Heft 
(2009) 3
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36 INTERNATIONAL Weltwirtschaftsordnung Vier Szenarien zur Globale Krise nationale Antworten? FÜHRT DIE GLOBALE KRISE PARADOXERWEISE DAZU, DASS WIEDER MEHR N A T I O N A L E L Ö S U N G E N G E S U C H T W E R D E N? Ja, lautete die Antwort von Hendrik Enderlein, Dekan an der Hertie School of Governance, und er wies gleichzeitig darauf hin, dass deswegen eine unabhängige Instanz benötigt werde, eine Art Globales Sekretariat für Währungs- und Finanzfragen, ähnlich wie es in einem der vier Szenarien zur Zukunft der Weltwirtschaftsordnung beschrieben wird. Enderlein sprach auf einer Ver­anstaltung im Berliner Haus der FES am 14. September, bei der diese Szenarien der Öffent­lichkeit vorgestellt wurden. Sie waren im Verlauf eines Jah­res von einem internationalen Team von 25 Teilnehmern aus 17 Ländern unter Federfüh­rung des FES-Büros Genf erar­beitet worden. Vier Mitglieder des Teams stell­ten die Szenarien vor, die Ant­wort auf die Frage geben sol­len, wie sich die Organisation der Weltwirtschaft in Zukunft entwickeln wird. Ziel der Sze­narien ist es, politische Ent­scheidungsträger für die mög­lichen Konsequenzen ihres Tuns oder auch Nichtstuns zu sensibilisieren und die lau­fende Debatte zur Reform der Weltwirtschaftsordnung um einen etwas anderen Blickwin­kel zu bereichern, so der Gen­fer FES-Vertreter und Leiter des Szenarioprojekts, Winfried Veit. Und diese Konsequenzen könnten dramatisch sein, wie Jens Martens, Di­rektor des Global Policy Forum Euro­pe, anmerkte: drei der vier vorgestell­ten Szenarien führ­ten in den Abgrund, vor allem was den Klimawandel anbe­langt. Ganz so dra­matisch sah es das Publikum aber offensichtlich nicht. Als Moderator Thomas Fischermann von der ZEITab­stimmen ließ, hielt die Mehr­heit offensichtlich die beiden SzenarienWeiter-im-alten­Trott undEine Welt der re­gionalen Blöcke für die wahr­scheinlichste Zukunftsaussicht. Nur wenige glaubten an den Marsch in den Abgrund oder an die Aussicht auf einen Wahren Multila­teralis­mus. Dennoch, stellte Ulrich Benterbusch von der OECD in Paris fest, zeigten die Szenari­en einen enormen Handlungs­bedarf in den nächsten Jahren auf, wobei sie für die infor­melle Entscheidungsfindung im vorpolitischen Raum von gro­ßem Nutzen seien. Nur wenige Tage vor der Ber­liner Veranstaltung waren die Szenarien auch im Europa­Büro der FES in Brüssel vor­gestellt worden, wo der Leiter der Wirtschafts- und Sozial­abteilung des Internationalen Gewerkschaftsbundes, James Howard, sie als einen nütz­lichen Beitrag zur notwendigen Debatte um die Reform der Weltwirtschaftsordnung be­zeichnete, die auch viele aus Gewerkschaftssicht notwen­dige, Elemente beinhalteten. Sie böten damit auch eine gute Argumentationshilfe gegen den Niedergang der multilateralen Weltordnung, wie er allenthal­ben zu beobachten sei. FES I N F O 3/2009