06. 2013 AKTUELLES AUS DER PALÄSTINENSISCHEN PRESSE Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde der Friedrich-Ebert-Stiftung. Am 2. Juni ernannte Präsident Mahmoud Abbas eine neue Regierung, mit Rami Hamdallah als Ministerpräsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde. Nach dem Rücktritt von Salam Fayyad, einem unabhängigen Technokraten, der zunehmend in Konflikt mit der Fatah-Führungsriege geraten ist, übernimmt nun Rami Hamdallah die Leitung des Kabinetts. Der Präsident der Al-Najah-Universität in Nablus ist ein relativ unbeschriebenes Blatt in der Politik, und dennoch ging ein gewaltiges Rauschen durch den palästinensischen Blätterwald. Die Ankündigung wurde im Westjordanland mit Skepsis zur Kenntnis genommen und ist in Gaza seitens der Hamas auf offene Ablehnung gestoßen. Abbas wird bei der Ernennung zwischen der Notwendigkeit, die internationale Gebergemeinschaft mit einer möglichst wenig kontroversen Nachfolge von Salam Fayyad bei Laune zu halten und seinem Wunsch, die eigene Position zu stärken, abgewogen haben. Die Ernennung eines politisch Unbekannten flankiert von zwei starken, Abbas nahe stehenden Vize-Premiers führt zu einer noch stärkeren Bündelung der Macht in den Händen von Abbas und Fatah. Fehlende parlamentarische Kontrolle und die geringe Hoffnung auf Wahlen erhöhen das demokratische Defizit der Palästinensischen Behörde. Trotzdem ist unsicher, wie fest die neue Regierung im Sattel sitzt. Eigentlich soll das neue Kabinett unter Hamdallah nur eine Übergangsregierung bis zu Neu-Wahlen im August im Rahmen einer innerpalästinensischen Aussöhnung werden. Die abgedroschenen Bekenntnisse zum regelmäßig vertagten Aussöhnungsprozess und damit verbundenen Wahlen werden aber kaum noch von der Bevölkerung goutiert. Dennoch ist die neue Regierung- zumindest augenscheinlich- eine Regierung auf Zeit, mit einem Kapitän, der auf Sicht und Zuruf fahren muss. Die internationale Gebergemeinschaft hat an dem politischen Schlingerkurs eine klare Mitschuld – haben doch die Palästinenser deren schmerzhafte Reaktion auf den Wahlsieg der Hamas 2006 noch deutlich in Erinnerung. Sie täte gut daran, die Ankündigung der vorbereitenden Rolle der Regierung unter Hamdallah beim Wort zu nehmen und den innerpalästinensischen Aussöhnungsprozess positiv zu flankieren. Die Ernennung Rami Hamdallahs spaltet die Medien in den Palästinensischen Gebieten – wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre! Ihr Team der FES-Ost-Jerusalem Design: ery foto Seite 1
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(2013) 06
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