Publikationen der StiftungAlltag als MaßstabTitel
Publikationen der StiftungAlltag als Maßstab
Titel
Titelaufnahme
Titelaufnahme
- TitelAlltag als Maßstab : geschlechtergerechte Stadtentwicklung in Baden-Württemberg
- Verfasser
- Körperschaft
- Erschienen
- Umfang1 Online-Ressource (6 Seiten)
- SpracheDeutsch
- Serie
- DokumenttypBuch
- Schlagwörter
- Geografika
- ISBN978-3-98628-905-8
- URN
Zugriffsbeschränkung
- Das Dokument ist frei verfügbar
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Klassifikation
Zusammenfassung
- Eine ältere Frau lebt allein in einem Einfamilienhaus am Rand einer kleinen Gemeinde. Für den Einkauf reicht der Busfahrplan gerade noch aus, für einen Termin bei der Fachärztin in der Kreisstadt ist sie jedoch auf ihre Tochter und ihr Auto angewiesen. In einem Neubaugebiet bringt eine alleinerziehende Mutter morgens ihr Kind zur Kita, fährt anschließend zur Arbeit und erledigt auf dem Rückweg den Einkauf. Ohne Auto wären diese Wege kaum miteinander zu verbinden. Eine junge Frau ist abends mit Freundinnen in einer Bar. Der Weg zur Haltestelle wirkt dunkel und unübersichtlich, und auch im öffentlichen Nahverkehr fühlt sie sich zu dieser Uhrzeit unsicher. Deshalb nimmt sie ein Taxi, obwohl die zusätzlichen Kosten ihr Budget belasten. Solche Situationen wirken zunächst wie persönliche Alltagsprobleme. Tatsächlich sind sie eng mit kommunalen Entscheidungen verbunden: damit, wo Wohnungen und Versorgungseinrichtungen liegen, wie häufig Busse fahren und ob öffentliche Räume auch abends ohne Angst genutzt werden können. In allen drei Fällen entstehen zusätzliche Abhängigkeiten, Zeitaufwände oder Kosten. Diese Belastungen sind nicht zufällig verteilt. Frauen übernehmen im Durchschnitt einen größeren Anteil der unbezahlten Sorgearbeit, etwa bei der Betreuung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen. Dieser sogenannte Gender Care Gap beeinflusst ihre Möglichkeiten zur Erwerbsarbeit, ihr Einkommen und langfristig auch ihre Rente. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle, der sogenannte Gender Pay Gap, und das geschlechtsspezifische Rentengefälle, der sogenannte Gender Pension Gap, führen dazu, dass Frauen im Durchschnitt über geringere finanzielle Spielräume verfügen. Frauen berichten zudem häufiger von Unsicherheit im öffentlichen Raum und im öffentlichen Nahverkehr. Geschlechtergerechte Stadtentwicklung untersucht deshalb, wie sich räumliche und politische Entscheidungen auf unterschiedliche Lebensrealitäten auswirken. Sie fragt, wer alltägliche Wege selbstständig zurücklegen kann, wer auf Unterstützung angewiesen ist, wer sich Wohnraum und Mobilität leisten kann und wer bestimmte Orte aus Unsicherheit meidet. Dabei sind Frauen keine einheitliche Gruppe. Eine gut verdienende Frau mit eigenem Auto hat andere Möglichkeiten als eine alleinerziehende Mutter ohne Pkw, eine Frau mit Behinderung oder eine ältere Frau in einem schlecht angebundenen Ortsteil. Wie Menschen ihre Stadt oder Gemeinde erleben, hängt neben dem Geschlecht auch von Einkommen, Alter, Herkunft, Religion, Identität oder einer Behinderung ab. Geschlechtergerechte Planung nutzt den Alltag als Maßstab dafür, ob Mobilität, Wohnen, Versorgung und öffentliche Räume allen Menschen ein möglichst selbstständiges, sicheres und bezahlbares Leben ermöglichen – oder ob bestehende Ungleichheiten durch räumliche Entscheidungen noch verstärkt werden.
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