BULGARIEN Kurzberichte 1/ 2009 Bulgarien, anno 2 in EU Ein Rückblick auf das Jahr 2008 2008 war für Bulgarien ein Jahr voller Widersprüche: ein Jahr mit sehr guten wirtschaftlichen Daten, trotz der globalen Krise, mit verstärkten Bemühungen im Bereich der Sozialpolitik – und katastrophal schlechten Beurteilungen durch die EU-Kommission wegen der anhaltenden Korruption, der Wirtschaftskriminalität und des Missbrauchs von EU-Geldern. Rosige Wirtschaftsentwicklung … Als ärmstes Land in der EU ist ein hohes Wirtschaftswachstum Priorität für die nachholende Entwicklung, mit 7% im Jahresdurchschnitt der ersten neun Monate liegt es auch dieses Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt und trotz erster Einbrüche gegen Jahresende aufgrund der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sicher über dem Jahresziel von 6,4%. Ein hohes Wachstum bedeutet aber auch die Inkaufnahme einer höheren Inflation. Immerhin lag die Inflation im September nur knapp über 10%, dürfte Jahresdurchschnitt knapp darunter, im einstelligen Bereich liegen. Von den makroökonomischen Indikatoren bereiten nur die negative Handelsbilanz von ca. 8 Mrd. Euro(21% BIP) und daraus resultierend ein hohes Defizit in der Zahlungsbilanz Sorgen. Zwar stiegen die Exporte um 25%, aber gleichzeitig auch die Importe um 27%, insbesondere angefeuert durch die steigenden Rohstoffpreise. Fast die Hälfte des Handelsdefizits geht auf das Konto der hohen Abhängigkeit Bulgariens von russischen Gaslieferungen, die über die Ukraine nach Bulgarien gelangen. Daher war auch das größte außenpolitische Ereignis des Jahres, der Besuch des russischen Präsidenten Vladimir Putin in erster Linie ökonomisch motiviert. Es galt der Unterzeichnung der Verträge zum Bau eines neuen Atomkraftwerkes und dem Bau bzw. der bulgarischen Beteiligung an einer neuen Gaspipeline,„South Stream“ genannt, die durch Bulgarien Gas aus dem kaspischen Raum nach Europa liefern soll und damit auch Bulgarien Transiteinnahmen bescheren soll. Durch die strikte Geldmengen- und Fiskalpolitik, die der Währungsrat dem Haushalt auferlegt, hat Bulgarien solide Währungsreserven und erwirtschaftet Haushaltsüberschüsse, die jedes andere europäische Land vor Neid erblassen lassen(2 Mrd. Euro, ca. 3% des BIP). Ausländische Direktinvestitionen gingen zwar zurück, positiv ist jedoch die Tendenz weg vom Immobiliensektor hin zur verarbeitenden Industrie. …. und eine bessere soziale Lage Die rosige Wirtschafts- und Haushaltslage erlaubte es der Regierung in diesem Jahr ihre politischen Prioritäten – neben dem obersten Ziel der Korruptionsbekämpfung – auf soziale Politikbereiche zu legen. So hat die Regierung u.a. 50 Mio. Lewa für die Instandsetzung von Studentenheimen zur Verfügung gestellt und die Gehälter für jungen Wissenschaftler und die Stipendien der Doktoranden fast verdoppelt. Auch das Kindergeld wurde um 100% heraufgesetzt. Erwerbstätige Mütter bekommen ab 2009 12 Monate Mutterschutz(derzeit 9) bei faktisch vollem Gehalt (90%, aber steuerfrei). Das ist europaweit Rekord! Danach können Rentner ihre Enkelkinder bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres betreuen, gegen staatliche Bezahlung von 220 Lewa, ca. 112 Euro im Monat! Trotzdem ist die Lage der Rentner prekär. Mit 120 Euro im Monat ist die Durchschnittsrente zwar seit Beginn des Mandates der Regierung 2005 um 75% gestiegen, reicht aber immer noch nicht aus, um alleine damit halbwegs menschenwürdig über die Runden zu kommen. Im Human Development Index von UNDP rangiert Bulgarien immer noch im Mittelfeld auf Platz 56, zwischen Saudi Arabien und Trinidad und Tobago. Wenig vorangekommen sind die Strukturreformen im Bildungs- und im Gesundheitswesen. Der Arbeitsmarkt hatte noch zu Beginn des Jahres das„Problem“, das insbesondere in den Städten ein akuter Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrschte. Die offizielle ArbeitsloFriedrich-Ebert-Stiftung, Büro Bulgarien http://www.fes.bg V.i.S.d.P. Marc Meinardus
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(2009) 1. Bulgarien, anno 2 in EU
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