Nr: 16 Rückblick: Juli- Dezember 2009 •„Demokratische Öffnung“ gerät ins Stocken • Keine neuen Impulse durch Parlamentsdiskussion • Rückkehr der Gewalt • Türkische Außenpolitik • Pipelineverträge führen zu Diskussion über türkische Außenpolitik • Neuer Konflikt mit Israel wegen Militärmanöver • Protokolle zur Verbesserung der türkischarmenischen Beziehungen unterzeichnet • Erdogan wirbt für guten Willen gegenüber dem Iran • Einigkeit nach Gespräch im Weißen Haus • Mehrdimensionale Außenpolitik • Neue Vorschläge für eine Zypern-Lösung • Wohlwollender EU-Fortschrittsbericht • Zustimmung zur EU rückläufig • Langsame wirtschaftliche Erholung • Erfolgreicher Arbeitskampf • Tekel-Beschäftigte fordern soziale Rechte • Reform des Gewerkschaftsgesetzes wird drängend • Untersuchungen wegen Staatsstreichplänen • Offener Streit in Justiz und Sicherheitskräften „Demokratische Öffnung“ gerät ins Stocken Die letzten Monate des Jahres 2009 standen im Zeichen der von der AKP-Regierung vorangetriebenen„demokratischen Öffnung“. Mit Zuge der propagierten „Öffnung“ sollten im Kontext der allgemeinen Demokratisierung auch Fortschritte im Hinblick die kulturelle und soziale Situation der Kurden in der Türkei erzielt werden. Damit konkretisierte sich die schon im ersten Halbjahr des Jahres 2009 formulierte Absicht der Regierung, in der friedlichen Beilegung der Konflikte im Südosten des Landes und in der Garantie von Grundrechten für alle Bevölkerungsgruppen voranzukommen. Mit dem Verbot der pro-kurdischen Partei DTP durch das Verfassungsgericht am 11. Dezember, dem erneuten Aufflammen von Gewalt und einer Zunahme der Spannungen zwischen Regierung und Militär ist der Prozess der„demokratischen Öffnung“ zum Jahresende 2009 wieder ins Stocken geraten. Anders als bei anderen Initiativen der AKP-Regierung(wie beispielsweise dem unilateralen Vorstoß für eine Verfassungsreform im Jahr 2007) sollte die„demokratische Öffnung“ ein Prozess sein, im Laufe dessen alle politischen Parteien und verschiedene gesellschaftliche Gruppen konsultiert werden. So erklärte der zuständige Innenminister Besir Atalay bei einer Pressekonferenz am 30. Juli 2009, in der lediglich grobe Eckdaten des Projektes vorgestellt wurden, die Regierung werde kein fertiges Programm vorlegen:„Wir glauben, dass das als Kurden-Problem bezeichnete Problem dadurch gelöst werden kann, indem wir die demokratischen Rechte unserer Bürger erweitern und vervollkommnen und sich Bürger, ungeachtet wo sie leben, als gleiche und freie Teile des Staats fühlen können. Aus diesem Grunde richtet sich der Lösungsprozess auf Demokratisierung. Bei diesem Thema ist das, was wir bereits getan haben, ein Indikator für das, was wir tun werden. Wir wollen die Schritte zur Demokratisierung mit allen Kreisen der Gesellschaft gemeinsam unternehmen. Diese Angelegenheit ist nicht eine einer Partei oder der Regierung, sondern eine der ganzen Gesellschaft. Aus diesem Grund bitten und erwarten wir von jedem, nicht mit einer destruktiven sondern konstruktiven Haltung am Prozess teilzunehmen und zur Lösung beizutragen.“ Während die pro-kurdische Partei DTP positiv auf die Ankündigung reagierte, zeigten sich die beiden anderen Oppositionsparteien CHP und MHP skeptisch. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Union der türkischen Börsen und Kammern, der Unternehmerverband TÜSIAD und Gewerkschaftsdachverbände wie Türk-Is und DISK bekundeten ihr Interesse, sich in den Prozess einzubringen. Andere kleinere Organisationen wie die Referat: Westliche Industrieländer www.fes.de/international
Heft
(2009) 16
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