Aufsatz 
Mediatoren in einer entgrenzten Welt : zur außenpolitischen Rolle der politischen Stiftungen
Entstehung
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ERNST HILLEBRAND / UWE OPTENHÖGEL Mediatoren in einer entgrenzten Welt Zur außenpolitischen Rolle der politischen Stiftungen D ie seit einigen Jahren unter dem Schlagwort der »Globalisierung« diskutierten Entwicklungen haben tiefgehende Auswirkungen auf die Funktions­und Wirkungsweise von Politik und gesellschaft­lichen Institutionen. Tradierte Kompetenz-, Organi­sations- und Aufgabenzuschnitte erweisen sich in vielen Bereichen politischen und sozialen Handelns zunehmend als überkommen. Dies gilt in einer hoch­gradig interdependenten Welt auch und gerade für die Art, in der Außenpolitik gemacht und gestaltet werden kann. Der ehemalige amerikanische Vize­Außenminister Strobe Talbott proklamierte in diesem Zusammenhang bereits das»Ende der Außenpoli­tik«, da im Zeitalter der Globalisierung der»Begriff ›außen‹[foreign] selbst obsolet zu werden beginnt.« 1 Der folgende Aufsatz möchte die Konturen der Veränderungen im Politikbereich Außenbezie­hungen umreißen und darlegen, welche Rolle die deutschen politischen Stiftungen als weltweit ein­zigartiges Instrument einer»öffentlichen Diplo­matie«(so der Begriff Außenminister Fischers auf der Botschafterkonferenz in Berlin im September 2000 ) spielen können. Wandel und Veränderungen im internationalen System Die Rahmenbedingungen außenpolitischen Han­delns haben sich in den letzten Dekaden erheblich verändert. Diese Entwicklungen sind weithin bekannt und analysiert. Im folgenden sollen daher lediglich fünf Entwicklungen kurz umrissen wer­den, die aus unserer Sicht für die Gestaltung von Außenpolitik von erheblicher Tragweite sind. Entgrenzung und Denationalisierung Der einzelne Nationalstaat ist für eine wachsende Zahl ökonomischer, politischer, sozialer und öko­logischer Handlungszusammenhänge kein aus­reichender Aktionsrahmen mehr. Grenzüber­schreitende Interaktionen sind an der Tagesord­nung, da die Problemräume und die herkömm­lichen politischen Entscheidungsräume die 198 souveränen Staaten dieser Welt in ihren nationalen Grenzen in vielen Bereichen zunehmend weni­ger deckungsgleich sind. Der Prozess der zuneh­menden Denationalisierung ist eine der wesentli­chen Determinanten der Welt nach 1945 . 2 Er hat mit den technischen Impulsen der dritten industri­ellen Revolution aber einen massiven Schub erhal­ten, dessen Auswirkungen längst nicht auf die Ent­grenzung ökonomischer Räume beschränkt ist wenngleich er in diesem Bereich besonders spür­bar ist. 3 Interdependenz und Problemverflechtung Untrennbar verbunden mit dem Prozess der Denationalisierung ist die wachsende Interdepen­denz der Staaten und Gesellschaften der Erde. Diese Interdependenz ist besonders markant im Bereich der»global commons« also jenen univer­sellen»Umweltgütern«, die die gemeinsame bio­logische Existenzbedingung der Menschheit dar­stellen. Interdependenz ist darüber hinaus aber 1. Vgl. Talbott, Strobe,»Globalization and Diplomacy: A Practitioners Perspective«, in Foreign Policy, Nr. 108 , Fall 1997 , S. 69–83 , hier S. 81 . 2. Vgl. Zürn, Michael, Regieren jenseits des National­staats, Frankfurt / M., 1998 , hier S. 73 . Siehe auch Brock, Lothar / Albert, Mathias,»Entgrenzung der Staatenwelt Zur Analyse weltgesellschaftlicher Entwicklungsten­denzen«, in Zeitschrift für internationale Beziehungen, Vol. 2 ( 1995 ), Nr. 2 , S. 259–285 . Zu einer historisch längeren Sicht dieser Entwicklungen siehe Held, David / McGrew, Anthony / Goldblatt, David / Perraton, Jonathan, Global Transformations, Cambridge 1999 , Kapitel I, S. 32–86 . 3. Zur historischen Dimension von Globalisierung siehe ebd. IPG 2/2001 Ernst Hillebrand/Uwe Optenhögel, Mediatoren in einer entgrenzten Welt 165