36 INTERNATIONAL Weltwirtschaftsordnung Vier Szenarien zur Globale Krise – nationale Antworten? FÜHRT DIE GLOBALE KRISE PARADOXERWEISE DAZU, DASS WIEDER MEHR N A T I O N A L E L Ö S U N G E N G E S U C H T W E R D E N? Ja, lautete die Antwort von Hendrik Enderlein, Dekan an der Hertie School of Governance, und er wies gleichzeitig darauf hin, dass deswegen eine unabhängige Instanz benötigt werde, eine Art Globales Sekretariat für Währungs- und Finanzfragen, ähnlich wie es in einem der vier Szenarien zur Zukunft der Weltwirtschaftsordnung beschrieben wird. Enderlein sprach auf einer Veranstaltung im Berliner Haus der FES am 14. September, bei der diese Szenarien der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Sie waren im Verlauf eines Jahres von einem internationalen Team von 25 Teilnehmern aus 17 Ländern unter Federführung des FES-Büros Genf erarbeitet worden. Vier Mitglieder des Teams stellten die Szenarien vor, die Antwort auf die Frage geben sollen, wie sich die Organisation der Weltwirtschaft in Zukunft entwickeln wird. Ziel der Szenarien ist es, politische Entscheidungsträger für die möglichen Konsequenzen ihres Tuns – oder auch Nichtstuns – zu sensibilisieren und die laufende Debatte zur Reform der Weltwirtschaftsordnung um einen etwas anderen Blickwinkel zu bereichern, so der Genfer FES-Vertreter und Leiter des Szenarioprojekts, Winfried Veit. Und diese Konsequenzen könnten dramatisch sein, wie Jens Martens, Direktor des Global Policy Forum Europe, anmerkte: drei der vier vorgestellten Szenarien führten in den Abgrund, vor allem was den Klimawandel anbelangt. Ganz so dramatisch sah es das Publikum aber offensichtlich nicht. Als Moderator Thomas Fischermann von der ZEIT„abstimmen“ ließ, hielt die Mehrheit offensichtlich die beiden Szenarien„Weiter-im-altenTrott“ und„Eine Welt der regionalen Blöcke“ für die wahrscheinlichste Zukunftsaussicht. Nur wenige glaubten an den „Marsch in den Abgrund“ oder an die Aussicht auf einen „Wahren Multilateralismus“. Dennoch, stellte Ulrich Benterbusch von der OECD in Paris fest, zeigten die Szenarien einen enormen Handlungsbedarf in den nächsten Jahren auf, wobei sie für die informelle Entscheidungsfindung im vorpolitischen Raum von großem Nutzen seien. Nur wenige Tage vor der Berliner Veranstaltung waren die Szenarien auch im EuropaBüro der FES in Brüssel vorgestellt worden, wo der Leiter der Wirtschafts- und Sozialabteilung des Internationalen Gewerkschaftsbundes, James Howard, sie als einen nützlichen Beitrag zur notwendigen Debatte um die Reform der Weltwirtschaftsordnung bezeichnete, die auch viele aus Gewerkschaftssicht notwendige, Elemente beinhalteten. Sie böten damit auch eine gute Argumentationshilfe gegen den Niedergang der multilateralen Weltordnung, wie er allenthalben zu beobachten sei. FES I N F O 3/2009
Heft
(2009) 3
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