07. 2013 „DEJA-VU ALL OVER AGAIN?“ DIE ERNEUTE AUFNAHME VON DIREKTEN VERHANDLUNGEN ZWISCHEN ISRAELIS UND PALÄSTINENSERN VON JAKOB RIEKEN UND INGRID ROSS Verhandlungen wider Willen? Nach dreijähriger Funkstille haben Israelis und Palästinenser am Mittwoch Abend direkte Verhandlungen über die ZweiStaaten-Lösung aufgenommen. Allein durch das beharrliche Engagement der US-Regierung unter Barak Obamas, der mit seinem Besuch im März diesen Jahres in Jerusalem deutlich machte, dass er sich für die Lösung des Konflikts einsetzt, ist es zur Aufnahme der direkten Gespräche gekommen. Als unermüdlich erwies sich insbesondere US-Außenminister John Kerry, der nach dem Besuch Obamas sechsmal nach Israel und Palästina reiste, um beide Seiten an den Verhandlungstisch zurück zu bringen. Unter amerikanischer Vermittlung einigten sich der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu darauf, über einen Zeitraum von neun Monaten eine Lösung für alle EndstatusFragen des israelisch-palästinensischen Konflikts zu finden. Dem Zustandekommen der Gespräche ging ein hartes Ringen voraus: Während die israelische Seite stets betonte, sie sei zu direkten Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit – und gleichwohl die Anerkennung Israels als jüdischen Staat forderte-, bestand Abbas auf einem Siedlungsstopp, der Freilassung der vor Beginn des Oslo-Friedensprozesses inhaftierten 104 Palästinenser, sowie darauf, die Verhandlungen auf Grundlage der Grenzen von 1967 zu führen. Einzig in dem Punkt der Freilassung der Gefangenen konnte Abbas sich letztlich durchsetzen. Am Vorabend der Gespräche wurde die erste Gruppe von 26 Personen aus den Gefängnissen in das Westjordanland und nach Gaza entlassen. Die Freilassung der verbleibenden 78 Gefangenen soll in drei weiteren Gruppen parallel zum Fortschritt der Verhandlungen erfolgen. Die Forderung nach einem Siedlungsstopp vor Beginn der Verhandlungen musste Abbas aufgeben. Zwar hatte Netanjahu anfangs zu verstehen gegeben, dass die israelische Regierung sich zumindest zu einem stillschweigendem Stillstand der Bauaktivitäten verpflichtet. Dennoch wur de kurz vor Beginn der Verhandlungen vom israelischen Wohnungsbauministerium der Bau von 1.200 Wohneinheiten in Jerusalem und dem Westjordanland bewilligt. Auch in dem Punkt, die Grenzen von 1967 als Grundlage für die Verhandlungen zu setzen, gab es kein Einlenken der Israelis. In der Bilanz hat Abbas einzig die Freilassung der Gefangenen bewirken können und musste auf sämtliche andere Bedingungen verzichten. Wenn während der Verhandlungen die Landnahme und Besiedlung weiter geführt wird, lässt dies an der Ernsthaftigkeit der Israelis zweifeln. Zu Gesprächen um der Gespräche willen aber, ist auf palästinensischer Seite niemand bereit. Sollten ein paar freigelassene Gefangene das einzige Ergebnis für die Palästinenserführung sein, wird dies im Vergleich zu den 1.000 freigelassenen Design: eryfoto Seite 1
Heft
(2013) 07
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten