Tanja Fendel, Franziska Schreyer DIREKT 17/ 2021 GEFLÜCHTETE FRAUEN UND IHRE TEILHABE AN ERWERBSARBEIT AUF EINEN BLICK Mittlerweile machen Frauen einen gewichtigen Anteil unter den Asylerstantragstellenden aus. Die Erwerbsbeteiligung der Frauen steigt, bleibt aber geringer als die von Männern. Stärkere Teilhabe an Integrations- und Bildungsmaßnahmen, verbessertes Deutsch und Entlastung von Familienarbeit können die Erwerbsintegration geflüchteter Frauen unterstützen, ebenso wie Kontakte zu Einheimischen. Die Pandemie erschwert dies derzeit. HINTERGRUND Erwerbsarbeit können sie unter bestimmten Voraussetzungen ihren Aufenthalt in Deutschland auch rechtlich festigen – bis hin zur deutschen Staatsbürgerschaft(Schreyer et al. 2018). Die Erwerbsabsicht geflüchteter Frauen selbst ist hoch: 89 Prozent der 2019 nicht erwerbstätigen, aber erwerbsfähigen Frauen möchten„ganz sicher“ oder„wahrscheinlich“ in Deutschland erwerbstätig werden. Dies zeigen Daten der IAB-BAMF-SOEP-Befragung Geflüchteter, 1 auf denen auch die im Folgenden präsentierten Auswertungen zu Personen im erwerbsfähigen Alter(18 bis 64 Jahre) basieren. Doch trotz der hohen Erwerbsabsicht haben bislang nur wenige der seit 2013 nach Deutschland geflüchteten Frauen den Weg in das Beschäftigungssystem gefunden. Im Folgenden beschreiben wir ihre Teilhabe an Erwerbsarbeit und skizzieren einige Möglichkeiten, wie diese gefördert werden kann. Weltweit waren 2019 laut UN-Flüchtlingskommissariat(UNHCR) knapp 80 Millionen Menschen auf der Flucht. 85 Prozent der Geflüchteten leben in sogenannten Entwicklungsländern. In Deutschland haben laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge(BAMF) von 2015 bis 2020 knapp 1,8 Millionen Menschen einen Asylerstantrag gestellt. Betrug der Frauenanteil bei den Asylerstanträgen 2015 gut 30 Prozent, so lag er 2020 bei 42 Prozent. Neben Krieg, Terror und Armut können bei Mädchen und Frauen auch geschlechtsspezifische Gründe wie Genitalverstümmelung oder Zwangsverheiratung die Flucht motivieren. Die Gruppe der geflüchteten Mädchen und Frauen ist vielfältig: Das Spektrum kann von der jungen Schneiderin, die in Afghanistan keine Schule besuchen durfte, über die ältere Krankenschwester mit Mann und Kind aus Somalia und die alleinstehende Erzieherin aus Äthiopien bis hin zur Physikerin mit Kleinkindern aus dem Iran reichen. Die meisten der in jüngerer Zeit nach Deutschland geflüchteten Frauen leben aber in einer Partnerschaft und mit Kindern zusammen. In Deutschland treffen geflüchtete Menschen auf eine Einwanderungsgesellschaft, die ihrer Integration in Erwerbsarbeit nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Demografie und Bedarfen des Arbeitsmarkts hohe Bedeutung zuschreibt. Dies gilt auch für Frauen. Erwerbsarbeit kann ihren Lebensunterhalt sichern, ihre Unabhängigkeit fördern und sich positiv auf die Integration ihrer Kinder auswirken. Mit(qualifizierter) NUR LEICHT STEIGENDE ERWERBSTÄTIGENQUOTEN In 2019 waren 13 Prozent der geflüchteten Frauen und 53 Prozent der geflüchteten Männer sozialversicherungspflichtig oder selbstständig erwerbstätig(einschließlich geringfügiger und/oder unregelmäßiger Beschäftigung sowie Ausbildung, Lehre oder betriebliches Praktikum). Zwar nehmen in Deutschland auch allgemein Frauen weniger am Erwerbsleben teil als Männer(Deutscher Bundestag 2017: 90f.). Ein Vergleich mit Daten des Sozioökonomischen Panels(SOEP) zeigt jedoch, dass der Unterschied in der Erwerbspartizipation bei Geflüchteten besonders hoch ist: Bei Personen im erwerbsfähigen Alter ohne Migrationshintergrund betrug er in 2019 nur knapp sieben Prozentpunkte. >
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