24 FES I N F O SCHWERPUNKT Fachkonferenz über die Konsequenzen aus IGLU 2006 und PISA III Keiner darf zurückbleiben D I E J Ü N G S T V E R Ö F F E N T L I C H T E N E R G E B N I S S E V O N P I S A I I I UND DER GRUNDSCHUL-LESE-UNTERSUCHUNG IGLU 2006 haben den im deutschen Bildungssystem besonders engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg wieder bestätigt. Die soziale Selektivität des Bildungssystems in Deutschland ist hoch. so gesehen und verstärkt wird, wird sich nichts ändern. Anderen Staaten gelingt es erheblich besser, geringere Bildungschancen auszugleichen, und sie sind schneller bei der Umsetzung von Verbesserungen. Auch in Deutschland sind Lösungswege für den Wechsel von einem traditionell auslesenden zu einem fördernden Bildungssystem klar: dazu gehören ganztägige Bildungseinrichtungen, frühe individuelle Förderung, längeres gemeinsames Lernen, sowie eine Anerkennungskultur nach dem Grundsatz„Keiner darf zurückbleiben“. All das erfordert einen Mentalitätswechsel. Es fehlt weniger an Wissen als an Willen und politischer Durchsetzungskraft. Das Netzwerk Bildung der FES suchte am 24. Januar in der Fachkonferenz„Abhängigkeit 1/2008 des Bildungserfolgs von sozialer Herkunft – Konsequenzen aus IGLU 2006 und PISA III“ Antworten auf die Frage, warum das Problem der sozialen Selektivität im deutschen Bildungssystem bislang politisch nicht gelöst werden konnte. Ein entscheidender Grund für die mangelnde Bereitschaft zu umfassenden Reformen könnte die Angst vor dem Widerstand der Eltern von Gymnasiasten und Realschülern sein.„Meine These ist, dass 2/3 der deutschen Eltern mit dem Schulsystem prinzipiell zufrieden sind. Sie wollen die Sozialchancen ihrer Kinder sichern und glauben, dass dies durch die frühe Trennung nach Schulformen am besten gelingt“, so der ehemalige niedersächsische Kultusminister Rolf Wernstedt. Solange dies von Parteien auch Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit der Kultusministerkonferenz, wo schulstrukturelle Fragen wegen der Gefahr der Selbstblockade seit Jahren vermieden werden. Langfristig bleibt der hohe Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aber kein Problem einer Minderheit. Deutschland wird den Anschluss an andere Wissensgesellschaften verpassen, weil die qualifizierten Arbeitskräfte für immer komplexere Arbeitsabläufe sogar schon jetzt fehlen. Solange die richtigen Weichenstellungen noch nicht vorgenommen worden sind, können Einzelschulen mit viel Einsatz benachteiligte Kinder fördern. Der stellvertretende Schulleiter der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim erläuterte das Erfolgskonzept des DeutschenSchulpreis-Gewinners 2007: „Das gesamte Konzept unserer Schule ist darauf ausgerichtet, der Vielfalt und Individualität unserer Schülerinnen und Schüler gerecht zu werden.“ P O S I T I O N S PA P I E R „Dramatische Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft – Konsequenzen aus IGLU 2006 und PISA III“, Positionspapier des Netzwerk Bildung: www.fes.de/stabsabteilung, dort Bildung, Forschung, Innovation
Heft
(2008) 1
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten