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Amerikanische und europäische Demokratie : Modelle für den Irak?
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Amerikanische und europäische Demokratie: Modelle für den Irak? ROLAND BENEDIKTER D rei langfristig bedeutende, für die weitere Entwicklung des neuen Jahrhunderts voraussichtlich grundlegende Makro-Themenkomplexe erweisen sich heute am Fall Irak als eng miteinander verzahnt: 1. Die Modifikation der globalen Demokratisierungs-Strategien . Die konservativen us -Jahrhundert-Strategen(Samuel P. Huntington, Richard Perle, Francis Fukuyama, Paul Wolfowitz, Gary Schmitt, Robert Kagan) haben für das »Jahrhundert der Demokratisierungen« seit den 1990er Jahren eine glo­bale Demokratisierungsidee gepflegt, die sie nach dem 11. September in Afghanistan und im Irak beispielhaft umzusetzen versuchten. Die Eu­phorie um diese Idee kommt gegenwärtig an ein Ende. Dabei spielen vor allem die anhaltenden Schwierigkeiten im Irak eine wichtige Rolle. Un­abhängig vom Ausgang der us -Präsidentschaftswahlen 2004 und der ers­ten freien Wahlen im Irak im Januar 2005 wird voraussichtlich eine gene­relle bisher erst unterschwellige Modifikation der langfristigen De­mokratisierungs-Strategien die Folge sein. Sie wird Auswirkungen auf die weltweite Entwicklung im 21. Jahrhundert haben. 2. Die fortschrei­tende Differenzierung zwischen europäischem und US-amerikanischen Demo­kratiemodell . Im Irak erweist sich nicht nur die offenbare Ideenlosigkeit, sondern auch die tendenzielle Ungeeignetheit des»unitarischen«, indivi­dualitäts- und gleichheitsorientierten us -amerikanischen Demokra­tiemodells unter konservativer Führung für ethnisch, kulturell, sozio­ökonomisch und historisch hochdifferenzierte Gesellschaften weltweit mit jedem Tag stärker. In diesem Zusammenhang drängt sich der pro­duktive, aber auf freundschaftliche Makro-Konkurrenz hinauslaufende Vergleich der amerikanischen und der europäischen Staatsidee im Gan­zen immer weiter in den Vordergrund; und dieser Vergleich wird pro­duktiv. Die Frage stellt sich mit wachsender Vehemenz: Ist das us -ame­rikanische oder das europäische Demokratiemodell für die weltweite Demokratisierung der kommenden Jahre geeigneter? Und wo hat wel­ches seine Stärken und seine Schwächen? Mit der zunehmenden Forde­rung der irakischen Führungsschicht nach der Einbringung europäischer 42 Benedikter, Amerikanische und europäische Demokratie ipg 1/2005