REZENSIONEN/BOOK REVIEWS Multilateralismus auf dem Prüfstand oder: Deutschland in der Pubertät VOLKER KRONENBERG/ JANA PUGLIERIN/ PATRICK KELLER(Hrsg.): Außenpolitik und Staatsräson. Festschrift für Christian Hacke zum 65. Geburtstag Baden-Baden 2008 Nomos Verlagsgesellschaft, 307 S. HANS J. GIESSMANN/ GÖTZ NEUNECK(Hrsg.): Streitkräfte zähmen, Sicherheit schaffen, Frieden gewinnen. Festschrift für Reinhard Mutz Baden-Baden 2008. Nomos Verlagsgesellschaft, 332 S. O b tatsächlich auch zukünftige Historiker die Veränderungen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik seit dem Ende des Ost-West-Konflikts als Paradigmenwechsel interpretieren werden, muss naturgemäß offen bleiben. Doch wird die»Enttabuisierung des Militärischen«(Gerhard Schröder) im Zuge der Beteiligung deutscher Streitkräfte an multilateralen Interventionen durch nato und eu gewiss breiten Raum in ihren Betrachtungen einnehmen. Mithin hat sich die nato von einem defensiven Verteidigungsbündnis zu einem offensiven Krisenmanager entwickelt, der im Zweifelsfall auch auf brüchiger völkerrechtlicher Grundlage agiert. Und auch die Europäische Union verleiht sich im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, dem»Integrationsprojekt dieser Dekade«(Javier Solana), jene Mittel und Instrumente, die es ihr ermöglichen sollen,»die volle Verantwortung über die gesamte Bandbreite von Aufgaben zur Konfliktprävention und zum Krisenmanagement zu übernehmen«. Kurzum:»Einsatz« angesichts neuartiger sicherheitspolitischer Herausforderungen und Bedrohungslagen – so die einem Mantra gleich wiederholte Formel der Politik, um die neuen Handlungsrationalitäten zu begründen. Um die Notwendigkeit oder gar Unvermeidbarkeit von Interventionen zu belegen, haben sich deren Befürworter dabei nicht selten einer moralisch hoch ipg 4/2008 Rezensionen/Book Reviews 139
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