04. 2013 EDITORIAL Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Friedrich-Ebert-Stiftung, mit diesem Newsletter stellen wir Ihnen die Ergebnisse der jüngsten Meinungsumfrage des Jerusalem Media und Communication Center(JMCC) vor. Die Umfrage wurde nach dem Besuch von US Präsident Barack Obama Ende März 2013 im Westjordanland und in Gaza durchgeführt und stellt eine Momentaufnahme der Stimmung 20 Jahre nach Beginn des Oslo-Prozesses dar. Die öffentliche Meinung im Hinblick auf die Oslo Abkommen ist demnach gespalten: 44% der Palästinenser sind der Ansicht, es wäre besser gewesen, diese nicht zu unterzeichnen. Ebenfalls 44% sind der Meinung, die Unterzeichnung war für die Palästinenser von Vorteil. Die durch die Oslo Abkommen gegründete Palästinensische Autonomiebehörde(PA) litt besonders im letzten Jahr unter einer Finanzkrise, in deren Folge Löhne und Gehälter nicht oder nur teilweise ausgezahlt werden konnten. Ca. 50% der PalästinenserInnen machen für diese Finanzkrise Israel verantwortlich. Auch die Sicherheitskooperation zwischen der PA und Israel ist unbeliebt. 55% der Befragten sprachen sich dafür aus, die Kooperation einzustellen, auch wenn dies zur Folge hätte, dass das israelische Militär wieder in den palästinensischen Ballungszentren der A-Gebieten Verhaftungen durchführen würde. Der Besuch von US Präsident Obama hat in den Augen der Bevölkerung vor allem Israel genutzt. 25% der Befragten gaben allerdings an, dass der Besuch gar keine Auswirkungen hatte. Die PalästinenserInnen befürworten noch immer eine Verhandlungslösung zur Errichtung eines unabhängigen Palästinensischen Staates: 65% sind der Ansicht, die palästinensische Führung sollte die Verhandlungen wieder aufnehmen unter der Bedingung, dass Israel den Siedlungsbau stoppt. Doch während die Rückkehr an den Verhandlungstisch zum jetzigen Zeitpunkt kaum wahrscheinlich ist, deuten die Umfrageergebnisse darauf hin, dass die innerpalästinensische Aussöhnung eine der dringenden Aufgaben für die palästinensische Führung ist: Im siebten Jahr der Spaltung zwischen Hamas und Fatah fordern 90% der PalästinenserInnen die Versöhnung – auch wenn dies Sanktionen seitens Israels und der USA nach sich ziehen würde. 60% gaben an, dass Fatah und Hamas vor allem ihre eigenen Interessen, jedoch weniger das nationale Interesse verfolgen würden. Die Aufnahme aller relevanten Parteien – und somit der Hamas – in die Palästinensischen Befreiungsorganisation(PLO) wird von 87% der Befragten befürwortet. Die Umfrage zeigt, dass die Palästinensische Führung im Westjordanland großen öffentlichen Rückhalt für ihre derzeitigen Positionen in Bezug auf Verhandlungen mit Israel genießt. Gleichzeitig ist Bewegung in der Nationalen Aussöhnung erforderlich, denn die anhaltende Spaltung schadet dem Ansehen der beiden großen Parteien Hamas und Fatah. Die gesamte Umfrage finden Sie im An hang. Viel Spaß bei der Lektüre! wünscht Ihr Team der FES Ost-Jerusalem Design: ery foto Seite 1
Heft
(2013) 04
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten