Heft 
September
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Pressespiegel September 2011 1. Die Rolle der Christen im syrischen Aufstand Die geringe Beteiligung der religiösen Minderheiten am syri schen Aufstand ist einer der Schwachpunkte der Bewegung. Die Staatspropaganda, die die Unruhen als islamistische Ver schwörung darstellt, schürt und instrumentalisiert die Furcht der Minderheiten, vor allem der Alawiten und Christen, um ihre Zukunft in einem von der sunnitischen Mehrheit dominier ten Staat. So berichteten die staatlichen Medien, Präsident Bashar al Assad habe gegenüber Vertretern der Versammlung Orientalischer Christen betont, es sei die Aufgabe der geistli chen Vertreter, die nationale Einheit zu wahren und den Extre mismus abzuwehren(Teshreen 27.09.2011). Während eines Besuches in Frankreich erklärte der libanesische maronitische Patriarch, Beshara Boutros Rai, ein Zusammen bruch des Baath Regimes in Syrien setze die christlichen Min derheiten im Nahen Osten einer großen Gefahr aus. Er forderte vom Westen mehr Chancen für Assad, damit dieser die politi schen Reformen, die er begonnen hat, umsetzen könne. ‚Wir sind nicht auf der Seite des syrischen Regimes. Aber wir haben jeden Grund, einen Umschwung zu fürchten. Wir müssen die christliche Gemeinschaft verteidigen, so der Patriarch(al Arabiyya 16.09.2011).In einem Interview mit der überregiona len Tageszeitung Asharq al Awsat bezeichnete der syrische Oppositionelle Michel Kilo die Aussagen Rais als ‚nicht akzep tabel und ‚absurd. Er sagte weiter, der Patriarch spreche nicht für die Christen, sondern als Vertreter der Kirche. Kilo betonte, die islamische Bewegung habe sich geändert und fordere heute einen zivilen Staat mit pluralistischer Verfassung (Asharq al Awsat 19.09.2011) Das syrische Regime und die Illusion des Minderheitenschutzes! Es ist kein Geheimnis, dass das syrische Regime hart daran arbeitet, die so genannten christlichen Minderheiten im Land mit dem Schreckgespenst der Sunniten Furcht einzujagen. Diese, so die Behauptungen des Regimes, versuchen die Regierung zu übernehmen, um das Land in einen radikalen, fanatischen Staat zu verwandeln. Die Propagandamaschinerie des Regimes konstruiert die Gefahr einer salafistischen, radikalen Bedrohung, indem sie die Geschichte verbreitet, die Krise in Syrien sei zwi schen dem Staat und radikalen islamischen Gruppen entbrannt, welche al Qaida ähneln! Sie suggeriert weiter hin, das Regime, welches sich auf eine alawitische Min derheit stützt, sei als einziges fähig, die Christen zu be schützen, da sie sich in einer vergleichbaren Position befänden. Das ist genau das, wovon sie auch die syrischen Drusen zu überzeugen versuchen, damit auch diese den bewaffneten Kampf gegen das rebellierende Volk auf nehmen. Bisher ist es ihnen gelungen, eine breite Unter stützung aus christlichen Kreisen zu bekommen, wohin gegen sie die Drusen nicht auf ihre Seite ziehen konnten. Früher oder später werden die syrischen Drusen die Re volution der Freiheit und Würde anführen. Hinsichtlich der syrischen christlichen Öffentlichkeit gibt es eine große Hoffnung, dass sich diese Öffentlichkeit bewusst wird, dass Staatsbürgerschaft aus mehr besteht als aus einem Leben wie biologische Wesen, die essen, trinken und schlafen, so wie sie das Regime für immer und ewig haben möchte Ali Hamadeh, al Nahar 6.09.2011