, Inflation und russischem Angriffskrieg. Der detaillierte Blick zeigt, dass der Glaube an das Leistungsversprechen soziodemografisch nicht gleich verteilt ist. Männer stimmen mit 62 Prozent etwas häufiger zu als Frauen mit 55 Prozent, Westdeutsche mit 59 Prozent häufiger als Ostdeutsche mit Wer hart genug arbeitet, kann in Deutschland auch etwas erreichen. überhaupt keine/eher keine Zustimmung(0 – 4) eher/sehr starke Zustimmung(6 – 10) 60% 58% 23% 27% Okt. 18 Jan. 19 Apr. 19 Jul. 19 Okt. 19 Jan. 20 Apr. 20 Jul. 20 Okt. 20 Jan. 21 Apr. 21 Jul. 21 Okt. 21 Jan. 22 Apr. 22 Okt. 22 Jan. 23 Basis: alle Wahlberechtigten; fehlende Werte:(5)/weiß nicht/keine Angabe. Abbildung 3: Leistungsversprechen – Zeitreihe; Quelle: eigene Darstellung. 53 Prozent. Besonders ins Auge springt aber die Verteilung nach wie auch negative Folgen hat: Dass die Mehrheit nach wie vor W Alt e e r r h u a n r d t E g i e nk n o u m g m ar e b n e . i B te em t, e k r a k n en n s i w n e D rt e e u rw ts e c i h se la g n la d u a b u en ch d e ie tw Bü a r s err a e n ic d h ie en G . ültigkeit des Leistungsversprechen glaubt, ist mit Blick ger_innen im Alter von unter 40(62 Prozent) sowie über 60 Jah- auf Gerechtigkeit und individuelle Selbstwirksamkeit zunächst ren(60 Prozent) am häufigsten an das Leistungsversprechen, einmal positiv. Würde das Gegenteil gelten – auch wenn jemand während die 40- bis 59-Jährigen hier am skeptischsten sind(54 hart arbeitet, kann man in Deutschland nichts erreichen –, wäre Prozent). Ein deutliches Gefälle zeigt zudem die Verteilung nach das für die politische Stimmung ein Problem. Zugleich hat der Einkommen. Während zwei Drittel der Bürger_innen mit hohem gefestigte Glaube an das Leistungsversprechen aber auch seine Einkommen an das Leistungsversprechen glauben(68 Prozent), negative Kehrseite, denn für viele Bürger_innen folgt daraus ist es bei den Bürger_innen mit niedrigem Einkommen nicht mal genauso: Wer nichts erreicht, hat nicht hart genug gearbeitet ganz jede_r Zweite(47 Prozent). und ist eigenverantwortlich schuld daran. Diese Individualisierung sowie die mögliche Entsolidarisierung brechen sich gerade Die Fokusgruppen und auch die weiteren Ergebnisse der reprä- i n der aktuellen Krise in Verteilungskonflikten Bahn, in denen sentativen Befragung zeigen, inwiefern dieser Glaube positive Abgrenzung vor allem nach unten erfolgt.
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Mehr Umverteilung wagen : politische Einstellungen zu Finanzpolitik, Steuern und Gerechtigkeit
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