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(2022) 1. Zukunftsweisende Sicherheitspolitik in Nordrhein-Westfalen : ein Diskussionspapier
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Ausgabe 1| 2022 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung Prof. Dr. Gina Rosa Wollinger und Prof. Dr. Stefan Kersting Zukunftsweisende Sicherheitspolitik in Nordrhein-Westfalen Ein Diskussionspapier ­Bundesweit und in NRW ist die Zahl der Straftaten gesun­ken. Dennoch muss das Thema der Inneren Sicherheit polit­isch weiter eine hohe Priorität genießen. Insbeson­dere die Organisierte Kriminalität sollte stärker bekämpft werden. Und es darf nicht vergessen werden, dass Krimi­nalität sozial verursacht ist, also gesellschaftspolitisch beeinflussbar und veränderbar ist. Aus kriminologisch-wissenschaftlicher Sicht sind daher folgende Handlungsempfehlungen für eine zukunftsweisende Sicher­heitspolitik in NRW zentral: Sicherheitsmonitoring und weitere wissenschaftliche Analysen: Die Kriminalitätsentwicklung in NRW sollte fort­laufend erhoben und mögliche Entwicklungen antizipiert werden. Evidenzbasiertes politisches Handeln: Mit der Errich­tung einer unabhängigen kriminologischen Forschungsstel­le NRW würde dies besser gewährleistet. Kommunale Resilienz: Die innere Sicherheit auf kommu­naler Ebene kann durch professionelle und gefestigte Strukturen erhöht werden. Dabei sollten sowohl staatliche als auch nichtstaatliche Akteur_innen einbezogen werden (Multi-Agency-Ansatz). Gleichzeitig wäre es sinnvoll, redun­dante und ineffektive Präventionsstrukturen zu reduzieren. Vernetzung in bzw. von Sicherheitsbehörden: Aufbau bzw. Aufrechterhaltung von besonderen Ermittlungsgrup­pen sowie Schwerpunktstaatsanwaltschaften, insbesonde­re in Bezug auf sogenannte Kontrolldelikte(Organisierte Kriminalität). Kriminalunspezifische Maßnahmen: Ausbau und Stär­kung sozialer Arbeit, zum Beispiel in Bezug auf alternative Drogenpolitik sowie frühe Hilfen für eine gelingende Ent­wicklung und gesellschaftliche Teilhabe. Was ein Sicherheitsbericht für NRW bringt Kriminolog_innen sind nicht die besseren Innenpolitiker_­innen und wollen das auch nicht sein. Die Umsetzung der For­schungsbefunde in sicherheitspolitische Maßnahmen muss Aufgabe der Politik bleiben. Eine geeignete Möglichkeit der Verschränkung von Politik und Wissenschaft wäre aber die Etablierung eines regelmäßigen Sicherheitsberichts für Nord­rhein-Westfalen. Denn es reicht nicht aus, nur Daten des polizeilichen Hellfelds zu betrachten. Vielmehr bedarf es unabhängiger kriminologi­scher Forschung, die dann als Erkenntnisgrundlage für eine zukunftweisende Sicherheitspolitik dienen kann. Prof. Dr. Gina Rosa Wollinger hat Soziologie, Philosophie und Germanistik in Leipzig studiert. Anschließend war sie als wissenschaftliche Mit­arbeiterin am Kriminologischen Forschungsin­stitut Niedersachsen e. V. beschäftigt und forschte u. a. zu Wohnungseinbruch und Cyberc­ rime. Seit 2018 hat sie eine Professur für Soziologie und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW am Studienort Köln. Prof. Dr. Stefan Kersting ist ehemaliger Kriminal­-beamter und hat Soziologie, Politik- und Rechts­wissenschaften in Hagen studiert. Während seiner Tätigkeit in der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle beim Landeskriminalamt Nord­rhein-Westfalen forschte er u. a. zu Wohnungsein­bruch und Raubüberfällen auf Geldinstitute. Seit 2016 hat er eine Professur für Kriminalistik und Kriminologie an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW am Studienort Gel­senkirchen. Empfehlenswert wäre überdies, ein kriminologisches Forschungs­zentrum NRW einzurichten. Dadurch ergäbe sich nicht nur die Chance, regelmäßig ein valides Sicherheitsmonitoring für NRW zu erstellen. Es könnten zudem auch Ursache-Wirkungszu­sammenhänge kriminogener Faktoren dargelegt und spezifi­sche politische Maßnahmen und Präventionsprojekte evaluiert werden. Ferner könnte ein solches unabhängiges Forschungs­zentrum die bestehende kriminologische Expertise an den Uni­versitäten, Hochschulen und behördlichen Forschungseinrich­tungen des Landes NRW vernetzen. Landesbüro NRW