L S a c n h de w sbü e r r o i M n e , ck S le e n p bu t r e gm Vo b rp e om r m 2 e 0 rn 15| Heft Nr. 5 Schwerin, September 2015| Heft Nr. 5 Weiter denken… 1 W e i t e r d e n k e n … Diskussionsimpulse des Landesbüros Mecklenburg-Vorpommern der Friedrich-Ebert-Stiftung Integration vor Ort – Willkommenskultur in Mecklenburg-Vorpommern mit Leben füllen Kriege, gewalttätige Konflikte, politische und religiöse Verfolgung und soziale Not – es gibt viele Gründe, aus denen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder geflüchtet sind. Weltweit sind fast 60 Millionen Menschen betroffen. Hunderttausende machen sich auf den Weg nach Europa – auf der Suche nach Schutz, Freiheit und einer neuen Lebensperspektive. Die Europäer und damit auch die Deutschen schwanken zwischen Ablehnung und Verständnis für Flüchtlinge und Migranten. Dementsprechend reagiert die Politik. Sie ist einerseits geprägt von Abgrenzung und anderseits vom Bemühen, die Neuankömmlinge besser zu integrieren. Niemand kann das gesellschaftliche Klima in Deutschland Anfang der 1990er Jahre vergessen, als Politik und Gesellschaft eine Pogromstimmung gegenüber Flüchtlingen und Migranten zuließen. Obwohl immer noch massive und beschämende Übergriffe auf Schutzsuchende stattfinden, ist die Grundstimmung inzwischen eine grundlegend andere. In der deutschen Bevölkerung wächst laut einer repräsentativen TMS Emnid-Umfrage von Januar 2015 das Bewusstsein dafür, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist und damit auch die Offenheit gegenüber Einwanderern. Dennoch bleiben die Menschen gegenüber der Zuwanderung hin- und hergerissen. Welche Vorteile Zuwanderung haben kann, ist angesichts der Unübersichtlichkeit, welche Migranten nur kurzzeitig Schutz suchen und welche mit einer langfristigen Integration rechnen können, für Politik und Gesellschaft nicht immer leicht auszumachen. Die wirklichen und die vermeintlichen Schwierigkeiten hingegen liegen oft schnell auf der Hand – ob Schulprobleme, Arbeitsgenehmigungen, Versorgung mit Wohnraum, Belastungen des Sozialstaates oder das Konfliktpotenzial mit Einheimischen. Dabei ist es für Mecklenburg-Vorpommern eine besondere Herausforderung, dass laut Umfragen die Skepsis gegenüber Einwanderern wie auch in den anderen neuen Bundesländern größer ist als in den alten Bundes‑ ländern. Es ist keine Frage, dass Politik und Verwaltung die Grundsteine legen müssen, wenn Integration gelingen soll. Sie müssen sich um die Rahmenbedingungen für zügige Asylverfahren, Sprachkurse, Wohnraum, die Anerkennung beruflicher Qualifikationen und vieles mehr bemühen. Doch eine grundsätzliche Voraussetzung für eine gelingende Integration sind die Stimmung in und die Bemühungen der Aufnahmegesellschaft. Eine positive Einstellung gegenüber Neuankömmlingen in den Kommunen, in denen Flüchtlinge und Migranten integriert werden sollen, kann nicht von der Bundes- oder der Landesregierung verordnet werden. Was gemeinhin als„Willkommenskultur“ oder auch Teilhabeund Anerkennungskultur bezeichnet wird, ist zunächst eine – mitunter auch kritisierte – Worthülse. Sie muss vor allem von den Menschen„vor Ort“ mit Leben erfüllt werden. Wie das geschehen kann, war Thema der Tagung „Ankommen! Wie Integration vor Ort gelingen kann“, die die Friedrich-Ebert-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern im Juni 2015 in Kooperation mit dem Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin ausrichtete. Die Tagung ist die Grundlage für die vorliegende Publikation. Ziel war es, mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, Beteiligten und Betroffenen aus verschiedenen Bereichen und der Politik darüber nachzudenken, wie Integration vor Ort gestärkt werden kann, Forderungen für bessere Rahmenbedingungen zu formulieren und gelungene Beispiele zu präsentieren. Zu diesem Zweck wurden unter anderem zwei Kurzfilme produziert, die der Publikation beiliegen und als anschauliche Beispiele weite Verbreitung verdienen. Für die Beteiligung an der Tagung und vor allem bei der Produktion der Filme bedanken wir uns bei der AOK Nordost und dem Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern. Sie werden sehen, Integration vor Ort ist möglich und lohnenswert. Frederic Werner Leiter des Landesbüros Mecklenburg-Vorpommern der Friedrich-Ebert-Stiftung
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(2015) 5. Integration vor Ort - Willkommenskultur in Mecklenburg-Vorpommern mit Leben füllen
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